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Tarifrunde TVöD 2020Die besten Kommentare in den Sozialen Medien

Bei der Tarifrunde für den öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen geht es um Gehaltserhöhungen für weit über zwei Millionen Beschäftigte. Auch in den sozialen Netzen wird darüber diskutiert – viele wünschen sich bessere Arbeitsbedingungen!

14.10.2020

Der Startschuss für die Tarifverhandlungen fiel am 1. September. Es geht um die allgemeine Lohnerhöhung für alle Beschäftigten bei Bund und Kommunen. Dazu zählen auch die Kolleginnen und Kollegen in den kommunalen Kitas und der Jugendhilfe. Die Gewerkschaften fordern 4,8 Prozent mehr Gehalt, mindestens jedoch 150 Euro und die Angleichung der Arbeitszeit Ost an das Niveau im Westen. Seit Oktober gibt es erste Warnstreiks auf den Straßen der Bundesrepublik – und seitdem laufen auch die sozialen Medien heiß.

Viele Kita-Beschäftigte wünschen sich vor allem bessere Arbeitsbedingungen, insbesondere mehr Personal und damit einen besseren Betreuungsschlüssel:

„Mehr Geld ist natürlich immer schön. Aber mir wäre viel wichtiger, dass die Rahmenbedingungen für Mitarbeiter in Kindertagesstätten verbessert werden! Mehr Fachpersonal, kleinere Gruppen, Unterstützung im Hinblick auf Inklusion, Wertschätzung vom Arbeitgeber, Eltern und Umfeld!“ (Steffie Görgens)

„Wünschenswert wäre für Kitas vor allem auch ein wissenschaftlich fundierter Betreuungsschlüssel (...). Der Betreuungsschlüssel sieht oftmals gar nicht so schlecht aus. Bis einer krank wird, der nächste ist auf Fortbildung und einer hat Urlaub. Dann ist man leider ganz schnell wieder lediglich bei der Betreuung angekommen.“ (Stefan Ginsheimer)

Dass die zum Teil schlechte räumliche und personelle Ausstattung auch zu Stress führt, bringen einige Erzieherinnen auf den Punkt:

„Ich möchte auch einfach bessere Bedingungen, mehr Personal, weniger Kinder. Es ist nur noch eine Aufbewahrungsstelle mit Fließbandarbeit. Ich fühle mich oft eher wie in einem Affenkäfig, weil alles um mich herum wild ist.“ (Sandra Epp)

„Meist habe ich bereits um 11 Uhr Kopfschmerzen durch die Geräuschkulisse. Zu kleine Räume mit zu vielen Tischen, zu viele Kinder und zu wenig Personal.“ (Mareike Decker)

„Ohhhh jaaaa... Ich verzichte auch gerne auf mehr Geld, wenn wir dafür gesündere Arbeitsbedingungen bekommen!“ (Inga Gold)

Auch wenn alle diese Punkte wichtig sind, so lassen sie sich nicht innerhalb eines Tarifvertrages regeln. Sie müssen zum Beispiel durch die Kitafördergesetze der Bundesländer angegangen werden. Die GEW setzt sich daher politisch für Verbesserungen ein und hat wissenschaftliche Studien zu einem angemessenen Betreuungsschlüssel mit auf den Weg gebracht. Immerhin hat die GEW erreicht, dass die Politik hier Handlungsbedarf sieht. Das Gute-Kita-Gesetz ist ein Einstieg, geht aber in vieler Hinsicht nicht weit genug. Die GEW bleibt dran!

Den Fachkräftemangel angehen!

In vielen Kitas fehlt auch deshalb Personal, weil es nicht genug Fachkräfte gibt, oder weil qualifizierte Fachkräfte zu Trägern abwandern, die besser bezahlen. Insofern helfen Tariferhöhungen auch, eine bessere Personalausstattung zu erreichen. Eine gute Bezahlung macht den Beruf insgesamt attraktiver, so dass sich junge, motivierte Menschen entscheiden, sich zur Erzieherin oder zum Erzieher ausbilden zu lassen. Eine gute Bezahlung stellt auch sicher, dass sich qualifizierte Fachkräfte für eine Tätigkeit im öffentlichen Dienst entscheiden. Das wiederum entlastet alle Beschäftigten und schafft mehr Raum für eine befriedigende pädagogische Arbeit.

In dieser Tarifrunde geht es vor allem ums Geld. Das liegt daran, dass die regelmäßigen Tarifrunden immer Gehaltsrunden sind. Die Gewerkschaften haben die Entgelttabellen gekündigt – nur dafür dürfen wir streiken, alle anderen Themen unterliegen der Friedenspflicht. Aber die GEW will auch die Verhandlungen zur Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe wieder aufnehmen. Die waren im März 2020 wegen der Coronakrise unterbrochen worden. Nach dem Lockdown – und nachdem die Arbeitgeber eine Verschiebung der Gehaltsrunde abgelehnt hatten – haben wir uns gemeinsam mit den anderen Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes entschieden, das Thema Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe nicht gleichzeitig anzugehen. Auch weil viele Eltern schon im Frühjahr ihre Kinder zuhause betreuen mussten und ausgedehnte Streiks im Kita-Bereich jetzt besonders schwer vermittelbar wären. Der Kampf um Aufwertung ist daher zunächst verschoben, aber keinesfalls vergessen!

 

Die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes fordern 4,8 Prozent, mindestens jedoch 150 Euro mehr Gehalt. Zudem erwarten sie, dass die wöchentliche Arbeitszeit für die Angestellten in den östlichen Bundesländern auf 39 Stunden gesenkt und damit an das Westniveau angeglichen wird.

Die dritte Verhandlungsrunde ist für den 22./23. Oktober in Potsdam geplant.

In der Tarifrunde 2020 für den öffentlichen Dienst in Bund und Kommunen geht es um Gehaltserhöhungen für rund 2,3 Millionen Beschäftigte. Ver.di hat gegenüber den Arbeitgebern von Bund und Kommunen die Verhandlungsführerschaft für die DGB-Gewerkschaften GEW, GdP und IG BAU.