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Deutsche AuslandsschulenMehr Geld für die Altersvorsorge von Ortslehrkräften

Im Bundeshaushalt 2020 sind erstmals zusätzliche Mittel für den Versorgungszuschlag der beamteten Ortslehrkräfte an Deutschen Auslandsschulen eingeplant. Das betonte die KMK auf einer Tagung der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen.

04.02.2020 - Matthias Holland-Letz

In das langjährige Ringen um eine bessere Altersvorsorge für Ortslehrkräfte (OLK) an Deutschen Auslandsschulen (DAS) kommt Bewegung. Der Bundeshaushalt 2020 stelle erstmalig zusätzliche Mittel für die Versorgungslasten der beamteten OLK bereit, sagte der Generalsekretär der Kultusministerkonferenz (KMK), Udo Michallik, bei der Schulleitungstagung der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) Anfang Januar in Auswärtigen Amt in Berlin. Damit die Gelder fließen könnten, müsse die Verwaltungsvereinbarung aus dem Jahr 2013 für den Einsatz von Lehrkräften an DAS angepasst werden.

Darüber werde der Bund mit den Ländern verhandeln, sagte Michallik weiter. Ziel sei es, abschließende Entscheidungen der Finanzministerkonferenz und der KMK „bis spätestens Mitte des Jahres herbeizuführen“. Der Bundestag hatte im November 2019 beschlossen, DAS im Jahr 2020 mit zusätzlich 17 Millionen Euro zu fördern. Darin ist die Finanzierung des Versorgungszuschlags für OLK enthalten. 

Angestellte Lehrkräfte bleiben außen vor

Hintergrund: Da die Zahl der von der ZfA vermittelten Auslandsdienstlehrkräfte (ADLK) offenbar nicht ausreicht, stellen die Schulen vermehrt OLK ein - zu meist schlechteren Konditionen, vor allem bei der Altersvorsorge. So übernehmen Bund und Länder diese Zahlung für die Pensionsrückstellung bislang nur für die Lehrerinnen und Lehrer, die als ADLK an einer DAS tätig sind. Leer geht aus, wer verbeamtet ist und als OLK unterrichtet. Das führt dazu, dass OLK in einigen Bundesländern bis zu 900 Euro monatlich selbst zahlen müssen – andernfalls wird die Dienstzeit im Ausland nicht als ruhegehaltsfähig angerechnet. Die GEW kritisiert diesen Missstand seit Jahren.

Stephan Münchhoff von der GEW-Arbeitsgruppe Auslandslehrerinnen und –lehrer (AGAL) fragte, ob der Versorgungszuschlag auch an Tarifbeschäftigte fließen könne, also an OLK-Lehrkräfte, die in ihren Heimatländern nicht als Beamte arbeiten, sondern angestellt sind. „Diese Facette wurde noch nie an uns herangetragen“, sagte Guido Kemmerling vom Auswärtigen Amt. Der Versorgungszuschlag sei nur für verbeamtete, beurlaubte Lehrkräfte gedacht, ergänzte Peter Dicke von der ZfA. Nach Informationen von Münchhoff wird zudem überlegt, den Zuschlag nur dann zu zahlen, wenn der OLK-Vertrag nicht als prekäre Beschäftigung ausgelegt werden könne. Auf Anfrage teilte die ZfA dazu lediglich mit: „Die Einzelheiten werden noch zwischen Bund und Ländern abgestimmt.“

„Wir sind bereit, die Verhandlungen so zu begleiten, dass sichergestellt wird, dass der Versorgungszuschlag keine prekären Beschäftigungsverhältnisse zementiert.“ (Stephan Münchhoff)

Die GEW macht sich dafür stark, tarifbeschäftigte und beamtete Lehrkräfte gleich zu behandeln. „Wir sind bereit, die Verhandlungen so zu begleiten, dass sichergestellt wird, dass der Versorgungszuschlag keine prekären Beschäftigungsverhältnisse zementiert“, betonte Münchhoff. Die GEW schätzt, dass derzeit 700 OLK aus Deutschland an DAS unterrichteten, rund 10 Prozent seien Angestellte.

Bei der Tagung vom 7. bis 9. Januar 2020 mit rund 200 Teilnehmenden, darunter Schulleiterinnen und Schulleiter der 140 DAS aus etwa 70 Ländern, wurde darüber hinaus verkündet, dass die von der Bundesregierung in Auftrag gegebene Evaluation des 2013 verabschiedeten Auslandsschulgesetzes nahezu abgeschlossen sei. Demnach erhöhte sich die Zahl der DAS-Schülerinnen und -Schüler in den vergangenen fünf Jahren von 80.000 auf 85.000. Etwa 30 Prozent der Absolventinnen und Absolventen erklärten, dass sie in Deutschland studieren wollten.

Mehr Geld für GIB-Schulen

Die ZfA kündigte ferner an, jene Auslandsschulen finanziell stärker zu unterstützen, die das Gemischtsprachige Internationale Baccalaureate (GIB) anbieten. Das GIB ist ein international anerkannter Schulabschluss mit hohem Deutschanteil. Bislang wird dieser an rund 30 DAS angeboten.

Ein Teilnehmer fragte nach Plänen der ZfA, eine Funktionsstelle – vergleichbar mit der Oberstufenkoordination - zum Thema Digitalisierung an DAS einzurichten. ZfA-Leiterin Heike Toledo signalisierte Zustimmung: Man werde im Bund-Länder-Ausschuss für schulische Arbeit im Ausland (BLASchA) dazu einen Antrag stellen.

Toledo begrüßte zudem die Lehrkräfte, die 2019 die Leitung einer Deutschen Auslandsschule übernommen hatten. Dazu bat sie rund 30 Menschen nach vorn – mehrheitlich Männer. „Ich habe drei, höchstens vier Schulleiterinnen gezählt“, berichtete der AGAL-Landesbeauftragte in Berlin, Thomas Rosenbaum. „Das ist nicht ansatzweise zeitgemäß.“

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