GEW - Die Bildungsgewerkschaft
Du bist hier:

GEW: „Hohe Pensionierungszahlen sollten Weckruf für die Länder sein“

Bildungsgewerkschaft zu Daten des Statistischen Bundesamtes über Versorgungsempfänger

17.12.2015

Frankfurt a.M./Wiesbaden - "Wir dürfen uns keinen Sand in die Augen streuen lassen: Wenn die Länder jetzt verkünden, mehr Lehrkräfte einzustellen, heißt das noch lange nicht, dass in den Schulen auch mehr Lehrkräfte ankommen. Erst wenn die Einstellungszahlen den steigenden Ersatzbedarf deutlich übertreffen, ist wirklich was gewonnen", sagte Marlis Tepe, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), am Donnerstag in Frankfurt a.M.

Vor dem Hintergrund der drängenden Fragen bei der Beschulung geflüchteter Kinder und Jugendlicher ermunterte Tepe die Kultusminister, auch die Chancen der hohen Pensionierungszahlen zu sehen. "Wenn die Konditionen stimmen, lassen sich sicher viele dieser 'jungen Alten' motivieren, mit einem Teil-Lehrauftrag noch eine Weile weiter zu unterrichten. Der nächste Pensionierungstermin Ende Januar steht vor der Tür, da ist schnelles Handeln gefragt", betonte die GEW-Vorsitzende. Viele Länder haben in den vergangenen Monaten pensionierte Lehrkräfte angeschrieben, um sie dafür zu gewinnen, neu zugewanderte Schulkinder in Deutsch zu unterrichten.

Tepe erinnerte zudem daran, dass man die Pensionierungszahlen nicht mit der Gesamtzahl der altersbedingt ausscheidenden Lehrerinnen und Lehrer gleichsetzen dürfe. Rund jede fünfte Lehrkraft sei angestellt und nicht verbeamtet. Gerade in den östlichen Bundesländern verließen von Jahr zu Jahr mehr angestellte Lehrkräfte aus Altersgründen den Schuldienst. Allein in Sachsen, hier sind alle Lehrkräfte angestellt, steige die Zahl der ausscheidenden Pädagoginnen und Pädagogen von gut 700 in diesem Schuljahr auf jährlich rund 1.600 ab dem Schuljahr 2018/19.

Info: Das Statistische Bundesamt veröffentlichte heute aktuelle Zahlen zu Versorgungsempfängern. Darin wird für 2014 mit 27.900 Lehrkräften ein neuer Höchststand der Pensionierungen gemeldet.

In den meisten Bundesländern gehen Lehrkräfte mit Ende des Schulhalbjahres in Pension, in dem sie die Altersgrenze erreichen (überwiegend wie im Rentenrecht von 65 schrittweise auf 67 Jahre ansteigend). Eine Übersicht der gesetzlichen Regelungen findet sich unter dem Link in der Downloadbox rechts.

Die Zahl ausscheidender Lehrkräfte in Sachsen wird vom dortigen Kultusministerium wie unter diesem Link prognostiziert.