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Lehrer-Bashing im Internet

Die GEW unterstützt und berät ihre Mitglieder in rechtlichen Fragen, wenn deren Persönlichkeitsrechte durch anonyme Veröffentlichungen im Internet verletzt werden.

12.06.2007

Allerdings ist die Zahl der Kolleginnen und Kollegen sehr niedrig, die sich bisher Unterstützung suchend an die GEW gewandt haben.

Es steht außer Frage, dass es gesetzliche Regelungen geben muss, die jeden vor anonymen Diffamierungen und Beleidigungen im Internet schützen. Aber der Ruf nach gesetzlichen Regelungen kann ein gestörtes Lehrer-/Schülerverhältnis nicht heilen. Klagend in die Opferrolle zu schlüpfen, löst das Problem nicht und schadet dem Ansehen der Lehrkräfte.

Die beste Vorsorge gegen Lehrer-Bashing sind pädagogische Maßnahmen. Ein regelmäßiges Schüler-Lehrer-Feedback sollte danach pädagogischer Standard im Unterricht sein.

Schüler müssen in einem angemessenen und von gegenseitigem Respekt getragenen Verfahren die Möglichkeit haben, ihren Lehrkräften Rückmeldung zu geben, wie verständlich und interessant ihr Unterricht ist, ob sie sich gerecht behandelt fühlen und welche Änderungs- und Verbesserungsvorschläge sie für wichtig halten. Dann haben sie keinen Grund, mit diffamierenden Darstellungen ins Internet gehen.

Lehrerinnen und Lehrer sollten sich die Tatsache zu nutze machen, dass Schüler aus ihrer Perspektive auch Unterrichtsexperten sind und ernst genommen werden wollen. Auch Eltern sollten in solche Rückmeldeprozesse einbezogen werden.

Internationale Untersuchungen zeigen, dass sich Schülerinnen und Schüler im deutschen Schulsystem von ihren Lehrern vergleichsweise sehr schlecht unterstützt fühlen. Eine wesentliche Ursache dafür sehe ich darin, dass das deutsche Schulwesen auf Aussonderung und Sortierung beruht. Der Grundsatz der individuellen Förderung steht nicht im Vordergrund.

Den Schulen fehlen die Mittel, sich um jedes einzelne Kind zu kümmern. Stattdessen regieren Konkurrenz und Ellbogenmentalität. Viele Schüler werden im deutschen Schulsystem beschämt und rächen sich dafür in irgendeiner Form an ihren Lehrerinnen und Lehrern. Wer dem Lehrer-Bashing nachhaltig den Boden entziehen will, muss sich für ein integratives, auf individueller Förderung beruhendem Schulsystem einsetzen.

Marianne Demmer
Leiterin des GEW-Organisationsbereichs Schule

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