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"Schulen dürfen nicht zur Werbeplattform verkommen"

Unternehmen, firmennahe Stiftungen und Interessensverbände drängen in Schulen - und das nicht uneigennützig. Experten fordern staatliche Regelungen, um privatwirtschaftliche Einflussnahmen zu unterbinden.

07.12.2016

Der Experte für schulische politische Bildung, Tim Engartner, fordert angesichts zunehmender inhaltlicher Einflussnahme durch Lobbyisten ein "staatliches Regelwerk, das eine klare Trennung zwischen Schule und Privatwirtschaft garantiert". Kooperationen von Schule und Praxis gingen "längst über eine gleichberechtigte Partnerschaft hinaus", schreibt der Professor für Didaktik der Sozialwissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main in der "E&W".

Wenn Privatakteure mit firmeneigenen Unterrichtsmaterialien in die Klassenzimmer strömten, habe das Konsequenzen für das öffentliche Image des Lehrerberufs. Zudem würden Schulen zu einem Handlungsfeld, in dem Firmenrepräsentanten curriculare Vorgaben ignorieren könnten, wie die Inhalte ihrer unzähligen Unterrichtsbroschüren zeigen. "Es ist also an der Zeit, dass die bildungspolitischen Entscheidungsträger den schulischen Allgemeinbildungsauftrag nicht länger auf dem Altar privatwirtschaftlicher Interessen opfern. Schulen dürfen nicht zur Werbeplattform verkommen", fordert Engartner. 

Immer mehr Unternehmen, Wirtschaftsverbände, Industrie- und Handelskammern sowie Unternehmensstiftungen nutzen Engartner zufolge die klammen Kassen der Kommunen für ihre Interessen. Sie böten finanzielle Hilfen zur Sanierung oder für die digitale Ausstattung an. So versuchten sie, Lehrinhalte sowie die Einstellungen Heranwachsender zu beeinflussen. Nahezu jedes Unternehmen buhle um die Gunst der rund 8,4 Millionen SchülerInnen. Besonders auffällig sei die Einflussnahme über Unterrichtsmaterialien im Bereich ökonomischer Bildung.

Der vollständige Beitrag von Tim Engartner ist in der Dezemberausgabe der "E&W" abgedruckt.

 

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