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Bedarf an Fachkräften steigt weiterErzieherinnen und Erzieher dringend gesucht!

Der Fachkräftemangel bei Erzieherinnen und Erziehern wird sich nach Einschätzung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) weiter verschärfen. Die GEW drängt auf bessere Arbeitsbedingungen und eine gute Fachkraft-Kind-Relation.

15.01.2020

Durch den Ausbau der Betreuungsangebote für Kleinkinder, den geplanten Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen, die gestiegene Geburtenzahl und das relativ hohe Alter der Beschäftigten wird der Fachkräftemangel bei Erzieherinnen und Erziehern künftig noch dringlicher werden. Das geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Die repräsentative Arbeitgeberbefragung zeige „überdurchschnittlich starke Rekrutierungsprobleme im Erzieherberuf“.

„Wahrscheinlich werden wir bis zu diesem Zeitraum sogar mehr als 300.000 zusätzliche Fachkräfte benötigen.“ (Björn Köhler)

Die IAB-Studie macht keine eigenen Prognosen, wie viele Fachkräfte künftig fehlen. Das Institut Prognos hatte errechnet, dass bis 2030  bis zu 200 000 Erzieherinnen und Erzieher bundesweit fehlen werden. Während es bei Stellenausschreibungen in anderen Berufen laut IAB-Studie durchschnittlich elf Bewerbungen gibt, sind es bei Erzieherinnen- und Erzieherstellen nur fünf. Bei der Hälfte der Stellenbesetzungen gibt es aus Arbeitgebersicht Probleme wie zu wenige Bewerbungen oder unzureichende Qualifikationen der Bewerberinnen und Bewerber. Die Personalsuche dauert zudem überdurchschnittlich lange: So vergehen im Durchschnitt mehr als 100 Tage zwischen dem Beginn der Suche durch den Arbeitgeber und dem Arbeitsbeginn der eingestellten Person. Bei anderen Berufen liegt dieser Schnitt bei weniger als 90 Tagen.

GEW Kita-Experte Björn Köhler hält die Zahlen sogar noch für zu gering. „Wahrscheinlich werden wir bis 2030 sogar mehr als 300.000 zusätzliche Fachkräfte benötigen. Mehr Fachkräfte benötigen wir vor allem, wenn wir die Qualität in der frühkindlichen Bildung steigern wollen. Aber auch für den von der Bundesregierung  geplanten Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz für Grundschulkinder müssen mehr Fachkräfte her“, sagte Köhler, der im Geschäftsführenden Vorstand der GEW für Jugendhilfe und Sozialarbeit zuständig ist.

„Wir müssen die Arbeitsbedingungen für jede Fachkraft verbessern, das kann insbesondere durch verbindliche, bundesweite Regelungen zur Fachkraft-Kind-Relation angestoßen werden.“ (Björn Köhler)

Köhler sieht noch weitere Gründe für einen höheren Bedarf an Erzieherinnen und Erziehern: eine gute Fachkraft-Kind-Relation. „Wir müssen die Arbeitsbedingungen für jede Fachkraft verbessern, das kann insbesondere durch verbindliche, bundesweite Regelungen zur Fachkraft-Kind-Relation angestoßen werden. So kämen mehr Erzieherinnen und Erzieher in die Einrichtungen und die Arbeitsbedingungen verbesserten sich. Auch an einer angemessenen Bezahlung müsse gearbeitet werden, bekräftigte Köhler, um die Berufe im Sozial- und Erziehungsdienst attraktiver zu machen. Außerdem müssten qualitativ hochwertige, aber vergütete Ausbildungsmodelle wie die Praxisintegrierte Ausbildung (PiA) unbedingt stärker gefördert und eingerichtet werden, sagte Köhler weiter.

„Es ist Dringlichkeit gegeben, die Attraktivität des Berufs und der Erzieherausbildung zu verbessern, um das Angebot an ausgebildeten Fachkräften deutlich zu erhöhen.“ (Anja Warning)

Auch IAB-Forscherin Anja Warning macht sich dafür starkt, den Beruf und die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern attraktiver zu gestalten. „Es ist Dringlichkeit gegeben, die Attraktivität des Berufs und der Erzieherausbildung zu verbessern, um das Angebot an ausgebildeten Fachkräften deutlich zu erhöhen“, sagte Warning. Ansatzpunkte seien eine weitere Steigerung der Zahl der Ausbildungsplätze, die Vergütung des bislang unbezahlten schulischen Ausbildungsanteils und mehr Möglichkeiten zum Quereinstieg. „Kindertagesstätten können bei Personalmangel kurzfristig nicht über eine Verringerung der Zahl der zu betreuenden Kinder gegensteuern. Unbesetzte Stellen bringen deshalb besonders hohe Belastungen beim vorhandenen Personal mit sich. Personalmangel gefährdet die Qualität der Bildungsarbeit und nicht zuletzt die Attraktivität des Erzieherberufes“, sagte Warning weiter.

In Deutschland sind rund 700.000 Erzieherinnen und Erzieher sozialversicherungspflichtig beschäftigt. In den vergangenen fünf Jahren stieg die Zahl um ein Drittel. An der IAB-Stellenerhebung nahmen mehr als 10.000 Betriebe teil.

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