GEW - Die Bildungsgewerkschaft
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Was sagen GEW-Mitglieder zur Tarifrunde?

Bei der Tarifrunde 2018 für den öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen (TVöD) geht es um weit über zwei Millionen Beschäftigte. Die GEW vertritt dabei Erzieherinnen und Erzieher, Sozialpädagoginnen und -pädagogen, Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter sowie weitere Pädagoginnen und Pädagogen, die im Sozial- und Erziehungsdienst oder in anderen Bereichen von Bund und Kommunen arbeiten. Was sagen GEW-Mitglieder zur Tarifrunde?

Erni Schaaf-Peitz leitet eine Kita in Wittlich (Rheinland-Pfalz) und Mitglied der GEW-Tarifkommission

„Organisierung ist in strukturschwachen Regionen wie bei uns in der Pfalz nicht selbstverständlich. Umso wichtiger war es für mich in die GEW einzutreten.“

 

Jens Kastner ist Erzieher aus Hamburg und Mitglied der GEW-Tarifkommission

„Ohne gewerkschaftliches Engagement geht es nicht. Und ohne eine angemessen hohe Bezahlung kann man gutes Personal nur schwer gewinnen und halten.“

Christine Münch, Erzieherin im Kreis Donnersberg (Rheinland-Pfalz) und Mitglied der GEW-Tarifkommission

„Ich bin vor 30 Jahren in die GEW eingetreten, weil ich der Meinung bin, dass die Bedingungen besser werden müssen, und das erreichen wir nur mit einer starken GEW.“

Angela Ryll, Heilpädagogin in Halle-Silberhöhe

„Ich bin seit Jahrzehnten Gewerkschaftsmitglied, weil es wichtig ist, dass Menschen sich einbringen. Ich habe mich immer engagiert und will auch Lautsprecher für die Leiseren sein, die sich nicht so zu Wort melden können. Von der Basis in meiner Gewerkschaftsgruppe in Halle hören wir immer wieder, dass die Betreuungsschlüssel im Sozial- und Erziehungsdienst das größte Problem sind. Die Vor- und Nachbereitungszeiten sind nicht in die Arbeitszeit eingebettet.“

Ralf Skala leitet eine Kindertagesstätte in Bruchhausen

„Ich bin in der GEW organisiert, weil sie DIE Bildungsgewerkschaft im DGB ist, die die Interessen aller dort tätigen Beschäftigten vertritt. Der öffentliche Dienst und seine Gehaltsstrukturen müssen wieder attraktiver für Berufseinsteiger werden. Nur so können wir dem eklatanten Fachkräftemangel im Sozial- und Erziehungsdienst entgegenwirken. Ich unterstütze unsere Forderungen in der Bundestarifkommission Bund und Kommunen und vor Ort mit den Kolleginnen und Kollegen, um unsere berechtigten Interessen durchzusetzen.“

Michael Geckeler ist Erzieher an einer Kindertagesstätte in Betzenberg, Kaiserslautern

„Am wichtigsten in dieser Tarifrunde ist, dass wir einen besseren Abschluss als nur einen Inflationsausgleich hinbekommen. Wir müssen von dem Geld, das wir mit unserer Arbeit verdienen, auch leben können. In der Entlohnung drückt sich aber auch die gesellschaftliche Anerkennung des Erzieherberufs aus. In der Tarifrunde heißt es regelmäßig, es sei kein Geld da, aber das stimmt so einfach nicht. In der GEW bin ich seit 22 Jahren, weil ich überzeugt von der Grundidee bin, dass man nur zusammen mehr erreichen kann.“

Stefan Hoppe, Sozialpädagoge in München

„Der Fachkräftemangel ist bei uns ein großes Problem. Der Arbeitsaufwand steigt, weil wir auch immer mehr Verwaltungsaufgaben zu bewältigen haben, dafür aber nicht mehr Arbeitszeit aufwenden können. Die Arbeit mit den Kindern darf ja nicht darunter leiden. Noch schlimmer ist es bei den Erzieherinnen und Erziehern. Da kommt die Forderung nach mehr Personal mittlerweile vor der Forderung nach mehr Geld. In der Tarifrunde müssen wir aber zumindest eine Kompensation, also einen guten Entgeltabschluss erreichen, damit sich der Fachkräftemangel nicht noch verschärft.“

Annett Berthold, Heilpädagogin in Halle-Neustadt

„Wir sind ein eingespieltes multiprofessionelles Team aus Heilpädagoginnen, Erziehern und Sozialpädagoginnen, das sich über das geforderte Maß hinaus für die Kinder und Eltern einsetzt. Unsere Ausstattung lässt aber zu wünschen übrig. Wir arbeiten in einer sehr alten Kita, die Räume sind baufällig und eng. Unser Krankenstand ist sehr hoch, weil wir dauerhaft eine emotional fordernde Arbeit leisten, die nach einigen Jahren an die Substanz geht. Darum brauchen wir dringend eine Aufwertung unserer Berufe. Bildung muss von Anfang an ein zentrales Thema sein.“

Sabine Henze, Erzieherin in Teltow

„Hierzulande existiert eine Türklinken-Norm der Unfallversicherung; für pädagogische Fachkräfte gibt es aber kaum einen Schutz vor berufsbedingten Erkrankungen. Wir verbrennen Arbeitskraft. Was tun wir denn mit denen, die nach 35 Dienstjahren nicht mehr können? Wir brauchen Personalverordnungen, mit denen die Arbeitsbelastung pädagogischer Fachkräfte minimiert wird und die helfen, psychische und physische Erkrankungen zu vermeiden. Oder wir müssen das über den Arbeitsschutz regeln. Von der Tarifrunde erwarte ich die vollständige Angleichung der Jahressonderzahlung im Osten an das Westniveau.“

Steve Kothe, Sozialpädagoge in Frankfurt a. M.

„Bei vielen freien Trägern gibt es bestenfalls eine Anlehnung an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD), viele andere haben keinen Tarifvertrag. Das führt immer wieder zu Lohndumping. Hier sind die Kolleginnen und Kollegen gefragt, sich in der Gewerkschaft zu organisieren. Tarifverträge bekommen wir nur, wenn wir gemeinsam Druck aufbauen und diese erstreiten. Wir müssen hohe Forderungen stellen, zum einen, weil es angemessen ist, und zum anderen, um das, was wir wollen, zumindest annähernd wieder erreichen zu können. Bei uns im Betrieb haben wir nach einer siebenjährigen Auseinandersetzung endlich die Angleichung an die Entgeltbestandteile des TVöD erkämpft. Dranzubleiben und sich zu engagieren, lohnt sich.“

Jo Göbel, Schulsozialarbeiterin in Frankfurt a. M.

„Im Sozial- und Erziehungsdienst (SuE) gibt es viele freie Träger ohne Tarifbindung. Immer mehr Aufgaben werden an private Träger vergeben, um Kosten zu senken. Mein Träger bezahlt nach Tarif, will aber keinen Tarifvertrag abschließen. Ein großes Problem im SuE ist die Arbeitsverdichtung. Es gibt immer mehr Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf, doch das geht nicht mit steigenden Finanzmitteln und wachsender Personalzahl einher. Das Etikett ‚Inklusion‘ wird draufgeklebt, die Kolleginnen und Kollegen müssen dann sehen, wie sie das stemmen. Immer mehr Aufgaben lasten auf immer weniger Schultern. Dafür müssen wir besser bezahlt werden.“

Text und Mitarbeit: Jörg Meyer