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GEW: „Inklusion braucht ausreichende Finanzierung“

12.05.2017

Tour der Vorsitzenden Tepe durch die Bundesländer: Mecklenburg Vorpommern

Pasewalk/Schwerin/Frankfurt a.M. – Mit einem Besuch in der Grundschule Ueckertal/Pasewalk setzte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, ihre Reise durch die Bundesländer im Rahmen der Initiative „Bildung. Weiter denken!“ fort. Begleitet wurde sie dabei von der GEW-Landesvorsitzenden Annett Lindner.

 

Vor Ort machten sich die Gewerkschafterinnen im Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen sowie Vertretern des Bildungsministeriums, der Verwaltung und Politik ein Bild vom Stand der Umsetzung der Inklusion in Mecklenburg-Vorpommern.

 

Vor allem zu den Leistungen der Lehrkräfte äußerten sich die Gewerkschafterinnen anerkennend: „Trotz des fehlenden Konzepts bei der Einführung der Inklusion im Jahr 2010 haben sich die Kolleginnen und Kollegen mit aller Kraft dafür eingesetzt, allen Schülerinnen und Schülern die beste Bildung zu ermöglichen“, sagte Marlis Tepe. Annett Lindner stellte fest: „Leider fühlen sich die Beschäftigten auch heute, sieben Jahre später, noch oft allein gelassen. Es fehlt Personal und es fehlen, wie hier in Pasewalk, wo beispielsweise die Raumakustik ein echtes Problem darstellt, Mittel zur Schaffung baulicher Voraussetzungen des inklusiven Unterrichts.“

Marlis Tepe setzte sich für zusätzliche öffentliche Ausgaben im Bildungsbereich ein: „Der Bund muss Länder und Kommunen bei der Sanierung, Modernisierung und dem Neubau von Schulen und Hochschulen entlasten. Wenn in Klassenräumen der Putz von den Wänden bröckelt oder die Schülerinnen, Schüler und Studierenden den Gang zur Toilette scheuen, leidet auch der Lernprozess“, unterstrich Tepe und sagte weiter: „Würde Deutschland so viel Geld für Bildung ausgeben wie andere Industrienationen im Schnitt, sind alle unsere Vorschläge problemlos zu finanzieren. Um Druck für zusätzliche Investitionen in die Bildung zu machen, hat die GEW jetzt die Initiative ‚Bildung. Weiter denken!‘ gestartet.“

In Bezug auf die notwendigen öffentlichen Investitionen ergänzte Landesvorsitzende Annett Lindner mit Blick auf das Programm der rot-schwarzen Landesregierung: „Auch die GEW MV wünscht sich eine zuverlässige Bildungspolitik. Wer jedoch ‚keine Experimente' sagt und in der Realität ‚keine Mehrkosten' meint, bleibt hinter den Möglichkeiten unseres Bundeslandes zurück. Was wir brauchen, ist eine zukunftssichere und sozial gerechte Bildung. Wir brauchen gleiche Bildungschancen für alle Kinder und Lehrinhalte, die auch in unserer veränderten Welt Bestand haben. Wir brauchen aber auch, und das nicht zuletzt, dringend bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten in der Bildung.“ Annett Lindner verwies auf die hohe Arbeitsbelastung der Lehrkräfte, den Fachkräftemangel und die ungerechte Bezahlung der Grundschullehrkräfte.

Zur Inklusion, das bekräftigten beide Gewerkschafterinnen vor Ort, gebe es in einer offenen und demokratischen Gesellschaft keine Alternative. Dazu sagte Tepe: „Inklusion ist ein Auftrag an die gesamte Gesellschaft, diese muss daher Pädagoginnen und Pädagogen Zeit, Raum und personelle Ressourcen für ihre anspruchsvolle Arbeit in Kitas und Schulen bereitstellen. Dieser Aufgabe müssen wir uns alle stellen. Wir brauchen daher eine Agenda für inklusive Bildung, zu der alle Akteure ihren Beitrag leisten müssen. Dazu bedarf es eines verlässlichen Rahmens. Der Wegfall des Kooperationsverbotes zwischen Bund und Ländern zählt unbedingt dazu, ebenso wie mehr Investitionen in Bildung unerlässlich sind, damit Länder und Kommunen ihre Aufgaben erfüllen können. Unverzichtbar ist auch eine veränderte Steuergesetzgebung, sonst lässt sich der Umbau des Schulsystems nicht finanzieren.“

 

Lindner bekräftigte: „Wir sehen, dass sich das Land auf den Weg gemacht hat. Das wurde auch im Gespräch mit der Inklusionsbeauftragten des Landes erneut deutlich. Doch wir sind auch überzeugt: Unser Land kann mehr! Entlastung durch Absenkung der Pflichtstunden, Anrechnungsstunden und die Förderung der Arbeit in multiprofessionellen Teams sind Maßnahmen, deren Umsetzung die GEW MV fordert.“ Dabei sei es aus Sicht der Gewerkschaft wichtig, zunächst den Bedarf zu definieren und dann nach geeigneten Wegen der Finanzierung zu suchen. „Mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit des Landes sollte es Finanzminister Mathias Brodkorb, zumal er vorher für die Bildung zuständig war, ein besonderes Anliegen sein, hier entsprechende Mittel frei zu machen“, sagte die GEW-Landesvorsitzende.

Mit zahlreichen Gesprächen und Stellungnahmen begleitet die GEW MV den Prozess der Umsetzung der Inklusion. Gemeinsam mit anderen Akteuren, wie u. a. dem Städte- und Gemeindetag, setzt sie sich für Verbesserungen an den Schulen im Land ein.

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