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Internationaler FrauentagGEW fordert mehr Genderthemen in der digitalen Bildung

Um die digitale Zukunft geschlechtergerecht zu gestalten, muss schon in der Schule angesetzt werden. Die GEW regt an, die KMK-Digitalstrategie um die Genderperspektive zu ergänzen sowie pädagogische und Genderkompetenzen zu verbinden.

06.03.2020

Die GEW mahnt an, bei der Gestaltung der digitalen Zukunft stärker auf Genderaspekte und insbesondere Geschlechtergerechtigkeit zu achten. Der Bildungsbereich habe dabei eine Schlüsselfunktion: „In Kitas, Schulen und Hochschulen wird die Sensibilität für Geschlechterstereotype geschaffen – oder eben nicht“, sagte Frauke Gützkow, GEW-Vorstandsmitglied für Frauenpolitik, anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März.

Die Bildungsgewerkschaft schlägt vor, dass die Kultusministerkonferenz (KMK) ihre Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ aus dem Jahr 2017 nach Gendergesichtspunkten überarbeite. So sollten pädagogische Kompetenzen in der digitalen Bildung mit Genderkompetenz kombiniert werden. Auch der Bund müsse aktiv werden und in seiner „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ das Thema Gender aufgreifen. 

„Mädchen und Frauen finden in technischen Berufen kaum weibliche Identifikationsfiguren. Das hält sie davon ab, sich beruflich in diesem Segment des Arbeitsmarktes zu orientieren. “ (Frauke Gützkow)

Gützkow forderte zudem, in der Schule vor allem Geschlechterstereotype zu bearbeiten, die dazu führten, dass die IT-Branche nach wie vor von Männern dominiert werde. „Mädchen und Frauen finden in technischen Berufen kaum weibliche Identifikationsfiguren. Das hält sie davon ab, sich beruflich in diesem Segment des Arbeitsmarktes zu orientieren. Auch deshalb bleiben die Gestaltung und Programmierung der digitalen Zukunft weiterhin weitgehend Männern überlassen.“ Notwendig seien Lernmittel und pädagogisch-didaktische Konzepte, die alle Geschlechter gleichermaßen an Naturwissenschaften und digitale Technologien heranführten. Darüber hinaus müssten Geschlechterbilder in sozialen Medien Thema in der Schule sein, da dort massiv Stereotype und Klischees wirkten. 

Die März-Ausgabe der GEW-Bundeszeitschrift „Erziehung & Wissenschaft“ (E&W) beleuchtet das Thema Genderpolitik und Digitalisierung in einem Schwerpunkt.

Auch der Deutsche Frauenrat (DF) fordert „Frauen in die digitale Agenda!“ und veröffentlichte fünf Kernforderungen

  1. Bei der Gestaltung der digital vernetzten Welt müssen nicht nur die technologische Perspektive, sondern auch die gesellschaftlich-kulturellen Aspekte in den Blick genommen werden – besonders vor dem Hintergrund der Chancengleichheit. 
  2. Klare und transparente Richtlinien für eine geschlechtergerechte Entwicklung und Anwendung von Algorithmen und KI-Anwendungen sind dringend erforderlich. 
  3. Gesetzliche, tarifliche und betriebliche (Arbeitsschutz-)Regelungen und Standards zu mobiler Erwerbsarbeit und neuen Arbeitsformen müssen eingeführt werden. 
  4. Aus- und Weiterbildungsangebote für digitale Kompetenzen müssen geschlechtersensibel gestaltet werden. 
  5. Das Thema „Geschlechtergerechtigkeit in der digitalen Transformation“ braucht eine eigenständige Plattform auf dem Digital-Gipfel der Bundesregierung, um Akteurinnen und Akteure aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zu sensibilisieren.
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