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Steigende Corona-NeuinfektionenSo reagiert die GEW in den Bundesländern

Die Lage an den Schulen spitzt sich zu, die Zahl der Corona-Infektionen dort steigt. Viele GEW-Landesverbände fordern basierend auf den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts, Klassen zu verkleinern und wieder Wechselunterricht zu machen.

10.11.2020

Mit den täglich neu vermeldeten Rekordwerten an Corona-Neuinfektionen nehmen auch die Fälle bei Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften deutlich zu. Das zeigen laut einer Umfrage des ARD-Nachrichtenportals „Tagesschau.de“ bei den zuständigen Ministerien Zahlen aus mehreren Bundesländern.  

So gab es dem Bericht zufolge in Rheinland-Pfalz am 2. November 2020 mit 522 Infektionen mehr als fünf Mal so viele als noch eine Woche davor. Bei den Lehrkräften vervielfachte sich die Zahl von 16 auf 71. In Niedersachsen wurden in der Woche ab dem 12. Oktober 485 infizierte Schülerinnen und Schüler registriert, eine Woche später 686 - und in der Woche ab dem 26. Oktober sogar 1.255 Fälle. In Hamburg bezog sich am 2. November fast jeder vierte Fall auf den schulischen Kontext (104 von insgesamt 456 Neuinfektionen). In Bayern waren am letzten Schultag vor den Herbstferien, am 30. Oktober, mehr als 2.000 Schülerinnen und Schüler infiziert.

RKI-Empfehlungen kaum umgesetzt

Ob beziehungsweise wie sicher Schulen sind, ist indes nach wie vor unklar. Die Kultusministerkonferenz (KMK), die den Präsenzunterricht so lange wie möglich fortsetzen will, erklärte Ende Oktober noch, Kinder und jüngere Jugendliche seien seltener betroffen und nicht Treiber der Pandemie. Es gibt aber auch Untersuchungen an Schulen, denen zufolge es dort eine hohe Dunkelziffer gibt, weil die Infizierten symptomfrei bleiben.

Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt, ab einem bestimmten Grenzwert – 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner – Schulklassen zu teilen, um einen Mindestabstand von 1,5 Metern wahren zu können, und die Maskenpflicht auszuweiten. Die Länder setzen diese Maßnahmen allerdings kaum um, wie aus den Forderungen der GEW-Landesverbände hervorgeht.

Das macht und verlangt die GEW in den Bundesländern

Die GEW in Baden-Württemberg setzt sich dafür ein, dass ab sofort ab der 7. Klasse Schülerinnen und Schüler nur noch im Wechselunterricht unterrichtet werden: Während eine Hälfte der Klasse in die Schule kommt, soll die andere Hälfte zuhause lernen – wie es das RKI für die Pandemiestufe 3 empfiehlt. Dieses Modell könnte im tageweisen Wechsel umgesetzt werden. „Für die Grundschulen sollte der Unterricht bis Weihnachten in größere Räume auch außerhalb der Schulen verlegt werden“, sagt die Landesvorsitzende Doro Moritz.

Die Bildungsgewerkschaft plädiert zudem dafür, den Einsatz von Luftfilteranlagen zu prüfen. Als kurzfristige Maßnahme sollten CO2-Ampeln gekauft werden, um die vorgeschlagenen Lüftungskonzepte umsetzen zu können. Auch kostenlose Corona-Tests für Lehrkräfte sollten weiter angeboten werden. Noch wichtiger findet die Gewerkschaft aber die personelle Unterstützung der Schulen. „Wenn mehr Personal da ist, könnten auch Konzepte, bei denen im Wechsel ein Teil einer Klasse zuhause arbeitet und ein Teil in der Schule lernt, besser funktionieren.“ Lehramtsstudierende und Pädagogische Assistenzen könnten die Schulen unterstützen. 

(Moritz war bis zum 11. November kommissarisch weiter im Amt. Nach einer Online-Landesdelegiertenversammlung am 23. Oktober wurde Monika Stein als Nachfolgerin gewählt.)

Die GEW in Bayern kritisiert die Schulpolitik des Freistaats in der Corona-Pandemie scharf. „Es kann nicht sein, dass die Corona-Bekämpfung an den Schulen inkonsequent umgesetzt wird, nur weil man ein System künstlich am Laufen halten will, das in Wahrheit bereits zusammengebrochen ist“, betont der Landesverband. Das an die Infektionswerte gekoppelte Stufenmodell werde kaum noch umgesetzt. 

Die wegen Quarantänemaßnahmen ausgedünnten Kollegien müssten eine Menge Stoff durchpauken. Viele benachteiligte Kinder aus sozial schlecht gestellten Elternhäusern hätten während der Schulschließungen oft den Anschluss verpasst, sagt der Landesvorsitzende Anton Salzbrunn. Lehrpläne und Stundentafeln müssten unbedingt vorübergehend reduziert werden.

Die GEW unterstützt zwar grundsätzlich das Vorhaben, den Präsenzunterricht so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Es müsse dann aber realistische Konzepte geben, die an den Schulen vor Ort auch umgesetzt werden können. Bei den Schulgipfeln, zu denen die Staatskanzlei geladen hatte, war die GEW nicht vertreten.

Die GEW Bayern hat im November eine Blitzumfrage zur Arbeitsrealität an Schulen in Zeiten der Pandemie durchgeführt, an der innerhalb von acht Tagen mehr als 2.000 Lehrkräfte teilgenommen haben: Die Entscheidungsträger*innen aus der Politik räumen dem Präsenzunterricht oberste Priorität ein, dem Gesundheitsschutz nicht. Aus Sicht der GEW braucht es endlich ein Konzept für den Unterricht unter Pandemiebedingungen!

Die GEW Berlin verlangt, den Regelunterricht an Schulen in seiner derzeitigen Form zu beenden und einen Winterfahrplan zu erstellen, der die Schulen ein stückweit aus dem permanenten Notfallmodus herausholt. „Der Regelbetrieb bricht wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Die Schulen auf Gedeih und Verderb offenzuhalten, verhindert an immer mehr Schulen ein strukturiertes Lernen und Arbeiten. Die Angst vor Ansteckung sowie das ständige Justieren und Ad-hoc-Agieren stellen eine enorme Belastung für die Kollegien, die Schüler*innen und Eltern dar. Die Schulen brauchen kleinere Lerngruppen und verlässliche Lösungen!“, sagt der Landesvorsitzende Tom Erdmann.

Die GEW Berlin plädiert dafür, die Lerngruppen zu halbieren und diesen feste Lehrkräfte zuzuordnen. An weiterführenden Schulen solle das Wechselmodell von Präsenz- und Distanzlernen ermöglicht werden, um die Gruppengrößen zu verkleinern. Für die Grundschulen fordert die GEW Berlin dringend klare Vorgaben, wie, dass nur wenige Lehrkräfte pro Lerngruppe eingesetzt werden. Wenn Grundschulen gute Konzepte für andere Organisationsformen, z.B. auch im Wechselmodell, haben, sollten sie diese auch anwenden dürfen.

Der GEW-Landesverband hatte bereits zuvor kritisiert, dass die Einstufung der Schulen im Corona-Stufenplan nicht transparent und nicht nachvollziehbar sei. Einheitliche Standards fordert die Gewerkschaft in mehrfacher Hinsicht: „Es muss geklärt werden, was von Seiten der Schulleitungen angeordnet werden darf, wenn die Gesundheitsämter nicht erreichbar sind. Und wir müssen wissen, auf welcher Grundlage die Schulleitungen Kontaktpersonen für wie lange nach Hause schicken sollen und welche Quarantäne-Regelungen dann gelten“, erklärt Gunilla Neukirchen von der Vereinigung der Berliner Schulleiterinnen und -leiter in der GEW. 

Die GEW Brandenburg fordert die sofortige Umsetzung folgender Maßnahmen, um flächendeckende Schulschließungen zu verhindern:

  • Wiedereinführung und striktes Einhalten des Abstandgebotes von 1,5 Meter
  • sofortiger Übergang zu einem Wechselunterricht zwischen Präsenz- und Fernlernphasen
  • Verlängerung der Teststrategie für die Beschäftigten in den Schulen, Kitas und in den sozialpädagogischen Diensten
  • Erhöhung der Vertretungsreserve der Schulen auf 10 Prozent
  • spürbare Verbesserung der Hygienemaßnahmen und fundierte wissenschaftliche Analyse des Infektionsgeschehens und Evaluierung der getroffenen Maßnahmen bezüglich ihrer Wirksamkeit

Um einen kompletten Schullockdown zu vermeiden, fordert Landeschef Günther Fuchs, zeitweise die Halbierung der Klassen und Lerngruppen und die feste Zuordnung der Pädagoginnen und Pädagogen zu den Lerngruppen zwingend vorzuschreiben und umzusetzen.

Die GEW Bremen fordert den Senat auf, die Empfehlungen des RKI jetzt konsequent umzusetzen. Neben der erweiterten Maskenpflicht gehöre auch die Einhaltung des Abstandsgebots dazu. „Deshalb muss den Schulen jetzt endlich die Möglichkeit eingeräumt werden, durch das Verkleinern der Gruppen auch das Abstandsgebot einzuhalten. Denn erst dann finden in Schule endlich die AHA-Regeln Anwendung und die infektionspräventiven Empfehlungen des RKIs können umgesetzt werden“, sagte Elke Suhr, Landesvorstandssprecherin der GEW Bremen.

Die GEW Bremen hatte bereits zuvor gefordert, mindestens für die Wintermonate Unterricht in Halbgruppen durchzuführen, um das Infektionsgeschehen in Schulen zu minimieren und eine verlässliche Präsenzbeschulung zu ermöglichen. Für eine zuverlässige Betreuung jüngerer Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen müsste zudem das pädagogische Personal aufgestockt werden. Möglicherweise könnten dazu Angebote Externer, etwa Tanzschulen, Sportstudien oder Künstlerinnen und Künstler sowie Musikerinnen und Musiker genutzt werden.

In einem offenen Brief an Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) wies die GEW Bremen ferner darauf hin, dass der bisherige Unterricht in Halbgruppen nach Angaben von Lehrkräften, Eltern sowie Schülerinnen und Schülern sehr effektiv gewesen sei, und dass die Schülerinnen und Schüler oft in kürzerer Zeit mehr gelernt hätten als in vollen Klassen. „Dies gilt ausdrücklich auch für Kinder aus bildungsbenachteiligten Elternhäusern.“

Ende Oktober hatte die GEW Bremen Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) eine Petititon mit dem Titel „Weniger ist Mehr“ übergeben. Damit forderten 1.300 Unterstützerinnen und Unterstützer die Senatorin auf, das Prinzip der Beschulung und Betreuung in Halbgruppen umgehend umzusetzen und sich damit an das von der Behörde selbst beschriebene Konzept von Reaktionsstufen zu halten. Das entspräche zudem den Empfehlungen des RKI.

Die GEW Hamburg fordert weiterhin, „die Empfehlungen des RKI ernst zu nehmen und ein Konzept für eine Schule in der Pandemie vorzulegen, deren zentraler Bestandteil eine Verkleinerung der Klassen sein muss“, sagte Anja Bensinger-Stolze, Vorsitzende der GEW Hamburg. Schulsenator Ties Rabe solle seine „Fürsorgepflicht für die in Schule Tätigen ernst nehmen“. Die GEW prangert an, dass der Schulsenator darauf beharre, dass Schulen sichere Orte seien, obwohl ein gutes Viertel der Neuinfektionen in Hamburg bei Schülerinnen, Schülern, Lehrerinnen und Lehrern festgestellt wird.

Die GEW Hamburg fordert seit längerem, die Halbierung beziehungsweise Verkleinerung der Lerngruppen in allen Schulformen ab einem Inzidenzwert von 50 sofort umzusetzen. „Die Regel, die jetzt in der Öffentlichkeit den höchsten Stellenwert hat, nämlich sich möglichst wenig physisch zu treffen und wenn, dann einen Mindestabstand von 1,5 m einzuhalten, gilt in der Schule nicht“, kritisierte Bensinger-Stolze

Die Hinweise des Senators an die Kollegien der Schulen, alle 20 Minuten Fenster und Türen für drei bis fünf Minuten weit zu öffnen und dann wieder zu schließen, seien vielerorts nicht umsetzbar, etwa weil Fenster nur zu kippen seien. Zwar sollten jetzt für jeden Klassenraum 400 Euro für eine gute Lüftung zur Verfügung gestellt werden, diese Maßnahme komme aber zu spät. Sowohl die Lieferzeiten für Luftreinigungsgeräte als auch für CO2-Ampeln betrügen inzwischen mehrere Wochen. „Wann setzt sich die Behörde endlich mit allen Interessenvertretungen - insbesondere denen der Beschäftigten - an einen Tisch, um gemeinsam diese Krisensituation zu meistern?“, fragt Bensinger-Stolze.

Für die Kitas verlangt die GEW, für jede Einrichtung individuelle Gefährdungsbeurteilungen und Hygienepläne umzusetzen. Dabei seien die Regelungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zum Infektionsschutz zu beachten. Alle Kitaträger müssten Betriebsmedizinerinnen und -mediziner einsetzen, die Risikogruppen berieten und im Einzelfall von der Arbeit in der Kita freistellten. Die Gewerkschaft spricht sich zudem dafür aus, für anlassfreie Testungen ein einfacheres Verfahren zu ermöglichen. Analog zu den 400 Euro für Klassenräume an Schulen sollten auch Kitas Unterstützung erhalten.

Auch die GEW Hessen spricht sich für einen Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht und damit kleinere Lerngruppen aus, um den Mindestabstand im Unterricht einhalten zu können. Sie kritisiert das zögerliche Agieren von Kultusminister Lorz, der die Verantwortung den Schulträgern, Schulämtern und Schulen zuschiebe. „Gegenüber den Lehrkräften und den anderen in den Schulen Tätigen kommt dieses Verhalten einer Verletzung der Fürsorgepflicht gleich“, sagte die hessische GEW-Vorsitzende Birgit Koch. Lorz inszeniere sich als Don Quijote des Präsenzunterrichts und blende dabei das Ansteckungsrisiko in den Schulen aus.

Erforderlich seien eindeutige landesweit gültige Regelungen, um auf einer klaren rechtlichen Grundlage den Schulbetrieb organisieren zu können. Koch forderte das Kultusministerium zudem auf, genaue und detaillierte Zahlen zu den von der Corona-Pandemie betroffenen Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler vorzulegen. Außerdem sollte für alle klar gelegt werden, nach welchen Kriterien entschieden wird, Personen aus dem schulischen Umfeld von Infizierten in Quarantäne zu schicken und wie die Informationswege verlaufen.

Der Landesverband startete eine Onlinepetition an die Landesregierung: Kolleginnen und Kollegen sind dazu aufgerufen, zu beschreiben, wie sie die Situation an ihren Schulen wahrnähmen. In der Petition mit dem Titel „Hessen braucht ein Konzept für den Unterricht unter Pandemiebedingungen!“ heißt es unter anderem: „Das Hessische Kultusministerium trägt die Verantwortung für den vorgelegten Stufenplan und darf diese nicht auf die kommunalen Behörden und Entscheidungsträger abwälzen.“  

Die Berufstätigkeit der Eltern müsse beim Wechselmodell oder bei komplettem Distanzunterricht berücksichtigt werden: Die Landesregierung müsse für Ausgleich und Betreuungsmöglichkeiten sorgen. Die Schulen benötigten zudem mehr Personal. Die technische Ausstattung mit hochwertigen Lüftungsgeräten müsse jetzt erfolgen: Die zugesagten zehn Millionen Euro der Landesregierung müssten dazu schnell an die Schulträger gegeben werden. Auch der Ausbau der digitalen Infrastruktur müsse erheblich verbessert werden. 

Die GEW in Mecklenburg-Vorpommern (GEW M-V) fordert, „dass das Land in dieser komplexen Situation endlich einen differenzierten Plan vorlegt, der je nach örtlichem Infektionsgeschehen und Bedingungen an der Schule konkrete Maßnahmen zur Stärkung des Gesundheitsschutzes und zur Sicherung von Bildung ausweist. Dafür brauchen Schulen enge Begleitung durch die Gesundheitsämter und mehr Ressourcen“, erklären die beiden GEW-Landesvorsitzenden Annett Lindner und Maik Walm.

Die GEW M-V konkretisiert ihre Forderung für dringend notwendige Regelungen: 

Pädagogische Maßnahmen:

  • Unterricht für alle Schüler*innen in möglichst vielen Fächern ermöglichen – fächerverbindend arbeiten: Eine Konzentration des Unterrichts lediglich auf Kernfächer lehnt die GEW M-V ab.
  • Lernen auf Distanz/digitales Lernen: Wir fordern Land und Schulträger auf, mit hoher Geschwindigkeit personell, technisch und baulich Bedingungen für digitales Lernen zu schaffen.
  • Wechselmodelle/Gruppenverkleinerung: Die Verkleinerung von Gruppen und die Nutzung von Wechselmodellen ist aus Sicht der GEW ein sinnvoller Weg, Bildung bei erhöhtem Infektionsgeschehen zu ermöglichen.
  • Leistungsbewertung/Bildungsinhalte: Die GEW M-V empfiehlt dringend, Anpassungen in den Vorgaben zur Leistungsbeurteilung vorzunehmen. Schülerinnen und Schüler, die nicht zu den Prüfungsjahrgängen gehören, könnten weniger Leistungsnachweise erbringen müssen und/oder diese durch alternative pädagogische Konzepte, wie etwa Portfolios, Hausarbeiten, digitale Präsentationen ersetzen.

Gesundheits- und Arbeitsschutz:

  • Mehr Personal für zusätzliche Aufgaben einsetzen, etwa Hilfspersonal
  • Mitbestimmung stärken: Zur Bewältigung der Krise braucht es mehr Einbeziehung der Personalräte in richtungsweisende Entscheidungen.
  • Gefährdungsbeurteilungen/Umgang bei Erkrankungen: Die GEW M-V fordert schulspezifische Gefährdungsbeurteilungen gemeinsam mit den Gesundheitsämtern und vor allem den Schutz von Beschäftigten mit einem erhöhten Risiko für eine schwere Erkrankung mit Sars-CoV-2 zu realisieren.
  • Masken: Aus Sicht der GEW M-V ist die Maskenpflicht vor allem aus pädagogischer Sicht ein schwieriges Thema. Gleichwohl empfiehlt das RKI bei einer Inzidenz ab >50 auf 100.000 das Tragen von Masken auch im Unterricht in allen Klassenstufen, damit Schulen überhaupt geöffnet bleiben können. Die GEW M-V fordert deshalb ein lokales, auf das örtliche Infektionsgeschehen abgestimmtes, Handeln. Vorsorglich erhalten alle Beschäftigten für den Fall einer hohen lokalen Inzidenz FFP-Masken zum Eigenschutz.
  • Lüftung: Alle nicht belüftbaren Klassenräume und Lehrerzimmer erhalten sofort mobile Raumlüfter seitens der Schulträger zur Verfügung gestellt.
  • Schulbusverkehr: Der Schulbusverkehr muss dringend entzerrt werden - notfalls durch Reisebusunternehmen, das THW und die Bundeswehr.

Die GEW Niedersachsen fordert vom Land die sofortige Anschaffung von FFP2-Schutzmasken für alle Schulbeschäftigten. „Die rund 100.000 niedersächsischen Schulbeschäftigten haben ein Anrecht auf den Schutz ihrer Gesundheit. Die GEW fordert das Land auf, unverzüglich eine Million FFP2-Masken anzuschaffen und kostenlos 2020 zu verteilen“, sagt die Landesvorsitzende Laura Pooth. Das Tragen muss aus Sicht der GEW allerdings freiwillig sein. Die GEW unterstützt auch eine entsprechende Petition

Außerdem prangert die GEW an, dass Luftreinigungsgeräte in Klassenräumen, Spuckschutzwände, Waschgelegenheiten und etliches mehr fehlten. Die finanzielle Unterstützung des Schulbusverkehrs durch das Wirtschaftsministerium käme Wochen zu spät.

Mit Sorge sieht die GEW Niedersachsen zudem auf die Schülerinnen und Schüler, die ins Distanzlernen geschickt werden, dafür aber nicht die Voraussetzungen haben. „Für alle anderen, die Hilfe benötigen, muss es unter pädagogischer Begleitung geeignete Plätze zum Lernen geben“, forderte die GEW-Landesvorsitzende.

„Auch kreative Lösungen, wie die umgehende Anmietung größerer Räume beispielsweise in Kultureinrichtungen oder Festsälen, sind jetzt angezeigt. Dafür benötigen wir allerdings rasch mehr Personal, um die Aufsicht und organisatorische Abläufe sicher zu stellen. Studierende oder Beschäftigte der betreffenden Einrichtungen, die ihren eigentlichen Beruf derzeit nicht ausüben dürfen, könnten möglicherweise eingesetzt werden“, regte Pooth an.

Die GEW NRW fordert, die Schulen krisenfest zu machen und hat Kernforderungen formuliert. Leitideen sind:

  • Infektionsschutz muss Priorität haben,
  • Lerninhalte müssen an die gegebene Situation in Schule und Unterricht angepasst werden,
  • Senkung der Belastung durch personelle Verstärkungen und
  • Herstellung von Chancengleichheit.

Als vordringliche Maßnahme fordert die GEW NRW eine transparente, einheitliche und verlässliche Teststrategie nach den Vorgaben des RKI mit klaren Quarantäne-Regelungen bei Verdachtsfällen und bestätigten Corona-Fällen.

Abstand halten ist nach Auffassung der GEW immer noch der beste Infektionsschutz. Zudem muss das Land für alle in Schulen Beschäftigten kostenlos Masken zur Verfügung stellen. Für dringend erforderlich hält die GEW NRW eine personelle Unterstützung für die Schulen durch pädagogische Hilfskräfte und Alltagshelfer*innen.

Die GEW NRW hält es für vernünftig, im Corona-Schuljahr 2020/21 die Lerninhalte anzupassen.

Zuvor hatte ein breites Bündnis von GEW NRW, Elternverbänden und Schulleitungsvereinigung in einem offenen Brief an Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP), Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sowie die schulpolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Landtagsfraktionen einen Schulgipfel gefordert. Nach Einschätzung der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, darunter die GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern, ist ein Neustart mit einer Aufarbeitung aller „Aspekte und Perspektiven der Krise“ erforderlich.

Angesichts der rasant steigenden Infektionszahlen mahnt die GEW in Rheinland-Pfalz eine neue Bewertung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes an Schulen und Kindertagesstätten an. Die Gesundheit der Beschäftigten müsse stärker in den Fokus der Politik rücken, sagt der Landesvorsitzende Klaus-Peter Hammer.

Für die Schulen unbedingt erforderlich sei eine sofortige Grundausstattung mit FFP2-Masken für alle Kolleginnen und Kollegen, auch weil nicht immer und überall die Kinder und Jugendlichen Masken tragen könnten oder dürften. Schnelltests sollten schnell und unkompliziert auf Wunsch zur Verfügung gestellt werden. Neben Lüftungskonzepten, räumlichen Ausweichmöglichkeiten oder Plexiglastrennwänden sei eine überzeugende Strategie nötig, wie der Regelbetrieb unter den Bedingungen der rasant steigenden Infektionszahlen aufrechterhalten werden könne. 

Bei einem möglichen Wechsel von Präsenzunterricht und häuslichen Lernphasen sei es wünschenswert, wenn die einzelne Einrichtung in Abstimmung mit der örtlichen Gesundheitsbehörde auf das Infektionsgeschehen vor Ort reagieren könnte, ohne dass regional großflächige Maßnahmen ergriffen würden, die in der Breite vielleicht gar nicht nötig seien.

Die GEW Saarland fordert das Land auf, unverzüglich weitere 200.000 FFP2-Masken anzuschaffen und kostenlos zu verteilen. „Darauf zu bauen, dass die Beschäftigten sich ihre Masken selbst beschaffen, und dass ein bisschen Lüften schon ausreicht, ist nicht die Art der Fürsorgepflicht, die in Pandemie-Zeiten angebracht ist“, betont die Landesvorsitzende Birgit Jenni. Die geforderten Masken seien für das Jahr 2020 gedacht, bei ähnlichem Infektionsgeschehen müsse Anfang 2021 nachgelegt werden. Das Tragen muss aus Sicht der GEW allerdings freiwillig sein.

Auch für zertifizierte, mobile Luftreinigungsgeräte habe es vom Land bisher keine Initiative gegeben, um die Schulträger finanziell zu unterstützen, kritisiert die GEW. Damit die notwendigen Schutzmaßnahmen finanziert werden könnten, verlangt sie die Gründung eines Coronafonds für Bildung, der aus Bundesmitteln aufgelegt werde. Ein möglicher Wechselunterricht an Schulen, für den die Gewerkschaft plädiert, solle individuell, lokal und temporär ermöglicht werden, da die Schulen ihre Situation vor Ort am besten kennen würden.

Die sächsische Landesregierung und die Träger von Bildungseinrichtungen haben es nach Ansicht der GEW Sachsen bisher verpasst, ein schlüssiges Gesamtkonzept vorzulegen, wie der Infektionsschutz trotz steigender Infektionszahlen umzusetzen sei. Die Gewerkschaft fordert, die vom RKI veröffentlichten Präventionsmaßnahmen an Schulen und das Maßnahmenkonzept der DGUV umzusetzen und als Ausgangsbasis und Mindestmaß für ein Gesamtkonzept zu nehmen.

Die Fachleute empfehlen unter anderem, in Schulen, Kitas und Horten, feste Gruppen zu bilden und Durchmischungen zu minimieren. Räume, in denen Lüften schlecht möglich sei, sollten umgehend mit wirksamen Luftfiltern ausgestattet werden. Neben Gefährdungsbeurteilungen und Hygienepläne sei ein Krisenstab an jeder Einrichtung ratsam.

Die GEW Sachsen hat zum zweiten Mal in diesem Jahr Lehrkräfte zur Corona-Situation an den sächsischen Schulen und zu den aktuellen Infektionsschutzmaßnahmen befragt. Eines der deutlichsten Ergebnisse ist die Zustimmung für kleinere Lerngruppen: 86 Prozent geben an, dass es der richtige Weg sei, zu kleineren Gruppen überzugehen. Mehr als zwei Drittel sprechen sich für gestaffelten Unterricht aus.

Die GEW in Sachsen-Anhalt fordert zusammen mit dem DGB von der Landesregierung ein schnelles Eingreifen und die Abkehr vom Regelbetrieb sowie finanzielle Absicherungen für betroffene Eltern. Für Berufsbildende Schulen sollte der Regelbetrieb sofort eingestellt werden. In einer gemeinsamen Mitteilung erklärten der DGB und die GEW in Sachsen-Anhalt u.a.:

„Unsere Kolleginnen und Kollegen sind verunsichert, da das Infektionsrisiko im Rahmen des Schulbetriebs nicht zu vernachlässigen ist und derzeit zunimmt. Wir wünschen uns im Sinne des Arbeits- und Gesundheitsschutzes den Übergang in den so genannten Hybridunterricht mit kleineren Klassen anstatt Regelbetrieb bis zum bitteren Ende“, sagte Eva Gerth, Landesvorsitzende der GEW.

„Gerade Berufsbildende Schulen weisen ein erhöhtes Infektionsrisiko auf, da in zentralen Fachklassen Berufsschüler*innen teilweise aus mehreren Bundesländern und Landkreisen für den Unterricht anreisen. Wir wissen von Fällen, in denen Schüler den Berufsschulunterricht verweigert haben. Die Berufsschulen müssen sofort in Kleingruppen- oder Distanzbetrieb übergehen, um länderübergreifende Infektionsketten, die sich auf Mitmenschen und Betriebe auswirken, zu vermeiden“, erklärte Malte Gerken, GEW Landesvorstand, Personalrat und Berufsschullehrer.

„Sorgentelefon“ eingerichtet

Die GEW in Sachsen-Anhalt hat zudem zur Unterstützung der Schulen und für einen direkten Draht zu den Beschäftigten in der Coronapandemie vor einigen Wochen ein „Sorgentelefon“ eingerichtet. Erste Erfahrungen: Viele Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter klagen über eine deutliche Mehrbelastung. Genannt wurden etwa mehr Aufsichten, weil sich Gruppen nicht vermischen dürfen, die konsequente Durchsetzung der Hygienemaßnahmen, die Entwicklung von Konzepten für den Distanzunterricht, das Einrichten von und die Auseinandersetzung mit neuer Technik.

„Für diese zusätzlichen Belastungen und Herausforderungen brauchen die Lehrkräfte Entlastung. Insofern erneuert die GEW ihre Forderungen zur Gewinnung von mehr Personal an den Schulen, es geht dabei unter anderem um die Einrichtung von Arbeitszeitkonten, die Anerkennung der zusätzlichen Aufgaben als Arbeitszeit, eine qualifizierte Ausbildung von Seiteneinsteigerinnen und -einsteigern, die Einsetzung von Schulverwaltungsassistenten und um die Beschäftigung einer ausreichenden Anzahl von Administratoren durch die Schulträger“, sagt die Landesvorsitzende Eva Gerth. Das „Sorgentelefon“ wird die GEW noch bis Ende des Jahres jeden Mittwoch anbieten.

Wegen der ständig steigenden Infektionszahlen macht sich auch die GEW Schleswig-Holstein für einen besseren Gesundheitsschutz der Beschäftigten stark. Die Landesvorsitzende Astrid Henke fordert Bildungsministerin Karin Prien (CDU) auf, ihren eigenen Pandemieplan aus dem August in die Tat umzusetzen. Demnach soll Unterricht im Schichtbetrieb stattfinden, wenn es „mehr als 50 Infizierte pro 100.000 Einwohner im Landkreis bzw. der kreisfreien Stadt innerhalb von 7 Tagen“ gibt. In Schleswig-Holstein haben mindestens sechs Kreise oder kreisfreie Städte diesen Wert erreicht. 

Henke spricht sich auch dafür aus, Lehrkräften und Erzieherinnen und Erziehern FFP2-Masken bereitzustellen. Zumindest bei Krankheitsfällen in der Schule oder Kita sollten Testungen auf das Virus ermöglicht werden. Beschäftigten mit Vorerkrankungen müsse eingeräumt werden, ohne direkten Kontakt mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. 

Da sich die coronabedingten Herausforderungen nur mit genügend Personal bewältigen ließen, müssten mehr Fachkräfte eingestellt werden, sowohl an Schulen als auch in Kitas. Auch für den Hygieneaufwand speziell seien zusätzliche Reinigungskräfte erforderlich. Als problematisch sieht die Landesvorsitzende derweil die uneinheitliche Praxis der Gesundheitsämter im Land an, wann Quarantäne oder Testung angeordnet werde.

Da viele Pädagoginnen und Pädagogen in Thüringen derzeit stark verunsichert sind, hat der GEW-Landesverband einen offenen Brief mit aktuellen Forderungen an die verantwortlichen Ministerinnen und Minister geschickt. Dabei geht es auch darum, dass der Arbeits- und Gesundheitsschutz für die Beschäftigten – und in der Folge für die Schülerinnen und Schüler und deren Familien –  ernster genommen werden solle als bisher. Nach Ansicht der GEW Thüringen werden Maßnahmen wie Abstandhalten, Hygiene und Maskenpflicht an Kitas und Schulen faktisch außer Kraft gesetzt.

Um Schulen weiterhin offen halten zu können, ist aus Sicht der Bildungsgewerkschaft unter anderem die Umstellung auf einen Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht notwendig. Für den coronabedingten Mehraufwand müsse zusätzliches Personal an die Schulen geholt werden, die Lehrpläne sollten entschlackt, Lehramtsstudierende für Fördermaßnahmen herangezogen werden. Insbesondere für Grundschulen empfiehlt die GEW die Anmietung größerer Räume für den Unterricht. Klassenzimmer müssten schnellstmöglich mit Luftfiltern ausgestattet werden. Ähnliches gelte für Kitas – von zusätzlichem Fachpersonal über kleinere Gruppen und Luftreinigungssysteme bis zu regelmäßigen kostenlosen Tests.

Die GEW Thüringen kritisiert das unentschlossene Handeln der Landesregierung hinsichtlich des Einsatzes von Luftfilteranlagen an Thüringer Schulen und mahnt stattdessen die Kenntnisnahme der wissenschaftlich nachgewiesenen Wirksamkeit an. Angesichts weiter steigender Infektionszahlen und nach wie vor fehlender Umsetzung einfachster Arbeits- und Gesundheitsschutzregeln für Beschäftigte an Schulen hält die GEW Thüringen den Einsatz von Luftfilteranlagen für dringend geboten.