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Studie der Hans-Böckler-StiftungJede dritte Frau arbeitet atypisch

Die sogenannte atypische Beschäftigung ist in Deutschland weiter hoch - und weiblich: Während jede dritte Frau in einem Minijob oder Teilzeit arbeitet, hat nur ungefähr jeder zehnte Mann einen befristeten Job oder ist als Leiharbeiter tätig.

25.06.2019

Frauen arbeiten überdurchschnittlich häufig in atypischen Beschäftigungen wie Minijobs. Das geht aus einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hervor, die dafür Zahlen des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2017 auswertete. Demnach gilt mehr als jedes fünfte Arbeitsverhältnis in Deutschland als atypisch – ist also ein Mini- oder Leiharbeits-Job, eine Teilzeit- oder befristete Stelle. Laut Studie sind vor allem Frauen in Westdeutschland betroffen.

Bundesweit sind laut Auswertung 30,5 Prozent aller kernerwerbstätigen Frauen atypisch beschäftigt, wobei Minijobs und Teilzeitarbeit dominieren. Unter den Männern haben nur 12,2 Prozent einen atypischen Job. Bei ihnen spielen Leiharbeit und befristete Beschäftigung eine vergleichsweise große Rolle. Das ergibt insgesamt eine durchschnittliche Quote von 20,8 Prozent im Jahr 2017. 

Weitere Ergebnisse der Auswertung: 

  • In den ostdeutschen Bundesländern liegt der Anteil atypisch Beschäftigter überall unter 18 Prozent, in Brandenburg sogar unter 15 Prozent. Im Westen reicht sie von knapp 18 Prozent in Hamburg bis 23 Prozent und mehr in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Bremen.
  • Zwei Drittel des Zuwachses seit der Wiedervereinigung geht auf die Ausweitung der Teilzeitbeschäftigung unter Frauen in Westdeutschland zurück.
  • Vor allem jüngere Beschäftigte stecken in atypischen Jobs. Unter den 15-24-Jährigen gilt dies für 30,9 Prozent. Grund ist, dass Berufsanfänger häufig nur einen befristeten Vertrag bekommen.
  • Überdurchschnittlich häufig atypisch beschäftigt sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ohne deutschen Pass. Der Anteil reicht von 25,3 Prozent unter Ausländerinnen und Ausländern aus den früheren EU-15-Ländern bis zu 35,3 Prozent bei Menschen aus Staaten außerhalb der EU.
  • Während 36,6 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ohne anerkannte Berufsausbildung befristet, in Teilzeit oder Leiharbeit tätig sind, liegt die Quote bei Beschäftigten mit abgeschlossener Lehre oder Berufsfachschule bei 20,7 Prozent. Am niedrigsten ist sie unter Menschen mit Hochschulabschluss: 14,3 Prozent.
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