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GEW: „Arbeitsbedingungen für die Lehrkräfte in den Integrationskursen verbessern“

Bildungsgewerkschaft zum Festakt der Bundesregierung „15 Jahre Integrationskurse"

18.09.2020

Frankfurt a.M. – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mahnt die Bundesregierung mit Blick auf den heute im Bundeskanzleramt veranstalteten Festakt „15 Jahre Integrationskurse“, gerechte Arbeitsverhältnisse in den von ihr verantworteten Kursen der Integration zu schaffen. „Die Trägerinnen und Träger müssen in die Lage versetzt und verpflichtet werden, feste tariflich geregelte Arbeitsverhältnisse für ihre Lehrkräfte zu schaffen“, so Ansgar Klinger, Vorstandsmitglied für Berufliche Bildung und Weiterbildung beim GEW-Hauptvorstand.

Wer in einem Festakt auf den Stand und die Zukunft des Integrationskurssystems blicken wolle, komme nicht daran vorbei, auf die skandalösen Beschäftigungsverhältnisse im öffentlichen Auftrag zu achten. Nach wie vor würden Honorarverträge unterhalb des Mindestlohnniveaus in der Weiterbildung anstelle einer Festanstellung in der Daueraufgabe Integrationskurs vergeben. Das bedeute kein Urlaubsgeld, keine Absicherung im Krankheitsfall und dass die Beiträge zur Sozialversicherung zu 100 Prozent alleine getragen werden müssten: „Für die Lehrkräfte in den Kursen ist Altersarmut heute schon programmiert“, so Klinger.

„Eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe – die Integration von Zugewanderten – wird von Menschen gestemmt, die ihre eigene Integration ins deutsche Sozialsystem als ungenügend erleben, ein Skandal in öffentlichem Auftrag!“, kritisiert der GEW-Weiterbildungsexperte. Jetzt sei die Zeit, eine der Qualifikation und Verantwortung der Lehrkräfte entsprechende tariflich gesicherte Beschäftigung herzustellen, die GEW sei zu entsprechenden Verhandlungen gesprächs- und vorschlagsbereit.

Info:
Mit dem Zuwanderungsgesetz aus dem Jahr 2005 und der Verordnung über die Durchführung der Integrationskurse vom Dezember 2004 formulierte die Bundesregierung erstmals Anforderungen für Integrationskurse, in denen Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund Deutsch lernen.
Eine curricular vereinheitlichte und zentralisierte Deutschsprach- sowie Integrationsförderung trat damit an die Stelle der bis dato unverbindlicheren Kurskonzepte. Seither haben 2,4 Millionen Lernende neu an den Integrationskursen teilgenommen.
Neben den allgemeinen Integrationskursen werden heute auch Spezialkurse für Alphabetisierung für Frauen und Jugendliche sowie Intensivkurse und Förderkurse angeboten, was auch eine Differenzierung ermöglicht. Die zum Teil gravierend problematischen Prüfungsergebnisse weisen auf einen pädagogisch gebotenen Reformbedarf hin.
Auch 15 Jahre nach Verabschiedung des Zuwanderungsgesetzes sind die Arbeitsbedingungen für die in Integrationskursen tätigen Dozentinnen und Dozenten immer noch prekär.