GEW - Die Bildungsgewerkschaft - Website https://www.gew.de GEW - Die Bildungsgewerkschaft - Website de-DE GEW - Die Bildungsgewerkschaft - Website Sat, 22 Sep 2018 15:44:02 +0200 Sat, 22 Sep 2018 15:44:02 +0200 TYPO3 EXT:news news-14938 Fri, 21 Sep 2018 10:18:28 +0200 Engagierte Schulen als Forschungspartner gesucht https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/engagierte-schulen-als-forschungspartner-gesucht/ Wie stellen Schulen sich auf die wachsende Anzahl von Kindern und Jugendlichen ein, die mit ungewisser Perspektive nach Deutschland kommen? Ein Forschungsprojekt der Universität Bremen sucht Partnerschulen zur Beantwortung dieser Fragen. Migration Artikel Hauptvorstand news-14928 Wed, 19 Sep 2018 14:46:13 +0200 „Viel zu wenig!“ https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/viel-zu-wenig/ Das Bundeskabinett hat das Gute-Kita-Gesetz beschlossen, um mit 5,5 Milliarden Euro die Qualität in Kindertageseinrichtungen zu verbessern. Die GEW kritisiert eine fehlende dauerhafte Finanzierung und die Art der Verteilung der Mittel. Kita Bildungsfinanzierung Bildungsqualität Artikel Hauptvorstand news-14926 Wed, 19 Sep 2018 12:12:18 +0200 Reflexion über unsere Erinnerungskultur https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/reflexion-ueber-unsere-erinnerungskultur/ Sieben Kinder und Enkel von NS-Tätern, Wehrmachtsangehörigen und Holocaust-Überlebenden erzählen in dem Film „Nachlass“ davon, wie Unausgesprochenes, Schuldgefühle und Traumata die Beziehungen zu ihren Vätern und Großvätern geprägt haben. Gesellschaftspolitik Artikel Unterrichtsmaterial Hauptvorstand news-14924 Wed, 19 Sep 2018 09:37:07 +0200 Jetzt für suchtpräventive Klassenfahrten 2019 bewerben https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/jetzt-fuer-suchtpraeventive-klassenfahrten-2019-bewerben/ Die suchtpräventiven Klassenfahrten von „Keine Macht den Drogen“ führen 2019 nach Walsrode und Neuburg an der Donau. Bewerben können sich Klassen bis Mitte November. Schule LehrerInnenbildung Artikel Hauptvorstand news-14921 Wed, 19 Sep 2018 08:58:04 +0200 A13 für Regelschullehrkräfte https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/a13-fuer-regelschullehrkraefte/ Regelschullehrkräfte werden in Thüringen ab 2020 in die Besoldungsgruppe A13 beziehungsweise Entgeltgruppe E13 eingestuft und mit Kolleginnen und Kollegen an Gymnasien, berufsbildenden Schulen und Förderschulen gleichgestellt. Gleichstellung Tarif Artikel Hauptvorstand news-14882 Tue, 18 Sep 2018 09:15:58 +0200 #MeToo sollte Thema an Schulen sein https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/metoo-sollte-thema-an-schulen-sein/ Die große Mehrheit der Deutschen findet es laut ifo Bildungsbarometer positiv, dass wegen der #MeToo-Kampagne eine Debatte über sexuelle Belästigung geführt wird - und befürwortet eine Behandlung des Themas an Schulen. Schule Gleichstellung Artikel Hauptvorstand news-14880 Tue, 18 Sep 2018 08:30:35 +0200 Neues Online-Archiv zur deutschen Frauenbewegung https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/neues-online-archiv-zur-deutschen-frauenbewegung/ Seit Mitte September ist das Digitale Deutsche Frauenarchiv online. Erstmals macht es zahlreiche Exponate zur deutschen Frauenbewegung im Netz zugänglich. Gleichstellung Artikel Hauptvorstand news-14876 Mon, 17 Sep 2018 16:02:40 +0200 Freiheit für Mohammed Habibi https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/freiheit-fuer-mohammed-habibi/ Der iranische Lehrergewerkschafter Mohammed Habibi wurde Anfang August 2018 zu zehneinhalb Jahren Gefängnis und 74 Peitschenhieben verurteilt. Die Bildungsinternationale fordert mit einer Online-Kampagne seine Freilassung. Unerträgliche Haftbedingungen
Mohammed Habibi ist Mitglied der iranischen Lehrergewerkschaft in Teheran und eines von vielen unabhängigen Gewerkschaftsmitgliedern, die von den iranischen Behörden wegen der Ausübung legitimer gewerkschaftlicher Aktivitäten verfolgt werden. Er wurde am 20. Mai während eines friedlichen Protestes verhaftet und befindet sich seitdem unter unerträglich harten Bedingungen in Haft. Familienmitglieder, die ihn im Gefängnis besuchten, berichteten, dass er schwer misshandelt worden war. Die Behörden verweigern ihm die dringend benötigte medizinische Unterstützung.

Proteste iranischer Lehrkräfte
Aufgrund schlechter Bezahlung und miserabler Arbeitsbedingungen ist es in den letzten Jahren immer wieder zu Protesten und Streiks iranischer Lehrerinnen und Lehrer gekommen.  Das Mullah-Regime in Teheran reagiert darauf regelmäßig mit Repressionen und Kriminalisierung der Lehrkräfte. Habibi war bereits am 3. März 2018 vor den Augen seiner Schülerinnen und Schüler gewaltsam verhaftet worden; er wurde schließlich nach 44 Tagen auf Kaution freigelassen.

Gewerkschaften fordern bedingungslose Freilassung  
Das jetzige Urteil gegen Habibi durch ein islamisches Revolutionsgericht erfolgte am 4. August 2018 und beinhaltet neben zehneinhalb Jahren Freiheitsstrafe auch 74 Peitschenhiebe, ein Verbot sozialer und politischer Aktivitäten sowie ein Reiseverbot. Die Bildungsinternationale, der Dachverband von rund 400 Lehrer- und Bildungsgewerkschaften weltweit, fordert gemeinsam mit LabourStart von den iranischen Behörden die unverzügliche und bedingungslose Freilassung von Mohammed Habibi und aller anderen inhaftierten iranischen Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter.

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Internationales Artikel Hauptvorstand
news-12024 Mon, 17 Sep 2018 09:30:00 +0200 Welche Apps sind für den Alltag in der Bildung wichtig? https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/welche-apps-sind-fuer-den-alltag-in-der-bildung-wichtig/ Ein Referat als Snapchat-Story präsentieren, eine Kanzlerwahl im Serious Games nachspielen oder mit der Virtual-Reality-Brille ins antike Rom reisen: Neue Medien und digitale Technologien werden Schule und Unterricht zunehmend beeinflussen. Die GEW will Pädagoginnen und Pädagogen verstärkt über Themen rund um die digitale Bildung informieren und Tipps für den Umgang mit neuen Medien im Unterricht geben. Wir stellen Apps und Programme vor, mit denen Lehrkräfte die Notenvergabe digital verwalten, gemeinsam im Kollegium online brainstormen oder eigene Lernvideos produzieren können. Außerdem erklären wir, wie beispielsweise die politische Bildung vom Einsatz digitaler Lernspiele profitieren könnte, welche konkreten Games es dazu gibt, und welche Plattformen Hilfestellung und Materialien bieten.

Auch dem Thema Medienkompetenz kommt zunehmend mehr Bedeutung zu. Lehrkräfte müssen diese Fähigkeit nicht nur besitzen, sondern an Schülerinnen und Schüler vermitteln. Die GEW gibt Tipps zu Portalen und Publikationen, die über Netzphänomene wie Fake News und Social Bots aufklären, und die Pädagoginnen und Pädagogen nutzen können, um zu einem kritischen Umgang mit neuen Medien zu erziehen.

Noch sind es Zukunftsvisionen, aber der Einsatz von Augmented und Virtual Reality könnte die Ausbildung in Schule, Universität und Beruf künftig noch stärker verändern. Die GEW erklärt, was sich hinter den neuen IT-Technologien verbirgt, und welche damit verbundenen Aspekte aus Gewerkschaftssicht kritisch zu begleiten sind. Weitere Positionen und Ansätze zum Thema digitale Bildung fasst auch die GEW-Broschüre "Erfolgreich mit Neuen Medien! Was bringt das Lernen im Netz?" zusammen.

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Schule Bildungssystem LehrerInnenbildung Artikel Hauptvorstand
news-14851 Fri, 14 Sep 2018 11:43:46 +0200 GEW Niedersachsen fordert gleiche Bezahlung https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/gew-niedersachsen-fordert-gleiche-bezahlung/ Unter dem Motto „Es reicht!“ hat die GEW Niedersachsen vor dem Landtag in Hannover demonstriert. Sie fordert, Grund-, Haupt-und Realschullehrkräfte wie Lehrerinnen und Lehrer an Gymnasien nach A13 zu besolden. news-14843 Thu, 13 Sep 2018 17:25:11 +0200 Bildung darf nicht privatisiert werden! https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/bildung-darf-nicht-privatisiert-werden/ Bildungsgewerkschaften in Japan und Europa sind besorgt über ein neues transnationales Handelsabkommen JEFTA. Sie fürchten weitere Privatisierungen und fordern, Bildung aus dem Abkommen auszuschließen. Die EU und Japan verhandeln seit Jahren unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit über ein Abkommen, durch das die größte Handelszone der Welt entstehen soll. Das JEFTA-Abkommen wurde Mitte Juli ratifiziert und soll im Dezember im EU-Parlament verabschiedet werden. Anfang 2019 soll es dann in Kraft treten. Anders als beim CETA-Handelsabkommen der EU mit Kanada ist eine Beteiligung nationaler Parlamente ausgeschlossen.

Privatisierungsdruck wird steigen
Die japanische LehrerInnengewerkschaft JTU hat daher mit der Bildungsinternationale und ihrer europäischen Regionalorganisation ETUCE eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, die vor den Gefahren des JEFTA-Abkommens warnt. Darin wird kritisiert, dass keine klaren und eindeutigen Ausnahmen für den Bildungsbereich vorgesehen sind. Somit würde ausländischen Anbietern von gewinnorientierten Bildungsangeboten Tür und Tor geöffnet und der Privatisierungsdruck im Bildungswesen verstärkt. JTU-Generalsekretär Hideyuki Shimizu betont: "Die japanische Verfassung garantiert das Recht auf Bildung als grundlegendes Menschenrecht, das in die Zuständigkeit der Regierung fällt, um die Chancengleichheit für alle zu gewährleisten. Deshalb muss Bildung von internationalen Handelsabkommen ausgeschlossen werden".

Nationale Parlamente außen vor
ETUCE-Direktorin Susan Flocken kritisiert die fehlende Transparenz und mangelnde demokratische Beteiligung: „Wir bedauern, dass die Europäische Kommission die Diskussion über die Folgen des Abkommens auf europäischer Ebene monopolisiert und die Mitsprache auf nationaler und lokaler Ebene einschränkt. Dies ist bedenklich, da nach dem Subsidiaritätsprinzip Grundbildung in der EU in die nationale Zuständigkeit fällt. In mehreren EU-Ländern ist Bildung sogar in regionaler Verantwortung. Nationale und regionale Bildungsakteure müssen sich den Auswirkungen dieser Vereinbarung stellen, ohne die Möglichkeit gehabt zu haben, sie zu beeinflussen."

Stärkung der Privilegien transnationaler Konzerne
Nach Ansicht des Generalsekretärs der Bildungsinternationale,  David Edwards, dient das Abkommen vor allem den Interessen multinationaler Konzerne:  "Wir glauben, dass die Vereinbarung in ihrer jetzigen Form eine direkte Bedrohung für die Erbringung hochwertiger öffentlicher Dienstleistungen wie Bildung darstellt, insbesondere durch Einschränkung der Regierungen, im öffentlichen Interesse zu regulieren, die weitere Liberalisierung von Dienstleistungen und die Ausweitung der Rechte multinationaler Unternehmen." Zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommen auch deutsche Nichtregierungsorganisationen wie Powershift e.V., Greenpeace, BUND und LobbyControl in ihrer Analyse des Handelsabkommen: „Die Mischung aus einseitigem Lobbyeinfluss von Konzernen, Geheimniskrämerei bei den Verhandlungen und umstrittenen Inhalten wie regulatorischer Kooperation und unzureichender Absicherung des Vorsorgeprinzips, ist inakzeptabel. Bei JEFTA geht es nicht in erster Linie um Handel, sondern um die Absicherung und Stärkung der Privilegien von großen transnationalen Konzernen.“

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Internationales Privatisierung & Lobbyismus Artikel Hauptvorstand
news-14821 Tue, 11 Sep 2018 15:30:00 +0200 GEW Bremen macht Weg frei für Musterklagen https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/gew-bremen-macht-weg-frei-fuer-musterklagen/ Die GEW Bremen hat hunderte Widersprüche an Finanzstaatsrat Henning Lühr übergeben und damit den Weg für Musterklagen gegen die schlechtere Besoldung von Lehrkräften an Grund- und Oberschulen geebnet. Schule Gleichstellung Artikel Hauptvorstand news-14823 Tue, 11 Sep 2018 14:51:50 +0200 Ein Blick in die Zukunft schulischen Lernens https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/ein-blick-in-die-zukunft-schulischen-lernens/ Das Saarland sieht sich bei der Ganztagsschule als Erfolgsmodell. Die Teilnahmequote an ganztätigen Angeboten ist im laufenden Schuljahr erstmals auf mehr als 35 Prozent gestiegen. Marlis Tepe hat sich die Situation aus der Nähe angesehen. Weil die Schülerinnen und Schüler einen Großteil des Tages an der Schule verbringen, gibt es neben den AGs – sie sind feste Bestandteile des Stundenplans – verschiedene „Lebensräume“. Dort können sie ihre Freizeit entsprechend den eigenen Bedürfnissen und Interessen individuell gestalten: einen Ruheraum, eine Bibliothek, PC-Räume, Cafeteria, außerdem Sporthallen, ein Zirkusraum sowie ein weitläufiges Außengelände. Musisch-kulturell interessierte Schüler können die Aula, den Musiksaal oder die Zeichensäle nutzen. „Disco“ und „Treff“ sind mit Hilfe von Schülern organisierte Räume und bewusst „lehrerfrei“ gehalten. Sie dienen dem Gespräch der Jugendlichen untereinander sowie mit Sozialarbeitern.

Die geänderte Rhythmisierung war auch ein zentrales Motiv, um die Grundschule in Saarbrücken-Scheidt in eine Gebundene Ganztagsgrundschule umzuwandeln. Die besondere Atmosphäre der Schule empfängt den Besucher bereits beim Eintritt: Der Eingangsbereich ist lichtdurchflutet, mit Wimpeln, Bändern, Fähnchen bunt geschmückt. In der Regel können die Kinder in den ersten drei Stunden an selbstgewählten Schwerpunkten in Deutsch und Mathematik arbeiten. Allein, zu zweit oder zu dritt sitzen sie auf Kunststoffmatten auf dem Boden, malen oder schreiben, die Türen der Klassenzimmer stehen offen. Es herrscht eine ruhige, fast feierliche Stille.

„Die Arbeit in multiprofessionellen Teams ermöglicht uns einen ganzheitlichen Blick auf jedes einzelne Kind.“ (Jessica Krebs)

„Wir können die Tagesstruktur jetzt viel besser auf die kindlichen Bedürfnisse abstimmen“, erklärt Schulleiterin Jessica Krebs. „Phasen der Anspannung und Entspannung wechseln sich nun ab und beeinflussen die Konzentrationsfähigkeit positiv.“ Zudem wird das Lernen am Vor- und Nachmittag inhaltlich und personell enger verzahnt. „Die Arbeit in multiprofessionellen Teams ermöglicht uns gleichzeitig einen ganzheitlichen Blick auf jedes einzelne Kind.“ Und die Eltern, fragt Tepe, wie haben sie auf das neue Konzept reagiert. Krebs: „Die Anmeldezahlen sind sehr erfreulich. Wir konnten alle Plätze für die erste Klasse besetzen.“

Unter Einbezug von Montessori- und anderen Freiarbeitsmaterialien wird seit 2016/2017 das neue Konzept implementiert. „Drei Jahrgänge sind bereits gebunden, die 4. Klassen befinden sich noch im freiwilligen Ganztag.“ Nachfrage von Tepe: „Was ist nötig, damit so ein Konzept erfolgreich realisiert werden kann?“ Krebs dazu: Das Schulamt unterstützt uns. Wir haben bisher immer Kolleginnen und Kollegen geschickt bekommen, die hinter unserem Konzept stehen. Anders ginge es nicht.“

Realisiert werden konnte das neue Konzept nur mit mehr Personal und zusätzlichen Räumen. Mit Beginn des neuen Schuljahres hat die Schule einen Anbau dazu bekommen. „Die Klassenräume eines Jahrgangs liegen nebeneinander. Sie sind durch einen Zwischenraum miteinander verbunden. Dieser Raum wird von beiden Klassen als Förder- bzw. Differenzierungsraum genutzt. Im zweiten Stock liegen die Räume der Nachmittagsbetreuung, Aufenthaltsräume, Küche, Ruheraum.

15 Lehrerinnen, inklusive einer Förderschullehrerin, betreuen 165 Kinder in acht Klassen. Sie werden dabei unterstützt von elf Erzieherinnen und Erziehern plus einem Sozialpädagogen. Eine 50-Minuten-Pause am Vormittag und eine lange Mittagspause von 90 Minuten sorgen für neuen Schwung bei den Kindern. Im Lerntagebuch dokumentieren sie ihr tägliches Lernpensum selbstständig. Die Eltern müssen diese Einträge wöchentlich abzeichnen.

„Wie ließe sich die vorhandene Situation noch optimieren?“, erkundigt sich Tepe bei der neben ihr stehenden Grundschullehrerin. Antwort: „Ohne Geld funktioniert nichts.“ Einen festen prozentualen Anteil am Haushalt für Bildung zu reservieren fände die Lehrerin eine gute Idee. „Vor allem aber braucht es Menschen, die auf die Kinder und ihre Probleme eingehen.“

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Artikel Hauptvorstand
news-14819 Tue, 11 Sep 2018 14:07:17 +0200 Kodex-Check aktualisiert https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/kodex-check-aktualisiert/ Der Kodex-Check für gute Arbeit in der Wissenschaft ist überarbeitet worden. Auch die Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg sind nun Teil des Überblicks zu Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen der staatlichen Hochschulen in Deutschland. Wissenschaft Gute Arbeit Artikel Hauptvorstand news-14816 Tue, 11 Sep 2018 12:11:19 +0200 Wie Deutschland bei der Bildung abschneidet https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/wie-deutschland-bei-der-bildung-abschneidet/ Die OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“ stellt klar: Deutschland hat bei der Bildung aufgeholt. Doch in einigen Bereichen ist das deutsche Bildungssystem weiterhin abgeschlagen. Außerdem fehlt nach wie vor viel Geld in der Bildung. Studium Wissenschaft Kita Weiterbildung Berufliche Bildung Schule Bildung weiter denken Bildungsgerechtigkeit Bildungsfinanzierung Bildungsqualität Bildungssystem Artikel Hauptvorstand news-14814 Tue, 11 Sep 2018 12:08:10 +0200 Schulen gegen Rechtsextremismus und Rassismus https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/schulen-gegen-rechtsextremismus-und-rassismus/ Nach den Ereignissen in Chemnitz setzen auch viele Schulen mit spontanen Demonstrationen und Aktionen auf dem Schulhof ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und Rassismus. Schule Migration Gesellschaftspolitik Artikel Hauptvorstand news-14812 Tue, 11 Sep 2018 11:20:56 +0200 Soziale Arbeit soll wieder politischer werden https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/soziale-arbeit-soll-wieder-politischer-werden/ Vor dem Hintergrund zunehmender wirtschaftlicher Interessen in der Sozialen Arbeit hat der 10. Bundeskongress die Beschäftigten aufgerufen, sich wieder stärker zu politisieren. Schulsozialarbeit Privatisierung & Lobbyismus Artikel Hauptvorstand news-14611 Tue, 11 Sep 2018 10:40:00 +0200 Auch Hochbegabte brauchen Förderung https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/auch-hochbegabte-brauchen-foerderung/ Die Unterstützung besonders leistungsstarker Kinder galt lange als unnötig. Inzwischen haben Bund und Länder erkannt, dass auch diese Schülerinnen und Schüler professionelle Begleitung brauchen. Ben* (8) liegt neben einem Mitschüler auf dem Bauch und macht Prozentrechnung. Beide lernen in der Bonner Montessori-Grundschule, die jahrgangsübergreifend und inklusiv arbeitet. Das Thema steht nicht auf dem Lernplan, aber die beiden sind mit dem Stoff der 4. Klasse durch und brauchen neue „Nahrung“. Ben rechnet alles mühelos im Kopf.

Rund 2 Prozent der Bevölkerung gelten mit einem Intelligenzquotienten (IQ) von mindestens 130 als hochbegabt. Allerdings ist der IQ als einziges Kriterium für eine Hochbegabung umstritten. Viele Expertinnen und Experten sehen in der Motivation eines Menschen oder seiner Kreativität ebenso ein Zeichen für besondere Begabung. Andere stellen den Sinn von IQ-Tests generell in Frage, weil sie Intelligenz für ein nicht messbares Konstrukt halten. Ungeachtet dieses Streits hat sich innerhalb der Pädagogik ein Paradigmenwechsel vollzogen. Galt früher die These, Hochbegabte bräuchten keine Unterstützung, nehmen Bund und Länder heute auch besonders leistungsstarke Kinder im Rahmen von Begabungsförderung und Inklusion in den Blick.

Bens Lehrerin Larissa Zimprich hat schon mehrere Kinder mit besonderen Begabungen unterrichtet. „Freiarbeit und jahrgangsübergreifender Unterricht helfen mir, ihre Stärken zu erkennen“, sagt sie. Dabei geht es ihr nicht um Elite-, sondern um Begabungsförderung generell: „Viele Pädagogen schauen immer noch nach den Defiziten. Es würde allen helfen, wenn sich das ändert.“

Kinder wie Ben bräuchten nicht einfach mehr Aufgaben, sondern andere Herausforderungen, sagt Zimprich. Für den Achtjährigen kann das Wurzelziehen oder Bruchrechnen sein. Oder ein Filmprojekt, bei dem er mit anderen eine spannende Story schreibt. Zimprich erlebt aber auch, dass es ein Limit bei der Förderung Hochbegabter gibt: „Ausstattung, zeitliche Ressourcen und 24 Kinder in der Klasse – irgendwann stößt die innere Differenzierung an Grenzen.“ Deshalb seien Teamarbeit und außerschulische Lernpartner wichtig. So ermöglicht die Montessori-Schule, dass Ben und andere besonders Begabte am Mathekurs eines Bonner Gymnasiums teilnehmen.

Manche Hochbegabte fallen nicht zuerst durch ihre kognitiven Leistungen auf, sondern weil sie anders lernen, sich anders verhalten oder anecken.

Das Klischee des Sonderlings, der wie Einstein rechnet, aber sozial unverträglich ist, erfüllt Ben nicht. Das gilt auch für viele andere Hochbegabte. Das heißt aber nicht, dass diese Kita und Schule gleichsam als Selbstläufer absolvieren. „Als Ben im ersten Kindergartenjahr begann, zu lesen und zu rechnen, sah man dort keine Möglichkeit, ihn zu unterstützen“, sagt sein Vater. Spielmaterialien seien starr den Altersgruppen zugeordnet gewesen: „Obwohl Ben zuhause bereits Puzzle mit 300 Teilen und mehr meisterte, durfte er dort nicht einmal solche mit 100 Teilen legen. Die waren nur für Vorschulkinder.“

Ben verließ die Kita und wurde vorzeitig eingeschult. Vorher ließ sich die Familie vom Hoch-Begabten-Zentrum Rheinland beraten, das unter anderem Bens IQ testete. Seine kognitiven Leistungen gingen weit über die Anforderungen der 1. Klasse hinaus; emotional und sozial aber war er ein Vorschulkind. „Wir wollten Ben kein Etikett aufkleben“, sagt der Psychologe Michael Wolf. „Aber wir wollten wissen: Wo steht der Junge und wie können wir ihn unterstützen?“ Das Zentrum kooperiert mit Schulen und hilft bei Problemen in der Familie – etwa wenn besonders Begabte mit Gleichaltrigen nicht zurechtkommen oder am liebsten nur mit Erwachsenen reden.

Manche Hochbegabte fallen nicht zuerst durch ihre kognitiven Leistungen auf, sondern weil sie anders lernen, sich anders verhalten oder anecken – in Mathematik zum Beispiel. „Viele lassen bei ihren Rechnungen Zwischenschritte weg, weil für sie die Lösung auf der Hand liegt. Diese verkürzten Lösungswege zu erkennen und angemessen zu bewerten, kann jedoch für Lehrkräfte schwierig sein“, weiß Bens Vater. Probleme macht das nicht nur in Mathe, sondern auch bei der Kommunikation. „Für Hochbegabte sind Zusammenhänge häufig klar. Deshalb teilen sie bestimmte Dinge nicht mit.“ Das könne ein Grund dafür sein, dass andere sie für sozial inkompetent hielten.

Bei Ben ist das nicht der Fall – vielleicht auch deshalb, weil er früh professionelle Hilfe bekam und seine Lehrerin Erfahrung mit besonderen Begabungen hat. Die Bilanz von Bens Vater: „Obwohl er sehr jung eingeschult wurde, ist er in seiner Klasse gut angekommen.“ Auch die anderen Kinder profitieren davon, dass er viel weiß. „Ist ‚wehgetan’ ein Verb, Ben?“, fragt eine Mitschülerin. Ben schüttelt den Kopf: „In diesem Fall ein Partizip.“

Begabung entdecken:
Kinder mit herausragenden Begabungen gibt es in jeder Schule, unabhängig von Herkunft, Geschlecht und sozialem Status. Doch nicht immer werden ihre Talente erkannt, etwa wenn sie schlecht Deutsch sprechen. Auch soziale Probleme oder Unterforderung können dazu führen, dass ein Kind seine Möglichkeiten nicht ausschöpft. Begabungsforscher sprechen dann von Underachievement. Für die Förderung „begabter und potenziell leistungsstarker“ Kinder in dem Programm „Leistung macht Schule“ stellen Bund und Länder insgesamt 125 Millionen Euro bereit. 300 Primar- und Sekundarschulen sind beteiligt. Ingmar Ahl vom Vorstand der Karg-Stiftung für Hochbegabte begrüßt den Paradigmenwechsel. „Die Unterstützung besonders Leistungsstarker gilt nicht mehr als Eliteförderung, sondern als Teil einer nötigen individuellen Förderung.“ Allerdings setzten die Angebote zu spät ein, kritisiert der Bildungshistoriker. Lange Zeit habe nur das Gymnasium als optimaler Förderort gegolten: „Wenn wir das Gerechtigkeitsdefizit ausgleichen wollen, muss die Begabungsförderung schon in der Grundschule beginnen.“ Damit nicht nur Kinder aus bildungsnahen Elternhäusern gefördert werden, unterstützt die Karg-Stiftung auch Projekte in sogenannten sozialen Brennpunkten. Bis zu einer systematischen Verankerung in der Lehrkräfteausbildung sei es aber noch ein weiter Weg, sagt Ahl. Es gebe nach wie vor die Tendenz, zuerst auf die Defizite der Kinder zu schauen: „Lehrkräfte sollten grundsätzlich eine Begabung erwarten – bei jedem Kind.“
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Schule Bildungsqualität Bildungssystem Artikel Hauptvorstand
news-14810 Tue, 11 Sep 2018 09:28:15 +0200 Ein Drittel kommt aus der Beruflichen Schule https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/ein-drittel-kommt-aus-der-beruflichen-schule/ Gut ein Drittel aller Personen, die 2017 eine Studienberechtigung erworben haben, kommen aus einer berufsbildenden Schule. Damit steht fest: Die Beruflichen Schulen haben einen hohen Stellenwert für den Hochschulzugang in Deutschland. Studium Berufliche Bildung Bildungssystem Artikel Hauptvorstand news-14615 Tue, 11 Sep 2018 08:50:00 +0200 Studieren für die inklusive Schule https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/studieren-fuer-die-inklusive-schule/ Die GEW hat „Leitlinien für eine innovative Lehrer_innenbildung“ entwickelt: Praxisorientierter soll das Studium werden, Lehrkräfte aber auch befähigen, ihre Arbeit immer wieder zu hinterfragen. In Bielefeld wird dies bereits praktisch umgesetzt. Mit der Qualitätsoffensive Lehrerbildung haben Bund und Länder vor drei Jahren einen Prozess in Gang gesetzt, der die angestaubte Ausbildung von Lehrkräften in Deutschland nachhaltig verbessern soll. In einem ersten Wettbewerb suchte ein Auswahlgremium 49 vielversprechende Projekte aus. Eine der Gewinnerinnen ist die Universität Bielefeld mit ihrem Antrag „Biprofessional“. Bis 2020 soll eine „Professional School“ entstehen, die eine praxisorientierte, forschungsbasierte und inklusionssensible Lehrkräftebildung anbietet.

Damit das gelingt, müssen neun Fakultäten zusammenarbeiten, 80 Kolleginnen und Kollegen an einem Strang ziehen, etwa 4.000 Studierende werden einbezogen. „General“ der Bielefelder Qualitätsoffensive ist Martin Heinrich, Professor für Erziehungswissenschaft. Sein Mailprogramm verschickt eine automatisierte Antwort: „Aufgrund anhaltend starker Arbeitsüberlastung bitte ich um Verständnis für verzögerte Antworten.“ Verständlich. Am Telefon nimmt sich Heinrich Zeit. 

Die Vielzahl der Akteurinnen und Akteure, erklärt Heinrich, mache ihm keine Angst. „Als Reformuniversität der 1970er-Jahre hatten wir immer stark dezentrale Strukturen.“ Schön und gut, aber kann es gelingen, mit diesem heterogenen Haufen bis 2020 die Lehrkräftebildung umzukrempeln? „Wir haben uns eineinhalb Jahre Zeit genommen zu erfragen, welche Potenziale wir heben können und waren gut vorbereitet“, sagt Heinrich. „Wir konnten daher sehr schnell und sehr direkt einsteigen.“

„Mit meinem Wissen von heute würde ich rückblickend anders studieren.“ (Julia Schweitzer)

Im ersten Schritt sind drei Cluster entstanden: „Forschendes Lernen“, „Praxisorientierung“ und „Inklusionssensible Diagnostik“. Diese Cluster bündeln 24 verschiedene Forschungs- und Entwicklungsprojekte, in denen an innovativen Lehrkonzepten gearbeitet wird. Dabei können die Bielefelder auf Fundamenten aufbauen, die teilweise schon vor 40 Jahren gelegt wurden. Das Forschende Lernen etwa, das Lernen nicht allein als Wissensanreicherung versteht, sondern als Prozess, in dem die Lernenden als Forschende im Mittelpunkt stehen. Viele Hochschulen entdecken diesen Ansatz gerade für sich. „Ursprünglich stammt die Idee von einem Bielefelder Kollegen“, betont Heinrich. Nun soll der Ansatz auf Fachdidaktiken etwa in Mathe oder Geschichte übertragen werden. 

„Du sollst nicht Gedanken, sondern denken lernen“ (Immanuel Kant) heißt eines der wissenschaftlichen Projekte im Cluster „Forschendes Lernen“. Hier wird ein Seminarkonzept für angehende Philosophielehrkräfte entwickelt, das ihnen auch als Leitfaden während des Praxissemesters an einer Schule im Masterstudium dient. Während dieser in Nordrhein-Westfalen obligatorischen Praxisphase müssen die angehenden Lehrkräfte in Bielefeld auch zwei Studienprojekte an der Uni absolvieren – kleine Beobachtungen, Schülerbefragungen oder ähnliches. 

„Aus meiner Erfahrung fokussieren viele sich erst einmal auf die Unterrichtstätigkeit und empfinden die Studienprojekte eher als Belastung“, erzählt Julia Schweitzer, die gerade ihr Lehramtsstudium für Sozialwissenschaften und Deutsch in Bielefeld abgeschlossen hat. Gleich nach dem Abitur an einem ländlichen Gymnasium hatte sie sich eingeschrieben. „Man merkt erst später im Studium, wie wichtig es ist, die eigene Schulbiografie auch kritisch zu hinterfragen und offen für Neues zu sein: Wie machen andere Schulen das, welche Konzepte gibt es noch?“ Schweitzer arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Qualitätsoffensive mit – und hat deren Auswirkungen im Studium noch nicht erfahren. Doch die Methoden, die im Cluster „Kritisch-reflexive Praxisorientierung“ entwickelt werden, hätten sie als Studentin auch interessiert. „Mit meinem Wissen von heute würde ich rückblickend anders studieren.“

Eine der Stärken des Ansatzes ist, dass viele wissenschaftliche Projekte bereits als Veranstaltungen angeboten werden – und so die Studierenden von heute gleichsam mitentwickeln können, was den nächsten Jahrgängen zugute kommen soll. Etwa das Projekt Tabula. In diesem absolvieren die Studierenden zunächst ein Praktikum in der Ferienschule, die der Verein Tabula für benachteiligte Schülerinnen und Schüler anbietet. Anschließend treffen sie sich einmal wöchentlich mit einem Jugendlichen und begleiten ihn oder sie durch das Schulhalbjahr. An der Uni bereiten die Studierenden ihren „Fall“ auf und reflektieren auch, wie sich ihr – oft bürgerlich-akademischer – Habitus auf die Zusammenarbeit mit den häufig aus anderen Milieus stammenden Jugendlichen auswirkt. Die Ergebnisse der „Habitusreflexion zur Bildungsbenachteiligung“ sollen auch für Hochschullehrende verfügbar gemacht werden.

„Wir haben die Aufgabe, Lehrkräfte inklusiv auszubilden, haben aber selbst wenig Expertise.“ (Martin Heinrich)

Das dritte Cluster setzt den Schwerpunkt auf die inklusive Schule, genauer auf „Diagnose, Förderung und Didaktik“. Hier geht es darum, Maßnahmen zu erforschen, die Lehrende auf Unterricht in heterogenen Lerngruppen vorbereiten und sie befähigen, individuelle Begabungen zu erkennen sowie ihre Schülerinnen und Schüler dementsprechend zu fördern. 

Jeden und jede zu fördern – ist das nicht ein alter Hut; was sollten Pädagoginnen und Pädagogen sonst tun? Ist es nicht, meint Heinrich. Die Ausbildung an den Hochschulen sei noch längst nicht so weit. „Wir haben die Aufgabe, Lehrkräfte inklusiv auszubilden, haben aber selbst wenig Expertise.“ Aus den Erkenntnissen der einzelnen Forschungsprojekte, etwa zur „Multiprofessionellen Kooperation“ sollen einmal Lehrkonzepte entstehen, die in das Curriculum der Lehrkräftebildung einfließen. 

Im Juli gehen die Bielefelder den zweiten Schritt. Sie gründen drei Zentren, der Logik der Forschungscluster folgend: ein Beratungszentrum Praxisorientierung, ein interdisziplinäres Kompetenzzentrum Forschendes Lernen sowie ein Zentrum für inklusionssensible Diagnose, Förderung und Didaktik. Diese sollen über den Förderzeitraum der Qualitätsoffensive hinaus bestehen. Die Direktorin der Bielefelder Lehrkräftebildung, Petra Josting, sieht, wenn sie zehn Jahre vorausschaut, „Studierende, die eine forschend-reflexive Grundhaltung entwickelt haben und diese in ihren Berufsalltag mitnehmen“.

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Studium LehrerInnenbildung Inklusion Artikel Hauptvorstand
news-14796 Mon, 10 Sep 2018 18:09:00 +0200 Neue Unterrichtsmaterialien zu sexueller Vielfalt https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/neue-unterrichtsmaterialien-zu-sexueller-vielfalt/ Die Bundeszentrale für politische Bildung will das Thema sexuelle Vielfalt stärker in die Schulen bringen und hat dazu Materialien für Lehrende veröffentlicht. Bei der Inklusion gehe es um alle Aspekte von Diskriminierung, betont die GEW. Schule Gesellschaftspolitik Gleichstellung Artikel Hauptvorstand news-14610 Mon, 10 Sep 2018 11:30:00 +0200 „Macht das Beste aus euren Schülern!“ https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/macht-das-beste-aus-euren-schuelern/ Die Integrierte Gesamtschule List in Hannover ist 2018 Preisträgerin beim Deutschen Schulpreis. Feedbackkultur und Zusammenarbeit bestimmen den Unterrichtsalltag. „Mein Stichwort, um die Schule zu beschreiben, lautet Team“, sagt eine Lehrerin. Das Huhn hockt vertrauensvoll in Sarah Schwallichs Händen. Die Schülerin betreut das Tier schon, seit es aus dem Ei geschlüpft ist. Täglich geht die 13-Jährige mit ihrer Freundin Karla Flebbe in das Hühnergehege, das Teil des kleinen Schulzoos der Integrierten Gesamtschule (IGS) List in Hannover ist. Auch Meerschweinchen sowie einige Reptilien in einem Terrarium gehören zum Bestand und müssen täglich betreut werden. Kindern Verantwortung zu übertragen, ist Teil des pädagogischen Konzepts und eines der vielen Bausteinchen, die diese Schule so besonders machen. In diesem Jahr wurde die IGS List dafür mit einem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet.

Schulleiter Oswald Nachtwey hat lange dafür gearbeitet: Seit 2006 hat sich die IGS mehrfach um den Schulpreis beworben und bereits einige Nominierungen erhalten. Es wieder und wieder zu versuchen, das zeugt von langem Atem – und von dem Wissen, hier preiswürdige Arbeit zu leisten. Nachtwey sitzt in seinem Büro, ein schmaler Mann mit Brille und Wildlederjacke. Eigentlich hat er wenig Zeit, aber wenn er erst einmal anfängt, über seine Schule zu sprechen, kann er nicht so schnell wieder aufhören. Das Konzept der IGS List lässt sich mit einem Satz zusammenfassen: „Macht das Beste aus euren Schülern!“ Es gibt kein Sitzenbleiben oder Abschulen, die Kinder bleiben von Klasse 5 bis Klasse 10 im Klassenverband und im Jahrgang zusammen. Erst danach wechseln die Jugendlichen in die Oberstufe, die drei IGSen gemeinsam bilden.

Dort sind alle Abschlüsse bis zum Abitur möglich. So wie Klassen und Jahrgang feste Teams bilden, tun es auch die Lehrkräfte. Ein Tandem, meist aus einer Frau und einem Mann, führt jede Klasse. Die Klassenlehrer-Duos bilden das Jahrgangsteam, auch die Fachlehrer sitzen in festen Runden zusammen. Dadurch ist praktisch jede und jeder sowohl in ein Klassenlehrer-Tandem eingebunden als auch Mitglied einer Fachkonferenz. Teamwork gilt ebenfalls für die Schulleitung: „Das geht gar nicht anders“, sagt Nachwey. „Für so ein komplexes System braucht man das Wissen vieler.“

„Unser Ziel ist, dass kein Kind ohne Abschluss geht.“ (Oswald Nchtwey)

Ein zweiter Baustein heißt Rückkopplung. Was läuft gut, wo hakt es? Die „Feedbackkultur“ ist einer der Punkte, auf die die IGS in ihrer Bewerbung um den Schulpreis besonderes Gewicht gelegt hat. Wie das im Alltag aussieht, zeigen Milena Wolf und Lisa Victor mit ihren „LEOs“. Die Abkürzung steht für „Lern-Entwicklungs-Ordner“. Mit Zeichnungen und Aufklebern haben die Mädchen die Vorderseite der Ordner selbst gestaltet, auf der Innenseite kleben Fotos. Der LEO begleitet die Kinder durch ihr Schulleben, er soll etwas sein, das sie gern in die Hand nehmen. Lisa klappt den Ordner auf und zeigt ein Blatt mit einem vorgedruckten, vielfach unterteilten Kreis. Einige Felder hat sie mit Buntstift ausgemalt: Es handelt sich um eine Selbstbeurteilung. Hat sie ihre Englisch-Vokabeln gut gelernt, hat sie in Mathe die Formel wirklich begriffen? So ganz einfach sei das nicht, sich selbst ehrlich zu bewerten, sagen die beiden Sechstklässlerinnen. „Aber es geht schon“, meint die 12-jährige Milena. „Man denkt über sich nach.“ Die Lehrkräfte vergleichen die Selbstwahrnehmung regelmäßig mit ihrer Einschätzung. Abweichungen werden besprochen.

Früher gab es Feedback vor allem in den Zeugnissen. Doch die zwölfseitigen Berichte kosteten die Lehrkräfte viel Zeit und wurden in vielen Familien gar nicht richtig gelesen. Frust auf beiden Seiten. Die neue Feedbackkultur sieht vor, schneller rückzumelden. Nach den Sommerferien besprechen die Klassenlehrkräfte mit jedem Kind persönliche Ziele für das neue Schuljahr: „Ich will mich öfter melden.“ Oder: „Ich will Hausaufgaben ordentlich erledigen.“ Zum Halbjahr werden die Eltern einbezogen. Der Trialog, an dem Kinder, Eltern und Lehrkraft teilnehmen, ist ein verbindliches Element, in dem Stärken und Schwächen benannt und Ziele für die nächsten Monate festgelegt werden. Wie schön Rückmeldungen sein können, berichten Lisa und Milena: „Einmal haben wir uns gegenseitig Zettel ans T-Shirt geheftet, auf denen stand, was wir aneinander gut finden.“

Der Erfolg gibt der Schule recht: Im Landesvergleich erreicht die IGS List überdurchschnittlich gute Werte, obwohl in den fünften Klassen nur ein Drittel der Kinder eine Empfehlung für das Gymnasium hat. „Unser Ziel ist, dass kein Kind ohne Abschluss geht“, sagt Schulleiter Nachtwey. Zurzeit beträgt die Abbrecherquote 1 Prozent – über 5 Prozent sind es in Niedersachsen im Schnitt.

„Es ist schon interessant zu sehen, dass Menschen, auch aus der Politik, unsere Arbeit loben, aber ihre eigenen Kinder dann auf ein Gymnasium schicken.“ (Nachtwey)

Die IGS liegt im eher bürgerlichen Viertel List der Landeshauptstadt, Wand an Wand mit einem Gymnasium, mit dem sich die IGS auch Sporthalle und Aula teilt. Es herrscht Trubel an der Schule: Während einer Projektwoche probieren die Kinder Dinge jenseits des normalen Unterrichts aus. In der Aula probt eine Theater-AG, in der Sporthalle werden Bälle gedribbelt. Überall in den weißen Gebäuden, die um den mit Fußballtoren ausgestatteten Pausenhof gruppiert sind, hallen Stimmen. Die Gebäude sind freundlich gestrichen und frisch saniert – der Rahmen stimmt. Aber die Schule legt Wert darauf, immer weiter an sich zu arbeiten, ein „lernendes System“ zu sein.

Dazu gehört auch, sich mit anderen Schulen zusammenzutun. So ist Nachtwey nicht nur Leiter der IGS, sondern auch Vorsitzender des Qualitätsnetzwerks der Integrierten Gesamtschulen der Region, dem 31 IGSen angeschlossen sind. In dieser Funktion führte er in den vergangenen Jahren harte Debatten mit dem Land Niedersachsen um Inklusion. Nachwey ärgert, dass Gymnasien sich meist weigern, Kinder mit geistigen Behinderungen oder Lernschwächen aufzunehmen. Die IGS List steht seit 2013 für Kinder mit Förderbedarf offen. Gleichzeitig ist die Schule seit 2005 Mitglied im Kooperationsverbund Hochbegabtenförderung. Im Unterricht behandelt die ganze Klasse ein Thema, aber jedes Kind lernt in seinem Tempo und mit seinen Zielen.

Ob ein Titel wie der Schulpreis hilft, gegenüber der Politik stärker aufzutreten? Nachtwey wiegt den Kopf: Dieser Gedanke habe bei der Bewerbung keine Rolle gespielt. „Aber es ist schon interessant zu sehen, dass Menschen, auch aus der Politik, unsere Arbeit loben, aber ihre eigenen Kinder dann auf ein Gymnasium schicken“, sagt der Pädagoge.

„Mein Stichwort, um die Schule zu beschreiben, lautet Team.“ (Gisela Meyer)

„Lernendes System“ bedeutet auch, gute Ideen anderer zu übernehmen. Dazu zählt die „Herausforderung“, die in Berlin entwickelt wurde. Idee dahinter: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen sich Ziele setzen, sich bewähren, ihre Grenzen erfahren und Vertrauen in die eigene Leistung entwickeln. Zum zweiten Mal fand das Projekt an der IGS List statt, nun bereiten die Achtklässler, die teilgenommen haben, ihre Präsentation vor. Mehr oder weniger ernsthaft: Auf einem Flur im Erdgeschoss schieben zwei Jungen einen dritten, der auf einem Longboard hockt. Johlend saust er den Gang entlang. Die Skateboards spielten in ihrer „Herausforderung“ eine zentrale Rolle. Drei Gruppen waren jeweils mehrere Tage unterwegs. Sie mussten mit wenig Geld, ohne Smartphone und fremde Hilfe eine lange Strecke zu Fuß, per Fahrrad oder eben mit dem Longboard zurückgelegen. Ob sich die Eltern keine Sorgen gemacht haben? Der 14-jährige Felix Hindahl schüttelt den Kopf. „Die fanden es cool, und meine Schwester war froh, dass ich eine Weile nicht zu Hause war.“ Er und seine Gruppe haben in Gemeindezentren übernachtet, um Geld zu sparen, und sich fast nie verirrt.

„Ein großartiges Projekt“, findet Gisela Meyer. Die Lehrerin hat das Abenteuer vorbereitet, ist selbst aber nicht mitgereist. Die Mädchen und Jungen, die zwischen 14 und 15 Jahre alt sind, mussten ihre Tour selbst meistern, als Begleitung waren ältere Jugendliche im sozialen Jahr dabei. Neues probieren, Schule immer weiter denken – all das seien wichtige Elemente der Lernkultur an der IGS List. „Aber mein Stichwort, um die Schule zu beschreiben, lautet Team“, sagt Meyer.

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Schule Bildungsqualität Artikel Hauptvorstand
news-14606 Mon, 10 Sep 2018 09:30:00 +0200 Zum Guten gewendet https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/zum-guten-gewendet/ Wie gelingt es, von einer Brennpunkt- zu einer Vorzeigeschule zu werden? Die Refik-Veseli-Schule in Berlin-Kreuzberg hat genau das geschafft. Die „E&W“ hat die Schule besucht. Der kleine Zeiger auf der Uhr steht gerade erst auf der acht, da ist in Downtown Kreuzberg schon richtig was los. Bela, 14, übt ein ums andere Mal die Begrüßung: „Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Lehrerinnen und Lehrer, liebe Gäste“; wenig später kommen die Schulklassen in die Turnhalle gestapft – zum Sound des israelischen Folk-Rock-Musikers Asaf Avidan: „One day baby, we´ll be old, oh baby.“ An der Technik steht Lehrer Hannes Hauenschild, am Rand sitzen unter anderem Pädagoginnen und Pädagogen, die sich für eine Stelle an der Refik-Veseli-Schule interessieren. 

Dass sich Lehrkräfte – wie auch Schülerinnen und Schüler – hier freiwillig melden, wäre früher undenkbar gewesen. Zu Beginn des Jahrtausends machte die Eberhard-Klein-Hauptschule, aus der zusammen mit einer weiteren Hauptschule 2010 eine Sekundarschule wurde, als „erste Schule ohne deutsche Kinder“ Schlagzeilen, später noch einmal wegen Messerstechereien. Und auch wenn das natürlich nicht Alltag war, sagt Schulleiterin Ulrike Becker: „Einige aus dem Kiez haben sich hier eigentlich nicht hin getraut.“

Heute bekommen die Gäste in der 45-minütigen Schulversammlung einen vielseitigen Eindruck davon, was die Schule nun ausmacht. Schülerinnen und Schüler berichten aus einem Graffiti-Workshop oder führen Physik-Experimente aus dem Profilunterricht vor; es gibt Infos der Schülervertretung sowie zum Ganztag und ein Quiz, bei dem Lehrkräfte gegen Schüler antreten. Am Ende stehen Nachrichten – von Donald Trump bis zur Anti-Gentrifizierungs-Demo um die Ecke, „damit sich auch die Ärmeren das Leben hier weiter leisten können“. Moderiert wird das alles von Bela und einigen Mitschülern. „Ich bin über eine Klassenpräsentation in das Team gekommen“, erzählt Bela, „mir macht es Spaß, Sachen vorzustellen.“ Und er sagt, dass ihm und seinen Eltern diese weiterführende Schule nach einem Besuch der Schulversammlung am besten gefallen hat.

„Eine heterogene Schülerschaft ist kein Nachteil, sondern ein Vorteil. Aber sie muss eben auch heterogen sein.“ (Ulrike Becker)

Wie ist so ein Wandel von einer Schule, vor der alle weglaufen, zu einer, in die alle strömen, möglich? An der Refik-Veseli-Schule kam einiges zusammen: Ein Generationenwechsel unter den Lehrkräften führte ebenso zu einer Aufbruchsstimmung wie ein neues Schulprogramm mit der Aussicht, das Abitur anzubieten. Mit Schulleiterin Becker wurde zudem eine habilitierte Sonderpädagogin mit jahrelanger Erfahrung in Inklusion nach Kreuzberg gelockt. Sie wäre nicht gekommen, wenn der Wandel nicht von außen unterstützt worden wäre: Seit 2013 erhält die Refik-Veseli-Schule Gelder aus dem Bonusprogramm der Berliner Senatsverwaltung. Aus diesem können Theater-, Sport- und Sprachförderprojekte ebenso finanziert werden wie Lerntherapeuten oder Sozialarbeiterinnen und -arbeiter. „Unsere Priorität war, Schülerinnen und Schüler nicht scheitern zu lassen“, erklärt Becker. Droht ein Schüler, den Abschluss nicht zu schaffen, bekommt er einen Lerncoach – meist Lehramtsstudierende.

Entscheidend war auch, dass die Schule in das Turnaround-Programm für „Schulen in kritischer Lage mit besonderen Herausforderungen“ von Robert-Bosch-Stiftung und Berliner Senatsverwaltung aufgenommen wurde. Dieses förderte von 2013 bis 2017 berlinweit zehn Schulen, die seit Jahren – oder Jahrzehnten – mit niedrigen Anmeldezahlen, Schulabbruch, schwachen Schulabschlüssen und Unterrichtsausfall kämpften. Im Fokus standen Unterrichtsentwicklung, Schulmanagement, Schulkultur und Leistungsergebnisse; um das Programm zu begleiten, wurde eine Stelle im Haus der Bildungssenatorin geschaffen.

„Turnaround“, erzählt Becker, verschaffte unter anderem die finanzielle Freiheit, die Schulentwicklung voranzubringen: Es war Geld für eine Hospitationsreise zu einer Schule da, die den Deutschen Schulpreis erhalten hat – der Max-Brauer-Schule in Hamburg –, für Fortbildung zu Inklusion und Montessori, für Prozessbegleitung. Letztere ist integraler Bestandteil von Turnaround und wurde hier von einem pensionierten Schulleiter übernommen – und zwar von einem, der eine der Schulen leitete, an die Eltern ihre Kinder lieber schickten. „Wer könnte einen besseren Blick darauf haben, was dort besser läuft?“, fragt Becker. „Ihn ins Boot zu holen, war ganz wichtig.“ Auch weil, wie Lehrer Hauenschild sagt, „der Blick von außen auf Prozesse im Kollegium enorm wichtig war“. Denn auch dort wurde vieles verändert: weg vom Frontalunterricht, hin zum selbstorganisierten Lernen. Dabei kam dem Kollegium zugute, dass die Lehrkräfte schon seit den 1980er-Jahren in enger Zusammenarbeit mit Sonderpädagoginnen und -pädagogen Team-Teaching praktizieren.

„Schulen in sozialen Brennpunkten brauchen Unterstützung. Die bekommen sie viel zu selten.“ (Becker)

Zentral für das neue Image und den neuen Schwung, sagen sie an der Refik-Veseli-Schule, sei auch, neue Schülerinnen und Schüler zu gewinnen. „Eine heterogene Schülerschaft ist kein Nachteil, sondern ein Vorteil“, betont Becker. „Aber sie muss eben auch heterogen sein.“ Um das zu erreichen, hat sich die Schule in Vereinen und Projekten vorgestellt, Eltern eingeladen. Die Zusammenarbeit mit den umliegenden Grundschulen wurde ausgebaut. Ein Riesenschritt sei zudem gewesen, so die Schulleiterin, dass die Einrichtung einer Oberstufe genehmigt wurde. „Die Perspektive Abitur ist für viele Eltern sehr wichtig.“

Dass so eine Umstrukturierung ein Kraftakt ist, streitet niemand ab. Allerdings: „Schulentwicklung mitzugestalten, ist eine große Chance“, sagt Hauenschild. „Nicht eine hohe Arbeitsbelastung führt zu Unzufriedenheit, sondern das Gefühl, über nichts mitentscheiden und nichts bewegen zu können. „Selbst entschieden“, fügt Becker hinzu, habe die Schule auch, welche Schritte sie innerhalb des Turnaround-Programms geht: „Die Steuerung lag zu 100 Prozent bei uns“, erklärt die Schulleiterin. „Andernfalls hätten wir nicht mitgemacht.“ So aber zählt für sie vor allem: „Schulen in sozialen Brennpunkten brauchen Unterstützung. Die bekommen sie viel zu selten.“

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Schule Artikel Hauptvorstand
news-14794 Fri, 07 Sep 2018 11:32:53 +0200 Wo Kontraste aufeinanderprallen https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/wo-kontraste-aufeinanderprallen/ Über die Situation der beruflichen Bildung in Rheinland-Pfalz informierte sich GEW-Chefin Marlis Tepe bei einem Besuch in Ludwigshafen. Die Berufsbildende Schule T 2 zeigt, unter welchen Bedingungen Lehrkräfte an Beruflichen Schule arbeiten. Die rheinland-pfälzische GEW weiß, warum sie „Gute Akustik, Temperatur und frische Luft!“ fordert. Ihr Landesfachgruppenausschuss Berufsbildende Schulen tagt an diesem Tag an der BBS Technik 2. „Berufliche Bildung weiter denken“ steht auf der Tagesordnung. Passend dazu erinnert die stellvertretende Landesvorsitzende, Sabine Weiland, daran, dass der aktuelle Landeshaushalt einen Überschuss von 893 Millionen Euro aufweist. „Wir müssen die Situation nutzen, um die Landesregierung an ihre Verantwortung zu erinnern: Mehr Geld für Bildung, besser Arbeitsbedingungen, multiprofessionelle Teams – und zwar nicht additiv, sondern inklusiv.“

„Bildung müsse sich gerade auch um jene kümmern, die nicht die besten Startchancen hatten, sagt Marlis Tepe auf der Tagung. Sie unterstreicht die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung: „Berufliche Bildung und Weiterbildung darf nicht schlechter gestellt werden.“ Viele Politiker hätten keinen Bezug zur beruflichen Bildung, klagt Giorgina Kazungu-Haß (MdL, SPD). Sie sei für sie „terra incognita“. Daniel Köbler (MdL, Grüne) hebt vor dem Hintergrund der Ereignisse von Chemnitz die Bedeutung des Sozialkundeunterrichts in der beruflichen Bildung hervor. SPD-MdL Anke Simon verweist auf die enormen Herausforderungen für die Kommunen angesichts der notwendigen Sanierungen.

„Man sieht überall, dass der Stadt das Geld fehlt.“ (Klaus-Peter Hammer)

„Wir sind Dienstleiter für Handwerk und Industrie“, betont Boßle. „Wir strengen uns an, um jungen Menschen eine guten Start ins Berufsleben zu geben.“ Das gelinge aber nur ansatzweise angesichts des Sanierungsstaus. Sorge bereitet ihm auch der Lehrernachwuchs. „Viele Kolleginnen und Kollegen gehen altersbedingt in den nächsten Jahren ab. Wir brauchen neue Lehrkräfte, die mit viel Herzblut dabei sind, Fachlehrer, die die notwendige Fachpraxis haben, die wissen, wovon sie reden.“

Die Kosten für Sanierung und Modernisierung der BBS Technik 2 beziffert Schulleiter Boßle auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Eine Kommune könne so etwas alleine nicht leisten. Bund und Land seien ebenso gefordert. Aus Tepes Sicht erweist sich hier der Föderalismus als Problem: „Er macht es schwer, an einem Strang zu ziehen.“ Im Fall von Ludwigshafen kommt hinzu, dass die Kommune ziemlich alleine dasteht. „Man sieht überall, dass der Stadt das Geld fehlt“, findet der GEW-Landesvorsitzende Klaus-Peter Hammer. „Ein Weltkonzern wie BASF zahlt heute in Deutschland kaum noch Steuern.“

Die BBS Technik 2 ist eine von sechs berufsbildenden Schulen in Ludwigshafen. 2100 Schülerinnen und Schüler besuchen die T2. 120 Lehrkräfte unterrichten hier. Neben verschiedenen Berufsschulen gehören zu ihr auch 12 Klassen in der Berufsvorbereitung und Berufsfachschulen. Tepe interessiert, wie die Integration jugendlicher Flüchtlinge gelingt. Boßle spricht von vier bis fünf Jahren, bevor diese eine Ausbildung antreten können. „Ein Großteil der Jugendlichen ist jahrelang nicht beschult worden. Viele wollen keine Ausbildung machen, sondern möglichst schnell Geld verdienen, das sie nach Hause schicken können.“

„Wir brauchen gleiche Startchancen für alle Kinder, unabhängig davon, wo sie leben.“ (Marlis Tepe)

Zusätzliche Mittel – etwa für den Spracherwerb – könnten die Eingliederung beschleunigen. Doch wenn es ums Geld geht, stehen die berufsbildenden Schulen ganz hinten. Hinzu kommt: 300 Millionen Euro liegen in Rheinland-Pfalz für die Schulen auf Halde. Die Kommunen haben sie nicht abgerufen. „Vielen fehlt inzwischen das Personal, um das Geld einzusetzen“, erklärt Klaus-Peter Hammer. Und Tepe ergänzt: „Der Geburtsort darf nicht darüber entscheiden, wie gut eine Schule ausgestattet ist. Es muss einen Ausgleich zwischen den Kommunen geben. Wir brauchen gleiche Startchancen für alle Kinder, unabhängig davon, wo sie leben.“

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Berufliche Bildung Bildung weiter denken Bildungsfinanzierung Artikel Hauptvorstand
news-14619 Fri, 07 Sep 2018 11:10:00 +0200 Aus der freien Wirtschaft an die staatliche Schule https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/aus-der-freien-wirtschaft-an-die-staatliche-schule/ Guido Gläser ist Key-Account-Manager bei einem mittelständischen Unternehmen gewesen. Heute managed er den Unterricht an einer Berufsschule in Hessen. Der Lehrerberuf stand nicht auf Guido Gläsers Karriereplan. Seine Interessenslage nach der Schule war ganz klar: Technik und Computer. Deshalb machte er eine Ausbildung zum IT-Systemkaufmann. Mit dieser Wahl hatte Gläser Erfolg. Er wurde Key-Account-Manager im Vertrieb eines mittelständischen Unternehmens, betreute Großkunden und baute das Produktmanagement auf. „Ich war damals weltweit unterwegs“, erzählt er.

Der 40-Jährige gehört also nicht zu denen, die aus Frust auf die Suche nach einem neuen Job gingen. Aber auch das jahrelange Verharren in einer Tätigkeit war nicht sein Ding. Als Key-Account-Manager absolvierte Gläser nebenberuflich ein BWL-Studium, Schwerpunkt Marketing. In dieser Zeit merkte er zum ersten Mal, dass er anderen gern etwas beibringt. „Ich stellte bei einer Lehrstunde meinen Kommilitonen die Verkaufsförderung und das Product-Placement vor – ganz ohne pädagogisches, didaktisches und methodisches Hintergrundwissen, aber es machte riesigen Spaß.“

Zwischenschritt: Fachlehrer

Den Gedanken ans professionelle Unterrichten verwarf Gläser aber erst einmal – bis er von Seiteneinsteigern in den Lehrerberuf hörte.  Schließlich reifte sein Entschluss, einen Schritt in diese Richtung zu gehen, erst einmal nebenberuflich. Er arbeitete weiter als Produktmanager, machte parallel eine pädagogische Ausbildung an einer Privatschule in Darmstadt zum Fachlehrer für Wirtschaft und EDV. Nach zwei Jahren legte Gläser die Prüfungen an der Hessischen Lehrkräfteakademie ab.

Wirklich gesprungen – weg vom Job in der freien Wirtschaft hin zum Vollzeit-Pädagogen – ist Gläser dann vor drei Jahren. An der Feldbergschule, einer beruflichen Schule im hessischen Oberursel, machte er das zweijährige Referendariat und schloss mit dem zweiten Staatsexamen ab. Seit März unterrichtet er dort als Beamter auf Probe. Er habe zwar kein Lehramtsstudium, dafür bringe er viel Berufspraxis mit, sagt Gläser. In der Pädagogik, Didaktik und Methodik sieht er sich durch das Referendariat und seine Fachlehrer-Ausbildung an der Darmstädter Privatschule auf dem gleichen Niveau wie seine Kollegen.

Und die Schülerinnen und Schüler? Sie reagierten positiv, wenn er von seinem beruflichen „Vorleben“ erzählt, etwa im Unterricht bei den Kaufleuten für Büromanagement. Kürzlich teilte ihm eine Schülerin mit, sie wolle Key-Account-Managerin werden. Mit ihrem mittleren Bildungsabschluss sei das zwar schwierig, so Gläser, wenn sie aber weiter lerne, Fachabitur mache und vielleicht sogar studiere, dann schon. „Ich traue dir das zu“, motivierte Gläser die junge Frau. Er weiß ja selbst: Manchmal braucht man einen langen Atem und Umwege, um ans Ziel zu kommen.

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Schule Bildungssystem Artikel Hauptvorstand
news-14618 Fri, 07 Sep 2018 10:15:00 +0200 Zermürbender Kampf um Zulassung https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/zermuerbender-kampf-um-zulassung/ Die Biologin Kim Luther unterrichtet seit Februar 2017 an einer Hauptschule im niedersächsischen Munster. Zum Schuljahresbeginn ist sie nach langem Hin und Her für den Vorbereitungsdienst zugelassen worden. Ohne ihre Beharrlichkeit und die Unterstützung durch Schulleitung und Kollegium hätte Kim Luther wahrscheinlich auf halber Strecke aufgegeben. Die studierte Biologin ist nach der Geburt ihres Sohnes nicht in die freie Wirtschaft zurückgekehrt, sondern hat sich für den niedersächsischen Schuldienst beworben.

„Ich hatte immer Spaß daran, anderen etwas beizubringen“, erzählt die resolute 32-Jährige. Während der Schul- und Studienzeit besserte sie ihr Taschengeld durch Nachhilfe auf. Später unterrichtete Luther angehende Pflegeassistentinnen und -assistenten in Biologie und Anatomie. Nun, mit mehr Abstand zur eigenen Schulzeit, konnte sie sich gut vorstellen, die Rolle der Lehrerin einzunehmen. 

An der Schule sehr willkommen

Nach wenigen Monaten fand sie eine Vollzeitstelle an einer Hauptschule in Munster. Hier fühlte Luther sich „sehr willkommen“, ihre Einarbeitung war unkompliziert. Jede Woche fuhr sie ins Seminar nach Lüneburg. Im ersten Halbjahr unterrichtete die Quereinsteigerin als Zweitbesetzung, nach zwei Monaten stand sie erstmals allein vor ihren 26 Schülerinnen und Schülern. „Ich konnte mir viel pädagogisches Handwerkszeug abgucken, Fragen stellen und insbesondere im Umgang mit herausfordernden Schülern Hilfe holen“, erzählt sie. „Die Kollegen waren hilfsbereit und gaben Feedback.“ Im vergangenen Schuljahr übernahm sie die Klassenleitung einer 6. Klasse. Luther wollte sich nun eine Perspektive in dem neuen Beruf aufbauen – mit besserer Bezahlung – und bewarb sich um einen Platz im Vorbereitungsdienst.

Eine nach Luthers Worten „zermürbende“ Auseinandersetzung mit der zuständigen Landesschulbehörde hatte bereits ihre Einstellung begleitet. Denn die Behörde hatte die Zulassung für das Zweitfach Chemie verweigert, obwohl die Biologin die erforderlichen Studieninhalte nachweisen konnte. „Zum Glück wollte die Schule mich auch mit nur einem Fach haben“, erinnert sie sich. Wegen der fehlenden Zulassung wurde nach schier endlosen Wochen ihr erster Antrag auf einen Referendariatsplatz abgelehnt. Noch immer konnte niemand erklären, welche Inhalte fehlten.

Luther bewarb sich erneut und setzte ein langes Schreiben auf, in dem sie detailliert die chemischen Inhalte ihres Studiums auflistete. Wieder vergingen Wochen der Ungewissheit. Kurz vor den Sommerferien kam die ersehnte Zusage: Luther konnte im August in den Vorbereitungsdienst mit den Fächern Biologie und Chemie starten – an ihrer Schule.

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Schule Bildungssystem Artikel Hauptvorstand
news-14789 Fri, 07 Sep 2018 10:14:15 +0200 Schulungsmaterial für Fachkräfte in der Jugendarbeit https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/schulungsmaterial-fuer-fachkraefte-in-der-jugendarbeit/ Die Demokratielabore bieten neues und freies Schulungsmaterial zum Thema „Jugendarbeit im digitalen Wandel – Kompetenzen, Daten und digitale Tools“ für Fachkräfte der Jugendarbeit und Medienpädagogik an. Schule LehrerInnenbildung Artikel Unterrichtsmaterial Hauptvorstand news-14776 Fri, 07 Sep 2018 09:44:00 +0200 Brutto und Netto in der Kita https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/brutto-und-netto-in-der-kita/ Die jüngste Bertelsmann-Kitastudie meldet Qualitätsverbesserungen - und begründet dies mit einem besseren Personalschlüssel. Dieser berücksichtigt indes weder Urlaubszeiten noch Krankheitsfälle und ist in der Praxis damit kaum relevant. Kita Bildungsqualität Artikel Hauptvorstand news-14617 Fri, 07 Sep 2018 09:00:00 +0200 „Ich lerne jeden Tag dazu“ https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/ich-lerne-jeden-tag-dazu/ Dylan Mackay ist Ingenieur, Informatiker und Unternehmer gewesen. Dann hat der 46-Jährige den Sprung ins kalte Wasser gewagt: Nun unterrichtet er am John-Lennon-Gymnasium in Berlin Physik und Mathe. Anfangs hat es Mackay mit Grundsatzdiskussionen versucht, wenn seine Schülerinnen und Schüler keine Lust auf Physik hatten. „Leute, ihr macht das nicht für mich, ihr macht das für euch.“ Dann merkte er: „Das bringt nichts.“ Besser: die Konsequenzen klar machen und Neugier wecken. „Wenn ihr nicht lernt, schafft ihr die Klausur nicht“, erinnert Mackay nun und verpackt die Aufgabe in eine nette Geschichte mit Alltagsbezug: „Neulich wurde ich mit 56 km/h geblitzt. Was meint ihr, macht es denn so einen Unterschied, wenn ich nur 50 km/h gefahren wäre? Berechnet den Bremsweg.“ Mackay lacht. „Ich lerne jeden Tag dazu.“

Es ist ein knallheißer Sommertag in Berlin. Mackay sitzt in einem Café um die Ecke des John-Lennon-Gymnasiums und packt einen dicken Ordner auf den Tisch: Unterrichtsmaterialen, Sitzpläne, Richtlinien. In den Sommerferien hat er endlich mehr Zeit zum Nachlernen. Atomphysik, Vektorraumalgebra. Vieles ist neu für den Quereinsteiger. Seit sechs Monaten arbeitet der 46-Jährige als Lehrer für Physik und Mathe. Er liebt seinen neuen Job. Den quirligen Schulalltag, das befriedigende Gefühl, „wenn es wieder Klick gemacht hat bei einem Schüler“. Auch wenn es „noch ein langer Weg zum Profi ist“. Kompetenzorientierte Pädagogik? Binnendifferenzierung? Woher soll er das können als studierter Ingenieur?

Dass er mal Lehrer werden würde, hätte Mackay nie gedacht. Früh entdeckt der Deutsch-Amerikaner seine Liebe zur Technik. Als Jugendlicher baut, lötet, repariert er wie ein Weltmeister. Nach dem Einser-Abitur studiert er Elektrotechnik in Stanford – auch um seine „amerikanischen Wurzeln zu erkunden“. 

Suche nach „mehr Sinn“

Es ist ein Leben voller Entdeckungslust und Umschwünge. Nach dem Studienabschluss und einem IT-Job im Silicon Valley geht Mackay, enttäuscht von der „platten Entertainment-Kultur“ seiner zweiten Heimat zurück nach Berlin – auch der Familie wegen. Er arbeitet als Ingenieur und Informatiker, mal Führungs-, mal Fachkarriere, bis er feststellt: Beides befriedigt ihn nicht. Auf der Suche nach „mehr Sinn in der Arbeit“ macht er einen Master für Regenerative Energiesysteme, arbeitet in der Energiebranche. Als ihn die Mutter, Chefin eines Autohauses, nach der Wirtschaftskrise 2008 dringend braucht, steigt Mackay als Co-Geschäftsführer ein, bis das Unternehmen konsolidiert ist. 

Im Herbst 2014 zieht Mackay Bilanz: Ingenieur, Projektleiter, Unternehmer – im Grunde ist es das alles nicht. Mackay geht zwei Jahre in Elternzeit. 2017, die Diskussion über den Lehrermangel ist gerade auf dem Höhepunkt, kommt ihm die Idee: „Das wäre doch was mich.“ Schon als Ingenieur hatte er gern Schulungen gegeben. Und wollte er nicht immer etwas für die Allgemeinheit tun – warum nicht Kinder bilden? Im Oktober 2017 bewirbt sich Mackay bei der Berliner Senatsverwaltung. Im Januar hat er die Zusage: „In vier Wochen können Sie am John-Lennon-Gymnasium anfangen.“

Wie radikal der Sprung ins kalte Wasser würde, hat Mackay dann doch überrascht. „Es gab keine Vorbereitung, keine Pflichtfortbildung.“ Nur einen freiwilligen Dreitages-Crashkurs für Quereinsteiger zu Classroom-Management und Leistungsdifferenzierung. Und Auflagen, was er berufsbegleitend in den kommenden Jahren nachholen muss. Zum Glück hatte Mackay gleich nach seinem Entschluss für die neue Karriere sechs Wochen an einer Integrierten Sekundarschule in Kreuzberg hospitiert. „Ich wollte wissen, wie es ist, vor einer Klasse zu stehen.“ Und zum Glück unterstützten ihn Kollegium und Schulleitung an der John-Lennon-Schule von Anfang an sehr.

Den Schritt hat Mackay nicht bereut. Natürlich: Es kostet Kraft, berufsbegleitend Kurse an der Uni nachzuholen, Prüfungen zu machen, sich in völlig neue Themen einzuarbeiten. Manchmal sitzt Mackay bis tief in die Nacht an Stundenvorbereitungen. „Macht nichts.“ Denn endlich ist er angekommen in einem Beruf, der ihn wirklich erfüllt.

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Schule Bildungssystem Artikel Hauptvorstand
news-14785 Thu, 06 Sep 2018 14:44:25 +0200 Giffey will das Schulgeld abschaffen – gut so! https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/giffey-will-das-schulgeld-abschaffen-gut-so/ Die Bundesfamilienministerin fordert eine kostenlose Ausbildung für Erzieherinnen und Erzieher. Das ist gut so! Es dürfe aber keine Abstriche bei der Qualität der Ausbildung geben, sagt Kita-Experte Björn Köhler. Die GEW unterstützt die Forderung von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) über die Abschaffung des Schulgeldes für die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern. „Noch immer machen überwiegend Frauen eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin. Im Gegensatz zu Ausbildungen, die überwiegend von Männern gemacht werden, erhalten viele angehende Erzieherinnen kein Ausbildungsentgelt. In einigen Bundesländern muss sogar noch Schulgeld bezahlt werden. Da ist es eine Frage der Gerechtigkeit, die Ausbildung kostenfrei und mit einer angemessenen Vergütung zu versehen“, sagte Björn Köhler, Vorstandsmitglied für den Bereich Jugendhilfe und Sozialarbeit, am Donnerstag in Frankfurt.

„Erzieherinnen und Erzieher sind gut ausgebildete Fachkräfte, die ihre Kompetenzen zum Wohle unserer Gesellschaft einsetzen.“ (Björn Köhler)

Giffey hatte sich am Mittwoch in Berlin im Rahmen einer Rede von Absolventinnen und Absolventen der Fachschule SPI Berlin dafür ausgesprochen, die sozialen Berufe aufzuwerten. „Ein wichtiger Schritt dazu ist: Schulgeld abschaffen und eine Ausbildungsvergütung einführen“, sagte Giffey. Köhler wies jedoch darauf hin, bei allen anstehenden Reformen und Debatten über die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern, unter keinen Umständen Abstriche bei der Qualität zu machen. „Die hohen Anforderungen in der Praxis und veränderte Rahmenbedingungen zum Beispiel durch Inklusion lassen eine Kürzung bei den Inhalten der Ausbildung gar nicht zu. Erzieherinnen und Erzieher sind gut ausgebildete Fachkräfte, die ihre Kompetenzen zum Wohle unserer Gesellschaft einsetzen – das muss auch in Zukunft so bleiben!“

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Kita Artikel Hauptvorstand