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PISA-ErgebnisseLehrkräftemangel verschärft Ungleichheit

Der Schulerfolg in Deutschland hängt weiter stärker von der sozialen Herkunft ab als im Durchschnitt der OECD-Länder. Dies zeigen die Ergebnisse der neuesten PISA-Studie. Nach Ansicht der GEW verstärkt der Lehrkräftemangel das Problem.

03.12.2019

Deutschland tut sich auf dem Weg zu mehr Chancengerechtigkeit nach wie vor schwer. „Die große Abhängigkeit des Bildungserfolges von der sozialen Herkunft der Schülerinnen und Schüler bleibt die Achillesferse des deutschen Schulsystems. Auch fast 20 Jahre nach dem PISA-Schock schafft es Schule nicht entscheidend, Nachteile abzubauen, die Kinder aus dem Elternhaus mitbringen“, sagte GEW-Vorstandsmitglied Schule Ilka Hoffmann am Dienstag nach Veröffentlichung der Ergebnisse der neuen PISA-Studie

Deutsche Schülerinnen und Schüler zeigten zwar Leistungen über dem OECD-Durchschnitt, schnitten in den drei untersuchten Feldern Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften jedoch schlechter ab als 2015. Weitere Ergebnisse: Insgesamt bleibt der Abstand zu den Spitzenreitern in Asien und Europa groß. Gleichzeitig hängt der Schulerfolg in Deutschland weiterhin stärker von der sozialen Herkunft der Schülerinnen und Schüler ab als im Durchschnitt der OECD-Länder. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte: „Damit können wir nicht zufrieden sein. Andere Staaten ziehen an uns vorbei. Mittelmaß kann nicht unser Anspruch sein.“

„Der Lehrkräftemangel verschärft das Problem.“ (Ilka Hoffmann)

„Der Lehrkräftemangel verschärft das Problem. Die Schere geht weiter auf“, betonte Hoffmann. Es sei unverantwortlich, Quer- und Seiteneinsteiger insbesondere an Schulen einzusetzen, in denen ein hohes Maß an pädagogischer Kompetenz erforderlich sei. Insbesondere Schulen in schwierigen sozialen Lagen müssten gestärkt und begleitet werden, damit sie Schülerinnen und Schüler unterstützen und fördern könnten. „Sonst werden die Unterschiede zwischen Kindern aus bildungsbenachteiligten Familien und gut betuchten Elternhäusern gerade vor dem Hintergrund des gravierenden Lehrkräftemangels an Grundschulen zusätzlich verstärkt.“

Hoffmann bekräftigte die Forderung der Gewerkschaft, Deutschland müsse weitere Schritte in Richtung eines inklusiven Schulsystems machen und dafür mehr Geld und Personal bereitstellen. Länder wie Kanada, die ein Gesamtschulsystem haben, zeigten, dass sich die Ausgaben lohnen: Diesen Staaten gelinge es besser als Deutschland, Benachteiligungen abzubauen und junge Menschen mit Migrationshintergrund zu integrieren. Hoffmann betonte: „Nur mit einer länderübergreifenden Anstrengung ist die Herausforderung, endlich für mehr Chancengleichheit zu sorgen, zu stemmen. Dabei sollte auch die Schulstrukturdebatte nicht länger tabuisiert werden.“

Die wichtigsten PISA-Ergebnisse im Überblick

Lesen:

  • Deutschland liegt mit 498 Punkten signifikant über dem OECD-Durchschnitt von 487 Punkten. Die OECD-Spitzenstaaten sind Estland (523), Kanada (520), Finnland (520), Irland (518) und Korea (514).
  • Seit der ersten PISA-Erhebung 2000 ist der Kompetenzmittelwert für Deutschland damit um 14 Punkte gestiegen. Im Vergleich zu 2009 (497 Punkte) bleibt er ähnlich.
  • Seit 2009, als Lesen zuletzt Hauptdomäne war, ist der Anteil der Leistungsstarken von 7,6 auf 11,3 Prozent deutlich gestiegen. Der Anteil der Leistungsschwachen ist im Vergleich zu 2009 von 18,5 auf 20,7 Prozent leicht, aber nicht signifikant, gestiegen.

Mathematik:

  • Deutschland liegt mit 500 Punkten signifikant über dem OECD-Durchschnitt von 489 Punkten. Die OECD-Spitzenstaaten sind Japan (527), Korea (526), Estland (523), Niederlande (519) und Polen (516).
  • Gegenüber PISA 2012, als Mathematik zuletzt Hauptdomäne war, sind die Leistungen in Deutschland um 13 Punkte signifikant zurückgegangen.
  • Seit 2012 ist der Anteil der Leistungsstarken von 17,5 auf 13,3 Prozent signifikant gesunken. Der Anteil der Leistungsschwachen ist seit 2012 von 17,7 auf 21,1 Prozent signifikant gestiegen.

Naturwissenschaften:

  • Deutschland liegt mit 503 Punkten signifikant über dem OECD-Durchschnitt von 489 Punkten. Die OECD-Spitzenstaaten sind Estland (530), Japan (529), Finnland (522), Korea (519) und Kanada (518).
  • Im Vergleich zu 2015, als die Naturwissenschaften zuletzt Hauptdomäne waren, sind die Leistungen in Deutschland stabil geblieben.
  • Der Anteil der Leistungsstarken ist mit 10 Prozent seit 2015 stabil, der Anteil der Leistungsschwachen steigt von 17,7 auf 19,6 Prozent.
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