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GEW führt drittes Geschlecht im Mitgliedschaftsantrag ein

Parallel zur Karlsruher Entscheidung zur Einführung eines dritten Geschlechtes im Personenstandsrecht hat der GEW-Hauptvorstand entschieden, in den Beitrittsformularen neben männlich und weiblich die Option „weiteres“ ergänzen.

14.12.2017

Die GEW spricht jetzt ganz offiziell alle Menschen und Geschlechter an: Nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes zur Einführung eines dritten Geschlechtes gibt es nun auch in der Bildungsgewerkschaft eine dritte Option. So schnell wie möglich werden die Formulare zum Antrag auf Mitgliedschaft neben männlich und weiblich durch die Auswahlmöglichkeit „weitere“ ergänzt und die Verwaltung der Mitgliederdaten darauf ausgerichtet. Potentielle Neumitglieder müssen sich damit nicht mehr zwingend zwischen der Anrede „Frau“ oder „Herr“ beziehungsweise den Geschlechtern „weiblich“ oder „männlich“ entscheiden.  Die GEW-AG LSBTI hatte die Initiative dafür ergriffen und die Diskussion in die GEW-Gremien getragen. 

Das Bundesverfassungsgericht hatte am 8. November 2017 entschieden, dass es künftig ein drittes Geschlecht im Geburtenregister geben müsse. Intersexuellen Menschen, die weder männlich noch weiblich seien, solle damit ermöglicht werden, ihre geschlechtliche Identität „positiv“ eintragen zu lassen, begründeten die Karlsruher Richter.

„Es ist wichtig, sexuelle Vielfalt zu einem Querschnittsthema in allen Fächern zu machen.“

Unterdessen gehen 43,5 Prozent der lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans, intergeschlechtlichen und queeren (LSBTIQ*) Lehrkräfte in Deutschland an ihrer Schule offen mit ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität um, wie eine stichprobenartige Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes unter rund 830 Lehrkräften ergab. Etwa ebenso viele (43,6 Prozent) sprechen jedoch aus Angst vor Respektverlust oder Ausgrenzung explizit nicht darüber. Insgesamt erlebten knapp ein Drittel der Befragten in den vergangenen 24 Monaten Diskriminierungen wegen ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität.

Die Umfrage zeigte aber auch: Vier von zehn LSBTIQ*-Lehrkräften sind zufriedener mit dem Arbeitsplatz, seit sie sich für ein Coming Out entschieden. Mehr als 96 Prozent würden sich erneut für einen offenen Umgang entscheiden. Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, fordert: „Es ist wichtig, sexuelle Vielfalt zu einem Querschnittsthema in allen Fächern zu machen.“ Die Hälfte der Lehrkräfte gab indes an. dass sexuelle und geschlechtliche Vielfalt nicht offizieller Bestandteil der Lehrpläne ihrer Schule seien.

Die Stichprobe umfasste 835 LSBTIQ*-Lehrkräfte aus dem gesamten Bundesgebiet, darunter 336 schwule, 310 lesbische, 110 bisexuelle, 28 trans* und 8 intergeschlechtliche Personen. Bedingt durch die Stichprobenziehung ist die Studie nicht repräsentativ, liefert aber exemplarisch Hinweise darauf, welche Erfahrungen LSBTIQ*-Lehrkräfte in Schulen in Deutschland machen.

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