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Bezahlung von Lehrerinnen und Lehrern

Lehrkräfte werden in Deutschland je nach Bundesland sehr unterschiedlich bezahlt. Die GEW beantwortet, wie sich das Gehalt unterscheidet und wann von Besoldung die Rede ist.

Grundsätzlich muss man bei der Bezahlung von Lehrkräften zwischen Beamtinnen und Beamten und Angestellten unterscheiden. Bei Beamtinnen und Beamten redet man zwar im allgemeinen Sprachgebrauch ebenfalls vom "Gehalt", korrekt heißt es hier aber "Besoldung", da sie rein rechtlich nicht für die Arbeit bezahlt, sondern für die Wahrnehmung eines Amtes alimentiert werden. Beamte erhalten also eine Art Unterhaltszahlung, die ihnen und ihrer Familie eine "amtsangemessene" Lebenshaltung ermöglicht. Deshalb gibt es im Beamtenrecht weiterhin Kinderzuschläge, die im Tarifrecht abgeschafft sind.

Bei den Angestellten muss man berücksichtigen, dass sie sozialversicherungspflichtig sind, d.h. Arbeitnehmeranteile zur Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung zu entrichten haben (zusammen knapp 20 Prozent vom Brutto). Hinzu kommt der Arbeitnehmeranteil an der Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes. Beamtinnen und Beamte sind nicht sozialversicherungspflichtig, müssen aber ihren Anteil an einer privaten Kranken- und Pflegeversicherung selbst tragen, der individuell verschieden hoch ist.

Deutliche Unterschiede in der Bezahlung

Seit der Föderalismusreform I im Jahr 2006 sind die Bundesländer selbst für das Dienstrecht, darunter auch die Besoldung ihrer Beamtinnen und Beamten, zuständig. Dies hat dazu geführt, dass sich die Besoldung immer weiter auseinander entwickelt. Auch der Grundsatz „Besoldung folgt Tarif“ wurde seither oft nicht befolgt, weil einzelne Bundesländer Tarifabschlüsse nur teilweise oder gar nicht auf die Beamtenbesoldung übertragen haben.

Angestellte Lehrkräfte der Länder - mit Ausnahme von Hessen, das nicht Mitglied der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) ist - werden nach dem Tarifvertrag der Länder (TV-L) bezahlt. Für Angestellte bei kommunalen Arbeitgebern, zum Beispiel Lehrkräfte an kommunalen Schulen in Bayern, gilt der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD).

Obwohl die Entgelttabelle zum TV-L in allen Bundesländern (außer Hessen) gleich ist, weicht auch die Bezahlung der angestellten Lehrkräfte in den Ländern mitunter voneinander ab, weil die tarifliche Eingruppierung sich im Wesentlichen an der Besoldungsgruppe einer vergleichbaren beamteten Lehrkraft orientiert. In den Bundesländern gibt es verschiedene Schulformen und die Lehrämter sind unterschiedlichen Besoldungsgruppen zugeordnet. Insbesondere gilt dies für die Schulformen der Sekundarstufe I, die teilweise nach A12, teilweise nach A13 besoldet werden. Weitere Infos hierzu finden sich auf der Seite zum Laufbahnrecht der Länder. Die GEW hatte über Jahre für ein tarifliches Eingruppierungsrecht für angestellte Lehrkräfte gekämpft, das nicht mehr an das Beamtenrecht ankoppelt, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Der Tarifvertrag zur Lehrkräfte-Eingruppierung (TV EntgO-L) knüpft wie die früheren Lehrerrichtlinien an die jeweiligen Besoldungsämter an.

In der interaktiven Grafik unten haben wir die Einstiegsgehälter von Lehrkräften in den Bundesländern veranschaulicht. Eine übersichtliche Tabelle dazu finden Sie in der Downloadbox. Ebenso die GEW-Faltblätter mit den aktuellen Entgelttabellen zum TV-L und zum TVöD. Über die externen Links finden Sie die Besoldungstabellen für Bundesbeamte sowie eine vergleichende Übersicht über die Auseinanderentwicklung der Besoldung seit der Föderalismusreform.

Mithilfe der Entgeltrechner für den TV-L, den TVöD Bund und den TVöD Kommunen sowie der jeweiligen Besoldungsrechner auf der Seite „Öffentlicher Dienst.info“ kann das eigene Netto-Einkommen berechnet werden.

Beschäftigungsverhältnisse und Einstiegsgehälter in den Bundesländern

Als kleinsten gemeinsamen Nenner und zugleich "unteren" und "oberen" Rand werden beim von der GEW vorgenommenen Gehaltsvergleich die Lehrämter "Grundschule" und "Studienrätin/rat am Gymnasium" verglichen. Erstere sind in allen Bundesländern der (niedrigeren) Besoldungsgruppe A12 zugeordnet, letztere in allen Bundesländern der Besoldungsgruppe A13. Dank des Einsatzes der GEW hat Berlin als erstes Bundesland festgelegt, Grundschullehrkräfte ebenfalls der Besoldungsgruppe A13 zuzuordnen.

Berlin und Sachsen beschäftigten neue Lehrkräfte grundsätzlich im Arbeitsverhältnis (als Angestellte). In anderen Bundesländern ist dies eher die Ausnahme, z.B. bei befristeter Einstellung oder wenn „Verbeamtungshindernisse“ vorliegen (fehlende Ausbildung oder gesundheitliche Eignung, Bewerber zu alt, keine Planstelle usw.) Die Bruttowerte für angestellte Lehrkräfte sind bundesweit einheitlich. Lediglich in Hessen gelten leicht abweichende Werte. Hier ist die Bezahlung nach "Entgeltgruppen" (je nach Tätigkeit) und innerhalb dieser nach "Stufen" (nach Berufserfahrung) gegliedert. Berlin und Sachsen stellen Lehrkräfte grundsätzlich nur im Angestelltenverhältnis ein, weshalb hier die Bruttowerte der angestellten Lehrkräfte ausgewiesen wurden.

Berlin zahlt aufgrund seines Lehrermangels allen Berufsanfängern übertariflich von Anfang an die höchste Erfahrungsstufe 5 (sonst erst nach 9,5 oder 10 Jahren erreicht). Bei Sachsen ist Stufe 2 angegeben, die voll ausgebildete Lehrkräfte (mit 2. Staatsexamen) nach sechs Monaten erreichen und andere Beschäftigte nach einem Jahr.

Bei Fragen zur Bezahlung von Lehrerinnen und Lehrern helfen die GEW Landesverbände weiter.

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