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Frieden in Kolumbien?

Die kolumbianische Lehrergewerkschaft FECODE wirbt für ein "Ja" bei der Volksabstimmung am 2. Oktober über den Friedensvertrag zwischen Regierung und FARC-Guerilla. Der Vertrag könnte einen jahrzehntelangen Bürgerkrieg beenden.

08.09.2016 - Thomas Isensee

Nach jahrelangen Verhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der Guerillaorganisation FARC ist in Havanna ein Friedensabkommen unterzeichnet worden, das einen fünfzigjährigen Bürgerkrieg beenden soll. Sowohl für Gewerkschaften wie auch Menschenrechts- und Umweltaktivisten, Organisationen indigener Gemeinschaften und KleinbauernvertreterInnen beginnt damit eine neue Ära der Hoffnung. Es ist ihnen nun möglich, im Rahmen eines demokratischen Prozesses zu agieren. Und zwar ohne Androhung von Entführung und Tod, Straflosigkeit und manipulierten Gerichtsverfahren. Die kolumbianische Regierung schreckte in der Vergangenheit nicht davor zurück, unter dem Titel eines „Krieges gegen den Terrorismus“ mit Armee, Polizei und Justiz, aber auch mit paramilitärischen Todesschwadronen gegen regierungskritische Gruppen vorzugehen. Allein die Lehrergewerkschaft FECODE verlor über 1.000 Mitglieder und Funktionäre durch Morde. Viele FECODE-Funktionäre mussten in Lateinamerika und Europa zeitweilig Zuflucht vor den Morddrohungen suchen – auch die GEW betreute einige von ihnen.

Gesellschaftliche Konflikte bestehen fort

Jetzt schweigen zunächst die Waffen. Eine Entscheidung für das Friedensabkommen ist jedoch noch nicht getroffen. Der Friedensvertrag muss zunächst durch ein Plebiszit am 2. Oktober bestätigt werden. Langfristig werden die gesellschaftlichen Konflikte in Kolumbien durch einen Friedensvertrag allerdings nicht aufgelöst. Die Ursachen des Bürgerkriegs sind durch den lang anhaltenden Krieg noch verschärft worden. Etwa 50% der Bevölkerung leben am Rande oder unterhalb der Armutsgrenze und arbeiten in prekären Verhältnissen. Viele Millionen von ihrem Land vertriebene Binnenflüchtlinge bevölkern die Elendsviertel er Städte, während ihr Landbesitz jetzt neue und alte Großgrundbesitzer bereichert. Kolumbien steht vor einer riesigen gesellschaftspolitischen Aufgabe, die durch demokratische Prozesse und nicht durch Gewalt gelöst werden soll.

Ja zum Friedensabkommen ist nicht selbstverständlich

Die kolumbianischen Gewerkschaften, an der Spitze die Lehrergewerkschaft FECODE, nehmen diese Herausforderung an. Mit einer großen Kampagne zum Plebiszit am 2.Oktober wirbt FECODE für das Friedensabkommen. Angesichts des massiven Drucks der Konservativen um den Expräsidenten Uribe ist ein „Ja“ zum Abkommen keineswegs selbstverständlich. Der Kampagne, die über Lehrkräfte und Schulen getragen werden soll, liegt die Idee einer „Schule als Territorium des Friedens“ zugrunde. Zum Auftakt fand am 5. September in Bogotá ein „Internationales Treffen der Lehrkräfte für den Frieden in Kolumbien“ statt, an dem neben zahlreichen Gewerkschaftsvertretern aus aller Welt, so auch der Generalsekretär der Bildungsinternationale, Fred van Leeuwen und der argentinische Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel, teilnahmen.

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