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Versprochen und gebrochen

Deutschland muss mehr Geld für Bildung in der Entwicklungszusammenarbeit bereit stellen, um das Millenniumsziel ‚Bildung für alle’ bis 2015 zu verwirklichen. Eine Studie der Globalen Bildungskampagne, die von der Max-Traeger-Stiftung der GEW finanziert wurde, kritisiert das mangelnde Engagement der Bundesregierung.

08.09.2010 - Manfred Brinkmann

Foto: Manfred Brinkmann

In wenigen Tagen werden sich vom 20. – 22. September in der UNO in New York die Vertreter der Staatengemeinschaft treffen, um über die Umsetzung der Millenniumsentwicklungsziele zu beraten, die bis 2015 verwirklicht werden sollen. Die acht Millenniumsziele wurden vor zehn Jahren von der UNO-Vollversammlung beschlossen, um die Armut wirksam zu bekämpfen und die Lebensbedingungen der Menschen weltweit zu verbessern. Eines der Millenniumsziele ist das Recht auf Grundbildung für alle. Von der Verwirklichung dieses Ziels ist die Welt jedoch noch weit entfernt. Über siebzig Millionen Kinder sind vom Schulbesuch ausgeschlossen, weil die finanziellen Mittel zur Errichtung von Schulen oder zur Bezahlung der Lehrkräfte fehlen. Nach Berechnung der Vereinten Nationen werden jährlich 16 Milliarden US-Dollar benötigt, um allen Kindern dieser Erde die einen kostenlosen Schulbesuch zu ermöglichen. Trotz finanzieller Zusagen sind zahlreiche Länder ihren Verpflichtungen bisher nicht nachgekommen. Auch die Bundesrepublik Deutschland bleibt mit ihrer Entwicklungshilfe für Grundbildung hinter den Versprechungen zurück. Die Globale Bildungskampagne in Deutschland weist jetzt in einer von der Max-Träger-Stiftung der GEW finanzierten Studie die tiefe Kluft zwischen Rhetorik und Realität nach, die für den deutschen Beitrag zur Finanzierung des Millenniumsziels auf Grundbildung existiert. Die Studie mit dem Titel ‚Bildung für alle – Eine kleine Geschichte großer Versprechen’, die von dem Entwicklungsexperten Reinhard Hermle erstellt wurde, kritisiert das mangelnde Engagement der Bundesregierung für Grundbildung in der Entwicklungszusammenarbeit. So betrugen die Auszahlungen in diesem Bereich im Jahr 2007 lediglich 62 Millionen Euro. Das entsprach 0,7 Prozent der staatlichen deutschen Entwicklungshilfe in diesem Jahr. Demgegenüber stehen Ausgaben in Höhe von 700 Millionen Euro für Studienplatzkosten für Studierende aus Entwicklungsländern in Deutschland, die von der Bundesregierung als Entwicklungshilfe ausgewiesen werden. Insgesamt bleiben die Ausgaben der Bundesregierung für Entwicklungszusammenarbeit hinter den selbstgesteckten Zielen zurück. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass „die deutsche Entwicklungszusammenarbeit in Bezug auf den Bildungsbereich nicht dem entspricht, was notwendig wäre, international vereinbart und versprochen wurde und die eigene Programmatik widerspiegeln würde.“ Angesichts dieser Situation fordert der GEW Vorsitzende Ulrich Thöne von der Bundesregierung eine Aufstockung der staatlichen Mittel für Entwicklungszusammenarbeit auf 0,7 Prozent des BNE, wie von der UNO empfohlen. „Der Bildungsmangel in den armen Ländern verhindert eine nachhaltige Entwicklung und die Überwindung der Armut,“ so Thöne. „Bildung muss zum Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit werden und die Förderung von Grundbildung muss Priorität erhalten, wenn das Millenniumsziel zum Recht auf Bildung für alle verwirklicht werden soll.“ Die Studie „Bildung für alle – Eine kleine Geschichte großer Versprechen“ wurde am 8. September 2010 in Berlin auf einer gemeinsamen Veranstaltung der Globalen Bildungskampagne, UNICEF und Friedrich-Ebert-Stiftung zum Thema „Versprochen und gebrochen – Scheitert das Millenniumsziel ‚Grundbildung für alle’ an der Finanzierung?“ vorgestellt.

 

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