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GEW: „Vorfahrt für Bildung!“

08.05.2017

28. ordentlicher Gewerkschaftstag der Bildungsgewerkschaft vom 6. bis 10. Mai in Freiburg

Freiburg i. Brsg. - "Vorfahrt für Bildung": Dafür macht sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) während ihres Gewerkschafstages in Freiburg i. Brsg. stark. "Wir brauchen eine Offensive für Bildung. Denn Deutschland benötigt mehr und bessere Bildungsangebote für alle Menschen. Dafür ist ein Kurswechsel in der Bildungspolitik und der Finanzierung des Bildungswesens notwendig", sagte die wiedergewählte GEW-Vorsitzende Marlis Tepe heute während einer Pressekonferenz insbesondere mit Blick auf die Bundestagswahl im September.

Tepe kündigte als zentrale Arbeitsschwerpunkte und Aufgaben für die nächsten Jahre den quantitativen und qualitativen Ausbau der Ganztagsangebote, ein Sanierungs- und Neubauprogramm für die Bildungseinrichtungen, die Verbesserung der Inklusion, Bildung in der Migrationsgesellschaft, Bekämpfung des Lehrkräftemangels, Bildungsfinanzierung, Bildung in der digitalen Gesellschaft und die Weiterentwicklung der Ausbildung der Pädagoginnen und Pädagogen an. "Alle diese Aufgaben stehen und fallen mit qualifiziertem Personal. Wir müssen den Bildungsbereich attraktiver machen, dazu gehören insbesondere bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Bezahlung. Nur dann werden sich mehr junge Menschen entscheiden, künftig als Erzieherinnen, Sozialarbeiter, Lehrkräfte, Wissenschaftler und Erwachsenenbildner zu arbeiten", sagte Tepe. Sie setzte sich für zusätzliche öffentliche Ausgaben im Bildungsbereich ein und wies in diesem Zusammenhang auf die Initiative "Bildung. Weiter denken!" hin. Diese hatte die GEW im Herbst vergangenen Jahres gestartet.

"Von einer künftigen Regierung auf Bundesebene verlangen wir beispielsweise ganz konkret: ein Kita-Qualitätsgesetz, ein Sanierungs- und Modernisierungsprogramm für allgemein- und berufsbildende Schulen, aber auch Hochschulen sowie eine höhere Grundfinanzierung der Unis und Fachhochschulen", sagte die GEW-Vorsitzende. Sie machte dabei deutlich, dass die GEW die Lockerung des Kooperationsverbots für den Bildungsbereich begrüße, betonte jedoch: "Das Kooperationsverbot muss endlich komplett fallen. Dann kann der Bund die Länder und alle Kommunen direkt bei der Finanzierung der Bildungsaufgaben unterstützen." 

"Der Geburtsort eines Kindes darf nicht über dessen Bildungsweg entscheiden. Der Bund muss jetzt handeln und ein in allen Ländern verbindliches Kita-Qualitätsgesetz auf den Weg bringen. Es soll einen Beitrag leisten, für Kinder bundesweit vergleichbare Lebensverhältnisse zu schaffen", betonte Tepe. "Eckpunkte des Gesetzes sind Standards, die die Erzieher-Kind-Relation, die Freistellung der Leitungskräfte, die Fachberatung und die Anerkennung mittelbarer pädagogischer Arbeitszeit festschreiben. Wie weit die Betreuungsqualität in den Ländern auseinanderklafft, zeigt beispielsweise die Fachkraft-Kind-Relation."

"Der Bund muss Länder und Kommunen bei der Sanierung, Modernisierung und dem Neubau von Schulen, aber auch Hochschulen entlasten. Wenn in Klassenräumen der Putz von den Wänden fällt oder die Schülerinnen, Schüler und Studierenden den Gang zur Toilette scheuen, leidet auch der Lernprozess", sagte die GEW-Vorsitzende. "Für Ganztag und Inklusion brauchen die Bildungseinrichtungen darüber hinaus andere Lernräume als etwa im Schulalltag vergangener Jahrzehnte. Der Bund kann mit einem Sanierungs- und Modernisierungsprogramm unmittelbar dazu beitragen, die Lehr- und Lernqualität zu verbessern. Dieses Programm ist auf zehn Jahre angelegt. Es erfordert einen jährlichen Investitionsbedarf von 3,5 Milliarden Euro für die Schulen und einer Milliarde Euro für die Hochschulen. Im Gegenzug müssen sich die Länder verpflichten, mehr Personal einzustellen und die Bezahlung der Lehrenden strukturell zu verbessern."

"Das Kooperationsverbot für den Wissenschaftsbereich ist bereits 2014 gelockert worden. Der Bund darf sich nicht länger aus der Verantwortung stehlen: Er muss den Ländern bei einer deutlichen Verbesserung der Grundfinanzierung der Hochschulen unter die Arme greifen", unterstrich Tepe. Sie forderte Bund und Länder auf, an den Hochschulen eine "Entfristungsoffensive" zu starten. "Wir brauchen bundesweit 50.000 zusätzliche Dauerstellen im akademischen Mittelbau. Daueraufgaben erfordern Dauerstellen. Kurz- und Kettenverträge sind nicht nur unfair gegenüber den Beschäftigten, sie untergraben auch die Kontinuität und damit Qualität von Forschung und Lehre. Darüber hinaus brauchen wir in Zukunft immer mehr hoch qualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, um die auf hohem Niveau bleibende Zahl der Studierenden angemessen zu betreuen. Zudem müssen an den Unis 5.000, an den Fachhochschulen 500 zusätzlich Tenure-Track-Professuren geschaffen werden."

Info: Der Personalschlüssel im Krippenbereich liegt in den Bundesländern zwischen 1:3,0 und 1:6,4 (Fachkraft-Kinder), im Kindergartenbereich für die Drei- bis Sechsjährigen zwischen 1:7,3 und 1:14,1. Wissenschaftler empfehlen eine Fachkraft-Kind-Relation von 1:3 in Krippen und 1:7 bzw. 1:8 für Kitas.

Der Investitionsstau an Schulen beträgt laut einer aktuellen Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 34 Milliarden Euro (Veröffentlichung Herbst 2016).

An den Universitäten kommen 67 Studierende auf eine Professorin bzw. einen Professor. Neun von zehn wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werden mit einem Zeitvertrag abgespeist. Über die Hälfte der Zeitverträge hat eine Laufzeit von weniger als einem Jahr.

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