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GEW: „Jetzt die Weichen für die inklusive Hochschule stellen“

15.05.2015

Bildungsgewerkschaft zum Jerewan-Kommunikee der europäischen Bildungsminister

Jerewan/Frankfurt a.M. – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat Bund, Länder und Hochschulen aufgefordert, das in der armenischen Hauptstadt Jerewan verabschiedete Kommunikee zur Fortsetzung der Bologna-Reformen ernst zu nehmen und die Weichen für ein inklusives Hochschulsystem zu stellen. „Bologna ist längst mehr als Bachelor und Master. In Jerewan haben sich die europäischen Bildungsministerinnen und ‑minister auf eine inklusive Ausgestaltung des europäischen Hochschulraums verständigt. Dabei geht es um eine soziale Öffnung der Hochschulen und bessere Durchlässigkeit. Gerade Deutschland hat in dieser Hinsicht großen Nachholbedarf: In keinem anderen Industrieland hängt der Bildungserfolg so eng mit der sozialen Herkunft der Kinder zusammen. Wir brauchen daher unterstützende Studienbedingungen auch für Studierende mit besonderen Bedarfen, eine grundlegende Verbesserung der Ausbildungsförderung und nicht zuletzt die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in der Hochschulbildung“, sagte am Freitag der stellvertretende GEW-Vorsitzende und Hochschulexperte, Andreas Keller, der als Mitglied der Delegation der europäischen Bildungsgewerkschaften an der Jerewan-Konferenz teilnimmt.

Die GEW unterstütze das Ziel der Jerewaner Ministerkonferenz, die Qualität von Studium und Lehre weiter zu verbessern. „In Jerewan wurden innovative Lehr- und Lernformen sowie die Stärkung der digitalen Bildung vereinbart. Es gehört zum professionellen Selbstverständnis der Lehrenden, sich für die Weiterentwicklung der Qualität der Lehre einzusetzen. Im Gegenzug müssen Bund, Länder und Hochschulen die Lehrenden bei ihrer Arbeit besser unterstützen. Die Dozentinnen und Dozenten müssen von bürokratischem Mehraufwand entlastet werden, qualifizierte Fort- und Weiterbildungsangebote erhalten und faire Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen bekommen“, erklärte Keller. Er verwies auf die Ergebnisse einer Studie zur Belastung von Hochschulbeschäftigten in Deutschland, die die GEW in der vergangenen Woche in Berlin vorgestellt hatte. Demnach gibt über die Hälfte der befragten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (54 Prozent) an, dass sich ihr Arbeitsaufwand durch die Anforderungen des Bologna-Prozesses erhöht habe.

Die GEW befürworte auch die Empfehlung der Jerewan-Konferenz, die internationale Mobilität der Lehramtsstudierenden zu fördern, die auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ins Kommunikee aufgenommen worden ist. „Es gibt zwar keine Belege dafür, dass Studierende in der Lehrerbildung weniger mobil sind als in anderen Studiengängen. Aber zweifellos gibt es noch zu viele Mobilitätshindernisse – im europäischen wie im deutschen Hochschulraum. Ein Uniwechsel von Münster nach Osnabrück kann sich als schwieriger erweisen als von Riga nach Lissabon. Die Länder und Hochschulen müssen endlich die gegenseitige Anerkennung ihrer Abschlüsse und Studienleistungen garantieren – ohne Wenn und Aber“, mahnte der GEW-Vize.
 
Info: Am 14. und 15. Mai trafen sich in der armenischen Hauptstadt Jerewan die Bildungsministerinnen und -minister der 47 Unterzeichnerstaaten der Bologna-Erklärung zur achten Bologna-Folgekonferenz nach 2001 (Prag), 2003 (Berlin), 2005 (Bergen), 2007 (London), 2009 (Leuven), 2010 (Wien/Budapest) und 2012 (Bukarest). Als 48. Unterzeichnerstaat wurde Weißrussland in den Bologna-Raum aufgenommen. Das in Jerewan verabschiedete Kommunikee und alle weiteren Dokumente sind auf der offiziellen Website des Europäischen Hochschulraums abzurufen (Link siehe Infokasten rechts oben).

Die Bildungsgewerkschaften waren durch ihre internationale Dachorganisation, die Bildungsinternationale (Education International - EI), bzw. ihre europäische Region ETUCE (Links siehe Infokasten rechts oben) an der Jerewan-Konferenz beteiligt. Die GEW ist Mitgliedsorganisation von EI und ETUCE, Andreas Keller seit 2013 ETUCE-Vizepräsident.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Studie der Bildungsinternationale „Schaffung eines förderlichen Arbeitsumfeldes an Hochschulen“ und des im Auftrag der Max-Traeger-Stiftung erstellten deutschen Beitrags zur Untersuchung hat die GEW am 7. Mai vorgestellt (Link siehe Infokasten rechts oben).

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