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GEW: „Immer mehr Befristung in der Wissenschaft – Politik muss handeln“

Bildungsgewerkschaft zum Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs

18.04.2013

Berlin – „Die Bundesregierung muss endlich reagieren und die Arbeitsbedingungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verbessern“, stellte Andreas Keller, Leiter des Vorstandsbereichs Hochschule und Forschung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), anlässlich der heutigen Veröffentlichung des zweiten Bundesberichts Wissenschaftlicher Nachwuchs fest. „Der Bericht hat den Handlungsdruck in diesem Feld noch einmal verdeutlicht. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler lieben ihre Tätigkeit, sind aber immer unzufriedener mit ihren Arbeitsbedingungen. Auch hoch motivierte Forscherinnen und Forscher leben nicht von Luft und Wissenschaft allein. Zur Anerkennung ihrer Arbeit gehören auch eine gute Bezahlung und klare Perspektiven.“

Für diejenigen, die nach der Promotion den Schritt in die Wissenschaft schaffen, folge jedoch meist über viele Jahre hinweg Zeitvertrag auf Zeitvertrag – mit immer kürzeren Vertragslaufzeiten. „Wenn neun von zehn promovierten Beschäftigten in Hochschulen und Forschung mit der Planbarkeit der Berufswege in der Wissenschaft unzufrieden sind, ist das ein klares Signal an die Politik. Die Situation hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft“, betonte Keller. „Um diesen Trend umzukehren, brauchen wir dringend Änderungen im Wissenschaftszeitvertragsgesetz, die Mindestlaufzeiten für Arbeitsverträge definieren und nach der Promotion klare Perspektiven für eine dauerhafte Beschäftigung in der Wissenschaft eröffnen.“

Die schlechte Planbarkeit und mangelhafte soziale Absicherung in der Wissenschaft sind insbesondere für Beschäftigte mit Kindern problematisch. „Es ist deshalb nicht überraschend, dass zwei Drittel der promovierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Familienfreundlichkeit ihres Arbeitsplatzes unzufrieden sind“, sagte Keller. „Noch immer gilt: Gerade Frauen werden durch diese Bedingungen von einer Tätigkeit in Hochschule und Forschung abgeschreckt.“

Info:
Der Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2013 ist der zweite Bundesbericht über die Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland; der erste Bericht erschien 2008. An den Hochschulen sind in Deutschland inzwischen acht von neun Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterhalb der Professur befristet beschäftigt.
35-45-Jährige nach der Promotion sind dreimal so häufig befristet beschäftigt wie ihre Altersgenossinnen und -genossen.

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