GEW - Die Bildungsgewerkschaft
Sie sind hier:

GEW: „Schluss mit der Legendenbildung über Privatschulen“

Bildungsgewerkschaft zur Privatschul-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung

15.03.2018

Frankfurt a. M. – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßt die Befunde der Studie „Privatschulen in Deutschland“. Sie mahnt mehr Maßnahmen für die Stärkung des öffentlichen Schulwesens und gegen die soziale Spaltung der Gesellschaft an.

„Wenn die Zahl der Privatschulen wächst, verschärft das die ohnehin schon höchst ungleiche Verteilung von Bildungschancen“, kommentierte Ilka Hoffmann, GEW-Vorstandsmitglied für Schule, diesen Trend am Donnerstag in Frankfurt a.M. „Zudem hat Schule einen gesellschaftlichen Integrationsauftrag. Dieser verlangt beispielsweise, dass alle Kinder in der Schule den Umgang mit Pluralität erlernen können sollen.“

„Dass Privatschulen besser als öffentlich Schulen seien, entpuppt sich als Legende, wenn man die Herkunft und die Zusammensetzung der Schülerschaft in Rechnung stellt, wie dies die heute vorgelegte Studie tut“, betonte die Schulexpertin. Zahlreiche private Schulen arbeiteten ganz konventionell, und viele öffentliche Schulen seien reformfreudig, leistungsstark und förderorientiert.

„Auch müssen die vielerorts fragwürdige Genehmigungspraxis, die teilweise sehr hohen Schulgebühren und die mangelnde staatliche Aufsicht im Privatschulbereich auf den Prüfstand“, sagte Hoffmann. Sie verwies auf eine weitere Studie von Michael Wrase (Rechtswissenschaftler) und Marcel Helbig (Bildungssoziologe), nach der eine Mehrheit der Bundesländer das gesetzlich vorgeschriebene Sonderungsverbot zu lax handhabe.

„Privatschulen liefern also keine Gründe für Euphorie. Die Frage nach der Gerechtigkeit des Schulwesens muss stärker in den Fokus genommen werden. Die Studie zeigt nämlich auch, dass öffentliche Gymnasien ähnlich selektiv sind wie die privaten“, gab die GEW-Schulexpertin weiter zu bedenken. „Unsere Perspektive ist die eine Schule für alle Kinder. Auf dem Weg dorthin setzt sich die GEW auch dafür ein, dass die Gymnasien Hürden beseitigen, durchgängig fördern und sich der Herausforderung der Inklusion stellen. Die Schulen neben dem Gymnasium müssen so attraktiv gemacht werden, dass die ‚guten‘ Kinder nicht vermehrt abwandern. Alle Schulen, die bereits in diese Richtung gehen, brauchen mehr Unterstützung“, mahnte Hoffmann an.

„Das öffentliche Schulwesen hat einen hohen Wert für den sozialen Zusammenhalt und die demokratische Gesellschaft“, betonte das GEW-Vorstandsmitglied. „Damit Eltern Vertrauen in die öffentlichen Schulen haben, müssen diese besser finanziert und ausgestattet werden“. Die Politik müsse Maßnahmen gegen die Unterfinanzierung des Schulwesens, den eklatanten Mangel an Lehrkräften und den Unterrichtsausfall ergreifen. Zudem müsse sie die individuelle Förderung und das inklusive Lernen voranbringen.

Zurück