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KompetenzmodellWas Weiterbildner wissen und können

Bildungsforscherinnen am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) in Bonn haben ein Kompetenzmodell entwickelt. Es soll fachliche und didaktische Fähigkeiten abbilden – und so auch die Bewerbung erleichtern.

05.07.2018 - Armin Himmelrath, freier Journalist

Zwei Dinge muss Uwe Engelbracht immer wieder unter Beweis stellen: seine fachliche Qualifikation – und seine Flexibilität. Der 47-Jährige aus Solingen hat Elektrotechnik studiert, arbeitet aber seit 18 Jahren als Dozent im Rahmen der ausbildungsbegleitenden Hilfen. „Ich betreue Berufsschüler im gewerblich-technischen Bereich, die Schwierigkeiten mit dem theoretischen Stoff ihrer Ausbildung haben“, beschreibt er seine Aufgabe.

Die Arbeit als Dozent erledigt er mal als Angestellter, mal als Freiberufler. Für den Solinger und Zehntausende andere sind solche Wechsel der Normalfall. „Das hängt stark von den Bedingungen am Weiterbildungsmarkt ab, welche Ausschreibungen gerade laufen“, sagt er. Ob seine Auftraggeber wieder zum Zug kommen oder er sich neue suchen muss, erfährt der 47-Jährige manchmal nur kurzfristig.

Dass sie sich immer wieder bewerben und ihre Kenntnisse anpreisen müssen, ist für viele Weiterbildnerinnen und Weiterbildner Alltag. Wie aber zeigt eine Dozentin für Sprachkurse, wie gut sie ist? Welche Kompetenzen kann ein Trainer für Seminare im Bildungsurlaub nachweisen? Wie lassen sich fachliche und didaktische Fähigkeiten einordnen und vergleichen? Diesen Fragen geht das Projekt GRETA beim DIE seit 2014 nach. GRETA steht für „Grundlagen für die Entwicklung eines trägerübergreifenden Anerkennungsverfahrens für die Kompetenzen Lehrender in der Erwachsenen- und Weiterbildung“.

„Die Lehrenden haben eine Schlüsselfunktion“, sagt Brigitte Bosche vom GRETA-Projektteam, „ihre fachlichen und pädagogischen Kompetenzen tragen maßgeblich zur Qualität der Angebote und zum Erfolg der Weiterbildung bei.“ Umso wichtiger, dass diese auch anerkannt werden können. In Kooperation mit acht Dachverbänden der Weiterbildung – vom Bundesverband der Träger beruflicher Bildung bis zum Verband deutscher Privatschulverbände, vom Volkshochschulverband bis zum Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben – wurde ein Verfahren entwickelt, das Lehrkompetenzen sichtbar macht und anerkennt. Basis ist ein gemeinsames Kompetenzmodell.

Höchstens ein Drittel der Lehrenden bringt eine echte pädagogische Ausbildung mit; die meisten haben ihre Kompetenzen auf anderem Weg erworben.

GRETA ist der Versuch, dem Wildwuchs in der Weiterbildungsbranche klare Strukturen entgegenzusetzen. Dass der Handlungsbedarf hoch ist, weiß das DIE nicht zuletzt durch seinen 2017 erstmals vorgestellten Weiterbildungs-Personalmonitor – die bisher umfangreichste repräsentative Erhebung zum Personal in der Weiterbildung. Die Forscher hatten dafür etliche Studien ausgewertet sowie Interviews mit Lehrenden geführt. Ein Ergebnis: Höchstens ein Drittel der Lehrenden bringt eine echte pädagogische Ausbildung mit; die meisten haben ihre Kompetenzen auf anderem Weg erworben.

Das entwickelte Kompetenzmodell deckt berufspraktisches Wissen, Werthaltungen und Überzeugungen ebenso ab wie die professionelle Selbststeuerung – differenziert in 29 Facetten. Dozenten wie Engelbracht können damit perspektivisch eine individuelle Übersicht erhalten: Sie füllen einen Erhebungsbogen aus, der von qualifizierten Gutachtern bewertet wird. Die ausgestellte Kompetenzbilanz zeigt genau, wo die Stärken der Lehrkraft liegen. „Gleichzeitig gibt die Bilanz Hinweise darauf, was individuell passende Weiterbildungsangebote sein könnten“, sagt Bosche. Aber auch Anbieter von Fortbildungen können von GRETA profitieren – indem sie ihre Kurse facettengenau darauf zuschneiden.

Das Modell für ein trägerübergreifendes Anerkennungsverfahren von Kompetenzen wurde bereits mit ausgewählten Lehrkräften getestet. Bis Jahresende soll es geschärft und bekannter gemacht werden – dafür wurde das Programm noch einmal verlängert. Die GRETA-Kompetenzbilanz wäre dann auch für Engelbracht ein Instrument, mit dem er seinen Alltag als Weiterbildner einfacher bewältigen könnte.

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