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Gipfel zu Bildung für die Entwicklung

Anfang Juli 2015 fand auf Einladung der norwegischen Regierung der ‚Oslo Summit on Education for Development‘ statt zur Unterstützung der Bildungsziele in der neuen Agenda für nachhaltige Entwicklung, die die Vereinten Nationen im September beschließen will.

09.07.2015 - Barbara Geier

Ein Gipfel kann ein herausragendes, weit sichtbares, häufig die Landschaft bestimmendes Zeichen sein. Welche Bedeutung der  'Gipfel zu Bildung für die Entwicklung', der am 6./7. Juli in Oslo stattfand, haben wird, können wir erst sehen, wenn die Ergebnisse aller dieses Jahr zu bewältigenden Gipfel bekannt sind.

 

Bittere Realität 

Die verschiedenen Gipfeltreffen haben gemeinsam, dass sie Wege festlegen wollen, die bis 2030 beschritten werden sollen, um das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung zu erreichen. Wie mühsam diese Wege sind, haben die letzten fünfzehn Jahre gezeigt, wo wir heute sechs Monate vor der gesetzten Endmarke der Millenniumsentwicklungsziele stehen und wissen, dass wir die Zielmarke weit verfehlt haben. Wenn wir nur die Forderung betrachten, dass bis 2015 jedes Kind weltweit Zugang zu Primarbildung gehabt haben sollte, zeigt uns die bittere Realität, dass immer noch mehr als 59 Millionen Kindern der Zugang zu Grundbildung verschlossen ist. 

Die Entwicklung der vergangenen fünfzehn Jahre ist ernüchternd. So nahmen in den ersten acht Jahren seit 2000 die Einschulungsraten von Mädchen und Jungen zwar zu, ab 2009 stagnieren die Zahlen jedoch und sind, vor allem, was den Schulbesuch von Mädchen angeht, sogar wieder rückläufig.  Dramatisch ist die Situation der zwei Millionen Kinder in Krisen - und Konfliktgebieten, deren Zahl weiter steigt. Eine Ahnung von der Lage in den Flüchtlingslagern erhalten wir fast täglich auf unseren Bildschirmen.

 

Interimsgipfel in Norwegen 

Der Bildungsgipfel in Oslo stand zwischen zwei überragenden Gipfeln, dem schon im Mai bestiegenen Weltbildungsgipfel in Incheon in Korea und dem vom 13.-16.Juli zu besteigenden Entwicklungsfinanzierungsgipfel in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba.

Gordon Brown, Sonderbotschafter der UN für Bildung und letzter Labour Premierminister des Vereinigten Königreichs, des bedeutendsten staatlichen Geldgebers für Bildung in der Entwicklungszusammenarbeit, und die norwegische Regierung hatten nach Oslo eingeladen. Einige Namen aus dem 'Who is Who' wie der UNO Generalsekretär Ban Ki -Moon, die letztjährige Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai, die Vorsitzende des Bildungsfinanzierungsfonds Global Partnership for Education (GPE), die ehemalige australische Ministerpräsidentin Julia Gillard und Fred van Leeuwen, der Generalsekretär der Bildungsinternationalen, waren auf der Teilnehmer*innen und Redeliste. Bildungs- oder Entwicklungsminister aus den Geberländern fehlten, die meisten Teilnehmer*innen kamen aus den Ländern des Südens und von NROs.

 

Globale Bildungsfinanzierung 

Man war sich in Oslo einig, dass die finanziellen Anstrengungen für Bildung erhöht werden müssen. Bis 2030 soll eine zwölfjährige, kostenfreie Schulbildung für alle Kinder Wirklichkeit werden. Die Ungleichheit beim Zugang zu Bildung zwischen den ärmsten und reichsten Kindern, den Kindern mit und ohne Behinderung, Jungen und Mädchen, sowie die Benachteiligung von MigrantInnen und indigenen Gruppen muss aufgehoben werden. 

Konkret wurde der Oslogipfel allerdings nur an einer Stelle: Unter der Leitung von Gordon Brown wurde eine Global Commission on Education Financing  ins Leben gerufen. Es bleibt zu hoffen, dass diese Kommission dazu betragen wird, zwei wichtige Anliegen des Gipfels umzusetzen: Zum einen die Forderung nach einer Besteuerung multinationaler Unternehmen in Entwicklungsländern, die Verfolgung von Steuerhinterziehung und das Verbot von sogenannten Steuerparadiesen. Durch die Steuern, die ihnen so entgehen, verlieren die Staaten vorsichtig geschätzt jährlich 138 Milliarden $. Das ist mehr als alle staatlichen Entwicklungshilfen. Die zweite Forderung gilt der Bildung in Krisenregionen. Weniger als zwei Prozent der humanitären Hilfe in Krisengebieten fließen momentan in die Bildung. Die Forderung von Oslo ist, dies mindestens auf vier Prozent zu erhöhen.

 

Fortsetzung folgt in Addis Abeba, New York und Paris 

Unter den Bergsteigern, die sich Mitte Juli auf den Weg zum Entwicklungsfinanzierungsgipfel nach Addis Abeba machen werden, sind viele Entscheidungsträger, darunter auch der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller. Es ist abzuwarten, ob dieser Gipfel so überragend sein wird, dass bei dem UN Gipfel der Staats- und Regierungschefs zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) im September in New York und dem UNESCO Gipfel im November in Paris der Bildung eine entscheidende Rolle eingeräumt wird.

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