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Gute Bildung für alle! Appell für mehr Geld in der Bildung!

Vor der Bundestagswahl macht die GEW Druck für mehr Geld in der Bildung – und zwar nicht allein! Die GEW hat eine große Zahl zivilgesellschaftlicher Organisationen und Gewerkschaften für den Appell gewonnen, mit dem wir jetzt an die Öffentlichkeit gehen. Der Appell ist ein erster Schritt eines gemeinsamen Engagements für mehr Geld für Bildung!

 

Gute Bildung heißt Bildung für alle

Deutschland braucht mehr und bessere Bildung für alle Menschen. Weder das Alter, die Herkunft, das Geschlecht, eine Behinderung oder der soziale Status dürfen zu schlechteren Bildungschancen führen. Nur dann kann das Menschenrecht auf Bildung in Deutschland wirksam erfüllt werden. Gute Bildung ist für unsere Gesellschaft unverzichtbar: für die Persönlichkeitsentwicklung, für ein Leben und Arbeiten in Würde, für eine Erziehung zur Toleranz und zur Übernahme von Verantwortung und damit für eine aktive demokratische Beteiligung an der gesellschaftlichen Entwicklung. Bildung muss auf Lernen für nachhaltiges Denken und Handeln, auf wechselseitige Anerkennung und Respekt ausgerichtet sein. Die Rahmenbedingungen für die beteiligten Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen müssen fair, gerecht und durchlässig gestaltet sein. Der Bildungserfolg ist in Deutschland wie in kaum einem anderen Staat vom Einkommen und Bildungsstand der Eltern abhängig. Das muss sich ändern! Bildung muss weitergedacht und weiterentwickelt werden. Es bedarf einer Offensive für den qualitativen und quantitativen Ausbau des gesamten Bildungswesens.

Gute Bildung verlangt Raum und Zeit

Was wir in Deutschland brauchen, ist mehr Zeit und mehr Raum für Bildung und Lernen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene brauchen ein Umfeld, das ihnen Lernen erleichtert, sie anspricht und motiviert. Räume müssen gemeinsames und individuelles Lernen unterstützen und so ausgestattet sein, dass zeitgemäße pädagogische Konzepte umgesetzt werden können. Die Realität unserer Kindertagesstätten, Schulen, Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen sieht häufig anders aus. Allein bei den Schulgebäuden besteht ein Sanierungsstau in einer zweistelligen Milliardensumme.

Gute Bildung braucht Personal

Die Beschäftigten in Bildung und Wissenschaft eröffnen Kindern, Jugendlichen sowie jungen und älteren Erwachsenen den Zugang zur Welt. Aber: Gruppen und Klassen sind vielfach zu groß. Fachkräfte im Bildungsbereich benötigen Zeit, um sich individuellem und gemeinsamem Lernen widmen und sich beraten und austauschen zu können. Der zunehmende Personalmangel im Bildungsbereich ist besorgniserregend. Das ist auch eine Folge der bisherigen Kürzungen in Bund, Ländern und Kommunen, der fehlenden Attraktivität pädagogischer Berufe und der mangelnden Ausbildungskapazitäten im Bildungsbereich. Auch dies beeinträchtigt die Bildung der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen. An den Hochschulen und in der Weiterbildung, zunehmend auch an Kitas und Schulen, arbeiten viele Menschen mit befristeten Verträgen. Besonders in der Weiterbildung arbeiten viele als Honorarkräfte ohne soziale Absicherung. Für alle Beschäftigten in Bildung und Wissenschaft sind Dauerstellen für Daueraufgaben zu schaffen. Außerdem benötigen zusätzliche Aufgaben zusätzliches Personal. Gute Arbeitsbedingungen sind die Voraussetzung für erfolgreiche Bildung.

Gute Bildung braucht Geld

Wir brauchen mehr Geld für Bildung. Nur so wird es möglich sein, das Recht auf gute Bildung für alle zu verwirklichen. Dies bedeutet vor allem:

  • Verstärkung der Qualität der Kindertagesstätten, um erfolgreiche Bildung von Anfang an zu ermöglichen
  • umfassende Bildung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen
  • Umsetzung des Rechtes auf eine inklusive Schule mit einer aufgabenadäquaten räumlichen und personellen Ausstattung
  • optimale berufliche Qualifizierung
  • Ausbau der Grundfinanzierung der Hochschulen, Verbesserung der Betreuungsrelationen zwischen Lehrenden und Studierenden sowie eine Reform des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (BAföG)
  • bestmögliche Bildung der Erwachsenen einschließlich der Grundbildung der sogenannten funktionalen Analphabeten
  • erfolgreiche Integration von geflüchteten und asylsuchenden Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
  • ein ausreichend öffentlich finanziertes Weiterbildungsangebot
  • Erleichterung des Zugangs zur Weiterbildung
  • ein qualitativ hochwertiges Ganztagsangebot (Multiprofessionalität, Ausbau der Schulsozialarbeit, Räume, personelle Ausstattung)
  • Investitionen für Gebäudesanierung, -neubau und -ausstattung
  • Ausstattung für das Lernen in der digitalisiertenWelt
  • Bewältigung des zentralen Problems im Bildungswesen, des Mangels an qualifiziertem Personal
  • Zeit für Fortbildung und Beratung.

Geld ist genug da. Wir appellieren deshalb vor der Bundestagswahl an die Kandidatinnen und Kandidaten für den neuen Bundestag:

  • Lassen Sie die Länder und Kommunen bei der Verwirklichung des Rechts auf gute Bildung für alle nicht allein.
  • Stellen Sie deutlich mehr Geld zur Verfügung, damit Bund, Länder und Gemeinden diese essentielle Aufgabe für die Gesellschaft dauerhaft gut erfüllen können. Denn: Alles beginnt mit guter Bildung!

Einige Organisationen unterstützen den Appell in seinem grundsätzlichen Ansinnen, haben sich aber statt einer Unterschrift für eine Kommentierung entschieden.

Kommentare
Name: Norman Heise, Bundesgeschäftsführer der Bundeselternvertretung der Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege
Appell
Eltern sind durch die Gebühren in der Kindertagesbetreuung (Krippe, Kita und Horte) stark belastet. Diese Belastungen sind regional höchst unterschiedlich und reichen von wenig und bald gar keine Kitagebühren bis hin zu für Mehrkindsfamilien mit massiven, wohnortsabhängigen Gebührensteigerungen die eine familiäre Mehrbelastung von bis zu 900 Euro pro Kind ausmachen. Die qualitative Verbesserung von Kitas ist uns sehr wichtig. Neben einer Aufwertung des Erzieher_innenberufs muss die Abschaffung aller Gebühren für Eltern umgesetzt werden. Für uns als BEVKi muss eine gute Bildung auch eine kostenfreie Bildung sein.
28.06.2017 - 09:04
Name: Dr. rer. pol. h. c. Rudolf Seiters, Präsident des Deutschen Roten Kreuzes
Appell
Ganzheitliche, qualitativ hochwertige und inklusive Bildung leistet einen zentralen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und sichert unsere Zukunft. Als Bildungsorganisation setzt das DRK vor allem auf soziale und persönliche Kompetenzen und hilft damit vielen Menschen unmittelbar. Das DRK ist Träger von Familienbildung und Kitas, Einrichtungen und Angeboten der Jugendhilfe, vermittelt Wissen zu erster Hilfe, zur Hilfe im Katastrophenfall und zum humanitären Völkerrecht und organisiert vielfältige Unterstützung im Alltag.
28.06.2017 - 09:12