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Einstellung ukrainischer Lehrkräfte

In fast allen Bundesländern sind bereits neu zugewanderte Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte aus der Ukraine beschäftigt. Bei der Anerkennung ihrer Qualifikationen und den Bedingungen ihrer Beschäftigung ist aber noch vieles ungeklärt.

Unter den Hunderttausenden Menschen, die aus der Ukraine geflüchtet sind, sind zahlreiche pädagogische Fachkräfte, die auch angesichts des akuten Lehrkräftemangels für das deutsche Bildungssystem wichtig sind. Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) kam Ende Mai zu dem Schluss, mindestens 13.400 zusätzliche Lehrkräfte seien nötig, um die neuen Schülerinnen und Schüler zu unterrichten; bei einem engeren Betreuungsschlüssel läge die Zahl bei mindestens 20.200 zusätzlichen Lehrerinnen und Lehrern.

„Wir brauchen eine vereinfachte Anerkennung der Abschlüsse und Qualifikationen“, fordert daher Anja Bensinger-Stolze, GEW-Vorstandsmitglied Schule. „In der aktuellen Situation sind die Verfahren zur Integration in den Schuldienst in den meisten Bundesländern zu bürokratisch und die Anforderungen an Deutsch-Zertifikate zu hoch.“

Nach Ansicht der GEW ist es wenig sinnvoll, jemanden mit 20 Jahren Berufserfahrung wegen des Fehlens eines Referendariats oder Vorbereitungsdienstes abzulehnen. Fehlende Qualifikationen wie ein zweites Fach oder nicht ausreichende Deutschkenntnisse können parallel zur Schultätigkeit nachgeholt werden. Auch zielgruppengerechte Anpassungslehrgänge und ein Patensystem sind wichtig. Außerdem müssen gleichwertig ausgebildete Lehrkräfte gleichwertig bezahlt werden. „Die neuen Kolleginnen und Kollegen dürfen keine Lehrkräfte zweiter Klasse werden.“

Vergleichbar ist die Lage an den Kitas. „Natürlich müssen Erzieherinnen und Erzieher aus der Ukraine in einer Kita Deutsch sprechen können, und einige von ihnen bringen ja gute Deutschkompetenzen mit“, sagt Doreen Siebernik, GEW-Vorstandsmitglied Jugendhilfe und Sozialarbeit. „Aber formelle Zertifikate können sie nachholen. Solche Hürden müssen schnell abgebaut werden.“ Viele Kolleginnen und Kollegen in Erzieherberufen aus der Ukraine brächten sogar akademische Abschlüsse mit. 

Häufig gestellte Fragen und Antworten der GEW

Noch gibt es jedoch viele Unklarheiten und Unsicherheiten  – beispielsweise zu Anerkennungsverfahren, Eignungsprüfungen und Nachqualifizierungsmöglichkeiten, aber auch Beschäftigungsbedingungen sowie Eingruppierung und Gehalt.

Anerkennung in Deutschland ist das zentrale Informationsportal der Bundesregierung zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen hierzulande. Fachkräften, die in Deutschland in ihrem im Ausland erlernten Beruf arbeiten möchten, steht ein Online-Angebot in elf Sprachen zur Verfügung.

Mit dem Anerkennungs-Finder erfahren sie, ob sie eine offizielle Anerkennung ihrer ausländischen Berufsqualifikation brauchen, und welche Stelle für ihr Verfahren zuständig ist. Außerdem finden sie wichtige Informationen zur Vorbereitung auf das Anerkennungsverfahren und die Antragstellung.

Schnelle Hilfe gibt es unter der Hotline 030 1815-1111. Diese ist Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr erreichbar.

Ein Info-Flyer beschreibt Wege zur Anerkennung und nennt kostenfreie Quellen für Information und Beratung. Die Publikation steht in drei Sprachen zur Verfügung: 

Darüber hinaus informiert auch die Kultusministerkonferenz (KMK) über die Anerkennung von Bildungsnachweisen.

Das Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)" arbeitet an der Zielsetzung, die Arbeitsmarktchancen für Menschen mit Migrationshintergrund zu verbessern. Von zentralem Interesse ist, dass im Ausland erworbene Berufsabschlüsse – unabhängig vom Aufenthaltstitel – häufiger in eine bildungsadäquate Beschäftigung münden.

Die bundesweit aktive IQ-Fachstelle Beratung und Qualifizierung ist spezialisiert auf das Themenfeld Anerkennung ausländischer Qualifikationen. Für eine individuelle Beratung zur Anerkennung Ihres ausländischen Berufsabschlusses können Sie sich an die regionalen IQ Beratungsstellen wenden.

Der Antrag auf Anerkennung eines im Ausland erworbenen Lehramtsdiploms erfolgt nicht zentral, sondern über die Kultusministerien. Es ist erforderlich, zuerst die Anerkennung in dem Bundesland zu beantragen, in dem man aktuell lebt. Liegt eine offizielle schriftliche Antwort vor, darf die Anerkennung in einem anderen Land beantragt werden. In der Regel kostet das Verfahren eine Gebühr. Diese ist abhängig von den länderspezifischen Voraussetzungen.

Das Referat Antidiskriminierung, Migration und Internationales der GEW Sachsen hat in Kooperation mit dem IQ Netzwerk Sachsen eine Übersicht zu Unterstützungsangeboten für Lehrkräfte im Anerkennungsverfahren erarbeitet.

In der Regel sind die Deutschkurse an den Volkshochschulen nicht so teuer wie diejenigen, die einige Institute wie das Goethe-Institut anbieten. Unter bestimmten Voraussetzungen kann man Ermäßigungen beziehungsweise eine Kostenübernahme beantragen. An Universitäten und Hochschulen gibt es Sprachzentren, an denen Kurse für Deutsch als Fremdsprache auf unterschiedlichen Niveaus angeboten werden.

In Deutschland bieten viele Hochschulen und Universitäten kostenfreie Beratung zur Vereinbarkeit von Studium und Familie. Die Studentenwerke und die Allgemeinen Studierendenausschüsse (AStA) sind erfahrene Ansprechpartnerinnen und -partner.

Die meisten Hochschulen und Universitäten bieten kostenfreie, auf Wunsch anonyme Beratung und ggf. Therapiemöglichkeiten für Studierende, auch im Anpassungslehrgang. Im Internet sind Kontaktmöglichkeiten zu finden. Alternativ bieten Organisationen wie die katholische Kirche (Caritas) oder die evangelische Kirche (Diakonie) kostenlose, anonyme Beratungen, telefonisch oder vor Ort in den Beratungsstellen. Einige nichtreligiöse Verbände wie die Arbeiterwohlfahrt (AWO) bieten ebenfalls Familien- und Erziehungsberatungen an.

Die Besoldungseinstufung stimmt nicht immer, besonders bei Sonderprogrammen wie „Lehreraustausch- oder Sprachassistenzprogrammen“. Die GEW-Rechtschutzstelle jedes Bundeslandes kann die Richtigkeit der Besoldungseinstufung überprüfen und bei Reklamationen bei den Landesschulbehörden oder Kultusministerien helfen.

Die LAMAS arbeiten gerade daran...

Mögliche Ideen:

  • Kontakt mit der GEW-Vertrauensperson der Schule suchen, falls vorhanden.
  • Kontakt zum Haupt-/Bezirkspersonalrat suchen. Die GEW ist dort vertreten.
  • Die LAMAS.
  • Rechtsschutzstelle der GEW im jeweiligen Bundesland