GEW - Die Bildungsgewerkschaft - Website https://www.gew.de GEW - Die Bildungsgewerkschaft - Website de-DE GEW - Die Bildungsgewerkschaft - Website Sat, 21 Oct 2017 17:34:40 +0200 Sat, 21 Oct 2017 17:34:40 +0200 TYPO3 EXT:news news-12630 Thu, 19 Oct 2017 13:48:04 +0200 Weltsozialforum kehrt zurück nach Brasilien https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/weltsozialforum-kehrt-zurueck-nach-brasilien/ Vom 13. – 17. März 2018 findet im brasilianischen Salvador de Bahia unter dem Motto “to resist is to create, to resist is to transform” das Weltsozialforum statt. Die GEW wird daran teilnehmen. Seinen Ursprung hat das Weltsozialforum in Brasilien. Seit dem ersten Weltsozialforum 2001 in Porto Alegre kommen regelmäßig zehntausende Menschen aus aller Welt und unterschiedlichsten Initiativen fünf Tage in Weltsozialforen zusammen, um sich auszutauschen, Forderungen und Aktionen zu diskutieren und gemeinsam für eine andere, bessere Welt zu demonstrieren.

Die Welt scheint aus den Fugen geraten
Besser geworden ist die Welt allerdings nicht seit Porto Alegre. Im Gegenteil: Sie scheint aus den Fugen geraten. Kriege, Terror, Hass und Vertreibung haben die größte Flüchtlingskatastrophe seit Ende des Zweiten Weltkriegs ausgelöst. Reaktionäre Kräfte sind weltweit auf dem Vormarsch und schüren Rassismus, Sexismus, Islamophobie und Antisemitismus. Sie hetzen gegen Minderheiten und spielen mit den Zukunftsängsten der Menschen, um Gesellschaften zu spalten und soziale Errungenschaften zu schleifen.

Wird das Weltsozialforum noch gebraucht?
Porto Alegre markierte den Aufschwung einer neuen internationalen globalisierungskritischen Bewegung. Seitdem hat Brasilien, hat die Welt sich sehr verändert – und mit ihr das Weltsozialforum. Wo steht das Forum heute? Ist es noch Ort für soziale Bewegung oder nur noch ein Event unter vielen, eine internationale Messe von Nichtregierungsorganisationen, wie Kritiker behaupten? Brauchen wir das Weltsozialforum noch? Gehen noch emanzipatorische Impulse von ihm aus? Oder ist es längst überflüssig geworden aufgrund der Vielzahl digitaler Vernetzungen und Aktions- und Beteiligungsmöglichkeiten zivilgesellschaftlicher Organisationen bei Weltgipfeln aller Art?

Einzigartige Möglichkeit des Blicks über den Tellerrand
Für die GEW ist die Antwort klar: Angesicht der aktuellen Weltlage ist das Weltsozialforum wichtiger denn je. Seit Porto Alegre beteiligen wir uns regelmäßig mit Delegationen und Workshops an den Weltsozialforen. Nirgendwo sonst besteht für uns diese einzigartige Möglichkeit des Blicks über den Tellerrand, des Kennenlernens und internationalen Erfahrungsaustausches, der Vernetzung und Verabredung mit anderen Gewerkschaften und zivilgesellschaftlichen Initiativen.

Hunderte Veranstaltungen geplant
2018 kehrt das Weltsozialforum in sein Ursprungsland zurück. Gastgeber ist diesmal die afrobrasilianische Metropole Salvador de Bahia, Geburtsort des berühmten brasilianischen Autors Jorge Amado und Handlungsstätte vieler seiner Romane. Hunderte Veranstaltungen sind während des Weltsozialforums auf dem Gelände der staatlichen ‚Universidade Federal da Bahia‘ (UFBA) geplant. Es ist nicht zuletzt ein Verdienst der GEW und anderer Gewerkschaften der Bildungsinternationale, dass Bildung bei den Weltsozialforen eine Rolle spielt. Damit dies so bleibt, wird die GEW auch beim Weltsozialforum 2018 in Salvador de Bahia wieder dabei sein.

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Internationales Artikel Hauptvorstand
news-12623 Wed, 18 Oct 2017 15:43:00 +0200 „Kinder zum Olymp!“ sucht erneut Projekte zur kulturellen Bildung https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/kinder-zum-olymp-sucht-erneut-projekte-zur-kulturellen-bildung/ Die Bildungsinitiative „Kinder zum Olymp!“ schreibt wieder den Zukunftspreis für Kulturbildung, den Olymp, aus. Ziel des Wettbewerbs ist es, langfristig Strukturen für kulturelle Bildung zu schaffen. Die Bildungsinitiative „Kinder zum Olymp!“ sucht für den Olymp, den Zukunftspreis für Kulturbildung, erneut Projekte, die einen nachhaltigen Zugang zu Kunst und Kultur schaffen. Dabei geht es um die Weiterentwicklung der Kooperation zwischen Kultur und Schule. Ziel ist es, über ganzheitliche Programme und Modelle langfristig Strukturen für kulturelle Bildung zu schaffen.

Gefragt sind Kultureinrichtungen sowie Künstlerinnen und Künstler mit ihren Schulkooperationen sowie Schulen mit kulturellem Profil. Zugelassen sind Beiträge aus allen Kultursparten: Bildende Kunst, Architektur, Design, Kulturgeschichte, Neue Medien, Film, Fotografie, Literatur, Musiktheater, Musik, Tanz und Theater. Nicht berücksichtigt werden Einzelprojekte, die nicht im Schulalltag verankert sind.

Um an der Vorauswahl teilnehmen zu können, muss eine Programmskizze oder ein Konzept über den Onlinefragebogen auf der Webseite der Initiative eingereicht werden. Die Anmeldefrist endet am 15. Dezember 2017, Wettbewerbsbeiträge können bis 1. März 2018 eingereicht werden.

Der mit je 5.000 Euro dotierte Preis wird in zwei Kategorien vergeben: für Programme kultureller Bildung für ein kulturelles Schulprofil. Die anderen Nominierten erhalten Auszeichnungen von je 1.000 Euro. Im aktuellen Wettbewerbsjahr wird zusätzlich in beiden Kategorien ein Sonderpreis für Beiträge aus dem ländlichen Raum ausgelobt. Die Sonderpreise sind mit je 2.000 Euro dotiert. Vertreterinnen und Vertreter aller Nominierten werden nach Berlin zur Preisverleihung eingeladen und präsentieren ihre Wettbewerbsbeiträge live vor Ort.

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Schule Artikel Hauptvorstand
news-12617 Wed, 18 Oct 2017 11:16:51 +0200 Großbritannien: Super-Bildungsgewerkschaft gegründet https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/grossbritannien-super-bildungsgewerkschaft-gegruendet/ Zwei britische Bildungsgewerkschaften fusionieren zur National Education Union (NEU) mit fast einer halben Million Mitgliedern. Die neue Gewerkschaft wird sich auf schwere Zeiten einstellen müssen. Zusammenschluss nach Mitgliederbefragung
„A very modern marriage“ nannten die englischen Medien den Zusammenschluss der zwei Gewerkschaften ATL (Associaition of Teachers and Lecturers) und NUT (National Union of Teachers) zur jetzt mit 450.000 Mitgliedern stärksten Bildungsgewerkschaft im Vereinigten Königreich, der National Education Union (NEU).  Die GeneralsekretärInnen der beiden Gewerkschaften, Mary Bousted und Kevin Courtney, konnten ihren ‚Ehevertrag‘ erst nach langen Verhandlungen und Mitgliederbefragungen unterschreiben. ATL ist die kleinere Gewerkschaft, deren Mitglieder zumeist aus dem Fachschul- und Hochschulbereich kommen. Mitglieder der NUT sind an allgemeinbildenden Schulen beschäftigt. Bousted und Courtney werden nun bis 2022 als gleichberechtigte Generalsekretäre die neue Gewerkschaft NEU leiten.

Teacher ist kein attraktiver Beruf für junge Menschen
Über Jahre hatte die NUT immer wieder versucht, die sechs in Großbritannien existierenden Bildungsgewerkschaften zusammenzuführen. Nun sind Bousted und Courtney sehr zuversichtlich, dass auch Unterschiede ‚wie in jeder Familie‘ sie stärken, das gemeinsame Ziel zu erreichen. Im Bildungsbereich stehen den Gewerkschaften schwierige Zeiten bevor. Die Ausgaben für allgemeinbildende Schulen sind in den letzten Jahren der Tory Regierung gesunken, die Universitäten sind die vom drohenden Brexit am stärksten betroffenen Bildungseinrichtungen. Eingefrorene Gehälter und die enorme Arbeitsbelastung machen den Beruf des Teachers für immer weniger Studierende attraktiv und haben dazu geführt, dass die durchschnittliche Verweildauer im Beruf nur 5 Jahre beträgt. Die Schulgebäude stehen unter einem enormen Renovierungsstau. Schon lange fordern die Gewerkschaften auch die Abschaffung der exzessiven externen Tests an britischen Schulen.

Harte Auseinandersetzungen erwartet
Die NEU stellt sich auf harte Auseinandersetzungen und zähe Verhandlungen ein. Die beiden GeneralsekretärInnen werden sich auch nicht von der Verschärfung des Streikrechts durch die neue Regierung aufhalten lassen, ihre Mitglieder in Massen lautstark auf die Straße zu bringen. Da sich die NEU in ihren Forderungen sehr nahe bei den anderen britischen Bildungsgewerkschaften wie der AHT (der Schulleitergewerkschaft) oder auch der NASUWT, der zweitgrößten Bildungsgewerkschaft, wissen, gibt der kämpferische Kevin Courtney die Hoffnung nicht auf, dass sich alle Bildungsgewerkschaften des Landes eines Tages zu einer großen Familie zusammenschließen.

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Internationales Artikel Hauptvorstand
news-12613 Wed, 18 Oct 2017 11:01:02 +0200 LesePeter Oktober für das Jugendbuch "Turing" https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/lesepeter-oktober-fuer-das-jugendbuch-turing/ Der LesePeter des Monats Oktober 2017 geht an Robert Deutsch für das Jugendbuch "Turing". Alan Turing war ein Pionier der Informatik und maßgeblich daran beteiligt, die deutschen Codes während des Zweiten Weltkrieges zu dechiffrieren. Das Jugendbuch „Turing“ über den Informatikpionier Alan Turing wird mit dem LesePeter des Monats Oktober 2017 ausgezeichnet. Turing war während des Zweiten Weltkrieges maßgeblich daran beteiligt, die mit der Enigma verschlüsselten deutschen Funksprüche zu dekodieren. Er war dabei selbst in einem Doppelleben gefangen. Als Homosexueller, was damals in Großbritannien unter Strafe stand, musste er diese Seite seines Lebens immer verstecken. Als dies bekannt und eine Untersuchung eingeleitet wurde, nahm er sich das Leben. Erst 2013 wurde Turing von der englischen Königin posthum begnadigt und damit rehabilitiert. Die Graphic Novel erzählt in einer nicht chronologischen Reihenfolge Lebensabschnitte Turings.

Der LesePeter ist eine Auszeichnung der Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJuM) der GEW für ein herausragendes, aktuelles Buch der Kinder- und Jugendliteratur.

Robert Deutsch, Turing, Avant Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-945034-55-2, 192 Seiten, 29,95 Euro, ab 14 Jahren.
 

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Artikel Hauptvorstand
news-12607 Wed, 18 Oct 2017 09:35:51 +0200 Baustein „Antisemitismus und Migration“ veröffentlicht https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/baustein-antisemitismus-und-migration-veroeffentlicht/ Der Islamwissenschaftler Michael Kiefer erklärt in „Antisemitismus und Migration“, wie der pädagogische Umgang mit dem unter Jugendlichen verbreiteten, islamisierten Antisemitismus gelingen kann. Antisemitismus macht vor den Schulen nicht halt: Im Zentrum der Debatte steht dabei in jüngster Zeit die Frage, ob eine originär muslimische Judenfeindschaft für die Zunahme antisemitischer Einstellungen in Deutschland verantwortlich sei. Diese Frage greift der Islamwissenschaftler Michael Kiefer im neuen Baustein von Schule ohne Rassismus auf. In „Antisemitismus und Migration“ zeigt er, was Antisemitismus ist, und inwieweit unter Jugendlichen verbreitete antisemitische Narrationen durch den Islam beeinflusst sind. In zehn pointierten Thesen macht er deutlich, wie der pädagogische Umgang mit islamisiertem Antisemitismus gelingen kann.

Kiefer betont in der 37 Seiten langen Publikation: „Alle angeführten Studien zeigen unverkennbar, dass hier ein nicht unerhebliches Problem besteht, das von Schule, Jugendhilfe, aber auch den Moscheegemeinden bearbeitet werden sollte.“ Zugleich stellt er fest: „Zahlreiche antisemitische Vorfälle, insbesondere Beschimpfungen und Beleidigungen, die an schulischen Lernorten und Jugendhilfeeinrichtungen beobachtet werden können, werden offenbar nicht immer mit angemessenen pädagogischen Maßnahmen bearbeitet.“ Der Experte fordert mit Blick auf pädagogische Fachkräfte daher Maßnahmen, die für gegenwärtige Formen des Antisemitismus sensibilisierten. Auch die Lehrpläne in den Schulen müssten erweitert werden: Antisemitismus werde nach wie vor im Kontext des Nationalsozialismus thematisiert, der aktuelle Nahostkonflikt hingegen kaum berücksichtigt. 

Den Baustein gibt es als PDF-Datei zum Download oder auf Bestellung im Courage-Shop.

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Schule Migration Gesellschaftspolitik Artikel Hauptvorstand
news-12579 Fri, 13 Oct 2017 11:46:51 +0200 Gesundheit für den akademischen Mittelbau https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/gesundheit-fuer-den-akademischen-mittelbau/ Zeitverträge, Mehrarbeit und schwierige Work-Life-Balance sind Belastungsfaktoren für den akademischen Mittelbau. Das zeigt eine Studie im Auftrag der Max-Traeger-Stiftung, deren Ergebnisse auf einer Tagung vorgestellt und debattiert wurden. Zwischen Lehre, Forschung und Qualifizierung – wie gesund ist es, Wissenschaft als Beruf zu betreiben? Welche Ressourcen und welche Belastungsfaktoren bietet der Arbeitsplatz Hochschule und Forschung? Diesen Fragen sind 75 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf einer Tagung nachgegangen, die der Arbeitskreis Gesundheitsfördernde Hochschulen und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft gemeinsam mit der Hochschule Hannover und mit Unterstützung der Techniker-Krankenkasse am 12. Oktober in Hannover ausgerichtet haben.

Tino Lesener und Burkhard Gusy präsentierten im Rahmen der Tagung die Ergebnisse einer Studie, die sie im Auftrag der Max-Traeger-Stiftung der GEW angefertigt haben. Ihr Ergebnis: Zentrale Belastungsfaktoren für die Gesundheit im Akademischen Mittelbau sind die zeitliche Befristung des Arbeitsverhältnisses und die daraus resultierende berufliche Unsicherheit, die zeitlichen Anforderungen, die mit Mehrarbeit kompensiert werden, sowie die Vereinbarkeit von Familien- bzw. Privatleben und Beruf.

Diese Ergebnisse wurden auch in den Erfahrungsberichten von wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf der Tagung widergespiegelt. Sie berichteten von mangelnder Planbarkeit des Berufsweges und Zukunftssorgen, aber auch von einem Mangel an Feedback und Anerkennung im akademischen Alltag. Neben fehlenden Vertretungsregelungen und Leistungsdruck machen ihnen etwa das lange Arbeiten im Sitzen sowie häufige Wechsel des Arbeitsortes und weite Pendelwege zu schaffen.

„Die Ergebnisse der Studie sind eine Handlungsaufforderung an die Wissenschaftspolitik“, machte Andreas Keller, stellvertretender Vorsitzender der GEW, auf der Tagung deutlich. „Kurz- und Kettenverträge sind eine Belastung für die Beschäftigten – und sie sind vermeidbar“, betonte er. Hochschulen und Forschungseinrichtungen müssten deshalb eine Trendwende einleiten: Dauerstellen für Daueraufgaben und angemessene Laufzeiten für Zeitverträge sollten Leitplanken der Personalentwicklung sein, so der GEW-Hochschulexperte.

Dr. Ute Sonntag, Koordinatorin des Arbeitskreises Gesundheitsfördernde Hochschulen, begrüßte, dass sich immer mehr Hochschulen des Themas Gesundheitsförderung annehmen. „Mit der Veranstaltung wurde einer Gruppe eine Stimme gegeben, die bislang wenig im Betrieblichen Gesundheitsmanagement beachtetet wurde“, betonte sie. Zukünftig werde der bundesweite Arbeitskreis Akteurinnen und Akteuren an Hochschulen konkrete Impulse geben, Maßnahmen für und mit dieser Gruppe umzusetzen.

Prof. Dr. Mathias Bonse-Rohmann berichtete aus dem Projekt „Gesundheitsfördernde Fakultät V - Campus Kleefeld“, welches er an der Hochschule Hannover in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse durchführt. "Innerhalb des Projektes sind unsere wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingeladen, sich partizipativ in acht Gesundheitszirkel einzubringen“, machte er deutlich. Dazu seien aktuell eine Kurzbefragung zu den Interessen und Bedürfnissen sowie Maßnahmen zur individuellen aktiven Pausengestaltung vorgesehen.

Die Studie „Arbeitsbelastungen, Ressourcen und Gesundheit im Mittelbau. Ein systematisches Review zum Gesundheitsstatus der wissenschaftlich und künstlerisch Beschäftigten an staatlichen Hochschulen in Deutschland“ von Tino Lesener und Dr. Dr. Burkard Gusy unter Mitwirkung von Katrin Lohmann und Christine Wolter steht zum Download bereit.

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Wissenschaft Artikel Hauptvorstand
news-12575 Fri, 13 Oct 2017 10:42:56 +0200 Nordrhein-Westfalen passt Bezahlung der Lehrkräfte an https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/nordrhein-westfalen-passt-bezahlung-der-lehrkraefte-an/ Die NRW-Landesregierung plant eine Besoldungsreform und erfüllt damit die langjährige Forderung der GEW NRW nach A13 Z für Grundschullehrkräfte und Lehrerinnen und Lehrer in der Sekundarstufe I. Die nordrhein-westfälische Landesregierung passt die Bezahlung der Lehrkräfte an: NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) kündigte vor dem Schulausschuss des Düsseldorfer Landtags an, besoldungsrechtliche Konsequenzen aus der Reform der Lehrkräfteausbildung von 2009 zu ziehen. Eine Änderung des Besoldungsgesetzes würde aufgrund des Eingruppierungstarifvertrages nicht nur für Beamtinnen und Beamte gelten, sondern auch für die Tarifbeschäftigten in den jeweiligen Schulformen.

Mit der Anpassung der Bezahlung der Lehrkräfte wäre die langjährige Forderung der Bildungsgewerkschaft nach A13 Z für Grundschullehrkräfte und Lehrerinnen und Lehrer in der Sekundarstufe I erfüllt. 2016 legte die GEW NRW ein Rechtsgutachten vor, demzufolge die unterschiedliche Besoldung gleichwertiger Lehrämter verfassungswidrig sei. „Die GEW NRW wird sich in die Ausgestaltung der Änderung des Besoldungsgesetzes selbstverständlich einbringen“, sagte die Vorsitzende der GEW NRW, Dorothea Schäfer. Realität könnten diese Pläne jedoch frühestens im Haushalt 2019 werden.

Gebauers Ankündigungen beziehen sich direkt auf Lehrkräfte, die ihr Lehramt über einen Bachelor- oder Master-Abschluss erworben haben. Die Forderung der GEW NRW ist indes weitgehender als die Einführung von A 13 Z für die mit Bachelor- und Master-Abschluss ausgebildeten Lehrkräfte: Die Bildungsgewerkschaft verlangt auch eine Anhebung für Lehrkräfte, die schon vor 2009 ihre Abschlüsse nach altem Recht gemacht haben.

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Schule Bildung weiter denken Bildung & Geschlecht Gleichstellung Tarif Beamte Artikel Hauptvorstand
news-12571 Thu, 12 Oct 2017 15:29:02 +0200 GEW unterstützt globalen Aufruf: Weltbank und IWF müssen Ungleichheit stoppen https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/gew-unterstuetzt-globalen-aufruf-weltbank-und-iwf-muessen-ungleichheit-stoppen/ Anlässlich der Herbsttagung von IWF und Weltbank von Freitag bis Sonntag in Washington rufen mehr als 100 internationale Organisationen die beiden Institutionen dazu auf, die weltweite Ungleichheit endlich zu beenden. Die GEW unterstützt den Aufruf. 133 Organisationen aus der ganzen Welt - darunter die Bildungsinternationale (BI), Greenpeace und Oxfam – haben sich in dem Bündnis „Fight Inequality Alliance“ zusammengetan und fordern die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds (IWF) in einem offenen Brief auf, Ungleichheit endlich zu bekämpfen statt sie weiter zu vergrößern. Konkret verlangt das Bündnis, Weltbank und IWF sollten sicherstellen, dass alle ihre Aktivitäten und Praktiken dazu dienten, die ökonomische Ungleichheit zu verringern. Die GEW hat den Brief ebenfalls unterzeichnet und unterstützt die Forderungen. Am Wochenende kommen die beiden Wirtschaftsorganisationen zu ihrer Herbsttagung in Washington zusammen.

In dem Aufruf der „Fight Inequality Alliance“ heißt es unter anderem: „Die meisten Menschen leben in einem Land, in dem sich die Schere zwischen Arm und Reich vergrößert hat, oft sehr schnell und in großem Ausmaß. Ungleichheit bedroht unsere Demokratien, zerstört unsere Politik und untergräbt unsere Wirtschaft. Sie hat zu einer immensen Konzentration von Reichtum geführt, während Hunderte Millionen hungern. Ohne Anstrengung, diese Ungleichheit schnellstens zu verringern, werden wir die gerechte, gleiche und nachhaltige Welt, die wir brauchen, nie erreichen.“

Zwei Kernforderungen des offenen Briefs: Erstens müssten Weltbank und IWF ihre interne Struktur ändern, um nicht weiter von den Industriestaaten dominiert zu werden. Zudem müsse die Zivilgesellschaft in Entscheidungsprozesse einbezogen werden, um sicherzustellen, dass auch die Armen und Schwachen gehört würden. Zweitens müsse es einen Bruch mit dem neoliberalen Wirtschaftsmodell geben, das Ungleichheiten massiv vertieft habe. Dazu könnten die Kreditvergaberichtlinien für IWF und Weltbank so geändert werden, dass jede Operation auf eine mögliche Verschärfung der Ungleichheit geprüft werde. Wer die Allianz unterstützen will, kann auch an dem Thunderclap teilnehmen, mit dem die Forderungen in den sozialen Medien verbreitet werden.

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Gesellschaftspolitik Internationales Artikel Hauptvorstand
news-12394 Thu, 12 Oct 2017 11:30:00 +0200 Das Aus für „pädagogische Wanderarbeiter“ https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/das-aus-fuer-paedagogische-wanderarbeiter/ Auf einen befristeten Arbeitsvertrag folgte beim Internationalen Bund (IB) der nächste. Beschäftigte und Betriebsrat haben dagegen gekämpft – mit Erfolg: Der Konzernbetriebsrat (KBR) ist für den Deutschen Betriebsräte-Preis 2017 nominiert. Der Konzernbetriebsrat (KBR) des Internationalen Bundes (IB) ist für den Deutschen Betriebsräte-Preis 2017 nominiert worden. Gewürdigt wird damit eine Konzernbetriebsvereinbarung (KBV), die der IB am 20. Januar 2016 unterzeichnete, und die regelt, dass es Fristverträge nur noch in Ausnahmefällen gibt. Zuvor waren eine hohe Befristungsquote und ein hoher Anteil an unfreiwilliger Teilzeit im Unternehmen verbreitet. In manchen Betrieben musste sich „mehr als jeder Zweite“ mit einem befristeten Vertrag begnügen, sagt die Vorsitzende des IB-Konzernbetriebsrats, Sabine Skubsch.

2010 begannen die IB-Beschäftigten, Widerstand zu leisten. 2 408 beteiligten sich an einer Unterschriftensammlung. „Durch Fristverträge werden der Kündigungsschutz, der Mutterschutz, das Elternzeitgesetz und der Schutz Schwerbehinderter ausgehebelt“, brachte es der Konzernbetriebsrat in seiner Info-Zeitung auf den Punkt. Die Zeitung karikierte zudem den „pädagogischen Wanderarbeiter“, der von einem Vertrag zum nächsten zieht. 2015 stimmte der Arbeitgeber Verhandlungen zu.

Die Konzernbetriebsvereinbarung schreibt nun vor: Der IB darf eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter nur noch einmal ohne Sachgrund befristet beschäftigen. Als Sachgrund gelten vor allem Vertretungen wegen Mutterschutz, Elternzeit oder Krankheit. Will der Arbeitgeber weitere Befristungen, muss ein Sachgrund vorliegen. Die Befristungen dürfen insgesamt nicht länger als drei Jahre dauern. Betriebsrätin Skubsch bilanziert: „Hunderte von befristet aufgestockten Teilzeit-Verträgen wurden inzwischen in unbefristete Verträge umgewandelt.“

Der IB beschäftigt bundesweit rund 14 000 Frauen und Männer in rund 700 Einrichtungen und Zweigstellen. Er betreibt unter anderem Kindertagesstätten, Senioreneinrichtungen und Privatschulen. Auch Schulsozialarbeit, Maßnahmen zur Berufsvorbereitung oder Essen auf Rädern gehören zu seinen Dienstleistungen.

Der gesamte Artikel von Matthias Holland-Letz ist in der Oktoberausgabe der „E&W“ veröffentlicht.

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Tarif Artikel Hauptvorstand
news-12563 Thu, 12 Oct 2017 09:39:02 +0200 „Heteros fragen, Homos antworten“ https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/heteros-fragen-homos-antworten/ Alle Texte der „Tagesspiegel“-Kolumne „Queer weiß das“ sind jetzt als Buch erschienen. Rund ein Jahr lang fragten Leserinnen und Leser die Redakteurinnen und Redakteure, was sie schon immer über die Homowelt wissen wollten. In 50 Kolumnen hat das „Queerspiegel“-Team den Leserinnen und Lesern des Berliner „Tagesspiegels“ Woche für Woche die Homo-Welt erklärt – von „Wärt ihr lieber hetero?“ über „Warum sind Homos so scharf aufs Heiraten?“ bis zu „Wie weise ich als Hetero schwule Flirts zurück?“. Das gesammelte Wissen der Expertinnen und Experten ist nun in Buchform im Querverlag erschienen und beantwortet etliche Fragen Heterosexueller an ihre homosexuellen Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Fragen, die sich viele sonst nicht zu stellen trauen, werden mit fachlicher Kompetenz, journalistischer Sorgfalt und einer Prise Humor beantwortet. Die Autorinnen und Autoren prüfen Stereotypen auf ihren Wahrheitsgehalt und räumen mit Mythen und Vorurteilen auf. Für queere Menschen kann der Ratgeber als Argumentationshilfe dienen.

Anja Kühne, Nadine Lange, Björn Seeling, Tilmann Warnecke, „Heteros fragen, Homos antworten“, Querverlag, Berlin 2017, ISBN: 978-3-89656-254-8, 12 Euro.

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Gesellschaftspolitik Artikel Hauptvorstand
news-12396 Thu, 12 Oct 2017 09:30:00 +0200 Arbeiter unter Kontrolle https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/arbeiter-unter-kontrolle/ Unabhängige Gewerkschaften haben eine große Rolle bei Streiks und Protesten gespielt, die letztlich im Arabischen Frühling gipfelten. Ägyptens autoritäre Regierung will sie nun zum Schweigen bringen. Ägypten steckt in einer Krise, die autoritäre Regierung duldet keine Arbeitskämpfe. Dennoch gab es nach Angaben des ägyptischen Zentrums für ökonomische und soziale Rechte (ECESR) 2016 insgesamt 1.736 Protestaktionen. Laut Beobachtern gibt es unzählige Festnahmen und Prozesse – genaue Zahlen kennt niemand. Arbeiter einer Schiffswerft der Armee, die an Protesten teilnahmen, wurden vor ein Militärgericht gestellt. In einem anderen Fall ließ die Polizei Aktivisten zeitweise verschwinden – eine berüchtigte Praxis, die die Arbeiter und deren Familien einschüchtern soll. Kamal Abbas, Vorsitzender des Zentrums für Gewerkschaften und Arbeiterdienste (CTUWS), sagt: „Das Volk lebt in einer Periode der Unterdrückung.“

In Zeiten von Terror und Wirtschaftskrise ist kein Platz für kritische Gewerkschaften. Gesetze, die Organisation und Arbeitskampf betreffen, sind vage und widersprüchlich: So drückt die Verfassung von 2014 zwar die explizite Unterstützung für demokratisch gebildete und freie Gewerkschaften aus. Zugleich gilt aber noch das Gewerkschaftsgesetz von 1976, nach dem unabhängige Gewerkschaften illegal sind. Nach dem Sturz des Mubarak-Regimes gab es von 2011 bis 2013 eine fast schon chaotische Gründungswelle: Rund 1.000 unabhängige Gewerkschaften entstanden damals nach Schätzung von Beobachtern. Der Großteil ist verstummt – Präsident Abdel Fattah Sisi schiebt seit seiner Amtsübernahme 2014 derlei Aktivitäten den Riegel vor. Sein Innenministerium blockierte die Möglichkeit der unabhängigen Arbeitnehmervertreter, Tarifverträge abzuschließen, indem es deren offizielle Stempel für ungültig erklärte. Weil außerdem Antiterror-, Demonstrations- und Strafgesetze sowie das Militärrecht verschärft wurden, können Polizei und Militär Streiks noch leichter beenden.

Dennoch: Ein neues Gewerkschaftsgesetz soll in diesem Jahr in Kraft treten und mehr Klarheit bringen – so hat es zumindest die ägyptische Regierung angekündigt. Nach Angaben von Mabel Grossi vom Internationalen Gewerkschaftsbund (ITUC) spiegelt der Entwurf viele der alten Restriktionen wider. So sollen Unternehmen wie Behörden die Möglichkeit haben, gegen Gewerkschaften zu klagen, wenn diese nicht weiter definierte „Instruktionen“ nicht befolgen. Gewerkschaften können zudem aufgelöst werden, wenn sie politisch aktiv werden. Und: Zur Gründung einer Gewerkschaft sind 30.000 Mitglieder nötig. Amr Adly, Ökonom beim Carnegie Middle East Center und ägyptischer Gewerkschaftsexperte, bestätigt: „Vieles spricht für eine Rückkehr zum Monopol einer staatlich kontrollierten Gewerkschaft.“

Der komplette Artikel von Mey Dudin ist in der Oktoberausgabe der „E&W“ veröffentlicht. 

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Internationales Artikel Hauptvorstand
news-12398 Thu, 12 Oct 2017 07:30:00 +0200 Modellprojekt für mehr Elternbeteiligung https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/modellprojekt-fuer-mehr-elternbeteiligung/ An Schulen mit einem hohen Anteil von Kindern aus Einwandererfamilien ist das Engagement der Eltern oft gering. Ein Frankfurter Modellprojekt will das ändern. Das Amt für multikulturelle Angelegenheiten (AmkA) und das Staatliche Schulamt Frankfurt haben das Modellprojekt „Nur mit Ihnen!“ für mehr Beteiligung von Eltern mit Migrationshintergrund gestartet. 16 Schulen in überwiegend von Einwanderung geprägten Stadtteilen haben dazu Ideen entwickelt, Eltern stärker zu beteiligen. „Die unterschiedlichen Projekte eint der Gedanke, Barrieren abzubauen und Vertrauen zu ermöglichen“, sagt Wolfgang Kreher vom Schulamt. Das Spektrum reicht dabei von innovativen Formen, Elternabende zu gestalten, über Elterncafés und Elternfeste bis zu einer neuen Begrüßungskultur.

Das ehrenamtliche Potenzial der Migrantenfamilien werde „noch zu wenig genutzt“, sagt Stefan Weiß, Projektverantwortlicher AmkA. Nach seiner Beobachtung bringen diese „kulturelle Vielfalt und einen großen Erfahrungsschatz mit“. Viele seien bereit, sich zu engagieren, „auch außerhalb der institutionalisierten Mitwirkung im Elternbeirat oder dem obligatorischen Mitbringsel zum Buffet“. Im Modellprojekt haben einige Schulen auch eine „mehrsprachige Begrüßungskultur“ entwickelt. Im Eingangsbereich stehen Willkommen-Schriftzüge auf Russisch, Arabisch oder Farsi. Informationsbroschüren sind in die Herkunftssprachen der Familien übersetzt.

Der Artikel von Thomas Gesterkamp ist in voller Länge in der Oktoberausgabe der „E&W“ abgedruckt.

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Schule Migration Artikel Hauptvorstand
news-12381 Wed, 11 Oct 2017 11:00:00 +0200 Gegenwehr im Netz https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/gegenwehr-im-netz/ Was tun gegen Hass und Hetze im Internet? Während einer Fachtagung der Bundeszentrale für Politische Bildung sind Ende Juni in Berlin Strategien gesellschaftlicher Abwehr diskutiert worden. Eine fiktive Stellenanzeige auf Facebook: „Gesucht werden treue deutsche Kameraden für das Wiederaufmachen von Buchenwald.“ Es folgt ein Hinweis auf Lohn und Urlaubsregelung „nach Tarif“. Ein klarer Fall, findet Simone Rafael, die für die Amadeu-Antonio-Stiftung menschenfeindliche Umtriebe im Internet beobachtet. Klar auch, was zu tun ist: Screenshot zur Beweissicherung, den Netzwerkbetreiber verständigen, um den Eintrag löschen zu lassen, Strafanzeige stellen. Mittlerweile gibt es in elf Bundesländern dazu Onlinepolizeiwachen. Allein die öffentlich geäußerte Fantasie, ein NS-Konzentrationslager wieder in Betrieb zu nehmen, birgt jede Menge justiziablen Stoff: Volksverhetzung, Aufforderung zu Straftaten, Verherrlichung des Nationalsozialismus.

Rafael ist Chefredakteurin der von der Amadeu-Antonio-Stiftung betriebenen Plattform Belltower-News – Netz für digitale Zivilgesellschaft (bis 2017 Netz gegen Nazis). An der Berliner Fachtagung zu Strategien gesellschaftlicher Abwehr war Rafael als Argumentationstrainerin beteiligt – mit einem von der Stiftung entwickelten Programm für Lehrkräfte, Erwachsenenbildner und Schulklassen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten dabei in einem vierstündigen Kompaktseminar Einblicke in Vorstellungswelt und Diskursstrategien demokratiefeindlicher Propagandisten und lernen durch praktische Übungen, darauf zu reagieren. Das Programm soll Internetnutzer in die Lage versetzen, Widerspruch gegen Hassbotschaften im Netz zu artikulieren, statt diese einfach zur Kenntnis zu nehmen – wie es nach Rafaels Worten in 90 Prozent der Fälle geschieht.

Der vollständige Bericht von Winfried Dolderer ist in der Oktoberausgabe der „E&W“ nachzulesen.

 

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Gesellschaftspolitik Artikel Hauptvorstand
news-12371 Wed, 11 Oct 2017 09:30:00 +0200 Lehrkräfte fit für digitale Bildung machen https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/lehrkraefte-fit-fuer-digitale-bildung-machen/ Die Gesellschaft wird immer digitaler: In Schulen gibt es heute – zumindest in Modellprojekten – Tablet- oder Smartphone-Klassen. Doch nicht nur Schülerinnen und Schüler, auch Lehrkräfte müssen lernen, mit digitalem Wissen umzugehen. Schulbücher können durch digitale Zusatzmaterialien an die Bedürfnisse heterogener Lerngruppen angepasst werden. Für die Lernstandsdiagnostik gibt es digitale Hilfen. Manch eine Lehrkraft bezieht ganze Stundenentwürfe kostenlos aus dem Netz. Industrie, Verbände, Parteien, Ministerien – sie alle haben diesen Markt der Möglichkeiten entdeckt und bieten eifrig Lernmaterialien für den zeitgemäßen Unterricht an. Der größte Teil der (Aus-)Bildung im Bereich der digitalen Medien findet jedoch noch immer außerhalb der Schule und informell statt. Unterschiede in der sozialen Herkunft von Kindern und Jugendlichen führen hier zu einer weiteren ungleichen Verteilung von Bildungschancen.

Sowohl aus individueller als auch aus gesellschaftlicher Perspektive ist das Themenfeld sehr wichtig. Und die Strategie? Mehr digitale Bildungsmedien, bessere technische Ausstattung, umfassendere Informationen für Lehrkräfte. Zwingend notwendig ist die Kompetenz zu verstehen, wie digitale Systeme funktionieren und zu unserem Besten angepasst werden – und auch, wie sie uns manipulieren und steuern können.

Es reicht nicht aus, Lehrkräften Medienbildungskompetenz und deren Weitervermittlung zu „verordnen“. Gegenstand der Aus- und Weiterbildung müssen die unterschiedlichsten Facetten des Wissens über Medien – etwa technisch oder juristisch – sein, aber auch, wie sich das Wissen durch Medien verändert und wie man lernt, Medien zu beherrschen. Nur so gebildete Lehrkräfte können wirklich helfen, Bildung in der digitalen Welt zu befördern.

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Schule Bildungsqualität Bildungssystem Artikel Hauptvorstand
news-12363 Wed, 11 Oct 2017 07:30:00 +0200 Wirtschaftsmythen contra Fakten - Teil 8 https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/wirtschaftsmythen-contra-fakten-teil-8/ Bis zu 20 Milliarden Euro pro Jahr könnte eine Wiedereinführung der Vermögensteuer bringen, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ausgerechnet. In die Pflicht nimmt das Modell nur die, die mindestens eine Million Euro besitzen. Keine gesellschaftliche Gruppe behandelt der deutsche Staat so rücksichtsvoll wie die Reichen und Begüterten. Seit 1997 verzichtet er darauf, sich mit einer Vermögensteuer einen Anteil an dem enorm gestiegenen Wohlstand zu sichern. Die Interessenvertreter haben mit ihrer Angstkampagne ganze Arbeit geleistet. „Die Vermögensteuer legt die Axt an das deutsche Erfolgsmodell der soliden Familienunternehmen“, warnt etwa Wolfgang Steiger vom Wirtschaftsrat der CDU.

So schlimm kann es schon deswegen nicht sein, weil wirtschaftlich erfolgreiche Länder wie die USA oder auch Großbritannien sich zu einem deutlich höheren Anteil über vermögensbezogene Steuern finanzieren. Regelmäßig zeigen OECD-Statistiken, dass Deutschland bei der Vermögensbesteuerung im internationalen Vergleich ganz weit hinten liegt.

Bis zu 20 Milliarden Euro pro Jahr könnte eine Wiedereinführung der Vermögensteuer bringen, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ausgerechnet. In die Pflicht nimmt das Modell nur die, die mindestens eine Million Euro besitzen. Für Unternehmen sind noch höhere Freibeträge vorgesehen, sodass sich Handwerker und andere Mittelständler keine Sorgen machen müssten. Laut Studien des Internationalen Währungsfonds zählen Vermögensteuern sogar zu den wachstumsfreundlichsten Abgaben, da sie nicht Leistungen und Engagement im Beruf, sondern den leistungslosen Besitz treffen.

Eine Vorzugsbehandlung genießen hierzulande auch Erben. Jedes Jahr gehen Besitztümer im Wert von 200 bis 300 Milliarden Euro an die nächste Generation. Davon müssen die Erben oder Beschenkten gerade sechs Milliarden Euro an die Allgemeinheit abtreten. Immer wieder hat das Bundesverfassungsgericht die Erbschaftsteuer gestoppt. Grundgesetzwidrig ist aber nicht die Steuer an sich, sondern ganz im Gegenteil die willkürliche Privilegierung von Betriebserben. Entgegen allen marktwirtschaftlichen Prinzipien schont Deutschland die Gruppen, die sich für ihren Wohlstand nicht anzustrengen brauchen.

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Bildung weiter denken Bildungsfinanzierung Artikel Hauptvorstand
news-12383 Tue, 10 Oct 2017 11:00:00 +0200 Bedingungen für Inklusion an Berufsschulen https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/bedingungen-fuer-inklusion-an-berufsschulen/ Auch an Berufsschulen ist inklusiver Unterricht möglich. Dafür müssen aber nicht nur Räume und Lernmaterialien angepasst werden. Pädagoginnen und Pädagogen brauchen Kapazitäten, um alle Jugendlichen individuell fördern zu können. Sich mit inklusivem Unterricht in beruflichen Schulen zu beschäftigen, setzt einige Überlegungen voraus. Zunächst ist der Inklusionsbegriff zu klären. Um nicht nur gemäß der UN-Behindertenrechtskonvention jungen Menschen mit anerkannten Behinderungen die Teilhabe an einer Berufsausbildung zu ermöglichen, sondern allen Ausbildungsinteressierten – d. h. auch jenen, die aufgrund ihrer Schulabschlüsse, ihrer sozialen oder regionalen Benachteiligungen, ihrem Migrations- oder Fluchthintergrund keinen betrieblichen Ausbildungsplatz finden –, wird Inklusion hier im erweiterten Sinne der UNESCO verstanden. So könnten alle Ausbildungsinteressierten unmittelbar nach ihrem allgemeinbildenden Schulbesuch eine Berufsausbildung beginnen. Dies setzt allerdings voraus, dass neben Betrieben auch berufliche Schulen und außerbetriebliche Einrichtungen Ausbildungsplätze anbieten können. Die dort erreichten Qualifikationen sollten den Auszubildenden bei einem Wechsel zwischen den Lernorten auf die Ausbildung angerechnet werden. Alle Lernorte sollten die Jugendlichen über individualisierte Lehr-Lern-Arrangements ihren individuellen Stärken und Schwächen entsprechend fördern.

An beruflichen Schulen ist gemeinsames Lehren und Lernen in heterogenen Klassen, das heißt so verstandener inklusiver Unterricht, nur unter den folgenden Bedingungen zu realisieren:

  • Strukturelle Voraussetzungen: Schülerinnen und Schüler ihren individuellen Voraussetzungen gemäß zu fördern, erfordert binnendifferenzierten Unterricht, in dem Lehrkräfte mit einem entsprechenden Personalschlüssel im Team mit sozial- und sonderpädagogischen Fachkräften unterrichten. Alle Teammitglieder sind von Verwaltungsaufgaben zu entlasten, damit sie ihre Arbeitszeit für die individuelle Förderung der Jugendlichen verwenden können – und zudem Kapazitäten haben, um sich mit Beratungsstellen oder sozialen Diensten zu vernetzen, damit sie die jungen Menschen bei Bedarf dorthin vermitteln können. Raumkonzepte und Lernmaterialien sind an den binnendifferenzierten Unterricht anzupassen.
  • Kulturelle Voraussetzungen: Im Zentrum von Schulentwicklung sollte eine Schulkultur stehen, in der nicht nur die Jugendlichen, sondern alle Mitglieder der Schule – pädagogisches Personal ebenso wie die in Leitung, Verwaltung und im Gebäudemanagement Tätigen – in ihrer Individualität wertgeschätzt werden. Ferner wäre ein Selbstverständnis zu entwickeln, nach dem nur in gemeinsamer Anstrengung aller Schulmitglieder die Leistungen und Lebenssituationen der Jugendlichen verbessert werden können. Zudem müssen die Schülerinnen und Schüler an allen relevanten Entscheidungsgremien beteiligt sein, nach dem Motto: „Sprecht nicht über uns, sondern mit uns!“
  • Personelle Voraussetzungen: Lehr- und sozial- sowie sonderpädagogischen Fachkräfte sollten die individuellen Lernvoraussetzungen ihrer Schülerinnen und Schüler anerkennen, wertschätzen und sie als Ressource im binnendifferenzierten Unterricht nutzen. Sie sollten in multiprofessionellen Teams unterrichten und den einzelnen Jugendlichen regelmäßig präzises, wertschätzendes und Lernchancen aufzeigendes Feedback geben. Dies setzt voraus, Unterrichtsziele und Benotungskriterien transparent zu kommunizieren und die Schülerinnen und Schüler durch individuelle Beratung so zu unterstützen, dass sie diese Ziele erreichen können.

Schulpolitik ist dafür verantwortlich, die skizzierten Voraussetzungen für inklusiven Unterricht zu schaffen. Daneben sind Fortbildungen für Schulleitungen sowie Lehr-, sozial- und sonderpädagogische Fachkräfte notwendig. Nicht zuletzt sollte die inklusive Gestaltung des Unterrichts in beruflichen Schulen sowie der gesamten Berufsausbildung in pädagogischen Studiengängen stärker als bisher thematisiert werden.

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Berufliche Bildung Schule Inklusion Artikel Hauptvorstand
news-12382 Tue, 10 Oct 2017 09:00:00 +0200 ... das echte Leben in die Schule holen https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/das-echte-leben-in-die-schule-holen/ Erstmals hat eine Berufsschule den Hauptpreis des Deutschen Schulpreises erhalten. Die Elisabeth-Selbert-Schule in Hameln überzeugte die Jury unter anderem mit passgenauer Förderung jedes Einzelnen und mit ausgeprägtem Teamgeist. Die Elisabeth-Selbert-Schule (ESS) im niedersächsischen Halen ist mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet worden. Die „E&W“ hat sich an der Berufsschule umgesehen und sich erklären lassen, was diese besonders macht.

  • Eigenverantwortliches Lernen: Die ESS-Abteilung für Sozialpädagogik folgt seit 2011 den Regeln des „Dalton“-Unterrichts, einer Methode der US-Reformpädagogin Helen Parkhurst (1887-1974). Wer sich an der ESS zum Erzieher oder zur Sozialassistentin ausbilden lässt, hat sechs Stunden pro Woche „Dalton-Unterricht“: Jeder muss bestimmte Aufgaben erledigen, jeweils mit festem Abgabetermin, vielleicht nach drei, vielleicht nach acht Wochen. In jeder „Dalton“-Stunde können die jungen Leute frei entscheiden, an welchem Auftrag und bei welcher Lehrkraft sie arbeiten möchten, ob lieber allein oder in Kleingruppen.
  • Zweite, dritte, vierte Chance: Schulleiterin Gisela Grimme sagt: „Wir haben hier eine Haltung: ein großes Interesse daran, dass die jungen Menschen weiterkommen.“ Jeder erhalte auch eine zweite, dritte oder vierte Chance. Das gilt nicht zuletzt für die, die ihre allgemeinbildende Schule ohne Abschluss verlassen haben und es nun an der ESS versuchen. „Bei uns können sie noch mal durchstarten und doch noch den Hauptschulabschluss erwerben.“ Oder mehr: Die ESS bietet mit fünf Berufsfeldern und sieben Abteilungen, von der Berufseinstiegsschule bis zum Beruflichen Gymnasium, alle Abschlüsse bis zur allgemeinen Hochschulreife an.
  • Förderkurse und Beratung: Im Unterricht nicht aufgepasst oder zu wenig verstanden? Dann helfen vielleicht Förderkurse, sei es für Lernmethoden, Deutsch als Fremdsprache oder als Crashkurs zur Prüfungsvorbereitung. Ein Drittel der Kurse wird von Schülerinnen und Schülern geleitet. Regelmäßig treffen sie sich mit Lehrkräften zu Teamsitzungen und tauschen sich über Methoden und Materialien aus. An den Infotafeln der ESS hängen nicht nur Hinweise auf die nächsten Fördertermine, sondern auch Aushänge des Beratungsteams. Ob schulische oder private Probleme – jeder kann sich dort Hilfe holen, notfalls auch nach Feierabend per Handy oder Mail.
  • Projektorientierung aller Bildungsgänge: Am Standort Thibautstraße betreiben die jungen Leute einen eigenen Kiosk mit Getränken und Mittagsimbiss. Sie sorgen für alles, was dazugehört: zubereiten, dekorieren, verkaufen, Nachschub beschaffen. Einer der Kiosk-Köche ist Dijwar, Sohn syrischer Eltern, vor 16 Jahren in Deutschland geboren. Ausländerfeindlichkeit, Mobbing oder Gewalt gebe es hier nicht, sagt er. Das bestätigt Ayman, ein 17-Jähriger mit libanesischen Wurzeln. „Hier haben alle Respekt voreinander.“
  • Schule als „lernende Institution“: Seit 20 Jahren sucht die ESS immer wieder systematisch nach Schwachstellen und beteiligt dabei auch die Jugendlichen. Mit der Unterrichtsentwicklung beschäftigt sich eine eigene Steuergruppe. Jedes Bildungsgangteam formuliert seine Ziele für die nächsten zwei Jahre und überprüft nach dieser Frist das Ergebnis. Ein Controllingkalender listet auf, wer wann welche Aufgaben zu erfüllen hat. Feedback erhält das zu 80 Prozent weibliche Kollegium auch durch regelmäßige Schülerbefragungen. Die Lehrkräfte selbst werden ebenfalls nach ihrer Zufriedenheit gefragt.

Die Reportage von Eckhard Stengel ist in voller Länge in der Oktoberausgabe der „E&W“ veröffentlicht.

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Berufliche Bildung Schule Bildungsqualität Bildungssystem Artikel Hauptvorstand
news-12366 Tue, 10 Oct 2017 07:30:00 +0200 Berufsschulen im Zentrum der Bildungspolitik https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/berufsschulen-im-zentrum-der-bildungspolitik/ Auf dem Kongress der Kultusministerkonferenz zur Berufsbildung haben die 16 Bildungsministerinnen und -minister, die Arbeitgeberverbände und der DGB die Erklärung "Gemeinsam für starke Berufsschulen in der digitalen Welt" vorgelegt. „Die berufsbildenden Schulen gehören nach Ansicht des DGB ins Zentrum der Bildungspolitik. „Sie brauchen eine moderne technische Ausstattung, frisch sanierte Gebäude und mehr Lehrkräftenachwuchs“, sagte die DGB-Vizevorsitzende Elke Hannack beim KMK-Kongress zur Berufsbildung in Stuttgart. Auch nach Ansicht von KMK-Präsidentin Susanne Eisenmann (CDU), Kultusministerin in Baden-Württemberg, muss das berufliche Schulwesen „nach über 20 Jahren wieder in den Mittelpunkt der Kultusministerkonferenz“. Bei dem Treffen vereinbarten die 16 Bildungsministerinnen und -minister, die Arbeitgeberverbände (BDA) und der DGB die Erklärung „Gemeinsam für starke Berufsschulen in der digitalen Welt“. Noch 2017 will die KMK ein Strategiepapier vorlegen.

Die rund 3.500 berufsbildenden Schulen stehen vor vielen Herausforderungen: Eine heterogene Schülerschaft verlangt viel Einsatz von den Lehrkräften, der sich verschärfende Lehrermangel erfordert Improvisationsvermögen, und es besteht Modernisierungsbedarf bei den Gebäuden. Aus der Digitalisierung ergeben sich wandelnde Anforderungen an die Professionalität der Lehrkräfte und die schulische Ausstattung. Außerdem müssen bedarfsgerechte Berufsschulangebote auch in ländlichen Regionen erhalten bleiben.

Ansgar Klinger, GEW-Vorstandsmitglied für Berufliche Bildung und Weiterbildung, sieht vor allem beim Lehrkräftenachwuchs Handlungsbedarf. Zwar werde es noch eine Weile Maßnahmen des Quer- und Seiteneinstiegs geben müssen: „Diese dürfen aber das originäre Lehramt nicht aushöhlen. Im Zukunftsforum Lehrer_innenbildung haben wir eine klare Richtung formuliert.“ Die IG Metall schlägt unter dem Dach einer Investitionsoffensive Berufsschule ein Bundesprogramm Berufsschule der Zukunft vor. Das Programm Digitale Medien in der beruflichen Bildung gelte es aufzustocken und ein Bundesprogramm Lernfabrik für die digitale Arbeitswelt zu schaffen. Schließlich fordert die IG Metall ein Bund-Länder-Programm Pro Lehramt Berufsschule.

Der ausführliche Artikel von Klaus Heimann ist in der Oktoberausgabe der „E&W“ nachzulesen.

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Berufliche Bildung Bildungsqualität Bildungssystem Artikel Hauptvorstand
news-12453 Mon, 09 Oct 2017 11:00:00 +0200 Inklusionsstrategie für jedes Bundesland diskutieren https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/inklusionsstrategie-fuer-jedes-bundesland-diskutieren/ In der GEW soll künftig offener über den Weg zur einen Schule für alle diskutiert werden, etwa in regionalen Fachtagungen. In welchen Schritten und welchem Zeitrahmen das Parallelsystem aufgehoben wird, ist in jedem Bundesland zu diskutieren. Inklusion ist zu einem Reizwort geworden. Ideen und Ziele der Inklusion sind es nicht. Unter Inklusion verstehen wir die Teilhabe aller Menschen in allen gesellschaftlichen Bereichen – unabhängig von einer Behinderung, dem Geschlecht, kulturellen und sozialen Hintergründen, der ethnischen Herkunft, der sexuellen Identität, Religion, Leistungsfähigkeit oder Sprache. Der Nationale Aktionsplan Inklusion sieht Maßnahmen in zwölf Bereichen vor, einer davon ist Bildung – von der Kita über die Schule, berufliche Bildung bis zur Hochschule.

Der Weg zu einer Schule, in der alle Menschen die besten Möglichkeiten haben, sich zu entfalten, wird in der GEW zurzeit heftig diskutiert. Das spiegelt sich auch in dem Beschluss des Freiburger Gewerkschaftstages vom Mai wider. Er beschreibt die Zielvorstellung von einer Schule für alle und fordert Personalressourcen, multiprofessionelle Teams, eine andere Arbeitszeit, geänderte Rahmenbedingungen und Klassengrößen, eine neue Form der Leistungsbewertung, mehr Fort- und Ausbildung sowie wissenschaftliche Begleitung ein.

„Politik hat es bisher weitgehend versäumt, die notwendigen Ressourcen bereit zu stellen, damit Inklusion gelingen kann.“

Die Debatte ist schwierig, nicht zuletzt weil die Rahmenbedingungen in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich sind. Und damit kommen wir zum Kern der Diskussion: Politik hat es bisher weitgehend versäumt, die notwendigen Ressourcen bereit zu stellen, damit Inklusion gelingen kann. Deshalb stellen sich Fragen wie: Will die Gesellschaft Inklusion wirklich? Wie soll Inklusion in einem gegliederten Schulwesen klappen, widerspricht sie doch dem System? Viele Kolleginnen und Kollegen kritisieren, dass diese Fragen nicht beantwortet, zu wenig Mittel bereitgestellt werden, kurz: Die Probleme bei der Umsetzung von Inklusion auf ihrem Rücken ausgetragen werden.

Die GEW will die Kolleginnen und Kollegen in den Schulen unterstützen, sie will sie entlasten. Dafür beschreibt der Freiburger Beschluss den Rahmen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Jetzt geht es darum, diesen auszufüllen und die konkrete Umsetzung der Inklusion politisch und vor Ort mitzugestalten. Das ist der Auftrag des Gewerkschaftstages. Die Zeit seit Mai haben wir genutzt, einen Plan zu entwickeln, den der Hauptvorstand und die Landesverbände jetzt beschließen und dann Stück für Stück umsetzen werden. Teil des Plans ist, in der GEW offener über die Strategie und den Weg zur einen Schule für alle zu diskutieren, z.B. in regionalen Fachtagungen.

„Die Frage, in welchen Schritten und in welchem Zeitrahmen das Parallelsystem aufgehoben wird, ist in jedem Bundesland zu diskutieren und durch jeweils spezifische Beschlüsse zu definieren.“

Da die Situation in den Ländern sehr unterschiedlich ist, müssen wir lernen, mit diesen Ungleichzeitigkeiten umzugehen und Lösungen zu finden, die den unterschiedlichen Bedingungen vor Ort gerecht werden. Dabei sollten wir uns nicht gegenseitig unterstellen, die einen lehnten die Teilhabe aller Menschen an Inklusion ab und die anderen meinten, dass allein die richtige Haltung für gute Inklusion reiche. Beides beschreibt nicht den richtigen Weg: Weder die Haltung allein noch die Ressourcen allein führen zum Ziel.

Im Gewerkschaftstagsbeschluss heißt es beispielsweise: „Das Parallelsystem von Förder-/Sonderschulen und allgemeinen Schulen ist schrittweise aufzuheben. Der Transformationsprozess in eine inklusive Schule ist in den Schulgesetzen aller Bundesländer zu verankern.“ Das hat insbesondere viele Sonderpädagoginnen und -pädagogen verunsichert. Deshalb: Die Frage, in welchen Schritten und in welchem Zeitrahmen das Parallelsystem aufgehoben wird, ist in jedem Bundesland zu diskutieren und durch jeweils spezifische Beschlüsse zu definieren.

Vor uns liegt ein weiter Weg, auf dem wir solidarisch, aber konfliktbereit unter uns aber vor allen mit den Landesregierungen und der Gesellschaft diskutieren müssen. Dafür, so der Auftrag des Gewerkschaftstages, sollen wir Bündnisse schließen. Auf der Bundesebene werde ich mit den politisch Verantwortlichen das Gespräch suchen: Sie sollen mehr Geld für Bildung und gute pädagogische Räume bereitstellen. Der Nationale Aktionsplan Inklusion muss mit Ressourcen hinterlegt werden!

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Schule Inklusion Artikel Hauptvorstand
news-12400 Mon, 09 Oct 2017 09:00:00 +0200 Kritik am Inklusionsbeschluss https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/kritik-am-inklusionsbeschluss/ Der Landesverband Baden-Württemberg kritisiert den Beschluss des Gewerkschaftstags zur Inklusion. Lehrkräfte an Förderschulen beklagten unter anderem eine mangelnde Wertschätzung ihrer pädagogischen Arbeit. E&W: Warum haben Mitglieder in deinem Landesverband so empört auf den Freiburger Inklusionsbeschluss reagiert?

Michael Hirn: Zum einen: Etliche Kolleginnen und Kollegen haben den Beschluss so verstanden, insbesondere vermittelte dies die Überschrift, als ob inklusive Beschulung die einzige Form sei, die Kindern mit Förderbedarf gerecht werden kann – „alternativlos“ eben. Menschen, die an Förderschulen arbeiten, empfinden das als mangelnde Wertschätzung ihrer pädagogischen Arbeit. Als ob das, wie sie bisher unterrichtet, was sie bisher geleistet haben, nicht gut genug wäre – und die GEW von jetzt an nur noch das Ziel Inklusion ansteuerte.

E&W: Und zum anderen?

Hirn: Die Forderung, schrittweise das Parallelsystem der Förderschulen aufzuheben, kommt für viele Sonderpädagoginnen und -pädagogen zu einem falschen Zeitpunkt.

E&W: Warum?

Hirn: Weil die Inklusion in BaWü nicht rund läuft. Viele Mitglieder sehen in der inklusiven Schule deshalb noch keinen angemessenen Ersatz für Sonderschulen. Sie befürchten, dass man nicht allen Kindern mit Förderbedarf in der Inklusion gerecht werden könne. Viele Kolleginnen und Kollegen haben den Freiburger Beschluss und die E&W-Berichterstattung über die Entscheidung offensichtlich so interpretiert, als seien die Förderschulen bereits bis zum nächsten Gewerkschaftstag abzuschaffen. Lehrkräfte, die an den SBBZ unterrichten, haben das als Affront begriffen.

E&W: Ein Missverständnis. Im Gewerkschaftstagbeschluss heißt es, das Parallelsystem Förderschule sei „schrittweise aufzuheben“ mit dem Ziel, „diskriminierungsfreie Teilhabe aller Menschen“ in der Bildung zu ermöglichen.

Hirn: Man muss doch unterscheiden: Da gibt es differenzierte und kontroverse Diskussionen, wie sie Funktionärskreise führen und wie sie teilweise auch in Freiburg zu erleben waren. Die meisten Mitglieder bleiben aber davon weitgehend unberührt. Sie lesen über Erfahrungen mit Inklusion in den Medien, die nicht ihrem eigenen Erleben entsprechen. Offensichtlich ist es uns nicht gelungen, der Basis die differenzierte Debatte auf dem Gewerkschaftstag zu vermitteln.

E&W: Heißt das, die Diskussionsebene zwischen Funktionären und Mitgliedern klafft auseinander?

Hirn: Nicht nur. Viele Lehrkräfte, nicht nur im sonderpädagogischen Bereich, sehen es momentan als schwierig an, inklusiv zu arbeiten.

E&W: Aber die „Eine Schule für alle“ ist doch Konsens in der GEW!

Hirn: Sicher, sie bleibt das langfristige wichtige Ziel. Aber kurzfristig geht es für etliche Kolleginnen und Kollegen erst einmal darum, die Rahmenbedingungen in den Schulen zu verbessern, bevor sie bereit sind, über strukturelle Veränderungen – etwa die Auflösung der Förderschulen – nachzudenken. Doch man muss auch zur Kenntnis nehmen: Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die die Förderschule nicht aufgeben wollen. Sie sind überzeugt davon, dass gemeinsames Lernen nicht allen Kinder gut tut.

E&W: Erklärt das den Frust und die Unzufriedenheit unter den Mitgliedern?

Hirn: Fakt ist: In unserem Bundesland hat die Politik über Jahrzehnte keine Anstalten gemacht, Integration behinderter Kinder in den Regelklassen zuzulassen. Ein Grund, weswegen sich viele Lehrkräfte nicht konkret mit inklusiver Beschulung auseinandersetzen konnten. Nachdem die UN-Behindertenrechtskonvention 2009 in Deutschland in Kraft trat, hat die Entwicklung an Dynamik zugenommen. Es gab 2015 ein neues Schulgesetz, das Inklusion ermöglichte. Seitdem haben viele Sonderpädagoginnen und -pädagogen den Eindruck gewonnen, dass sich dadurch ihre Bedingungen an den SBBZ sowie im inklusiven Unterricht verschlechtern – auch, weil die Zahl der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf oder einem Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot, wie es im Ländle heißt, massiv zugenommen hat** – ohne dass dafür genug neue Lehrerinnen und Lehrer eingestellt wurden. Kurz: Viele Mitglieder erleben Inklusion deshalb derzeit als sehr problematisches Arbeitsfeld.

E&W: Länder wie Bremen oder Schleswig-Holstein setzen schon sehr lange gemeinsames Lernen um, auch mit positiven Erfahrungen.

Hirn: In Baden-Württemberg gibt es ebenfalls erfolgreiche inklusive Angebote, keine Frage. Fest steht: Inklusion kann und soll gelingen. Aber sie hängt aus meiner Sicht von mehreren Faktoren ab: angemessene Ausstattung mit personellen (sonderpädagogischen) und materiellen Ressourcen, ausreichende Stunden für Doppelbesetzungen, kleinere Klassen.

E&W: Genau diese Forderungen stehen im Beschluss des Gewerkschaftstages ...

Hirn: … die Kolleginnen und Kollegen haben jetzt die Probleme in ihrem inklusiven Arbeitsalltag, daher nützt ihnen eine Zielperspektive mit Forderungskatalog wenig.

E&W: Was wären erste Schritte hin zu einer inklusiven Schule? Womit beginnt man?

Hirn: Damit, dass man Lehrkräfte auf neue Arbeitsformen vorbereitet, dass Schulleitungen und Kollegien sich klarmachen, wenn wir Inklusion einführen, kommen Mädchen und Jungen zu uns, die individuelle, auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Unterrichtsformen brauchen. Am allerbesten lässt sich das alles im Team erarbeiten. Für Unterrichts- und Teamentwicklung, auch für Fortbildung muss die Politik allerdings Zeit bereitstellen.

E&W: Was kann der Landesverband vor Ort konkret in Sachen Inklusion anschieben?

Hirn: Er kann sich für bessere Arbeitsbedingungen stark machen und die Politik unter Handlungsdruck setzen.

E&W: Was treibt insbesondere Sonderpädagoginnen und -pädagogen um: Die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, die Sorge, zum „Wanderarbeiter“ zu werden?

Hirn: Etwas von allem, vermutlich. Veränderungsprozesse lösen oft Widerstände aus. Aber manch eine Kollegin, manch ein Kollege erlebt den Arbeitseinsatz in Inklusionsklassen an mehreren Standorten als sehr belastend und unbefriedigend. Auch im Regelschulsystem haben Lehrkräfte mit zusätzlichen Belastungen zu kämpfen.

E&W: Welchen?

Hirn: Nehmen wir das Beispiel einer Grundschullehrerin, die in einer Klasse mit 28 Schülerinnen und Schülern, darunter eine Gruppe von vier bis fünf Kindern mit speziellem Förderbedarf, unterrichtet. Wenn diese Kollegin lediglich eine sonderpädagogische Unterstützung von acht Wochenstunden erhält, bestreitet sie den Unterricht die meiste Zeit alleine – und zwar mit der ganzen Klasse. Eine starke Belastung.

E&W: Müsste der Landesverband versuchen, die Mitglieder mehr zu motivieren, zu ermutigen?

Hirn: Das Problem ist, dass unsere Kolleginnen und Kollegen an allen Ecken und Enden merken: Die Ressourcen reichen nicht aus! Deshalb wollen sie von ihrer Gewerkschaft nicht nur hören: „Arbeitet an eurer professionellen Haltung, dann wird es schon klappen!“

E&W: Heißt das, ohne adäquate personelle wie räumliche Ausstattung geht es mit Inklusion nicht voran?

Hirn: Es muss ja weitergehen. Ich kenne viele Kolleginnen und Kollegen, die hochengagiert inklusiv arbeiten. Aber selbst diese sagen, wenn sich nicht bald etwas an unseren Arbeitsbedingungen verändert, macht uns das krank. Von der GEW erwarten sie, dass sie die Mitglieder darin unterstützt, deren akute Probleme zu lösen. Ein bildungspolitisches Fernziel, bei dem sie sich noch mehr unter Druck gesetzt fühlen, lehnen sie ab. Fakt ist: In Baden-Württemberg ist die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Bedarf innerhalb von zwei Jahren um insgesamt neun Prozent gestiegen.

E&W: Warum hat sich die Schülerzahl innerhalb kurzer Zeit so stark erhöht?

Hirn: Weil Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die allgemeine Schulen besuchten, dort vor 2015 keine sonderpädagogische Unterstützung erhalten haben. Diesen Kindern kann man jetzt im Rahmen der Inklusion ein Angebot machen.

E&W: Wie wirkt sich diese Veränderung für Lehrerinnen und Lehrer aus?

Hirn: Sie führt – ganz klar – zu einer Mehrbelastung in den Kollegien. Die Zahl der sonderpädagogischen Lehrkräfte hat sich lediglich um 1,2 Prozent erhöht. Manche Mitglieder glauben, daran sei die Umsetzung der Inklusion schuld. Das trifft natürlich so nicht zu. Aber die Kolleginnen und Kollegen möchten, dass die GEW die Politik unter Druck setzt, mehr Lehrkräfte einzustellen, und nicht, dass sie vorrangig den inklusiven Schulausbau vorantreibt.

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Schule GEW Inklusion Artikel Hauptvorstand
news-12532 Sat, 07 Oct 2017 18:07:30 +0200 Neue ILO-Zahlen: Rückgang von Kinderarbeit, aber viel zu langsam https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/neue-ilo-zahlen-rueckgang-von-kinderarbeit-aber-viel-zu-langsam/ Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) mit Sitz in Genf hat neue Zahlen zur Kinderarbeit veröffentlicht. Weltweit arbeiten 152 Millionen Kinder unter 17 Jahren, die Hälfte davon in gefährlichen Tätigkeiten. Die ILO hat im September 2017 einen neuen Bericht zu Kinderarbeit veröffentlicht. Der Bericht mit dem Titel ‚Global Estimates of Child Labour – Results and Trends, 2012 – 2016‘  zählt 152 Millionen arbeitende Kinder weltweit, davon 73 Millionen mit gefährlicher Tätigkeit. Die gute Nachricht: die Anzahl arbeitender Kinder geht weiterhin zurück. Die schlechte: Der Rückgang hat sich deutlich verlangsamt. Und nicht alle sind in der Statistik berücksichtigt.

In dem Bericht stellt die ILO einen Rückgang arbeitender Kinder im Alter von fünf bis 17 Jahren von 168 Millionen im Jahr 2013 fest, gleichzeitig stagniert die rückläufige Entwicklung weltweit, in Subsahara Afrika ist sogar weiterhin ein Anstieg zu verzeichnen. Der verlangsamte Rückgang im Vergleich zum Vorberichtszeitraum lässt die Hoffnung auf ein weltweites Ende von Kinderarbeit bis 2025 schwinden. Dies hatten die UNO-Mitgliedsstaaten 2015 als Unterziel 8.7 der UN-Nachhaltigkeitsziele für Entwicklung verabschiedet.

Die meisten Kinderarbeiter*innen in der Landwirtschaft, in Staaten mit mittlerem Einkommen und in Konfliktregionen

Mit 71 Prozent aller arbeitenden Kinder (108 Millionen) weist die Landwirtschaft den mit Abstand größten Sektor mit Kinderarbeit auf, gefolgt von Dienstleistungen (26 Millionen) und dem Industriesektor (18 Millionen). Nicht von der Statistik erfasst ist die Arbeit in Privathaushalten, bei der noch einmal von mindestens 90 Millionen arbeitender Kinder ausgegangen werden muss, darunter 7 Millionen, vor allem Mädchen, die über 43 Stunden die Woche im Haushalt arbeiten.

Prozentual leben die meisten statistisch erfassten Kinderarbeiter*innen in einkommensschwachen Ländern – mit 19 Prozent gegenüber einem Prozent in einkommensstarken Ländern. In absoluten Zahlen lebt jedoch mit 84 Millionen und damit über die Hälfte aller Kinderarbeiter*innen in Ländern mit mittlerem Bruttonationaleinkommen.

Kinderarbeit ist insbesondere in Konflikt- und Katastrophenregionen vorhanden, in Ländern, die von bewaffneter Gewalt betroffen sind liegt das Vorkommen von Kinderarbeit sogar um 77 Prozent über dem globalen Durchschnitt. Die ILO mahnt daher humanitäre Akteure in Krisengebieten dazu an, Verantwortung für die Beseitigung von Kindearbeit zu übernehmen.

Erstmals Zusammenhang von Kinderarbeit und Bildungsbenachteiligung systematisch erfasst

Der der GEW aus vielen Einzelfällen und Studien bekannte negative Einfluss von Kinderarbeit auf die Schulbildung wurde nun auch von der ILO erstmals statistisch belegt. Somit haben 36 Millionen arbeitende Kinder zwischen fünf und 14 noch nie eine Schule besucht oder diese vorzeitig verlassen, also ein Drittel der Kinderarbeiter*innen dieser Altersgruppe. Aufgrund der arbeitsbedingten zeitlichen Einschränkung der Kinder, die weiterhin die Schule besuchen, stellt die ILO ebenfalls eine Bildungsbenachteiligung gegenüber nicht-arbeitenden Gleichaltrigen fest.

Geschlechterunterschiede finden mehr Berücksichtigung

Laut ILO arbeiten 64 Millionen Mädchen und 88 Millionen Jungen, mit großen Unterschieden in den jeweiligen Tätigkeiten. Der Anzahl arbeitender Jungen (45 Millionen) in gefährlicher Arbeit ist deutlich höher als die Anzahl Mädchen (28 Millionen). Dahingegen sind zwei Drittel der im Haushalt – und nicht von der Statistik erfassten – arbeitenden fünf bis 14-Jährigen Kinder Mädchen. Durch die schwere Messbarkeit von verborgener Kinderarbeit, wie die Arbeit in privaten Haushalten, muss von einer wesentlich höheren Zahl von Kinderarbeiter*innen, insbesondere bei den Mädchen, ausgegangen werden. Der Rückgang der Kinderarbeit bei Mädchen verläuft zudem langsamer als der bei Jungen. Die ILO empfiehlt daher nachdrücklich die Genderdimension bei der Bekämpfung von Kinderarbeit stärker in den Blick zu nehmen und insbesondere Hausarbeit als Kinderarbeit zu erfassen und im staatlichen Handeln zu berücksichtigen.

Seit 2011 engagiert sich die GEW mit ihrer Stiftung fair childhood in Indien, Burkina Faso, Mali, Tansania, Albanien und Nicaragua für Bildung statt Kinderarbeit.

 

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Schule Internationales Artikel Hauptvorstand
news-12528 Fri, 06 Oct 2017 14:17:04 +0200 Auslandsschulen: Lehrkräfte besser auf ihre Tätigkeit vorbereiten https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/auslandsschulen-lehrkraefte-besser-auf-ihre-taetigkeit-vorbereiten/ Rund 60 Prozent der Lehrkräfte an deutschen Auslandsschulen haben schon mal daran gedacht, ihren Vertrag vorzeitig zu kündigen. Das ist das Ergebnis stichprobenartiger Umfragen, das bei einer wissenschaftlichen Tagung in Nürnberg vorgestellt wurde. „Deutsche Auslandsschularbeit und interkulturelle Sozialisation“: Unter dieser Überschrift luden die GEW und die Universität Erlangen-Nürnberg zu einer zweitägigen Tagung nach Nürnberg ein. Jutta Mägdefrau, Professorin an der Universität Passau, berichtete dort, dass sie rund 350 Lehrkräfte an Deutschen Auslandsschulen stichprobenartig befragt habe. Ergebnis: „Wir haben zehn Prozent hochbelastete Kollegen draußen“. Rund 60 Prozent berichteten ihr zufolge, dass sie bereits über den Abbruch ihrer Auslandstätigkeit nachgedacht hätten. Als Grund nannten die Befragten Probleme mit der Schulleitung, „fehlende Aufstiegsmöglichkeiten“ und „materielle Gründe“. Mägdefrau sieht dringenden Forschungsbedarf, um Lehrkräfte besser auf ihre Aufgaben an Auslandsschulen vorzubereiten.

Die Tagung, an der rund 30 Frauen und Männer teilnahmen, beschäftigte sich auch mit der Frage, ob Lehrerbildung generell eine „internationale Dimension“ haben müsse. Anatoli Rakhkochkine, Erziehungswissenschaftler und Professor an der Uni Erlangen-Nürnberg, verwies auf die „globalisierte Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen“. Außerdem gebe es zunehmend Schulklassen, in denen ein Migrationshintergrund „der Normalfall“ sei. Also besteht große Nachfrage nach Lehrkräften, die Erfahrungen an einer der rund 140 Deutschen Auslandsschulen gesammelt haben? Nur teilweise: Rakhkochkine erklärte, deren Kompetenzen seien oftmals nur dann gefragt, „wenn die Schule ein internationales Profil hat“ – wenn sie etwa Europa-Projekte veranstalte oder internationalen Schüleraustausch pflege. Fehlt dieses Profil, werden diese Kompetenzen oftmals nicht genutzt.

Weitere Vorträge informierten über „Inklusionsentwicklungen im deutschen Auslandsschulwesen“ oder die „Internationalisierung von Bildungsgängen und -abschlüssen an Inlands- und Auslandsschulen“.

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Schule Internationales LehrerInnenbildung Artikel Hauptvorstand
news-12526 Fri, 06 Oct 2017 13:49:19 +0200 Grundbildung: Mehr politische Unterstützung erforderlich https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/grundbildung-mehr-politische-unterstuetzung-erforderlich/ Die GEW fordert einen Rechtsanspruch auf Grundbildung als Voraussetzung eines selbstbestimmten Lebens. Dazu seien auch dauerhafte, der Qualifikation und Aufgabe der Lehrkräfte entsprechende Beschäftigungsverhältnisse zu schaffen. Die Unesco, die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, hat zum Weltalphabetisierungstag im September an die Bedeutung der Erwachsenenbildung erinnert. Trotz aller Anstrengungen und vieler guter Ansätze verbleibe die Zahl der tatsächlich erreichten Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Grundbildung auf einem zu niedrigen Niveau, bilanzierte jüngst auch die Bundesfachkonferenz Grundbildung des Deutschen Volkshochschul-Verbands mit rund 140 Expertinnen und Experten aus Praxis, Wissenschaft und Politik. Die GEW fordert verlässliche Förderstrukturen, zum Beispiel für die ausreichende finanzielle und personelle Ausstattung der Grundbildungszentren.

Aus Sicht der Bundesfachgruppe Erwachsenenbildung sind für die Daueraufgabe Grundbildung auch dauerhafte, der Qualifikation und Aufgabe der Lehrkräfte entsprechende Beschäftigungsverhältnisse zu schaffen. Politisch müsse die 2016 ausgerufene Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung genutzt werden, endlich einen Rechtsanspruch der Menschen auf Grundbildung als Voraussetzung eines selbstbestimmten Lebens einzuführen.

Weitere Themen im Infoblatt Weiterbildung im Oktober 2017:

  • Grundbildung auch im Rahmen der Globalen Nachhaltigkeitsagenda
  • Neun Jahre nach den Dresdner Beschlüssen: Von der „Bildungsrepublik“ weit entfernt
  • Solidarische Bildung – Offensive über die Bundestagswahl hinaus
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Weiterbildung Artikel Hauptvorstand
news-12523 Fri, 06 Oct 2017 10:30:37 +0200 Anhaltender Aufwärtstrend beim dualen Studium https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/anhaltender-aufwaertstrend-beim-dualen-studium/ Der Aufwärtstrend bei dualen Studiengängen setzt sich fort. Erstmals sind beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) mehr als 100.000 dual Studierende gemeldet. Die Gewerkschaften fordern derweil mehr Regulierung des dualen Studiums. Auch bei den Studiengängen ist laut BIBB ein stetiger Zuwachs zu verzeichnen: Derzeit sind 1.592 Angebote von deutschen Hochschulen registriert. Zugleich bieten immer mehr Betriebe Ausbildungsplätze für ein duales Studium an. Während im Jahr 2004 von den Unternehmen knapp 18.200 Angebote zur Verfügung standen, sind es nun rund 48.000 Kooperationsangebote. Die Zahl der Studierenden (2004: 40.982) und der kooperierenden Unternehmen haben sich somit in diesem Zeitraum jeweils mehr als verdoppelt. Die Zahl der dualen Studiengänge hat sich seit 2004 – damals waren es 512 – mehr als verdreifacht.

Nach Angaben der Bundesfachgruppe Kaufmännische und Gewerbliche Schulen gibt es mit Blick auf das duale Studium aber auch Missstände: So klagten dual Studierende häufig über eine unzureichende Abstimmung zwischen den Lernorten Hochschule/Akademie, Berufsschule und Betrieb. Die Studierenden seien zudem einem enorm hohen Leistungsdruck ausgesetzt, „von einem selbstbestimmten Studium ist lange nicht mehr die Rede“. Für die DGB-Gewerkschaften besteht daher ein hoher Bedarf an Regulierung des dualen Studiums. Ein duales Studium verbindet eine praktische Ausbildung in einem Betrieb mit einem Studium an einer (Fach-)Hochschule oder Berufsakademie.

Weitere Themen im Infoblatt Berufsbildung im Oktober 2017:

  • Neun Jahre nach den Dresdner Beschlüssen: Von der „Bildungsrepublik“ weit entfernt
  • DGB-Handreichung zu „3 + 2 Regelung“ und Forderungen der GEW zu berufsbildenden Schulen und beruflicher Bildung in der Migrationsgesellschaft

 

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Berufliche Bildung Artikel Hauptvorstand
news-12395 Fri, 06 Oct 2017 09:30:00 +0200 Berufsverbote: „Die alte Wut bleibt“ https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/berufsverbote-die-alte-wut-bleibt/ Früher Berufsverbot, heute Altersarmut: Der Radikalenerlass von 1972 hat viele linksorientierte Lehrkräfte aus dem Beruf gedrängt. Eine Initiative sammelt Spenden für Betroffene. Meist ist Reinhard Gebhardt viel zu beschäftigt, um über alte Zeiten zu grübeln. Doch manchmal kommt alles wieder hoch: „Das ganze Unrecht.“ Und: „Die alte Wut bleibt“, sagt Gebhardt. Der 68-Jährige lebt in einer winzigen Einzimmerwohnung in Mannheim. Mit seiner mickrigen Rente von 652 Euro kommt er kaum über die Runden. Dabei wollte er in den 1970er-Jahren Grundschullehrer werden. Dann hätte er heute locker 1.000 Euro mehr im Monat. Aber daraus wurde nichts. Gebhardt gehörte der 68er-Bewegung an, war beim Kommunistischen Bund Westdeutschland aktiv. Das Oberschulamt zweifelte an seiner Verfassungstreue – und ließ ihn nach dem ersten Staatsexamen nicht zum Referendariat zu. Der Rentner hat ausgerechnet, dass ihm dadurch im Laufe der Jahre rund 950.000 Euro an Gehalt entgangen sind.

„Mein Fehler war, dass ich juristisch nichts dagegen getan habe.“

Der Radikalenerlass von 1972 hat viele linke Aktivisten aus ihrer beruflichen Laufbahn gedrängt. Die Initiative „Weg mit den Berufsverboten“ fordert eine Rehabilitierung und Entschädigung. Viele Kolleginnen und Kollegen seien jetzt von Altersarmut bedroht, heißt es in einer Erklärung. Deshalb hat die Initiative beschlossen, Spenden als Soforthilfe zu sammeln. Der Neue Heinrich-Heine-Fonds unterstützt auch Gebhardt mit 100 Euro pro Monat. Das ist nicht viel. „Aber es hilft mir sehr“, sagt der Rentner. So kann er mal ein Buch für seine Kinder zum Geburtstag kaufen oder einen Ausflug machen. Und mehr noch: „Es ist ein richtig schönes Zeichen, dass wir zusammenhalten.“ Gebhardt zeigt auf die Fotos von weißhaarigen Männern – alle in den 1970er-Jahren vom Berufsverbot betroffen. „Viele haben es durch Klagen in den Schuldienst geschafft“, sagt er. „Mein Fehler war, dass ich juristisch nichts dagegen getan habe.“

Altnazis in der Landesregierung

Gebhardt ist Jahrgang 1948, ein Nachkriegskind aus wohlhabender Familie: Der Junge spielt Tennis, fährt in Urlaub. Dann kommt die Zeit der Proteste gegen den Vietnamkrieg, Malcom X wird ermordet, Benno Ohnesorg erschossen. Gebhardt ist mittendrin in der 68er-Bewegung. Nach dem Abi studiert er in Heidelberg auf Lehramt, will Deutsch und Werken unterrichten. Doch das Oberschulamt lädt ihn 1974 zum Verhör, um seine Verfassungstreue zu überprüfen. Gebhardt schüttelt den Kopf. All die Altnazis in der damaligen Landesregierung, darunter die CDU-Politiker Hans Filbinger und Karl Schiess, beide früher NSDAP-Mitglied – und er soll sich rechtfertigen? „Ich spreche Ihnen das Recht ab, mich zu verhören“, erwidert er. Die Absage erfolgt prompt. Das Amt erklärt, die Ziele seiner politischen Aktivitäten seien mit der freiheitlich demokratischen Grundordnung „unvereinbar“.

Daraufhin arbeitet Gebhardt in einer Druckerei, später in einem Metallbetrieb, viele Jahre als Betriebsrat. Als die Firma pleitegeht, heuert er als Lkw-Fahrer an. 2001 startet er den Versuch, sein Referendariat nachzuholen, mit Unterstützung engagierter Lehrkräfte und der GEW. „Doch es hat nicht geklappt. Das Studium war zu lange her.“ Bis zur Rente fährt er Lkw. Der 68-Jährige ist immer noch politisch aktiv, bei der Linkspartei, beim Bündnis gegen Abschiebung und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). Er geht regelmäßig auf Demos, gegen Rassismus und Krieg. Andere Aktivisten haben sich damals im Verhör von ihren politischen Forderungen distanziert – und wurden im öffentlichen Dienst eingestellt. Würde er es rückblickend anders machen? „Nein“, sagt Gebhard. „Ich stehe voll dazu.“

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Gesellschaftspolitik Artikel Hauptvorstand
news-12391 Fri, 06 Oct 2017 07:30:00 +0200 Radikalenerlass: „Aufarbeitung steht noch aus“ https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/radikalenerlass-aufarbeitung-steht-noch-aus/ Vor 40 Jahren wurde jede und jeder im öffentlichen Dienst vom Verfassungsschutz überprüft. Für ein Berufsverbot reichte es, einer „falschen“ Organisation anzugehören. Betroffen waren vor allem angeblich linke Lehrkräfte. Der Radikalenerlass von 1972 hat die demokratische Grundordnung nach Ansicht des Historikers Dominik Rigoll mehr beschädigt als beschützt. „Es gab über 10.000 Ablehnungsverfahren, unzählige Personen wurden zu politischen Anhörungen geladen. Rechtskräftig waren – in Anführungszeichen – nur rund 1.000 Fälle. Bei über zwei Millionen Regelanfragen bis 1990. Das zeigt, dass jede Verhältnismäßigkeit fehlte“, sagt der Mitarbeiter am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam und Autor von „Staatsschutz in Westdeutschland“ im „E&W“-Interview.

Eine Aufarbeitung dieser Geschichte stehe noch aus. In der breiten Öffentlichkeit und auch in der Historikerzunft werde die Bundesrepublik vor allem als Erfolgsgeschichte betrachtet, was nach den Erfahrungen der NS-Zeit verständlich sei. „Gleichwohl ist es wichtig, zu fragen: Ist im Namen des Rechtsstaats damals Unrecht geschehen?“, betonte der Historiker.“Und auch wenn es abgedroschen klingt: Solange die Demokratie ihre damaligen Fehler nicht eingesehen hat, können sie sich leicht wiederholen.“

Im Januar 1972 hatten Bund und Länder den sogenannten Radikalenerlass beschlossen, um vermeintliche Verfassungsfeinde aus dem öffentlichen Dienst fernzuhalten. Der Staat entschied sich, alle vom Verfassungsschutz überprüfen zu lassen, die in den öffentlichen Dienst wollten. Die Bundesländer schafften die Regelanfrage seit 1979 schrittweise ab.

Das gesamte Interview von Kathrin Hedtke ist im Wortlaut in der Oktoberausgabe der „E&W“ abgedruckt.

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Gesellschaftspolitik Artikel Hauptvorstand
news-12413 Thu, 05 Oct 2017 15:00:00 +0200 Wirtschaft muss Perspektiven beruflicher Ausbildung bieten https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/wirtschaft-muss-perspektiven-beruflicher-ausbildung-bieten/ Mit dem Wunsch nach Aufstieg steigt die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger kontinuierlich. Arbeitgeber sind gefordert, statt über einen Fachkräftemangel zu klagen, die berufliche Ausbildung attraktiver zu gestalten. Seit Jahren gibt es eine Dynamik in der beruflichen Ausbildung. Die Berufsbildungspolitik würdigt gemeinsam mit den Wirtschaftsverbänden und Industriegewerkschaften das Flaggschiff der Berufsbildung in Deutschland, das duale System, und unterstützt es mit Pakten und Allianzen. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Ausbildungsverträge und immer mehr Betriebe ziehen sich aus der Ausbildung zurück. Erstaunlich: Da bedauern die Akteure aus Politik und Wirtschaft öffentlich, dass immer weniger junge Menschen im dualen System ausgebildet werden – allein zwischen Mitte des vergangenen und Mitte dieses Jahrzehnts gut 37.000, das sind 7,2 Prozent. Aber sie erkennen nicht, dass im selben Zeitraum die Zahl der jungen Menschen, die sich für eine vollzeitschulische Berufsausbildung in den Erziehungs-, Gesundheits- und Sozialberufen entscheiden, um knapp 32.000 (= 22,2 Prozent) gestiegen ist! Auch für diese zukunftsentscheidenden Dienstleistungsberufe – hier arbeiten überwiegend Frauen – brauchen wir Allianzen und Pakte, um die Qualität der Ausbildungs-, Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen zu verbessern!

Die Öffentlichkeit nimmt im Wesentlichen wahr, dass immer mehr junge Menschen studieren. Die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger ist zwischen Mitte des vergangenen und Mitte dieses Jahrzehnts um knapp 145.000 junge Menschen, das entspricht fast 40 Prozent (!), gestiegen. Für die Bildungsgewerkschaft ist das jedoch kein Beleg, dass berufliche Abschlüsse entwertet werden. Diese Entwicklung ist vielmehr eng mit dem individuellen Wunsch der Lernenden nach gesellschaftlichem Aufstieg zu erklären. Hier sind vor allem die Arbeitgeber gefordert, statt über einen Fachkräftemangel zu klagen, gute Beschäftigungs- und Aufstiegsperspektiven für beruflich Qualifizierte zu bieten und die berufliche Ausbildung attraktiver zu gestalten.

„Der seit Jahren bestehende Lehrkräftemangel an berufsbildenden Schulen dürfte sich in den nächsten Jahren noch weiter verschärfen.“

In der Debatte um die sogenannte Akademisierung dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren, dass nach wie vor mehr als 1,9 Millionen junge Erwachsene zwischen 20 und 34 Jahren keinen Berufsabschluss haben. Der sogenannte Übergangsbereich, der nicht auf einen Berufsabschluss abstellt, ist bis zum Jahr 2013 kleiner geworden. Seitdem ist die Zahl junger Menschen, die hier landen, jedoch wieder auf knapp 300.000 angewachsen. Dies macht deutlich, dass wir dringend eine Ausbildungsgarantie brauchen, wie sie die GEW seit langem vorschlägt. Unser Nachbar Österreich zeigt bei sonst ähnlichen Bildungsbedingungen, dass die Umsetzung einer solchen Garantie ohne revolutionäre Veränderungen möglich ist.

Die im internationalen Vergleich als erfolgreich geltende berufliche Bildung in Deutschland braucht qualifizierte Beschäftigte, um zukunftsfähig zu bleiben. Der seit Jahren bestehende Lehrkräftemangel an berufsbildenden Schulen dürfte sich in den nächsten Jahren noch weiter verschärfen, wenn die zuständigen Länder – wie von der GEW seit Jahren angemahnt – nicht entschieden gegensteuern: Wenig Nachwuchs und hohe Pensionierungszahlen bilden ein hochexplosives Gemisch. Woher soll der Nachwuchs kommen, wenn die Arbeitsbedingungen und der Verdienst, insbesondere im Vergleich mit der privaten Wirtschaft, immer unattraktiver werden? Die GEW macht sich für eine deutliche Verbesserung sowohl der Arbeits- als auch der Ausbildungs- bzw. Studienbedingungen stark, damit die wichtige berufspädagogische Arbeit in den berufsbildenden Schulen wieder als lohnende berufliche Perspektive geschätzt wird.

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Berufliche Bildung Bildungssystem Artikel Hauptvorstand
news-12412 Thu, 05 Oct 2017 13:00:00 +0200 Ausbildungsplätze fehlen weiter https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/ausbildungsplaetze-fehlen-weiter/ In der dualen Berufsausbildung ist das Ausbildungsplatzangebot nach Ansicht von Experten weiterhin zu gering. Das trifft vor allem gering qualifizierte Jugendliche. Die Digitalisierung wird das Problem weiter verschärfen. Die Freude darüber, dass sich die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage in der dualen Ausbildung rechnerisch in den vergangenen Jahren verringert hat und die Bundesagentur für Arbeit in diesem August in etwa Gleichstand beider Größen meldete, kann man getrost teilen. Aber man sollte der Freude nicht zu ausgelassen Ausdruck verleihen: Selbst ein bundesweiter numerischer Gleichstand von Angebot und Nachfrage bedeutet für die Jugendlichen noch lange kein auswahlfähiges Ausbildungsplatzangebot. Dies wäre laut Ausbildungsplatzförderungsgesetz erst erreicht, wenn das Angebot wenigstens 12,5 Prozent über der Nachfrage läge. Es bleiben also für beide Seiten – Jugendliche wie Unternehmen – weiterhin erhebliche Unsicherheiten und Passungsprobleme. Darüber kann auch das aktuelle Lob der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für die deutsche Berufsausbildung – das sich vor allem aus der niedrigen Jugendarbeitslosigkeitsquote begründet – nicht hinwegtäuschen.

Über ein Jahrzehnt war die Berufsbildung wegen der Verwerfungen am Ausbildungsstellenmarkt in schwere Turbulenzen geraten. Ist ihre Welt jetzt wieder in Ordnung? Und: Die noch wichtigere Frage: Ist das System für die Zukunft gut gerüstet? Mitnichten. Die duale Berufsausbildung schleppt weiterhin alte Lasten – vielleicht etwas weniger schwer – mit sich herum und ist mit neuen Unsicherheiten konfrontiert. Dazu zählt das nach wie vor zu geringe Ausbildungsplatzangebot. Dieses ist zudem von einem weiteren Abwärtstrend bedroht: Der numerische Gleichstand von Angebot und Nachfrage resultiert nämlich nicht daraus, dass sich das Ausbildungsplatzangebot ausgeweitet hätte, sondern fast ausschließlich aus dem Rückgang der Nachfrage. Zwischen 2007 und 2015 ging das Angebot um 13 Prozent, die Nachfrage aber um 20 Prozent zurück.

„Die strukturelle Verknappung des Ausbildungsangebots wird auch künftig vor allem die gering qualifizierten Jugendlichen treffen.“

Alarmierend daran ist, dass sich der Rückgang bei kontinuierlich steigendem Beschäftigungsvolumen vollzogen hat. Es kommt im letzten Jahrzehnt zu einer zunehmenden Entkopplung von Beschäftigungs- und Ausbildungsentwicklung, die es so bisher nicht gab. Hält dieser Trend an,  wäre dies für das duale System fatal. Bei der Entkoppelung sind strukturelle Entwicklungen am Werk, das zeigt sich an den seit 2008 in allen Betriebsgrößenklassen rückläufigen Auszubildenden- und Ausbildungsbetriebsquoten. Diese wirken sich am stärksten bei den Kleinbetrieben (bis 50 Beschäftigte) aus, die traditionell knapp die Hälfte der Ausbildungsplätze stellen.

Die strukturelle Verknappung des Ausbildungsangebots wird auch künftig vor allem die gering qualifizierten Jugendlichen treffen – unter ihnen viele mit Migrationshintergrund. Fast 300 000 Jugendliche im Übergangssektor sprechen eine deutliche Sprache. Inzwischen schlägt die Verknappung aber als eigenes Versäumnis auf die Fachkräfteversorgung der Unternehmen zurück. Das Lamento der Wirtschaft über Fachkräftemangel geht also zuallererst an die eigene Adresse.

„Ohne mehr externe Unterstützung scheinen die Betriebe überfordert.“

Fachkräftemangel und Benachteiligung von Geringqualifizierten stehen angesichts demografischer Entwicklung und des ungebrochenen Trends zum Studium perspektivisch in einem unabweisbaren Zusammenhang. Dieser ist politisch schwer zu gestalten, denn die Digitalisierung forciert die Tendenz zu steigenden Qualifikationen.

Für die Doppelaufgabe von Höherqualifizierung und Einbeziehung Geringqualifizierter, einschließlich der Integration von Schutz- und Asylsuchenden, scheint die duale Ausbildung nicht gut gerüstet. Es fehlt zum einen – für die Höherqualifizierten – an attraktiven Angeboten. Zum anderen insgesamt an den erforderlichen personellen Ressourcen und Kompetenzen in den Betrieben, vor allem an sozial- und sonderpädagogischer Expertise, um die für die Fachkräfteversorgung unverzichtbare Ausbildung der Geringqualifizierten zu erreichen. Ohne mehr externe Unterstützung scheinen die Betriebe überfordert – gerade bei den vielfältigen Integrations- und Inklusionsaufgaben. Hier spricht alles für ein intensiveres Zusammenwirken von Betrieben und Berufsschulen.

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Artikel Hauptvorstand
news-12390 Thu, 05 Oct 2017 11:00:00 +0200 Umzug der Beruflichen Bildung ins Wirtschaftsministerium https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/umzug-der-beruflichen-bildung-ins-wirtschaftsministerium/ Die Verantwortung für die berufliche Bildung soll in Schleswig-Holstein vom Bildungs- ins Wirtschaftsministerium wandern – ein Novum in Deutschland. Viele Gründe sprechen gegen diese Vereinbarung im Koalitionsvertrag von CDU, FDP und Grünen. Der Koalitionsvertrag zur Bildung einer neuen Landesregierung, den CDU, FDP und Grüne in Schleswig-Holstein geschlossen haben, sieht ein Schleswig-Holsteinisches Institut für Berufliche Bildung SHIBB in Zuständigkeit des Wirtschaftsministeriums vor. Als beratendes Gremium wird demnach ein Kuratorium mit Vertreterinnen und Vertretern der relevanten Ministerien, der Sozialpartner, Schulträger und berufsbildenden Schulen eingerichtet. Dem Institut soll vollständige Eigenständigkeit mit eigenem Haushalts- und Stellenplan gewährleistet werden. Ebenso soll dort in Zuständigkeit des Wirtschaftsministers die unteilbare Rechts-, Dienst- und Fachaufsicht mit Verwaltung des gesamten Lehrpersonals liegen. Alle Referate der beruflichen Bildung, einschließlich das des Landesseminars Berufliche Bildung, würden in das SHIBB überführt, heißt es im Koalitionsvertrag.

Als „krasse Fehlentscheidung zu Lasten von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften, aber auch der Qualität in der beruflichen Bildung insgesamt“, kritisierte die GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke diese bundesweit einmalige Zuordnung. „Die berufliche Bildung gehört genauso wenig ins Wirtschaftsministerium wie Tourismusförderung, Straßenbau oder maritime Wirtschaft ins Bildungsministerium. Wir brauchen keinen Verschiebebahnhof, sondern eine Stärkung der beruflichen Bildung.“

Das im Koalitionsvertrag angeführte Ziel „Verzahnung von beruflicher Ausbildung und Arbeitswelt“ gibt es zudem seit langem: Im dualen System wird durch den gemeinsamen Bildungsauftrag von Berufsschule und Betrieb für die Arbeitswelt ausgebildet, durch die Berufsfachschule ebenfalls. Fachoberschule, Berufliches Gymnasium und Berufsoberschule führen mit beruflichen Qualifikationen zur Studierfähigkeit und ein Studium dann in die Arbeitswelt. Im Berufsbildungsgesetz (BBiG) ist auch die Abstimmung mit der Wirtschaft bereits gut geregelt.

Der Artikel von Dieter Hölterhoff ist in voller Länge in der Oktoberausgabe der „E&W“ nachzulesen.

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Berufliche Bildung Schule Bildungssystem Artikel Hauptvorstand
news-12389 Thu, 05 Oct 2017 10:00:00 +0200 Berufliche Bildung muss reformiert werden https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/berufliche-bildung-muss-reformiert-werden/ Reformen im Dualen System und der Beruflichen Bildung sind überfällig. In einzelnen Branchen gibt es erhebliche Vermittlungsschwierigkeiten. Die Zahl der 20- bis 34-Jährigen ohne Berufsausbildung ist wieder leicht gestiegen. Der Großteil der jungen Menschen strebt nach wie vor seinen Einstieg ins Arbeitsleben über eine berufliche Ausbildung an: Zum vergangenen Herbst schlossen Handwerk, Handel und Industrie 520.000 neue Lehrverträge ab, zugleich starteten 220.000 junge Menschen eine Ausbildung im berufsqualifizierenden Schulsystem – etwa um Krankenschwester, Pflegerinnen beziehungsweise oder Erzieherin beziehungsweise Erzieher zu werden. Diesen 740.000 Auszubildenden standen 420.000 Studienanfängerinnen und -anfänger gegenüber. In kaum einem anderen Industriestaat gelingt jungen Menschen der Übergang vom Bildungs- in das Beschäftigungssystem so verhältnismäßig reibungslos wie in Deutschland. Auch die Jugendarbeitslosigkeit ist hierzulande geringer als in anderen Staaten der Europäischen Union (EU).

Dennoch sind Reformen notwendig: Die Zahl der jährlich von den Unternehmen neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge geht seit 2011 trotz robuster Konjunktur kontinuierlich zurück. Immer weniger Betriebe beteiligen sich an der Berufsausbildung. Vor zehn Jahren stellte noch jedes vierte Unternehmen Auszubildende ein, heute ist es nur noch jedes fünfte. Im vergangenen Herbst konnten erneut rund 20.000 Jugendliche von der Bundesagentur für Arbeit bis zum gesetzlichen Stichtag 30. September nicht auf eine Lehrstelle vermittelt werden. Zudem fehlt es in den Berufsschulen an qualifiziertem Lehrkräftenachwuchs.

„Das Angebot der Betriebe und die Nachfrage der jungen Menschen passen offenbar immer schlechter zusammen“, folgert das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in seiner Analyse zum Ausbildungsjahr 2016/17. Besonders prekär ist die Lage für Hauptschüler. Nahezu jeder zweite Ausbildungsplatz bleibt ihnen heute wegen höherer Qualifikationsanforderungen der Wirtschaft verschlossen. Ein Hauptschüler mit Abschluss ist heute im Schnitt 19 Jahre alt, bevor er erstmals einen Lehrvertrag bekommt.

Der vollständige Artikel von Karl-Heinz Reith ist in der Oktoberausgabe der „E&W“ veröffentlicht. 

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Berufliche Bildung Bildungssystem Artikel Hauptvorstand