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Die Forderung nach hohen Löhnen volkswirtschaftlich erklärt

Gewerkschaften begründen ihre Forderungen nach höheren Löhnen stets mit volkswirtschaftlichen Daten. Die GEW-Tarifexperten erläutern die wichtigsten – vom Bruttoinlandsprodukt bis zur Umverteilung.

Es scheint ganz einfach zu sein: Die Beschäftigten möchten, dass ihre Arbeit möglichst gut bezahlt wird. Daher stellen die Gewerkschaften satte Lohnforderungen auf und versuchen, das maximal Mögliche zu erzielen. Die Arbeitgeber wollen möglichst billige Arbeitskräfte. Daher kommt es alleine darauf an, sie durch massive Streiks in die Knie zu zwingen. Das Tarifergebnis ist ausschließlich von der Durchsetzungskraft der Beschäftigten und ihrer Gewerkschaft abhängig.

Doch in der Realität läuft es anders. Selbst in hoch organisierten Bereichen wie der chemischen Industrie entsprechen die Tarifergebnisse nicht den maximalen Forderungen der Gewerkschaften. Die Sozialpartner finden Kompromisse, weil es auch nicht im Interesse der Beschäftigten ist, die Arbeitgeber in den Ruin zu treiben.

Aber wie sieht ein vernünftiger Kompromiss aus? Dabei sind branchenbezogene Aspekte und die wirtschaftliche Situation des konkreten Arbeitgebers zu bedenken. Vor allem aber geht es um volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen. Einerseits muss das Einkommen der Beschäftigten mit steigenden Lebenshaltungskosten Schritt halten. Andererseits lässt sich nur mehr verteilen, wenn die wirtschaftliche Entwicklung positiv ist. Das gilt indirekt auch für die öffentlichen Arbeitgeber, die sich aus Steuern finanzieren. Wenn die Wirtschaft wächst, nimmt der Staat in der Regel auch mehr Steuern ein – sofern dieser Effekt nicht durch "Steuergeschenke" an die Unternehmen aufgezehrt wird.

Diesen Zusammenhang gilt es klar zu machen. Deshalb begründen Gewerkschaften ihre Forderungen nach höheren Löhnen stets mit volkswirtschaftlichen Daten. Die wichtigsten seien kurz erläutert von Gesa Bruno-Latocha und Oliver Brüchert, Referenten im GEW-Arbeitsbereich Tarif- und Beamtenpolitik: