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LehrkräftebildungKlimaschutz im Unterricht

Das neu gegründete KlimaBildungsZentrum in Bremerhaven hat sich zum Ziel gesetzt, Lehrkräften im Rahmen von Fortbildungen zusätzliche Kompetenzen zu vermitteln.

22.11.2021 - Anne-Katrin Wehrmann, freie Journalistin

„Die größte Angst habe ich vor einer nicht ernst genommenen Klimakrise und deren Folgen für die Welt.“ So lautet eine der Aussagen aus einer Zukunftswerkstatt, die die Deutsche Klimastiftung kürzlich mit Schülerinnen und Schülern aus vier Bundesländern in Bremerhaven durchgeführt hat. Eine andere: „Ich habe Angst, dass wir das 1,5-Grad-Ziel nicht einhalten und daher die Klimakrise durch Überschreiten von Kipppunkten völlig außer Kontrolle gerät. Konkret habe ich Angst, dass in der Folge Menschen sterben und es Kriege und Unruhen durch Nahrungs- und Wasserknappheit und Naturkatastrophen gibt.“ Allein diese beiden Ausführungen zeigen eindringlich, welche Gedanken sich viele Kinder und Jugendliche inzwischen über die Klimakrise machen. „Wenn ich höre, wie groß da manche Befürchtungen sind, bekomme ich immer eine Gänsehaut“, sagt Christina -Kowalczyk, Bildungsreferentin im gerade entstehenden KlimaBildungs-Zentrum der Deutschen Klimastiftung.

„Im Rahmen unserer bisherigen Arbeit haben wir festgestellt, dass Klimabildung an den Schulen noch viel zu wenig stattfindet und breiter aufgestellt werden muss, um die junge Generation auf die epochalen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte vorzubereiten.“ (Gudrun Spahn-Skrotzki)

Seit ihrer Gründung im Jahr 2009 hat es sich die Stiftung zur Aufgabe gemacht, mittels Veranstaltungen und Bildungsprojekten im In- und Ausland Handlungsoptionen für eine nachhaltige Entwicklung und insbesondere für den Klimaschutz anschaulich darzustellen – und damit Menschen aller Altersgruppen zu einer zukunftsfähigen Lebensweise zu animieren. Das KlimaBildungsZentrum ist das neueste Projekt in dieser Reihe. „Im Rahmen unserer bisherigen Arbeit haben wir festgestellt, dass Klimabildung an den Schulen noch viel zu wenig stattfindet und breiter aufgestellt werden muss, um die junge Generation auf die epochalen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte vorzubereiten“, erläutert Gudrun Spahn-Skrotzki, Leiterin des KlimaBildungsZentrums.

„Wir haben deswegen ein Fortbildungsangebot entwickelt, das Lehrkräfte und andere Bildungsschaffende befähigen soll, das Wissen und die Kompetenzen für nachhaltige Entwicklung selbst zu erwerben und weiterzugeben.“ Bei der Erarbeitung der Inhalte habe es einen engen Austausch mit Schulleitungen und Lehrkräften gegeben. Auch die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler aus der Zukunftswerkstatt seien aufgenommen worden.

Dreiteilige Fortbildungsreihe

Im Ergebnis ist eine erste Fortbildungsreihe entstanden, die Klimabildung in drei jeweils halbtägigen Modulen vermittelt. Während es im ersten Modul um grundlegende Fakten rund um die Klimakrise sowie mögliche Handlungsoptionen geht, stehen im zweiten die Auswirkungen von Konsumverhalten und Lebensstil des globalen Nordens auf die Mitwelt und für kommende Generationen im Fokus. In Modul drei entwickeln die Teilnehmenden schließlich -Ideen für Projekte zur klimaschutzfreundlichen Umgestaltung ihrer jeweiligen Schule und konkreten Umsetzung von Klimathemen sowohl im Fachunterricht als auch jenseits davon. Perspektivisch soll es darüber hinaus auch Angebote für Studierende sowie Lehrkräfte im Referendariat geben. „Und darüber hinaus ist es wichtig, das haben uns die Schülerinnen und Schüler bestätigt, gezielt auch Schulleitungen fortzubilden“, berichtet Spahn-Skrotzki, „denn von ihnen hängt letztlich ganz viel ab.“

„Das bedeutet unter anderem: weg vom Frontalunterricht, hin zu neuen Lehr- und Lernformen.“ (Christina -Kowalczyk)

In einem Vorab-Workshop mit Lehrkräften aus dem Raum Bremen und Bremerhaven waren die Teilnehmenden Ende September aufgefordert, über Klimabildung zu diskutieren und in Arbeitsgruppen Visionen für die Zukunft zu entwickeln. Dabei wurde deutlich, dass die Wünsche und Ideen der Lehrenden in weiten Teilen mit dem übereinstimmen, was die Schülerinnen und Schüler zuvor in der Zukunftswerkstatt erarbeitet hatten. Wesentliche Aspekte, die beide Gruppen unabhängig voneinander formulierten, waren: Die Schulen selbst müssen nachhaltiger werden, zum Beispiel mit Blick auf das Mensaessen, klimafreundliche Klassenfahrten, Energiesparmaßnahmen oder Müllvermeidung.

Schülerinnen und Schüler müssen Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt bekommen, wie sie auch im Kleinen nachhaltig agieren und Selbstwirksamkeit erfahren können. Das Thema Klimaschutz muss strukturell im Schulalltag verankert werden – am besten als übergeordnete, fächerübergreifende Leitlinie für alle Schulfächer. Und: Wenn sich wirklich etwas verändern soll, muss Schule neu gedacht werden. „Dafür gilt es, Strukturen aufzubrechen“, fasste Kowalczyk als Moderatorin des Lehrkräfte-Workshops zusammen. „Das bedeutet unter anderem: weg vom Frontalunterricht, hin zu neuen Lehr- und Lernformen.“

„Klimaschutz muss viel stärker verankert werden, und damit müssen wir jetzt dringend anfangen.“ (Neele Schultz)

Dem stimmte Teilnehmerin Neele Schultz, die an der Grundschule Neuhaus an der Oste/Niedersachsen unterrichtet, voll und ganz zu. „Wir erleben, dass unsere Schülerinnen und Schüler total begeisterungsfähig sind, wenn sie zum Beispiel wie neulich zusammen mit einem Musikpädagogen einen Podcast zur Vermeidung und Reduzierung von Lebensmittelverschwendung gestalten oder für den Verzicht auf PET-Flaschen eine Auszeichnung erhalten“, berichtete sie im Anschluss an den Workshop.

An ihrer Schule gebe es bereits viele kleine und größere Projekte zu diesem Themenbereich. „Da haben die Kinder oft Aha-Erlebnisse – und das Schöne ist, dass sie die dann auch nach außen tragen zu ihren Eltern und Freunden.“ Die Pädagogin ist davon überzeugt, dass Klimabildung multiprofessionell erfolgen und schon in der Kita anfangen sollte. Das neue Angebot des KlimaBildungsZentrums findet sie daher gut und wichtig: „Klimaschutz muss viel stärker verankert werden, und damit müssen wir jetzt dringend anfangen.“

Das KlimaBildungsZentrum beginnt im November und Dezember mit einem ersten Durchlauf der dreiteiligen Fortbildungsreihe. Die weiteren geplanten Angebote sollen dann ab Anfang kommenden Jahres folgen. Bei Bedarf können einzelne Module auch komprimiert und angepasst werden. „Wir sind offen für Teilnehmende aus dem gesamten Bundesgebiet“, macht Leiterin Spahn-Skrotzki deutlich. Für interessierte Kollegien aus anderen Bundesländern sei es auch denkbar, die Fortbildungen direkt an der jeweiligen Schule durchzuführen.