GEW - Die Bildungsgewerkschaft
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Den Profis den Rücken stärken!

Der anspruchsvolle Job der pädagogischen Fachkräfte im Sozial- und Erziehungsdienst muss in der Öffentlichkeit stärker wertgeschätzt werden. Dafür kämpft die GEW mit der Kampagne „Wir sind die Profis“.

Die GEW setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, die Sozial- und Erziehungsberufe aufzuwerten. Die Ziele sind, bessere Rahmenbedingungen für die soziale Arbeit zu schaffen, Kita-Qualitätsgesetze einzuführen, eine hochwertige Ausbildung für alle Sozialberufe und eine angemessene Finanzierung der Einrichtungen zu ermöglichen. Denn nur so bleibt das Berufsfeld attraktiv und junge Menschen können für die herausfordernde Tätigkeit gewonnen werden.

2009 und 2015 haben die Beschäftigten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst durch beeindruckende Streiks schon erhebliche Verbesserungen erreicht. Freie und kirchliche Träger haben nachgezogen. Es gibt aber noch offene Forderungen und weiteren Nachholbedarf, um die Sozialberufe wirklich attraktiv zu machen.

Im Tarifabschluss 2015 war vereinbart worden, dass die Eingruppierungsregelungen für den Sozial- und Erziehungsdienst frühestens zum 30. Juni 2020 gekündigt werden kann. Wegen der Coronakrise und der anstehenden schwierigen Tarifrunde 2020, bei der es auch um die regulären Entgelterhöhungen im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst geht, haben die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes beschlossen, von diesem Kündigungstermin keinen Gebrauch zu machen. Wann die Kündigung ausgesprochen wird, steht derzeit noch nicht fest. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Unsere Forderungen bleiben aktuell.

Wir sind die Profis. Sozial- und Erziehungsberufe: anspruchsvoll und wertvoll!

 

Die Forderungen von GEW und ver.di:

Verbesserung der Eingruppierungsmerkmale, insbesondere durch:

  • Abschaffung der EG S 3 und grundsätzlich Eingruppierung der Tätigkeit von Kinderpflegerinnen und -pflegern / Sozialassistentinnen und -assistenten in die EG S 4
  • reguläre Eingruppierung der Erzieherinnen und Erzieher in die EG S 8b
 
Verbesserung der Eingruppierung der Beschäftigten im Bereich der Sozialarbeit durch geänderte Zuordnung zu den Entgeltgruppen
Schaffung weiterer Merkmale ab EG S 17 für Tätigkeiten in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und in der Leitungstätigkeit
Anpassung der Stufenlaufzeiten an die allgemeinen Regelungen und Öffnung der Stufen 5 und 6 für alle Entgeltgruppen im Sozial- und Erziehungsdienst
Anpassung der Eingruppierung der Kita-Leitungen an die vorhandenen Anforderungen
Stellvertretende Leitungen verbindlich vorsehen und Festlegung der Mindesteingruppierung in die EG S 11a

Anpassung der Bedingungen, vor allem unter Berücksichtigung der gesetzlichen Anforderungen durch das Bundesteilhabegesetz durch z. B.

  • Aufnahme der Berufsbezeichnungen Arbeitserzieher*in, geprüfte Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung (gFAB) und der Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung mit Sonderpädagogischer Zusatzqualifikation (FAB mit SPZ)
  • bessere Bewertung der Tätigkeit der Gruppenleiterinnen und -leiter
  • Berücksichtigung der Tätigkeit der Schulassistenz / Schulbegleitung
  • Regelungen zur Vergütung während der Ausbildung zur Heilerziehungspflege (HEP)
 
Rechtsanspruch auf Qualifizierung für alle Beschäftigten z. B. von Kinderpflegerinnen und -pflegern sowie Sozialassistentinnen -und assistenten zu Erzieherinnen bzw. Erziehern
Ausdehnung der Vorbereitungszeit, um mehr Zeit für die mittelbare pädagogische Arbeit zu haben
Anerkennung der Berufstätigkeit und der bei anderen Trägern erworbenen Berufserfahrung
Qualifizierung und angemessene Vergütung für Praxisanleitung sowie die Ausstattung mit Zeitkontingenten

Bereits im Mai 2019 hat sich die GEW auf einer tarifpolitischen Konferenz auf die Verhandlungen 2020 vorbereitet. Die Kolleginnen und Kollegen haben dort auch über offene und neue Forderungen diskutiert.

Offene Forderungen der GEW:

 
  • Für Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsdienst gilt eine besondere Entgelttabelle, die sogenannte S-Tabelle. Diese hat im Vergleich zur allgemeinen Entgelttabelle im TVöD verlängerte Stufenlaufzeiten von drei Jahren in der Stufe 2 und vier Jahren in der Stufe 3. Damit sich Berufserfahrung lohnt, sind diese Stufenlaufzeiten an die allgemeine Tabelle anzugleichen und Beschäftigungszeiten bei anderen Trägern für die Stufenzuordnung vollständig anzuerkennen.
 
 
  • Durch neue Studiengänge an den Fachhochschulen und neue Tätigkeitsfelder hat sich das Berufsbild weiterentwickelt. In den Tarifverträgen gibt es aber noch keine Tätigkeitsmerkmale für Kindheitspädagoginnen und -pädagogen, Fachberaterinnen und -arbeiter sowie Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter. Kindheitspädagoginnen und -pädagogen werden häufig als Erzieherinnen bzw. Erzieher beschäftigt. Dabei sind sie darüber hinaus für andere Aufgaben qualifiziert. Sie sollen entsprechend ihrer Ausbildung z.B. als Fachberater*innen beschäftigt und bezahlt werden. Auch die besonderen Herausforderungen der Schulsozialarbeit finden in den tariflichen Eingruppierungsvorschriften noch keinen Niederschlag.
 
 
  • Es gibt in den Sozialberufen keine „einfachen“ Tätigkeiten. In jeder Einrichtung stellen sich besondere Herausforderungen, die von den Beschäftigten anspruchsvolle Antworten und eine hohe Belastbarkeit erfordern. Daher soll die Differenzierung zwischen einfachen und schwierigen Tätigkeiten in der Form überwunden werden, dass alle Tätigkeiten als „schwierig“ gelten.
 
 
  • Die Ausbildung in vielen sozialen Berufen findet zunehmend „praxisintegriert“ statt, so dass die Auszubildenden während der schulischen Ausbildung schon in den Einrichtungen tätig sind. Durch die Aufnahme dieser praxisintegrierten Ausbildungen in den TVAöD-Pflege haben die Gewerkschaften 2018 erreicht, dass dafür eine angemessene Ausbildungsvergütung zu zahlen ist. Ausbildungsgänge auch darauf achten, dass hier nicht unter der Hand „Schmalspurausbildungen“ eingeführt werden, was auch zu einer schlechteren Eingruppierung führen könnte.
 
 
  • In diesem Zusammenhang ist auch zu klären, wie eine qualifizierte Praxisanleitung angemessen zu vergüten ist.
 
 
  • Weil die Sozialberufe herausfordernd sind, wünschen sich viele Beschäftigte eine Entlastung im Alter z.B. durch reduzierte Arbeitszeiten bei vollem Lohnausgleich („alternsgerechte Arbeitszeiten“) und eine weitere Verbesserungen beim Gesundheitsschutz. Die 2009 erkämpften Tarifregelungen haben zwar dazu geführt, dass in vielen Einrichtungen Gesundheitszirkel und Belastungsstudien durchgeführt werden, hinsichtlich konkreter Maßnahmen gibt es aber noch viel Nachholbedarf.