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GEW: „Hochschulreform nicht gegen, sondern mit den Beschäftigten!“

Studie zur Lage der Hochschulbeschäftigten im Europäischen Hochschulraum

07.05.2015

Berlin – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat Bund, Länder und Hochschulen aufgefordert, die Hochschulbeschäftigten bei der Umsetzung der Studienreform im Zuge des Bologna-Prozesses stärker zu unterstützen. „Reform der Curricula, Erstellung von Modulhandbüchern, Akkreditierung von Studiengängen, Evaluation der Lehre, eine immer intensivere Betreuung von immer mehr Studierenden – die Umsetzung der Bologna-Reformen bringt zusätzliche Belastungen für Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Lehrkräfte und Lehrbeauftragte. Die Kolleginnen und Kollegen engagieren sich hoch motiviert in der Lehre, doch auf Dauer können sie die zusätzlichen Aufgaben nur schultern, wenn sie aktive Unterstützung und Entlastung bekommen“, sagte Andreas Keller, stellvertretender GEW-Vorsitzender und Hochschulexperte, aus Anlass der Vorstellung einer neuen Studie zur Lage der Beschäftigten im Europäischen Hochschulraum am Donnerstag in Berlin.

Die Studie, die die Bildungsinternationale, die internationale Dachorganisation der Bildungsgewerkschaften, dem Bologna-Gipfel der europäischen Bildungsministerinnen und -minister am 14./15. Mai in der armenischen Hauptstadt Jerewan vorlegt, zeigt, dass die Hochschulbeschäftigten heute unter großem Druck stehen. Allein 59 Prozent der befragten Professorinnen und Professoren beklagen, dass ihre Arbeitsbedingungen schlechter geworden seien. 54 Prozent der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geben an, dass sich ihr Arbeitsaufwand durch die Anforderungen des Bologna-Prozesses erhöht habe. Für 78 Prozent der Befragten habe der Druck, Drittmittel einzuwerben, zugenommen. „Diese Befunde machen deutlich, dass es enormen Handlungsbedarf gibt. Hochschulentwicklung und Studienreformen können nicht einfach nur am grünen Tisch geplant, sie müssen auch umgesetzt werden. Dafür braucht die Politik engagierte Hochschulbeschäftigte vor Ort, und die Beschäftigten brauchen gute Arbeitsbedingungen“, betonte Keller.

Der GEW-Vize rief Bund, Länder und Hochschulen auf, das seit 2010 auf der Agenda des Bologna-Prozesses stehende Ziel, ein „förderliches Arbeitsumfeld“ für Hochschulbeschäftigte zu schaffen, ernst zu nehmen und wirksame Maßnahmen für deren Unterstützung und Entlastung zu ergreifen. „Der bürokratische Aufwand, mit dem die Bologna-Reformen verbunden sind, kann von den Lehrenden nicht einfach nebenbei erledigt werden – sie müssen durch qualifizierte Wissenschaftsmanagerinnen und -manager entlastet werden. Um neue Lehr- und Lernmethoden zu erlernen und weiterzuentwickeln, benötigen die Dozentinnen und Dozenten qualifizierte Fort- und Weiterbildungsangebote in der Hochschuldidaktik. Um die Kontinuität und Qualität der Lehre zu sichern und immer mehr Studierende immer besser zu betreuen, bedarf es mehr Dauerstellen – Professuren, aber auch unbefristete Beschäftigungsverhältnisse im akademischen Mittelbau“, machte Keller deutlich.

Von den europäischen Bildungsministerinnen und -ministern erwartete der GEW-Hochschulexperte, der Mitglied der Delegation der Bildungsinternationale in Jerewan ist, die Bildungsgewerkschaften als „Stimme der Hochschulbeschäftigten“ künftig auf Augenhöhe in Entscheidungen einzubeziehen. „Eine Reform lässt sich nicht gegen, sondern nur mit den Hochschulbeschäftigten erfolgreich umsetzen“, mahnte Keller.

Info:
Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung der Bildungsinternationale „Schaffung eines förderlichen Arbeitsumfeldes an Hochschulen“ und des im Auftrag der Max-Traeger-Stiftung erstellten deutschen Beitrags zur Untersuchung hat die GEW heute vorgestellt. Die vollständige Fassung des von Franziska Leischner, Humboldt-Universität Berlin, und Julia Rüthemann, Universität Mannheim, erstellten deutschen Beitrags kann unter dem Downloadlink in der Infobox rechts oben abgerufen werden.
Der deutsche Beitrag enthält auch eine Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse der europäischen Studie. Deren vollständige Ergebnisse sind auf der Website der Bildungsinternationale (in englischer Sprache) zu finden. Siehe zweiter Link in der Infobox.

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