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GEW: „Grundbildung für Erwachsene in den Fokus rücken“

Bildungsgewerkschaft fordert neue politische Initiativen für die Grundbildung und gesellschaftliche Teilhabe

15.11.2013

Frankfurt a.M./Weimar – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert deutlich größere Anstrengungen des Bundes und der Länder in der Grundbildung. Mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen verlangte die GEW-Bundesvorsitzende Marlis Tepe ein Umdenken in der Alphabetisierungsdiskussion. „Die GEW setzt sich für einen Anspruch auf Grundbildung ein, der über Lesen und Schreiben hinausgeht. Grundbildung muss auch der persönlichen wie der beruflichen Entfaltung und der politischen wie kulturellen Teilhabe der Gesellschaft dienen“, sagte Tepe. Den 7,5 Millionen so genannten funktionalen Analphabeten werde der Zugang zur gesellschaftlichen Teilhabe bislang verwehrt. „Wir brauchen vielfältige öffentliche Angebote, die die Menschen vor Ort abholen. Neben betrieblichen Maßnahmen können Grundbildungszentren an Volkshochschulen entscheidende Schritte leisten, sofern sie personell und finanziell angemessen ausgestattet sind“, betonte Tepe auf der Weimarer Herbstakademie der GEW (mehr Informationen siehe Link in der Infobox rechts).

Zur Finanzierung der vom Bund geplanten Alphabetisierungsdekade müsse endlich das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern im Bildungsbereich aufgehoben werden, sagte die GEW-Vorsitzende. Als wichtiger Akteur sei zudem die Bundesagentur für Arbeit gefragt. „Neben der beruflichen Qualifizierung muss die Bundesagentur in ihren Maßnahmen und Programmen auch die notwendige Grundbildung vermitteln“, forderte Tepe.

„Seit dem Ende der 1970er Jahre sind bei der Grundbildung gesellschaftlich relevante Erkenntnisse nicht umgesetzt worden“, stellte Ansgar Klinger, für Berufliche Bildung und Weiterbildung verantwortliches GEW-Vorstandsmitglied, fest. Die Weimarer Herbstakademie zeigt in Form von Referaten, Gesprächsrunden und Workshops die Problemlagen auf: Jahrelange neoliberale Sozial- und Bildungspolitik hat zu einer sozialen Segmentierung der Gesellschaft geführt, wie es zuletzt wieder von der OECD-Erwachsenenbildungsstudie PIAAC dokumentiert wurde. Viele „funktionale Analphabeten“ seien strukturell gedemütigt und reagierten teils selbst dort mit Misstrauen, wo öffentliche Einrichtungen Grundbildungsangebote unterbreiten, verdeutlichte Klinger. „Gerade angesichts des demografischen Wandels und des immer wieder beschworenen Fachkräftemangels ist eine Gesamtstrategie von Bund, Ländern und Kommunen für flächendeckende Bildungsberatung und -angebote erforderlich, wenn man die Betroffenen endlich gesellschaftlich beteiligen und brachliegende ‚gesellschaftliche Reserven‘ nutzen will“, fasste der Weiterbildungsexperte zusammen.