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Sanierungsstau in BildungseinrichtungenZuständigkeitswirrwarr

Wenn es bei der Sanierung von Kitas und Schulen nicht voran geht, liegt das nicht immer am fehlenden Geld; bürokratische Hürden und Personalmangel in den Verwaltungen verschärfen das Problem zusätzlich, wie drei Berichte aus der Praxis zeigen.

09.09.2019 - Aufgezeichnet von Anja Dilk, freie Journalistin

Havarien sind Alltag

Robert Giese, Schulleiter Fritz-Karsen-Schule, Berlin-Britz:

„Die Bausubstanz unserer ältesten Gebäude (Baujahr 1839 und 1935) ist an verschiedenen Stellen marode. Das Gebäude von 1839 wird seit April 2018 endlich generalsaniert. Seitdem lernen die Schülerinnen und Schüler in Containern.

Havarien gehören zu unserem Alltag. Im vergangenen Jahr ist in der Holz- und Metallwerkstatt ein Abwasserrohr geplatzt. Seit diesem Tag sind die Räume nicht mehr zu benutzen. Behelfsmäßig haben wir vom Bezirksamt Mini-Maschinen für den Werkunterricht der Klassen 7 bis 10 bekommen. So können wir wenigstens den Rahmenplan einhalten. Beim Grundschulbau dagegen ist kaum noch was zu retten. Die Fluchtwege führen mitten durch die Klassen, wir dürfen deshalb nicht mal Tische für Gruppenarbeit zusammenschieben. Zusätzliche Fluchtwege sind aus Gründen der Statik nicht zu realisieren. Die einzige Lösung wäre ein Neubau.

Als ich vor 13 Jahren mein Amt antrat, wurden Schulleiter nicht zu den Sitzungen des Baubezirksrates eingeladen. Devise: ‚Die Verwaltung arbeitet ohne Beteiligung der Schule effizienter.‘ Ich bin trotzdem hin. Heute ist es selbstverständlich, sich gemeinsam zu beraten. Wir fühlen uns vom Bezirksamt gut unterstützt.“

Do it yourself

Carola Schaefer, Leiterin Kita Petersallee, Berlin-Wedding:

„Zuständigkeitswirrwarr ist bei uns Alltag. Die Kita ist im Gebäude einer Ganztagsschule untergebracht, und obwohl beide städtische Einrichtungen sind, ist meist nicht klar, wer ran muss: Schulamt oder Kita-Träger? Regelmäßig gehen beispielsweise unsere Jalousien kaputt. Wenn sie unten sind und nicht mehr hochzuziehen sind, sitzen wir mit den Kindern im Dunkeln. Es wird also dem Schulamt gemeldet – und ich warte. In einem Fall jetzt schon vier Jahre. Neulich ist mir die Hutschnur gerissen und ich habe unseren Träger eindringlich gebeten, einzuspringen. Er versucht dann, sich das Geld vom Schulamt zurückzuholen.

Vor drei Jahren wurde die Hälfte unserer Toiletten saniert, aus Kostengründen bei laufendem Betrieb. Wir mussten solange halt mit einem Waschraum für alle Kinder auskommen. Das war für die Kolleginnen und Kollegen wahnsinnig anstrengend.

Es muss derzeit in den 60 Kitas in unserem Bezirk so viel saniert werden, dass auch im Gebäudemanagement alle an ihre Grenzen kommen. Gemalert wurde bei uns in manchen Räumen schon seit 30 Jahren nicht mehr. Wenn die Kolleginnen und Kollegen es nicht mehr aushalten, machen sie es halt selbst. Die Farbe bezahlt der Träger.“

Massiver Personalmangel

Juliane Westphal, Schulleiterin Sophie-Scholl-Oberschule, Berlin-Schöneberg:

„Vor viereinhalb Jahren ist bei uns ein Rohr geplatzt, seitdem sind der Biofachraum und zwei PC-Räume im Rohbauzustand. Die Biologiesammlung lagert jetzt in einem Container, Computerarbeitsplätze haben wir verteilt. Anfang des Jahres haben wir eine Elternbegehung organisiert, danach haben die Elternvertreter einen Brandbrief an die Senatsverwaltung geschrieben. Jetzt ist die Sanierung endlich angelaufen.

Es gibt durchaus guten Willen, es fehlt nicht mal an Geld. Aber der Personalmangel in der Planungsverwaltung ist massiv. Es fehlen auch Baufirmen, die noch Kapazitäten haben, die Sanierungen durchzuführen. Hinzu kommen unterschiedliche Zuständigkeiten – für Schäden und Sanierungen, die weniger als fünf Millionen Euro kosten, ist der Bezirk zuständig, darüber das Land. Unser Sanierungsbedarf liegt bei mindestens 14 Millionen Euro. Die Schule sieht zwar hübsch aus, aber das Dach ist seit Jahren undicht, die Leitungen in den Wänden sind marode. Der Plan ist derzeit ‚Strangsanierung‘ – das heißt bei laufendem Betrieb Stück für Stück sanieren. Wann, ist ungewiss. Aber wo sollen die Schüler dann hin? Mobile Unterrichtsräume haben eine sehr lange Lieferzeit.

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