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GEW: „Wir brauchen eine Ausbildungsgarantie und eine Unterstützung der berufsbildenden Schulen!“

10.03.2017

Bildungsgewerkschaft zur Veröffentlichung der „Integrierten Ausbildungsberichterstattung“

Frankfurt a.M. – Für eine Ausbildungsgarantie für alle jungen Menschen macht sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mit Blick auf die heute veröffentliche „Integrierte Ausbildungsberichterstattung“ des Statistischen Bundesamtes stark. „Die Berufsausbildung im dualen System ist rückläufig. Aus der Zusage der Wirtschaft, 20.000 zusätzliche betriebliche Ausbildungsplätze gegenüber 2014 zu melden, ist unter dem Strich gerade einmal ein Zuwachs von gut 5.000 Plätzen geworden“, sagte Ansgar Klinger, im GEW-Vorstand für Berufs- und Weiterbildung verantwortlich, am Freitag. Zwar sei die Zahl der Anfänger in der Berufsausbildung mit 705.000 vergleichsweise hoch, davon hätten jedoch allein gut 174.000 junge Menschen im bislang wenig beachteten Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen eine vollzeitschulische Ausbildung aufgenommen, 10.000 Lernende mehr als im Vorjahr. 

Dass die Zahl der Studienanfänger von 509.000 auf 511.000 geringfügig gestiegen ist, sei kein Beleg für die Entwertung beruflicher Abschlüsse. Diese Entwicklung sei eng mit dem individuellen Wunsch der Lernenden nach gesellschaftlichem Aufstieg zu erklären. Hier seien vor allem die Arbeitgeber gefordert, klare Beschäftigungs- und Aufstiegsperspektiven für beruflich Qualifizierte zu bieten und die duale Ausbildung so attraktiver zu gestalten. „In der Debatte um die ‚Akademisierung‘ dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren, dass nach wie vor mehr als 1,9 Millionen junge Erwachsene zwischen 20 und 34 Jahren keinen Berufsabschluss haben. Das ist ein gesellschaftspolitischer Skandal ersten Ranges. Er macht deutlich, dass wir dringend eine Ausbildungsgarantie brauchen“, betonte Klinger. Nachdem die Zahl der Anfänger im sogenannten „Übergangsbereich“ bis 2013 auf gut 250.000 gesunken ist, seien seitdem wieder deutlich mehr junge Menschen in diese Bildungsgänge verwiesen worden: Mindestens knapp 300.000 im Jahr 2016. „Für 2017 gehen wir von einer weiteren deutlichen Zunahme in diesem Bereich alleine bei den Geflüchteten zwischen knapp 40.000 und gut 80.000 Lernenden aus. Für Bildung und Qualifizierung der geflüchteten älteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen benötigen wir eine deutlich bessere Unterstützung der berufsbildenden Schulen.“ Der Grund: Die jungen Menschen sollten durchgängig Deutsch lernen, sie brauchten sozialpädagogische Begleitung und psychologische Unterstützung, aber auch die Möglichkeit, praktisch zu arbeiten und zu lernen. „Nur die berufsbildenden Schulen können kulturelle, sprachliche und berufliche Bildung so verbinden, dass diese jungen Menschen eine fundierte Ausbildungs- und Berufsvorbereitung bekommen“, unterstrich Klinger. Dies sei die Voraussetzung für eine anschließende Berufsqualifizierung sowie den Erwerb weiterer Bildungsabschlüsse. 

Info: Die „Integrierte Ausbildungsberichterstattung“ informiert für die Bundes- und die Länderebene über die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger in den „Sektoren“ der Berufsausbildung, den sogenannten Übergangsbereich, den Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung sowie das Studium. Der Anstieg im sogenannten Übergangsbereich wird zur Zeit eher unterzeichnet, da aus den Ländern Bremen, Mecklenburg, Niedersachsen und dem Saarland lediglich die Vorjahresdaten des Übergangsbereichs vorliegen.

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