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Studie „Lehrergesundheit in der Corona-Pandemie“Starke psychische Belastung und viele Überstunden

Lehrerinnen und Lehrer sind durch die anhaltende Coronakrise massiv belastet. Jede vierte Lehrkraft ist regelmäßig emotional erschöpft und zeigt Burnout-Symptome. Das ist ein Ergebnis der DAK-Untersuchung „Lehrergesundheit in der Corona-Pandemie“.

17.12.2020

Die Coronapandemie belastet Lehrerinnen und Lehrer massiv: In der Sonderanalyse „Lehrergesundheit in der Corona-Pandemie“ geben 90 Prozent der Lehrkräfte an, der Schulunterricht sei im Vergleich zum Vorjahr deutlich anstrengender geworden. Gründe seien das Durchsetzen der Coronamaßnahmen bei den Schülerinnen und Schülern, der eigene Gesundheitsschutz sowie der Ausfall von Kolleginnen und Kollegen. 28 Prozent der Lehrkräfte zeigten eine starke Erschöpfung, die auf einen Burnout hinweisen könne.

„Da Corona noch länger ein Thema sein wird, gehört auch die Arbeitssituation der Lehrkräfte unter Pandemie-Bedingungen verstärkt in den Fokus der Politik.“ (Andreas Storm)

An der Onlinebefragung, die im Auftrag der DAK-Gesundheit vom Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord) in Kiel erstellt wurde, nahmen 2.300 Lehrkräfte verschiedener Schulformen im Oktober 2020 in Nordrhein-Westfalen teil. Die Untersuchung kann den Angaben zufolge auf andere Bundesländer übertragen werden, da die Ausnahmesituation und Herausforderungen bundesweit vergleichbar sind. 

Der Vorstandschef der DAK-Gesundheit, Andreas Storm, sagte: „Wir erleben aktuell, wie stark die seelische Gesundheit vieler Lehrkräfte unter der Corona-Pandemie leidet. Um die Leistungsfähigkeit des Bildungssystems zu gewährleisten, sind gesunde Lehrerinnen und Lehrer eine Grundvoraussetzung. Da Corona noch länger ein Thema sein wird, gehört auch die Arbeitssituation der Lehrkräfte unter Pandemie-Bedingungen verstärkt in den Fokus der Politik.“

Regelmäßige Überstunden

Laut DAK-Studie belastet die Corona-Situation in den Schulen vor allem die weiblichen Lehrkräfte und die Schulleitungen. Rund ein Drittel der Lehrerinnen und Lehrer hat aufgrund der Pandemie Angst, zur Schule zu gehen. 65 Prozent der Befragten machen sich größere Sorgen um die eigene Gesundheit. Acht von zehn Lehrkräften belastet die Unsicherheit der kommenden Monate. Die Mehrheit sorgt sich zudem um die psychische Gesundheit der Schulkinder und den Lernfortschritt ihrer Klassen.

Hinzu kommen regelmäßige Überstunden. 84 Prozent der Lehrkräfte haben das Gefühl, im Schuljahr 20/21 Corona-bedingt mehr zu arbeiten. Im Durchschnitt leisten Lehrerinnen und Lehrer sechs Überstunden pro Woche – bei Schulleitungen sind es neun Stunden.

Darüber hinaus wünschen sich die Lehrkräfte klare und einheitliche Vorgaben vom Ministerium, ausreichend Schutzmittel und technische Geräte sowie insgesamt einen höheren Arbeitsschutz. Gleichzeitig verlangen sie mehr Fortbildungen zum Distanzlernen oder für digitales Lernen.

„Der Infektionsstand bei Lehrkräften ist alarmierend.” (Marlis Tepe)

Die GEW fordert die Kultusministerien seit längerem auf, für einen besseren Gesundheits- und Infektionsschutz zu sorgen. „Der Infektionsstand bei Lehrkräften ist alarmierend”, sagte die Vorsitzende Marlis Tepe jüngst. So liege der Inzidenzwert in Sachsen mehr als dreimal so hoch wie in der Bevölkerung im Freistaat insgesamt. Seit Monaten pochte die GEW darauf, bei einem Inzidenzwert von über 50 pro 100.000 Menschen innerhalb einer Woche die Klassen zu halbieren oder in den Wechselunterricht überzugehen. 

Die Richtschnur für die Maßnahmen in der Schule sollen nach Ansicht der GEW die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts sein. Dafür schlägt die GEW ein Fünf-Punkte-Programm vor:

5-Punkte-Programm zum Gesundheitsschutz an Schulen
Ab der 5. Klasse muss das gesellschaftliche Abstandsgebot von 1,5 Metern gelten. Dafür müssen Klassen geteilt und zusätzliche Räume beispielsweise in Jugendherbergen gemietet werden.
Um die Schulräume regelmäßig zu lüften, gilt das Lüftungskonzept des Umweltbundesamtes. Können die Vorgaben nicht umgesetzt werden, müssen sofort entsprechende Filteranlagen eingebaut werden.
Die Anschaffung digitaler Endgeräte für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler muss endlich beschleunigt werden. Flächendeckend müssen eine datenschutzkonforme digitale Infrastruktur geschaffen und IT-Systemadministratoren eingestellt werden. Zudem müssen die Länder Sofortmaßnahmen zur digitalen Fortbildung der Lehrkräfte anbieten.
Für die Arbeitsplätze in den Schulen müssen Gefährdungsanalysen erstellt werden, um Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler besser zu schützen.
Transparenz schaffen: Kultusministerien und Kultusministerkonferenz müssen zügig ihre Planungen umsetzen, wöchentlich Statistiken auf Bundes-, Landes- und Schulebene über die Zahl der infizierten sowie der in Quarantäne geschickten Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler zu veröffentlichen. „Wir brauchen eine realistische Datenbasis, um vor Ort über konkrete Maßnahme zu entscheiden“, sagte GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. 

Übersicht: Alles, was sich an Bildungseinrichtungen mit Blick auf den Gesundheitsschutz in Corona-Zeiten an ändern muss.