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Weltkongress Deutscher Auslandsschulen in Berlin

Erstmalig fand Anfang Juni 2014 ein Weltkongress deutscher Auslandsschulen in Deutschland statt. Eingeladen hatte das Auswärtige Amt und der Weltverband Deutscher Auslandsschulen. Zu den Gästen gehörte auch die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe.

11.06.2014 - Franz Dwertmann, Manfred Brinkmann

Fotos: Manfred Brinkmann, Thomas Rosenbaum

Zum vierten Weltkongress deutscher Auslandsschulen unter dem Motto ‚Bildung weltweit. Chancen weltweit‘ waren rund 450 TeilnehmerInnen und Gäste aus aller Welt vom 4. bis 7. Juni in die deutsche Hauptstadt gereist. Die GEW war durch die Vorsitzende Marlis Tepe und mehrere Kolleginnen und Kollegen der GEW-Arbeitsgruppe AuslandslehrerInnen beim Kongress vertreten.

Gegenüber den vorangegangenen drei Weltkongressen in Mexiko, Kapstadt und Shanghai hatte der Weltkongress in Berlin einen neuen Akzent: Zum ersten Mal wurden die Sprachdiplomschulen im Ausland so in den Blick gerückt, wie es mittlerweile ihrer Bedeutung für das Deutsche Auslandsschulwesen zukommt. Denn immer noch wird die deutsche Auslandsschularbeit vorwiegend mit den 140 Deutschen Auslandsschulen (DAS) identifiziert, die mit dem Weltverband deutscher Auslandsschulen (WDA) eine gut funktionierende Lobbyorganisation besitzen.

Jährlich 60.000 SchülerInnen im Ausland mit Deutschem Sprachdiplom

Das Auswärtige Amt und die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) präsentierten nun stolz die aktuellen AbsolventInnenzahlen der Sprachdiplomschulen. Dabei handelt es sich um ausgewählte Schulen im Ausland, die einen deutschen Zweig haben und dort neben der Spracharbeit auch vielfältige Bezüge zur deutschen Wirklichkeit herstellen: Letztes Jahr haben an über 1.100 solcher Schulen rund 60.000 Schülerinnen und Schüler Prüfungen zum Deutschen Sprachdiplom ( DSD ) bestanden.

Demgegenüber legten im selben Jahr an den Deutschen Auslandsschulen 3.168 AbsolventInnen die Reifeprüfung ab. Joachim Lauer, der Leiter der ZfA, wies darauf hin, dass durch die Sprachdiplomschulen inzwischen mehr Schülerinnen und Schüler in der deutschen schulischen Arbeit im Ausland betreut werden als im Bundesland Rheinland-Pfalz zur Schule gehen. Ginge man nur von den Zahlen aus, dann müsste das nächste Treffen in vier Jahren „Weltkongress der deutschen schulischen Arbeit im Ausland“ heißen.

Erfolgreiche Kooperation von Bund und Ländern

Bundesaußenminister Steinmeier machte als Gastgeber seitens der Bundesregierung deutlich, dass die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik (AKBP) als interkultureller und friedensstiftender Handlungsschwerpunkt die deutsche Außenpolitik auch weiter maßgeblich bestimmen werde. Er hat in seinem Amt einen „Review“-Prozess in Gang gesetzt, der die Neujustierung der Arbeit des Auswärtigen Amtes zum Ziel hat, wobei der AKBP ein stärkeres Gewicht zukommen soll. KMK-Präsidentin Sylvia Löhrmann betonte die Unterstützung des deutschen Auslandsschulwesens durch die Bundesländer und kritisierte dabei gleichzeitig das bestehende Kooperationsverbot bei der Bildung in Deutschland: „So sieht erfolgreiche Zusammenarbeit von Bund und Ländern ohne Kooperationsverbot aus.“


'Public Value' deutscher Auslandsschulen

Auch der WDA nutzte den Kongress für eine Standortbestimmung seiner Arbeit und präsentierte seine neue Studie „Wertvoll für die Welt. Wertvoll für Deutschland“ zum ‚Public Value‘ der Deutschen Auslandsschulen, die von der Universität St. Gallen erstellt und von der Siemens-Stiftung finanziell unterstützt wurde. Eine ausführliche Würdigung der Studie muss an anderer Stelle erfolgen. Zwei interessante Details seien jedoch erwähnt: Die höchste Zustimmung bei den Aussagen zur Rolle der Deutschen Auslandsschulen erhielt folgende: „Die DAS verhalten sich im Sitzland anständig und moralisch korrekt“. Und als größtes Problem wurde identifiziert, dass „die öffentliche Wahrnehmung der Auslandsschularbeit ungenügend“ sei.

Bei den vier Podiums-Diskussionen, wo sich die diversen Akteure/Organisationen der AKBP ein Stelldichein gaben und vor allem die Auslandsschularbeit würdigten, Dank abstatteten etc, gab es wenig Neues - und wenig Kontroverses: Vertreter der Schulvereine forderten mehr Geld (nicht nur 40 Mio €, um deren Finanzierung Dr. Schmitt vom AA sich Sorgen machte, sondern weitere 400 Mio € müssten bereitgestellt werden!), das PASCH-Schulnetz solle ausgebaut werden, der Übergang zu deutschen Universitäten müsse für die ausländischen Schülerinnen und Schüler leichter gemacht werden.

GEW fordert bessere Vorbereitung zum Auslandsschuldienst

Die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe machte in diesem Zusammenhang auf die hohe Abbruchquote ausländischer Studierender in Deutschland aufmerksam und forderte mehr Unterstützungsmaßnahmen. „Eine junge Frau aus Kirgisien, die als DSD-II-Absolventin das Glück hat, einen Studienplatz in Deutschland zu erhalten, muss sich nicht nur in einer fremden Welt zurechtfinden, sondern ihr Studium meist auch selbst durch Arbeit finanzieren, oft als Au-pair, was wiederum Probleme mit Studienbetrieb und Prüfungsanforderungen mit sich bringt.“

Die GEW-Vorsitzende machte deutlich, dass die deutschen Auslandslehrkräfte ihre AbsolventInnen im Gastland sowohl auf ein Studium wie auch auf das Leben in Deutschland vorbereiten müssten und dafür oft unzureichend vorbereitet seien. „Der Auslandsschuldienst stellt besondere Anforderungen an die Lehrkräfte“, so die GEW-Vorsitzende. „Wir brauchen eine bessere und intensivere Vorbereitung für die Tätigkeit im Ausland als bisher.“

Viele offene Fragen

Die Debatte um den Fachkräftemangel und die diesbezügliche Rolle der deutschen Auslandsschularbeit geht weiter. Auch die berufliche Bildung wird ein zentrales Thema für die Auslandsschulen bleiben, obwohl noch wenig Konkretes vorliegt. Staatsministerin Böhmer will die Chancen ausloten, ob berufliche Angebote an den Auslandsschulen gelingen können und wo die Bedingungen dafür geeignet sind. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Thema Inklusion. Viele Deutsche Auslandsschulen stehen hier noch am Anfang.

Breiteren Raum nahm die Diskussion zur Umsetzung des Auslandsschulgesetzes ein, das seit Beginn 2014 in Kraft ist. Für die GEW, aber auch für andere, ist das neue Auslandsschulgesetz nur ein erster Schritt. Viele Fragen, insbesondere zum Status der Lehrkräfte, bleiben ungeklärt. Seitens des Auswärtigen Amts wurde auf einen Brief Außenminister Steinmeiers an Marlis Tepe hingewiesen, in dem dieser betont, dass es zu Verbesserungen der Situation der Lehrkräfte im Auslandsschuldienst kommen müsse. „Wie wollen wir das Instrument der Bundesprogrammlehrkräfte (BPLK) weiter entwickeln?“ fragte ZfA-Vize Ringkamp in die Runde. Es sei noch überhaupt nicht sichtbar, wie die Lehrerversorgung an den Schulen sich nach dem Auslandsschulgesetz entwickeln wird.


Belange von Lehrkräften spielten kaum eine Rolle

Als Resumee bleibt festzustellen: Ein Weltkongress deutscher Auslandsschulen ist keine Veranstaltung, bei der die Belange der Lehrkräfte zur Sprache kommen, obwohl sie doch die eigentlichen Akteure sind, um den „Wertbeitrag“ der deutschen Auslandsschulen zu gewährleisten.

Gerade deshalb war es wichtig, dass die GEW Präsens gezeigt und die Gelegenheit genutzt hat, Stellung für die Interessen unserer rund 600 Mitglieder im Auslandsschulwesen zu beziehen und Forderungen zu erheben: Dass Lehrerinnen und Lehrer an Schulen im Ausland für gleiche Arbeit auch gleich bezahlt werden, dass nach der Verabschiedung des Auslandsschulgesetz nun die Anliegen der Lehrerinnen und Lehrer auf der Agenda stünden und dass wir dafür ein Auslandslehrkräftegesetz für notwendig halten, in dem u.a. Statusfragen geklärt werden.

Gleichzeitig haben wir auch deutlich gemacht, dass die GEW eine weitere Verdichtung der Arbeitszeit an Auslandsschulen ablehnt und dass Fortbildungen nicht einfach verordnet werden können, da das Pflichtdeputat ohnehin viel zu hoch sei. Schließlich haben wir - vor dem Hintergrund einschlägiger Erfahrungen in Deutschland - davor gewarnt, notwendige Reformen wie die Inklusion an den Auslandsschulen durchzuführen, ohne die einzelnen Maßnahmen durch Entlastungen der Lehrkräfte abzusichern.

 

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