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DDR-Vertragsarbeiter*innen: Zwischen Rassismus und Solidarität vor und nach 1989

Das zweiteilige Online-Seminar rückt Geschichte(n) von Migrantinnen und Migranten in der DDR in den Fokus. Es vermittelt multimediale Einblicke in ihre Arbeits- und Lebensbedingungen sowie Erfahrungen mit Rassismus in Ostdeutschland vor und nach der Wende.

Online-Seminar

Donnerstag, 25. März 2021

Teil I: 16.00 bis 17.30 Uhr

Teil II: 19.00 bis 20.30 Uhr

(Vortrag von Julia Oelkers und Gespräch mit Ibraimo Alberto)

Die meisten Migrantinnen und Migranten der DDR kamen als Arbeiterinnen und Arbeiter auf Grundlage von bilateralen Staatsverträgen in das Land. Unter der Maxime der sozialistischen Bruderhilfe und internationalen Solidarität wurde ihnen eine Ausbildung „im Prozess der produktiven Tätigkeit“ versprochen. Sie kamen aus Angola, Kuba, Mosambik oder Vietnam – mit der Hoffnung auf eine gute Zukunft, die leider zu oft enttäuscht wurde. Denn ihr Aufenthalt war handfesten wirtschaftlichen Interessen und disziplinarischen Regeln unterworfen. Als „Vertragsarbeiter*innen“ wurden sie in Betrieben eingesetzt, um den Arbeitskräftemangel der DDR zu beheben, und überwiegend schwerer oder monotoner Arbeit zugeteilt. In separaten Wohnheimen grenzte man sie vom Rest der Gesellschaft ab, Familiennachzug war verboten, bei Schwangerschaften drohte die Abschiebung. Lohnanteile wurden zur vermeintlichen Unterstützung der Herkunftsländer einbehalten. Dennoch setzten sie an vielen Stellen ihre eigenen Vorstellungen vom Leben durch.

Zum Zeitpunkt des Mauerfalls im November 1989 lebten mehr als 192.000 ausländische Staatsangehörige in der DDR, darunter etwa 90.000 „Vertragsarbeiter*innen“. Für viele endete der Aufenthalt vorzeitig und unfreiwillig. Die Verbliebenen wurden doppelt marginalisiert. Durch den Zusammenbruch des Wirtschaftssystems standen Massenentlassungen an. Viele deutsche Kolleg*innen sahen die Migrant*innen nun als Konkurrenz um Arbeitsplätze. In dieser Zeit nahmen Vorfälle rassistischer Gewalt drastisch zu.

Anhand der preisgekrönten Webdokumentation „Eigensinn im Bruderland“ vermittelt die Journalistin und Regisseurin Julia Oelkers Einblicke in die Geschichte(n) von Migrantinnen und Migranten in der DDR, ihre Arbeits- und Lebensbedingungen sowie Kämpfe. Einer der Zeitzeugen, Ibraimo Alberto, wird im anschliessenden Gespräch für Fragen zur Verfügung stehen. Außerdem wird er von seinen Erfahrungen mit Kontinuitäten und neuen Dynamiken rechter und rassistischer Gewalt in Ostdeutschland berichten. Hierzu wird auch weiteres Material für die Bildungsarbeit präsentiert.

Termin
25.03.2021, 16:00 - 20:30 Uhr
Veranstaltungsort
Online-Seminar

Anmeldeschluss
23.03.2021
Kontakt
Elina Stock
Referentin im VB Vorsitzende
Adresse Reifenberger Straße 21
60489 Frankfurt am Main
Telefon:  069/78973113