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GEW in Bildung unterwegsMehr Geld für mehr Qualität in der Kita

Mit dem „Gute-Kita-Gesetz“ stellt der Bund Millionen für die Qualität in Kitas bereit. In Mecklenburg-Vorpommern soll das Geld für Beitragsfreiheit genutzt werden – ein Vorstoß, der nicht überall auf Gegenliebe stößt.

14.05.2019 - Michaela Skott, freie Journalistin

Im Rahmen der bundesweiten Initiative „Bildung. Weiter denken!“ besucht die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe deutschlandweit regelmäßig Bildungseinrichtungen. Diesmal ist sie auf Einladung des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern in der Kita „Regenbogenland“ in Hagenow zu Gast. Die Landtagswahlen stehen vor der Tür: In Mecklenburg-Vorpommern soll das Kindertagesförderungsgesetz novelliert werden. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, SPD, will ein Wahlversprechen einlösen und ab 2020 die Elternbeiträge komplett abschaffen. Das Thema bestimmt auch die Gespräche in der Kita. Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, Kitaleiterinnen, Landespolitikerinnen und -politiker sowie der Bürgermeister mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus der Verwaltung sind gekommen.

 

330 Kinder in Krippe, Kindergarten und Hort werden in der Kita „Regenbogenland“ betreut. Einrichtungen dieser Größe, noch dazu in kommunaler Trägerschaft, sind im Nordosten der Republik nicht mehr so häufig anzutreffen. Der Grund: Sie zahlen nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen (TVöD). In Mecklenburg-Vorpommern wird die Kinderbetreuung überwiegend an freie Träger ausgelagert. Niedriglöhne für die Erzieherinnen und Erzieher sind die Folge und noch heute an der Tagesordnung. Doch das ist längst nicht das einzige Problem, mit dem sich die Beschäftigten in den Einrichtungen – und damit auch die GEW – auseinander setzen müssen. Es fehlt an Personal – per Gesetz. Seit Jahren fordert die GEW im Land, die Ausbildungskapazitäten deutlich anzuheben und mehr Fachkräfte in die Kitas zu schicken. Mit einer Fachkraft-Kind-Relation von 1:6 in der Krippe, 1:15 im Kindergarten und 1:22 im Hort kommen die Erzieherinnen und Erzieher täglich an ihre Grenzen. Genau darum geht es in den Gesprächen an diesem Tag.

 

Kita-Leiterin Daniela Buseke schildert eindrücklich welche Probleme sie hat, die Dienste abzusichern. Die großen Gruppen seien für Kinder und Erzieherinnen gleichermaßen schlecht. Und nicht einmal die eigenen Vorgaben seien vom Land komplett finanziert., berichtet Buseke. So würde, obwohl eine Vor- und Nachbereitungszeit gesetzlich schon lange vorgesehen ist, die entsprechende Finanzierung erst mit der neuen Gesetzesnovelle kommen. „Mehr Qualität in Kitas“, nennt das Sozialministerin Stefanie Drese, SPD. „Beseitigung eines bestehenden Umsetzungsdefizits“, kontert die GEW-Landesvorsitzende Annett Lindner.

„Aus meiner Erfahrung wollen die Eltern die Beitragsentlastung. Vielerorts in Deutschland ist die Kinderbetreuung so teuer, dass es sich kaum lohnt, eine Arbeit anzunehmen. Gleichzeitig sagen wir als Gewerkschaft, dass wir zuerst auf gute Qualität achten müssen. Hier sehe ich das Land in der Pflicht.“ (Marlis Tepe)


Als Bürgermeister Thomas Möller von einem weiteren Problem berichtet wird GEW-Chefin Marlis Tepe hellhörig: Seit 2017 bildet das Land so genannte ENZ-Erzieherinnen und -Erzieher aus. Wegen eines zu erwartenden Fachkräftemangels werden Erzieherinnen für Kinder von null bis zehn Jahren in einer dualen Ausbildung in nur drei Jahren zu einem Berufsabschluss geführt. Die Einrichtungen sollen davon profitieren, dass die Auszubildenden einen deutlich höheren Praxisanteil haben. Doch die Auszubildenden werden auf die Fachkraft-Kind-Relation angerechnet und die Arbeit der Mentorinnen und Mentoren nicht vollständig berücksichtigt. Außerdem bleibt der Träger auf Kosten sitzen. Das Geld für echte Verbesserungen in der Qualität könnte aus dem Gute-Kita-Gesetz kommen.

 

Die Landespolitik aber nutzt die Millionen vom Bund fast ausschließlich für die Beitragsbefreiung der Eltern. Tepe stellt klar: „Aus meiner Erfahrung wollen die Eltern die Beitragsentlastung. Vielerorts in Deutschland ist die Kinderbetreuung so teuer, dass es sich kaum lohnt, eine Arbeit anzunehmen. Gleichzeitig sagen wir als Gewerkschaft, dass wir zuerst auf gute Qualität achten müssen. Hier sehe ich das Land in der Pflicht.“ Sie unterstützt deshalb die Forderung des GEW-Landesverbandes nach einem gesetzlich geregelten, landesweit einheitlichen Mindestpersonalschlüssel. „Ein Mindestpersonalschlüssel stellt sicher, dass alles, was das Gesetz zur Betreuungsqualität vorgibt, umgesetzt werden kann. So muss pro Fachkraft ein Puffer für mögliche Ausfallzeiten, wie Urlaub oder Krankheit, eingeplant werden“, erklärt Annett Lindner und lässt keinen Zweifel daran, dass die GEW die heutigen gesetzlichen Regelungen längst nicht für ausreichend im Sinne einer hohen Betreuungsqualität und guter Arbeitsbedingungen hält.

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