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Schmutzige Gewinne

13.09.2017

Ob Aktienkauf oder Altersvorsorge: Nur wenige Menschen wissen, dass sie mit ihren Geldanlagen Kinderarbeit unterstützen. Neben der mangelnden Berichtspflicht für Banken und Fonds-Anbieter könnten auch Anleger mehr Interesse zeigen.

Viele Anleger fördern mit ihrem Ersparten oder über ihre Altersvorsorge häufig unwissentlich auch Kinderarbeit. Weit verbreitet sind etwa Investments in die Tabakindustrie, in der nach wie vor viele Kinder in Malawi, Brasilien oder Indonesien schuften. „Anlagestarke Bereiche sind auch Gold- oder Coltan-Minen, in denen Kinder schürfen sowie Investments in Rohstoffe wie Kakao, Baumwolle und Palmöl, die von Kindern geerntet werden“, sagt Antje Ruhmann, Kinderrechtsexpertin beim Kinderhilfswerk terre des hommes. Oft deckten gerade die renditestarken Fonds Sektoren ab, „die prädestiniert sind für Kinderarbeit“. Nur wenige Unternehmen am Kapitalmarkt könnten ausschließen, dass über ihr Geschäft an irgendeinem Punkt der oft den ganzen Globus umspannenden Lieferkette auch Minderjährige ausgebeutet würden.

Nur wenige Verbraucher wissen derweil, wo ihr Geld landet: „Es gibt so gut wie keine Berichtspflicht für Versicherungen und Banken, ob sie das Geld nachhaltig investieren“, kritisiert Thomas Küchenmeister, der 2011 Facing Finance gründete. Die Organisation veröffentlicht Berichte über fragwürdige Geschäfte zwischen Banken und Firmen. Küchenmeister verweist auch auf mangelndes Interesse der Anlegenden: „Selbst wer Bio kauft und das Auto stehenlässt, guckt oft weg, wenn es um nachhaltige Geldanlagen oder seine Altersvorsorge geht.“ Er geht davon aus, dass zurzeit etwa drei Prozent aller Anlagen soziale und ökologische Mindestkriterien berücksichtigten. Gemeinsam mit Gewerkschaften wie ver.di, Verbraucherzentralen und Hilfsorganisationen wie Brot für die Welt fordert Facing Finance von Bund und Ländern, soziale und ökologische Kriterien für ihre Pensionsfonds festzulegen – kurz: unethische Investments auszuschließen.

Der Bericht von Martina Hahn ist in voller Länge in der Septemberausgabe der „E&W“ nachzulesen.

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