GEW - Die Bildungsgewerkschaft
Du bist hier:

Reformagenda 4.0 als Antwort auf Industrie 4.0

Für den Politikwissenschaftler Klaus Pickshaus ist mit dem Stichwort Industrie 4.0 eine "Rationalisierungsstrategie" verbunden. Er befürchtet auch eine Ausweitung prekärer Jobs. Gewerkschaften seien gefragt, eine Reformagenda 4.0 zu entwickeln.

07.04.2016

Wenn heute von Arbeit oder Industrie 4.0 gesprochen wird, ist damit mehr als Automationstechnologie, computergesteuerte Fertigung und datentechnische Vernetzung gemeint. Es geht um die Einführung von cyber-physischen Systemen (CPS): Intelligente Maschinen, Betriebsmittel und Lagersysteme in der Produktion steuern sich eigenständig per Softwarealgorithmen. Es wird Produkte geben, die über ein Gedächtnis verfügen, und Bauteile geben, die wissen, was aus ihnen werden soll.

Von einer breiten Realisierung einer Industrie 4.0 sind wir zwar noch weit entfernt - unter anderem sind Probleme der Computersicherheit nach wie vor ungelöst. Die Dynamik digitaler Entwicklungen wird jedoch anhalten. Mobiles Arbeiten und Homeoffice werden zunehmen. Zu den möglichen Gefahren gehört dabei die zeitliche Entgrenzung der Arbeit.

Reformagenda 4.0 nötig

Zudem könnten Leistungen künftig in Echtzeit abgebildet und Arbeitsergebnisse präziser erfasst und verglichen werden. Die Gefahr weiterer Leistungsintensivierung und mehr Konkurrenz zwischen den Beschäftigten liegt auf der Hand. Die Gewerkschaften befürchten, dass bisherige Formen der Regulierung der Arbeit infrage gestellt würden und in einigen Branchen ein „digitales Tageslöhnertum“ entstehe. Die IG Metall schätzt, dass es derzeit schon bis zu einer Million Solo-Selbstständige gebe, die in der Regel auf Basis von Werkverträgen bezahlt werden - meist mit einer Dumpingspirale nach unten.

Vor dem Hintergrund einer möglichen Ausweitung prekärer Jobs und dem potenziellen Verlust von Millionen Arbeitsplätzen sind die Gewerkschaften laut Pickshaus aufgerufen, eine Reformagenda 4.0 zu entwickeln. Ein wichtiger Punkt wird dabei sein, jede abhängige Beschäftigung tarif- und sozialpolitisch zu schützen. Alle abhängig Tätigen, auch die abhängig Selbstständigen, sind in die bestehenden Arbeits- und Sozialsysteme zu integrieren – oder es muss ein eigener Rechtsrahmen für sie geschaffen werden.

Weitere gewerkschaftliche Handlungsfelder sowie ausführlichere Schilderungen der unterschiedlichen Bereiche der Industrie 4.0 sind im Beitrag von Klaus Pickshaus in der April-Ausgabe der "E&W" nachzulesen.

Quelle: acatech (Hrsg.): Umsetzungsempfehlungen für das Zukunftsprojekt Industrie 4.0, Berlin 2013

Diese im Schaubild erläuterte Periodisierung hat sich vornehmlich in der deutschen Debatte durchgesetzt. Demgegenüber wird von Autoren in den USA von einem „zweiten Maschinenzeitalter“ gesprochen.

 

Zurück