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#GEWTAG22

Weniger Pflichtstunden sind „Schlüssel zur Entlastung“

Corona-Pandemie, Digitalisierung und Inklusion führen dazu, dass Lehrkräfte neben dem Präsenzunterricht immer mehr Aufgaben haben – und immer länger arbeiten. Die GEW fordert daher nicht nur weniger Deputatsstunden, sondern auch mehr Mitbestimmung.

Gewerkschaftstag am 22. Juni 2022 in Leipzig (Foto: Kay Herschelmann).

Die Arbeitszeit von Lehrkräften soll nach dem Willen der GEW künftig nicht mehr per Gesetz oder Rechtsverordnung bestimmt, sondern „auf Augenhöhe“ mit den Gewerkschaften verhandelt werden. Das beschlossen die Delegierten des außerordentlichen Gewerkschaftstages in Leipzig am Donnerstag.

Die wichtigste Forderung der GEW dabei steht bereits: die Herabsetzung der Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden, damit Lehrerinnen und Lehrer mehr Zeit haben, qualitativ guten Unterricht vorzubereiten. Eine Reduzierung der Pflichtstunden sei der „Schlüssel zur Entlastung“, sagte der GEW-Experte für Tarif- und Beamtenpolitik, Daniel Merbitz.

Bisherige Regeln bilden Arbeitswelt nicht mehr ab

Zwar verabschiedete die Bildungsgewerkschaft in den vergangenen Jahren bereits mehrfach Beschlüsse zur Lehrkräftearbeitszeit. Allerdings verändern sich die Arbeitsbedingungen an Schulen nach Ansicht der GEW weiter, so dass Anpassungen nötig sind. Die Gründe dafür sind vielfältig: Ganztag, Inklusion, multiprofessionelle Teams, Digitalisierung und nicht zuletzt die Corona-Pandemie. Die bisherigen starren Regeln bildeten diese „völlig neue Welt“ nicht ab, sagte Merbitz.

Die GEW fordert daher Landesregierungen und Schulträger und Schulträger auf, Schulen und Lehrkräften mehr administratives und technisches Personal sowie mehr Zeit für die pädagogische Arbeit zur Verfügung zu stellen. Für Leitungsaufgaben müsse es zudem mehr Entlastungsstunden geben.

Teilzeit muss auch Teilzeit sein

Berücksichtigung findet per ebenfalls beschlossenem Änderungsantrag auch die spezielle Teilzeitproblematik: Viele Lehrkräfte reduzieren ihre Arbeitszeit, um mehr Zeit für die Unterrichtsvorbereitung zu haben – und arbeiten damit letztlich nicht weniger, aber für weniger Geld. Die GEW verlangt daher, verbindlich zu regeln, dass die Arbeitsbelastung von Teilzeitkräften auch tatsächlich dem Umfang ihrer reduzierten Arbeitszeit entspricht.

Verschiedene Studien zur Lehrkräftearbeitszeit und zur Arbeitsbelastung hatten in der Vergangenheit gezeigt, dass bei den heute geltenden Deputaten auch viele Vollzeitlehrkräfte deutlich mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten. „Wir sind völlig abgekoppelt vom Rest des öffentlichen Dienstes“, sagte ein Delegierter.

Die beschlossenen Anträge lagen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Textes noch nicht in der finalen Fassung vor. Sie werden im Laufe der kommenden Tage hier veröffentlicht.