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Einstellungschancen für Lehrkräfte

Immer wieder wenden sich Studierende oder Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst an die GEW mit der Frage „Wo habe ich die besten Einstellungschancen?“ Keine einfache Antwort, aber eine Orientierung.

Ein Studium mit Einstellungsgarantie – diese Wunschvorstellung wird nicht in Erfüllung gehen! Schaut man in die Vergangenheit, so stellt man fest, dass der Lehrerarbeitsmarkt großen Schwankungen unterworfen war: Auf Phasen mit hohen Einstellungszahlen folgten Phasen mit niedrigen Einstellungen. Das schlägt sich in der Alterszusammensetzung der Lehrkräfte in Deutschland nieder, die eine ausgeprägte Wellenform aufweist.

Im Westen gibt es viele Lehrerinnen und Lehrer in den rentennahen Jahrgängen, die in den 70ern im Schuldienst angefangen haben. In den 80ern dagegen wurden fast alle Absolventen nach dem Vorbereitungsdienst arbeitslos, nur wenige konnten nach und nach übernommen werden. Im Osten wurden dem gegenüber in den 80er Jahren viele junge Lehrkräfte beschäftigt, diese sind jetzt in ihren 50er Lebensjahren. Im Westen wurden zu Beginn der 2000er Jahre wieder vermehrt Lehrkräfte eingestellt, die jetzt in den 40er Lebensjahren sind. Und seit Beginn der Pensionierungswelle der in den 70ern Eingestellten kamen viele junge Kolleginnen und Kollegen hinzu. Im Osten wiederum gibt es derzeit kaum Lehrkräfte unter 40, da nach der Wende 20 Jahre lang „zu viele“ an Bord waren.

Die individuellen Einstellungschancen hängen aber nicht nur von der Nachfrage nach Lehrkräften ab, sondern auch von der Zahl der Absolventen der Lehramtsstudiengänge. Diese weisen ein ähnliches wellenförmiges Muster auf: In Zeiten hoher Lehrernachfrage beginnen viele Abiturienten ein Lehramtsstudium, während eine hohe Lehrerarbeitslosigkeit, wie z.B. in den 80er Jahren im Westen Deutschlands, oft abschreckend wirkt. Während Anfang der 90er Jahre nicht mal 15.000 Menschen pro Jahr ein zweites Staatsexamen in einem Lehramt ablegten, sind es derzeit fast 30.000.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) legt alle zwei Jahre eine Prognose des erwarteten künftigen Lehrerbedarfs vor. Die letzte Prognose stammt aus dem Frühjahr 2015 mit Daten aus 2014. Darin geht die KMK von einer stark rückläufigen Nachfrage nach Lehrkräften aus, von aktuell über 30.000 pro Jahr auf rund 20.000 im Jahr 2025. Rechnet man – wie die KMK – mit gleichbleibend hohen Absolventenzahlen, dann dürfte schon in wenigen Jahren wieder über steigende Lehrerarbeitslosigkeit gesprochen werden. Allerdings verschleiern solche zusammenfassenden Zahlen große regionale und strukturelle Unterschiede.

Der markanteste Unterschied besteht zwischen Ost und West: Hier ergibt sich schon aus der Alterszusammensetzung der Lehrerschaft ein unterschiedlicher Bedarf an Neueinstellungen. Aber auch innerhalb der alten Bundesrepublik lässt sich ein Nord-Süd-Gefälle ausmachen: Während im Süden schon jetzt viele Absolventen leer ausgehen, sind die Einstellungschancen im Norden weitaus besser. Wer räumlich flexibel ist, erhöht daher seine individuellen Einstellungschancen erheblich.

Darüber hinaus bestehen große Unterschiede zwischen den Schulformen. Nach der Prognose der KMK ist ein Überangebot an Lehrkräften vor allem im Bereich Gymnasium zu erwarten, wo in wenigen Jahren doppelt so viele Absolventen wie freie Stellen erwartet werden. Dagegen werden für gewerbliche Fächer an Berufsschulen und in den sonderpädagogischen Fächern weiterhin zu wenige Lehrkräfte ausgebildet. Überlagert wird diese Tendenz durch fächerspezifische Mangellagen: In den MINT-Fächern, in denen sich außerhalb von Schule sehr gute Einkommensperspektiven bieten, besteht traditionell ein Lehrermangel, ebenso im Bereich Musik und Kunst. Abiturienten mit dem Berufswunsch „Lehrerin/Lehrer“ sollten sich also ihre Fächerwahl gut überlegen.

Wie schnell Prognosen veralten zeigt sich zur Zeit mit Blick auf die hohe Zuwanderung: Deutschlandweit werden händeringend qualifizierte Lehrkräfte gesucht, die den neuen Schülerinnen und Schülern Deutsch beibringen können. Das hat noch vor ein, zwei Jahren niemand in dieser Weise vorhersehen können. Die GEW fordert in ihren Handlungsempfehlungen kurzfristig ein Sofortprogramm zur Förderung der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften mit der Befähigung „Deutsch als Fremd- bzw. Zweitsprache“ und mittelfristig, „Deutsch als Zweit- / Fremdsprache“ zu einer echten Lehramtsbefähigung aufzuwerten und zu einem vollwertigen Lehramtsfach in der Lehrkräfteausbildung aufzubauen.

Alle Bundesländer haben im Internet Bewerbungsportale oder Informationsseiten veröffentlicht. Die GEW-Landesverbände beraten ihre Mitglieder umfassend, auch in Fragen der Besoldung und der Verbeamtung . Schon während der Ausbildung, spätestens aber beim Berufsstart ist jeder gut beraten, eine starke Gewerkschaft an seiner Seite zu haben!