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ErzieherInnen verdienen mehr: Forderungen für eine neue Entgeltordnung Sozial- und Erziehungsdienst

Sozialpädagogische Fachkräfte werden, gemessen an der gesellschaftlichen Relevanz der Sozial- und Erziehungseinrichtungen sowie den Qualitätsstandards und Ansprüchen in den Bildungsstätten, nicht adäquat bezahlt. Klar ist: Das Gehaltsniveau dieser Beschäftigtengruppen liegt unterhalb dessen, was in anderen Berufsfeldern mit vergleichbaren Ausbildungswegen verdient wird. Die Bundesfachgruppe Sozialpädagogische Berufe der GEW hat diese Schieflagen analysiert und Forderungen erarbeitet, die wichtige Diskussions- und Anknüpfungspunkte für die anstehende Tarifrunde zum Sozial- und Erziehungsdienst liefert.

Erzieherinnen und Erzieher sowie Beschäftigte in sozialpädagogischen Berufen haben große Erwartungen an die kommende Tarifrunde. Es geht erstmals seit dem Abschluss der Entgeltordnung für den Sozial- und Erziehungsdienst (EGO) in 2009 um eine neue Bewertung und damit eine andere Eingruppierung der Tätigkeiten. Die Eingruppierung entscheidet, welche Arbeit wie bezahlt wird. Die in der aktuellen Entgeltordnung beschriebenen Tätigkeitsmerkmale und die damit verbundene Eingruppierung spiegeln die Arbeitsrealität und die gestiegenen Ansprüche an Sozial- und Erziehungsberufe jedoch nicht wieder. Gleichzeitig bleiben die Gehälter hinter den Berufen mit vergleichbaren Ausbildungswegen zurück. Die Attraktivität des Erzieherberufs sinkt zusehends und resultiert bereits jetzt in einem eklatanten Fachkräftemangel. Auf Grundlage einer intensiven Diskussion mit unseren Mitgliedern hat die Bundesfachgruppe Sozialpädagogische Berufe vier Kernforderungen entwickelt, deren Durchsetzung dem Sozial- und Erziehungsdienst zu einer steigenden Attraktivität und den Beschäftigten zu einer angemessenen Bezahlung verhelfen soll.

Beruf aufwerten

Die GEW will in den Tarifverhandlungen erreichen, dass die Bezahlung der Sozial- und Erziehungsberufe insgesamt angehoben wird. Die Kita ist der Elementarbereich des Bildungswesens. Die Jüngsten sollen optimal gefördert und auf ihrem Bildungsweg von Anfang an unterstützt werden. Auch die Schulsozialarbeit gewinnt an Wichtigkeit - mit Blick auf Inklusion und Ganztagsbetreuung. Gute Bildung und Erziehung gibt es nur dank der guten Leistung der Beschäftigten. Dies müssen die Arbeitgeber angemessen bezahlen.

Leitungen neu eingruppieren

Die Eingruppierung der Leitungskräfte richtet sich bisher nach der Zahl der regelmäßig belegbaren Kita-Plätze. Anspruchsvolle Leitungsaufgaben, die große Sachkompetenz und Verantwortung verlangen, müssen beim Verdienst künftig unbedingt zusätzlich berücksichtigt werden. Insbesondere das Einstiegsgehalt in die Leitung einer kleinen Einrichtung (weniger als 40 Plätze - Entgeltgruppe S 7) liegt mit 2 349 Euro brutto kaum höher als das einer Erzieherin oder eines Erziehers ohne Leitungsaufgaben - und ist damit viel zu niedrig. Zumal mit der Leitungstätigkeit nicht zuletzt Personalverantwortung verbunden ist. Das führt unter anderem dazu, dass eine Leitungskraft schlechter eingruppiert wird, wenn die Einrichtung einen besseren Betreuungsschlüssel hat, z.B. weil sie Kinder unter drei Jahren aufnimmt. Bei der Bewertung der Leitungsfähigkeit sollte daher nicht nur berücksichtigt werden, wie viele Kita-Plätze die Einrichtung hat, sondern auch wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort tätig sind.

Mobilität ermöglichen

Von allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern werden heute hohe Flexibilität und Mobilität erwartet. Doch die öffentlichen Arbeitgeber bestrafen Mobilität statt zu fördern. Warum? Sie erkennen die bei anderen Arbeitgebern erworbene Berufserfahrung bei der Eingruppierung nicht ausreichend an. Wechselt zum Beispiel eine Erzieherin ihren Arbeitsort, kann sie selbst bei langjähriger Berufserfahrung in die Erfahrungsstufe 3 zurückfallen, was einer Gehaltseinbuße von rund 500 Euro brutto pro Monat entspricht. Die Kommune kann zwar, um den Personalbedarf ihrer Kita zu decken, eine höhere Stufe gewähren, einen einklagbaren Anspruch darauf gibt es jedoch nicht. Allzu oft sparen die öffentlichen Arbeitgeber so auf Kosten der Angestellten. Für die GEW ist ganz klar: Berufserfahrung im gleichen Arbeitsfeld ist immer in vollem Umfang anzuerkennen - unabhängig davon, bei welchem Arbeitgeber sie erworben worden ist.

Tätigkeitsmerkmale modernisieren

Die Tätigkeitsmerkmale des sozialpädagogischen Berufsfelds müssen überarbeitet und modernisiert werden. Dies betrifft insbesondere die Aufnahme neuer Berufe, Arbeitsfelder und Tätigkeiten: Die GEW fordert, neue berufliche Qualifikationen, z.B. einen Hochschulabschluss in Kindheitspädagogik sowie neue Berufsbilder und Arbeitsbereiche (etwa Fachberatung und Schulsozialarbeit), durch eigene Tätigkeitsmerkmale in der Entgeltordnung angemessen zu honorieren.

Basierend auf den Kernforderungen hat die Bundesfachgruppe Sozialpädagogische Berufe der GEW eine Informationsbroschüre erstellt (s. Infokasten), in der der Bedarf einer finanziellen und gesellschaftlichen Aufwertung sozialpädagogischer Berufe mit Analysen, Beispielen und Berechnungen verdeutlicht wird und konkrete politische Maßnahmen und Forderungen an den Arbeitgeber abgeleitet werden.