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Tag gegen Kinderarbeit

11.06.2017

Gemeinsame Presseerklärung der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und des Vereins XertifiX

Hannover/Frankfurt am Main Anlässlich des Tags gegen Kinderarbeit am 12. Juni wollen wir auf die großen Erfolge im Kampf gegen Kinderarbeit hinweisen. Als XertifiX gemeinsam mit der IG BAU im Jahr 2005 gegründet wurde, war die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen der Schwerpunkt unserer Arbeit. Durch die Kontrollen in indischen Steinbrüchen – gerade auch unangekündigte – hat XertifiX erreicht, dass in den durch XertifiX kontrollierten Steinbrüchen und Fabriken über die Jahre immer weniger Kinderarbeiter vorgefunden wurden und heute dort keine Kinder mehr arbeiten.

Ab 2012 haben wir den Schwerpunkt unserer Arbeit auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Erwachsenen gelegt, seit 2014 auch in China und Vietnam. Auch dort wurden in den letzten Jahren keine Kinderarbeiter in der Naturstein-Industrie nachgewiesen. „Heute sind die teils katastrophalen Arbeitsbedingungen der erwachsenen Arbeiter und Arbeiterinnen im Fokus. Wer heute Grabsteine, Pflastersteine oder Küchenplatten kauft, ahnt nicht, dass sie meist auf Kosten der Gesundheit der asiatischen Arbeiterinnen und Arbeiter hergestellt wurden,“ so die XertifiX-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock, „es sei denn, verlässliche Zertifikate sichern menschenwürdige Arbeitsbedingungen und existenzsichernde Löhne der ArbeiterInnen ab. Das ist die Arbeit von XertifiX.“

Gleichwohl ist das Problem nicht gelöst. Eine wissenschaftliche Studie, im Auftrag der Landesregierung NRW kommt zu dem Ergebnis: „[Es] muss festgestellt werden, dass in Indien ‚bei der Herstellung von Naturstein‘ weiterhin von der Existenz schlimmster Formen von Kinderarbeit ausgegangen werden muss […]“ (2016)

Es empfiehlt sich daher, aus bestimmten asiatischen Ländern nur solche Grabsteine zuzulassen, für die ein unabhängiges, glaubwürdiges Siegel vorgelegt werden kann. IG BAU-Vize Dietmar Schäfers: „Hier besteht dringender Handlungsbedarf für die neue Landesregierung, denn das 2014 erlassene Gesetz zum Verbot gegen Kinderarbeit wurde nicht umgesetzt. Seriöse Siegel können nicht nur sicherstellen, dass keine Kinder in den Steinbrüchen und Betrieben arbeiten, sie stellen auch sicher, dass grundlegende Arbeitsschutz- und Umweltschutzmaßnahmen durchgeführt werden. Hierfür tragen wir eine hohe soziale Verantwortung. Nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit in unseren Handelsbeziehungen. Nicht zuletzt auch, um einen fairen, sozialen Wettbewerb zu gewährleisten.“

Vor einem einseitigen Ansatz zur Bekämpfung der Kinderarbeit warnt auch Marlis Tepe, Vorsitzende der GEW und der Stiftung fair childhood: „Wir können Kinderarbeit nur bekämpfen, wenn wir das Übel an der Wurzel anpacken. Die Menschen brauchen Bildung statt Kinderarbeit. Den Mädchen und Jungen muss ein Schulangebot als Alternative zur Kinderarbeit angeboten werden, die Eltern brauchen ein ausreichendes Einkommen und einen sicheren Arbeitsplatz.“ Der Verein XertifiX – die GEW ist seit vielen Jahren Mitglied des Vereins – trägt im Natursteinsektor dazu bei, dass die Arbeitsbedingungen verbessert werden und menschenwürdige Löhne gezahlt werden – und bekämpft so Kinderarbeit auf viel nachhaltigere Weise, als dies ein einfaches Verbot erreichen könnte.

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