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GEW: „Hygienestandards sind die Messlatte“

Bildungsgewerkschaft zu den Vorschlägen der KMK zur Schulöffnung

28.04.2020

Frankfurt a.M. – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßt, dass die Kultusministerkonferenz (KMK) bei der schrittweisen Öffnung der Schulen die Sicherung von Hygienestandards und die Unterstützung benachteiligter Schülerinnen und Schüler ins Zentrum ihrer Pläne stellen will. „Für die Einhaltung der Hygiene und des Infektionsschutzes in den Schulen ist ein abgestimmtes, tragfähiges Vorgehen vor Ort notwendig. Dafür müssen die Kommunen sowohl finanziell als auch strukturell unterstützt werden“, sagte GEW-Vorsitzende Marlis Tepe mit Blick auf die Pressekonferenz der KMK am Dienstag in Frankfurt a.M. „Wir unterstützen das Raumkonzept der KMK, weil der Infektionsschutz nach dem Vorbild des rheinland-pfälzischen Hygieneplans Priorität hat. Der Plan erläutert Schulleitungen und Schulträgern sehr detailliert, welche Vorgaben zu beachten sind. Es ist klar, dass es vor den Sommerferien keinen regulären Unterricht mehr geben kann, da die Hygienevorschriften nicht eingehalten werden können.“ Tepe machte deutlich, dass 1,5 Meter Mindestabstand zwischen allen Menschen in der Schule eingehalten werden müssten. Beschäftigte und Schüler, die zur Risikogruppe gehören, dürften nicht in den Präsenzunterricht geholt werden. 

Tepe betonte, dass die Schulen von der Abschlussorientierung wegkommen müssten. Sie bedauerte, dass die KMK den Schwerpunkt weiterhin auf Prüfungen, Leistungsbeurteilung und das Einhalten von Stoffplänen lege. Mit Blick auf die beruflichen Schulen machte Tepe deutlich, dass die Fixierung auf Prüfungsklassen und den Folgejahrgang hier besonders problematisch sei: „An beruflichen Schulen, an denen bis zu 2.000 junge Menschen unterrichtet werden, gehören bis zu 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler zu diesen Klassen. Wie können da die Hygiene- und Abstandsregeln konsequent eingehalten werden?“

„Wir müssen die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt stellen. Ohnehin benachteiligte Kinder und Jugendliche werden immer weiter abgehängt, je länger sie nicht zur Schule gehen können. Wir brauchen einen guten Mix aus Präsenz- und Fernunterricht“, unterstrich die GEW-Vorsitzende. Das stelle hohe Anforderungen an die Unterrichtsplanung. Tepe begrüßte den KMK-Plan, möglichst alle Schülerinnen und Schüler vor den Sommerferien noch einmal in die Schule kommen zu lassen, um mit ihnen die Gestaltung des Fernunterrichts abzusprechen und den persönlichen Kontakt herzustellen. „Alle Kinder und Jugendlichen sowie die Lehrkräfte müssen so schnell wie möglich mit Endgeräten ausgestattet werden. Trotzdem gilt auch hier: Vernunft und pädagogische Konzepte gehen vor Schnelligkeit“, sagte Tepe.

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