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USA: Lehrergewerkschaft kritisiert Flüchtlingspolitik

Die Flüchtlingspolitik der US-Regierung steht in der Kritik. Bisher hat die Großmacht nur wenige syrische Bürgerkriegsflüchtlinge aufgenommen. Die US-Lehrergewerkschaft AFT fordert größere finanzielle Hilfen und die Aufnahme von mehr Flüchtlingen.

14.09.2015 - Manfred Brinkmann, Übersetzung: Thomas Isensee

Während Woche für Woche mehr Menschen in Deutschland Schutz vor Krieg und Verfolgung suchen, hält die US-Regierung ihre Grenzen für Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien bisher weitgehend geschlossen. Mit dieser Haltung stößt sie national und international auf Unverständnis und zunehmende Kritik. In den USA mehren sich Stimmen, angesichts der schlimmsten Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg Verantwortung zu übernehmen und mehr Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen.

Die ‚American Federation of Teachers‘ (AFT) gehört mit 1.6 Millionen Mitgliedern zu den großen US-Gewerkschaften. In ihrem Brief vom 10.9.2015 an US-Außenminister John Kerry kritisieren AFT-Vorsitzende Randi Weingarten und AFT-Schatzmeisterin Lorretta Johnson die US-Flüchtlingspolitik als unangemessen und fordern mit Hinweis auf Deutschland dazu auf, zehntausenden Flüchtlingen Asyl in den USA zu gewähren. Nachfolgend dokumentieren wir die deutsche Übersetzung des Schreibens der beiden Gewerkschafterinnen an den US-Außenminister:


Herrn John Kerry
Minister des Äußeren
2201 C Street NW
Washington, DC 20520

Sehr geehrter Herr Minister,

Wir sind ein Land von Einwanderern, das seit Generationen für Menschen Mitgefühl gezeigt hat, die gefährlichen oder politisch unerträglichen Lebensbedingungen entkommen wollten. Wir fordern Sie nachdrücklich auf, angesichts der katastropalen Situation, in der heute Millionen Menschen aus dem Mittleren Osten und Nordafrika Zuflucht vor den verheerenden Auswirkungen von Krieg, Unterdrückung und Verfolgung suchen, die Ressourcen unserer Regierung für rasche und umfassende Hilfe einzusetzen.

Unser Außenministerium gibt an, dass allein durch den Krieg in Syrien elf Millionen Menschen vertrieben wurden und dass diese Zahl täglich steigt.  Lassen Sie uns nicht in einer Generation zurückblicken und uns für unser Nichtstun schelten, wie es mit dem Genozid in Ruanda der Fall war. Dies ist nicht allein ein Problem der Europäischen Union. Es ist ein globales Problem und erfordert eine unmittelbare globale Reaktion.

Die Regierung Obama sollte in ihrem humanitären Engagement viel weiter gehen als nur die mögliche Aufnahme von 7.500 Flüchtlingen anzukündigen, die es nach Europa geschafft haben. Was manchem als entgegenkommend erscheinen mag, ist eine unangemessene Reaktion auf die schlimmste humanitäre Krise unserer Zeit.

Wir dürfen nicht zögern. Wir sollten unseren deutschen und anderen europäischen Partnern folgen und unsere Bereitschaft erklären, rasch zehntausende Männer, Frauen und Kinder aufzunehmen sowie  die Auslandshilfe zur Unterstützung internationaler Flüchtlingshilfeorganisationen exponentiell zu steigern.

Es bleibt eine politische Herausforderung, die starke Führungskraft erfordert, in vollem Umfang an dieser globalen humanitären Anstrengung teilzunehmen.  So wie wir schon mit der Regierung  bei der Unterstützung des Kernwaffenvertrags mit dem Iran aktiv zusammengearbeitet haben, werden wir energisch für alles eintreten, was notwendig ist um die Flüchtlingskrise zu bewältigen.

Diese vordringliche Anstrengung muss sich von unserem eigenen Mitgefühl und unseren humanitären Prinzipien leiten lassen. Das amerikanische Volk weiß, wofür wir stehen; unser moralischer Kompass leitet uns immer noch. Lassen Sie uns der Welt unsere Menschlichkeit zeigen.

Mit freundlichen Grüßen


Randi Weingarten                Lorretta Johnson
(AFT-Präsidentin)                (AFT-Schatzmeisterin)

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