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Coronavirus und digitale BildungTipps für Lernplattformen und Apps

Das Coronavirus fordert das Bildungssystem heraus: Schülerinnen und Schüler müssen online auf Unterrichtsmaterial zugreifen und den Stoff selbstständig bearbeiten. Die GEW hat zusammengefasst, wie das Schulen, Kindern und Eltern gelingen kann.

18.03.2020

Angesichts der Coronavirus-Krise suchen viele Schulen nach einer technischen Lösung, um Schülerinnen und Schülern von zu Hause aus Zugriff auf Lernmittel zu ermöglichen. Das FWU, das Medieninstitut der 16 Länder, stellt seine Mediathek daher Schulen ohne Zugriff auf Onlineunterrichtsmedien bis 30. Juni 2020 kostenfrei zur Verfügung. Allerdings ist das Angebot aufgrund technischer Kapazitäten derzeit auf 500 Schulen begrenzt. „Wir arbeiten jedoch daran, die Leistungsfähigkeit zu erhöhen“, teilte das FWU mit.

Audiovisuelle Medien nach Lehrplan

Die FWU-Mediathek enthält rund 1.100 Unterrichtsfilme und 5.000 Sequenzen, zahlreiche Arbeitsblätter und Bildergalerien für allgemeinbildende Schulen sowie ein Angebot für Grundschulen. Alle audiovisuellen Medien sind lehrplanzentral und folgen den Vorgaben der jeweiligen Bundesländer. Interessierte Schulen können sich unter Angabe von Namen, Adresse und Ansprechpartner samt Kontaktdaten per Mail an das Vertriebsteam wenden. Das FWU schickt dann einen Key für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler, mit dem diese sich in der Mediathek einloggen können. 

Auch die digitale Lernplattform Onilo, die 180 pädagogische Bilderbuchkinos, Unterrichtsmaterialien und Bastelanleitungen im Portfolio hat, bietet Unterstützung während der Schließung von Schulen und Kitas an. Mit dem Rabattcode „Krisenhilfe“ kann die sogenannte Entdeckerlizenz vorerst für einen Monat kostenfrei bestellt werden. Für die Bestellung muss ein Account angelegt werden, über den mit dem Code die Lizenz bestellt werden kann. ​​​Onilo unterscheidet bei seinen Bilderbuchkinos die Kategorien Steuerung durch Lehrkräfte und Homeschooling durch Eltern.

„Es geht nicht um ein Lernen um des Lernens willen, sondern um sinnvolle Aktivitäten für die Kinder,  bei denen sie immer auch etwas lernen können. “ (Grundschulverband)    

Grundschulkindern stehen nach Angaben des Grundschulverbandes kaum digital gestellte Aufgaben ihrer Schule zur Verfügung. Der Verband hat daher Anregungen sowie ein Merkblatt für Eltern veröffentlicht und rät: „Ideal wäre, wenn sich das heimische Lernen auf das konzentrieren könnte, was in der Regel meist zu kurz kommt.“ Als Beispiele nennt der Verband Lesen, Aufgaben und Spiele zum Kopfrechnen, Bauen und Konstruieren, kreative Aufgaben und Künstlerisches oder Ausflüge in die Natur. „Es geht nicht um ein Lernen um des Lernens willen, sondern um sinnvolle Aktivitäten für die Kinder,  bei denen sie immer auch etwas lernen können.“    

  • Allgemeine Tipps
  1. Orientieren Sie sich an dem aktuellen Lernstoff, wie er sich aus den Empfehlungen und Angeboten der Lehrkräfte ergibt. Die Aufgaben der Schule haben Priorität.
  2. Lernen Sie regelmäßig mit Ihren Kindern, aber ohne den Schulalltag zu imitieren. Machen Sie aus dem Lernen ein Spiel.
  3. Legen Sie den Schwerpunkt auf das eigene Tun der Kinder. Fertigen Sie mit ihnen gemeinsam Lernspiele an.
  4. Führen Sie mit Ihren Kindern ein Lerntagebuch. 
  • Tipps für Lernspiele
  1. Memory/Domino: Insbesondere dort, wo es darum geht, Verbindungen zwischen Wort- oder Zahlenkombinationen auswendig zu lernen, bieten Memory und Domino spielerische Lernmöglichkeiten. Dabei wird jeweils ein Teil des Lerninhalts auf die eine Karte oder den einen Dominostein und der andere Teil auf das Gegenstück geschrieben. So können Rechenaufgaben oder Einmaleinsreihen, bei älteren Kindern auch geschichtliche Daten und Ereignisse rekapituliert werden.
  2. Brettspiel: Relativ leicht lässt sich auch ein Brettwürfelspiel mit Ereigniskarten herstellen: Sobald man auf ein Ereignisfeld kommt, muss eine Karte aufgenommen und die dort notierte Frage beantwortet werden. Das Spiel kann monothematisch angelegt sein, aber auch verschiedene Sachgebiete abdecken. 
  3. Die verrückte Geschichte: Hierfür werden vier Stapel mit verschiedenfarbigen Karten bereitgestellt. Jeder Kartenstapel steht für eine Wortart: Substantiv, Verb, Präposition, Adjektiv/Adverb. Reihum ziehen die Kinder von jedem Stapel je eine Karte. Daraus werden dann Sätze gebildet. Unsinnssätze sind ausdrücklich erwünscht. Am Ende könnten die Sätze auch zu einer Geschichte verbunden werden.
  4. Bewegtes Lernen: In das Lernen kann auch Bewegung integriert werden. Zum Beispiel Ballwerfen mit Aufgabenstellungen: Wer den Ball wirft, stellt eine Frage, die der Fänger beantworten muss. Oder: Lösungshüpfen: 5 + 2 = sieben Mal hüpfen.

Wegen der geschlossenen Schulen und Kitas weitet auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk sein Kinderprogramm aus und bietet zusätzliche Lerninhalte im Netz. Tagesschau.de hat dazu einen Überblick erstellt. So strahlt das WDR Fernsehen seit Mittwoch „Die Sendung mit der Maus“ täglich vormittags aus. Mit Planet Schule bieten WDR und SWR online Hintergrundinformationen zu lehrplanrelevanten Themen wie Klimawandel, Ludwig van Beethoven oder dem Grundgesetz. Der BR stellt zusammen mit dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus unter dem Motto Schule daheim ein Angebot auf ARD-alpha, in der BR-Mediathek und dem Infoportal „mebis“ zur Verfügung. Das ZDF hält unter der Überschrift Virtuelles Klassenzimmer Lernvideos für alle Altersgruppen bereit.

Gute Tipps einfach posten

Die Werkstatt der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ruft digitalaffine Lehrerinnen und Lehrer per Twitter dazu auf, Tipps zu posten. Genannt wurden bislang zum Beispiel Portale wie TüftelAkademie, die europäische Schulplattform eTwinning oder die App Biparcours von Bildungspartner NRW. Unter dem Hashtag #Twitterlehrerzimmer bietet die aktive Netzcommunity vielfach Hilfen an. 

Unterdessen erreichen die GEW derzeit auch Tipps von Praktikern und Praktikerinnen. So empfiehlt Wolfram Meyerhöfer, Professor am Institut für Mathematik der Universität Paderborn, das Lernportal des Deutschen Volkshochschulverbandes. Die Plattform erarbeitet den Stoff der Klassen 1 bis 4. Sie ist zwar auf Erwachsene, die nicht rechnen können, ausgerichtet, der mathematische Lernprozess ist jedoch so konzipiert, dass er auch für Kinder und Jugendliche geeignet ist. Alle Aufgaben sind zudem vertont, künftig kommen noch Erklärvideos hinzu. Das Angebot ist kostenlos und werbefrei. Meyerhöfer ist der wissenschaftliche Leiter des Rechnen-Teils. 

Darüber hinaus nennt der Mathematikdidaktiker die Apps „Anton“ und „Schlaukopf“, die zwar nicht werbe-, aber kostenfrei sind. Beide Apps erschließen dem Experten zufolge ein breites Repertoire des Schulstoffs. „Anton“ erarbeitet Stoff der Klassen 1 bis 10, „Schlaukopf“ der Klassen 1 bis 4. 

Auf der Seite Unterrichtsmaterialien gibt die GEW weitere zahlreiche Tipps, die sich teils auch für das Lernen von zu Hause aus eignen. Unter dem Stichwort Bildung in der digitalen Welt lassen sich Servicetipps speziell zum Thema Medienbildung finden.