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#95vsWissZeitVGThesen gegen das Wissenschaftszeitvertragsgesetz

Unter dem Hasthag #95vsWissZeitVG sind am Reformationstag bei Twitter Thesen gegen das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) gesammelt worden. Initiiert wurde die Aktion von drei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

02.11.2020

Auf Twitter ist am Wochenende eine Debatte über das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) entbrannt. Unter dem Hashtag #95vsWissZeitVG sammelten Nutzerinnen und Nutzer unter Anspielung auf den Reformationstag Thesen gegen das Gesetz. Initiiert wurde die Aktion von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die von dem Gesetz betroffen sind. Auch der GEW-Hochschulexperte und Vizevorsitzende Andreas Keller beteiligte sich und twitterte unter anderem: „These 1: Für #Daueraufgaben brauchen wir keine #Zeitverträge sondern #Dauerstellen. So simpel!“

Massive Kritik an Zeitverträgen

Dass es in der Wissenschaft immer mehr Zeitverträge mit immer kürzeren Laufzeiten gibt, wurde nicht zuletzt durch das WissZeitVG ausgelöst. Zwar trat am 17. März 2016 – auch durch das Engagement der GEW – eine neue Fassung des Gesetzes in Kraft. Diese hatte bisher aber keinen Einfluss auf den hohen Befristungsanteil beim wissenschaftlichen Personal und führte nur zu einer mäßigen Verlängerung der Laufzeiten der befristeten Beschäftigungsverhältnisse. 

Andere Twitter-Nutzerinnen und Nutzer kommentierten am Wochenende zum Beispiel:

„Die Uni ist das einzige berufliche Umfeld, in dem dir vermittelt wird, dass du entweder irgendwann die Spitze der Karriereleiter erreichen musst oder halt mitten in deiner Laufbahn einfach scheiterst.“ (@SamsonsHirne)

„Erfahrenes Lehrpersonal an den Universitäten wird durch das #WissZeitVG ständig durch unerfahrenes ersetzt. Dadurch gehen Wissen und Kompetenz verloren und Studierende haben kaum konstante Ansprechpartner*innen.“ (@DrKEichhorn)

„Es ist im Ausland nicht zu vermitteln, warum man in Deutschland nach 12+ Jahren einfach auf die Straße gesetzt wird, auch wenn man an internationalen Netzwerken oder EU-Forschungsprojekten beteiligt ist.“ (@mascha_hansen)

„Promotionen beweisen die Qualifikation zur selbständigen wissenschaftlichen Arbeit. PostDoc ist ein Beruf, keine Phase.“ (@StephanPackard)

„Hätte es das WissZeitVG vor 25 Jahren gegeben, wäre meine Karriere beendet gewesen. Oder ich wäre auf ein Mainstreamthema ausgewichen um Chancen auf zeitige Verdauerung zu erhöhen. Heute bekomme ich für das von mir etablierte Thema fast jeden DFG Antrag bewilligt.“ (@lasermichel)

Die GEW legte bei der 9. Wissenschaftskonferenz im September 2016 in Lutherstadt Wittenberg die Wittenberger Erklärung vor. Darin fordert sie unter anderem "Dauerstellen für Daueraufgaben".

Der Theologe Martin Luther soll am Abend des 31. Oktober 1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg in lateinischer Sprache 95 Thesen zu Ablass und Buße angeschlagen haben, um ein akademisches Streitgespräch darüber auszulösen. Damit leitete er die Reformation der Kirche ein.