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GEW zum Bildungstrichter: „BAföG rauf, und zwar schnell!“

16.05.2018

Von 100 Kindern aus Akademikerfamilien nehmen 79 ein Hochschulstudium auf, bei Nichtakademikerfamilien schaffen gerade einmal 27 von 100 Kindern den Sprung an eine Hochschule.

Dies ist die zentrale Aussage des so genannten Bildungstrichters, der in einer aktuellen Untersuchung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) aktualisiert wurde. GEW-Vize Andreas Keller forderte die Bundesregierung zum Handeln auf: „Dass in einem der reichsten Industrieländer der Welt Bildungschancen so ungleich verteilt sind, ist ein Skandal. Eine der ersten Maßnahmen für mehr Chancengleichheit muss eine schnelle und kräftige Erhöhung der Ausbildungsförderung sein. BAföG rauf, und zwar schnell!“

Traditionell war der Bildungstrichter Gegenstand der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks. 2017 erschien die Sozialerhebung erstmals ohne den Trichter. Viele argwöhnten, dass das Bundesbildungsministerium im Wahljahr kein Interesse an unbequemen Zahlen hatte. „Tatsächlich stellt der DZHW-Bildungstrichter der Bildungspolitik der Bundesregierung ein Armutszeugnis aus – insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Studierenden in den letzten 15 Jahren massiv angestiegen ist“, erklärte nun GEW-Hochschulexperte Andreas Keller.

Als „alarmierend“ bezeichnete Keller, dass die soziale Auslese nicht erst beim Hochschulzugang, sondern bereits beim Übergang in die Sekundarstufe II, also nach Klasse 9 oder 10 greift. Nur 46 von 100 Nichtakademikerkindern schaffen den Sprung in die gymnasiale Oberstufe, bei Akademikerkindern sind es 83 von 100. „Wir brauchen daher nicht nur eine schnelle und kräftige Anhebung der Fördersätze und Freibeträge des BAföG, wie es vor kurzem auch der BAföG-Beirat beim Bildungsministerium empfohlen hat. Auch die Wiedereinführung des BAföG für Schülerinnen und Schüler in der Sekundarstufe II an allgemeinbildenden Schulen gehört auf die politische Agenda der Bundesregierung,“ mahnte der GEW-Sprecher.

Die Ergebnisse der DZHW-Studie „Beteiligung an Hochschulbildung: Chancen(un)gleichheit in Deutschland“ von Nancy Kracke, Daniel Buck und Elke Middendorff können hier abgerufen werden.

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