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GEW: „Qualitätsoffensive für die Kitas“

Bildungsgewerkschaft zur NUBBEK-Studie

26.04.2012

Frankfurt a.M./Berlin - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) macht sich für eine „Qualitätsoffensive für die Kitas“ stark. „Die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten müssen bundesweit verbessert werden. Dazu gehören drei Elemente: Die Ausbildung der Erzieherinnen muss auf Hochschulniveau angehoben, die Gruppen in den Kitas kleiner werden und die Erziehrinnen brauchen mehr Zeit für die pädagogische Arbeit“, sagte Norbert Hocke, für Jugendhilfe und Sozialarbeit verantwortliches GEW-Vorstandsmitglied, am Donnerstag mit Blick auf die Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit (NUBBEK).

Er machte deutlich, dass die Studie bei Fragen nach der Qualität in den Kitas zu einseitig angelegt sei. Die Untersuchung berücksichtige nicht ausreichend, dass sich die Lage der Familien und Kinder in den vergangenen Jahren drastisch verändert habe und Anforderungen an die frühkindliche Bildung gestiegen seien - die Rahmenbedingungen in den Kitas sich jedoch nicht verbessert hätten. „Im Gegenteil: Den Erzieherinnen werden immer mehr Aufgaben aufgedrückt: Sprachförderung, Bildung der Kinder in Naturwissenschaften, Elternberatung, Gesundheitsförderung, Umweltbildung oder die Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst des Jugendamtes – ohne entsprechende Qualifizierung, Unterstützung und Entlastung der Kolleginnen“, betonte Hocke. „Erzieherinnen brauchen einen besseren Personalschlüssel, der nicht mehr als 15 Kinder für zwei Kolleginnen vorsieht. Bei Kindern, die jünger als drei Jahre sind, nicht mehr als sechs Mädchen und Jungen für zwei Erzieherinnen.“ Ein Drittel der Arbeitszeit müsse für die „mittelbare pädagogische Arbeit“, also für Vor- und Nachbereitung, Reflexion, Auswertung der Dokumentationen und Konzeptarbeit im Team sowie Elternarbeit zur Verfügung stehen. Ab einer Einrichtungsgröße von 40 Kindern müsse die Leitung von Erziehungsarbeit freigestellt sein, ab 100 Kindern vollständig. Bisher würden Kitaleiterinnen für ihre Arbeit nur in sehr großen Einrichtungen ab 120 Kindern und 15 Beschäftigten von anderen Aufgaben entlastet.

„Es gibt eine Reihe hochqualifizierter Kindertageseinrichtungen, die regelmäßig an Modellprojekten teilnehmen und mit zusätzlichen finanziellen Mitteln ausgestattet sind. Das Gros der Kindertageseinrichtungen leidet dagegen unter schlechten Arbeitsbedingungen. Gerade sie brauchten Unterstützung. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass alle Versuche der Politik, die Qualität durch Modell-Fortbildungsprogramme zu verbessern, in der Praxis bisher kaum ankommen“, unterstrich der Kita-Experte.

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