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GEW: „Grundschullehrerinnen wie alle anderen Lehrkräfte bezahlen!“

17.03.2017

Bildungsgewerkschaft zum „Equal Pay Day“

Frankfurt a.M. - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat mit Blick auf den "Equal Pay Day" am Samstag die gleiche Bezahlung aller voll ausgebildeten Lehrkräfte angemahnt. "Entgeltgleichheit im Schulbereich ist überfällig. Wir fordern, dass alle verbeamteten Lehrkräfte nach A13 und Angestellte nach E13 bezahlt werden", sagte GEW-Vorsitzende Marlis Tepe am Freitag in Frankfurt a.M.

An Grundschulen unterrichteten zu 90 Prozent Frauen. Sie verdienten Monat für Monat deutlich weniger Geld als ihre Kolleginnen und Kollegen an anderen Schulformen. "Damit muss endlich Schluss sein", betonte Tepe. "Gleiches Geld für gleichwertige Arbeit muss auch im Schulbereich gelten." Rechtsgutachten bestätigten, dass die schlechtere Besoldung an Grundschulen Frauen mittelbar diskriminiert und damit gegen das Gleichstellungsgebot des Grundgesetzes verstößt. Unter dem Motto "JA13 - weil Grundschullehrerinnen es verdienen" fordert die GEW bundesweit unter dem Dach ihrer Initiative "Bildung. Weiter denken!", den Beruf der Grundschullehrerinnen aufzuwerten. "Lehrkräfte an Grundschulen leisten wertvolle Arbeit und legen den Grundstein für die Entwicklung aller Kinder", sagte Tepe.

Während Grundschullehrkräfte in allen Bundesländern nach A12 besoldet oder als Angestellte in die Entgeltgruppen (E) 10 bis 12 einsortiert sind, würden voll ausgebildete Lehrkräfte in der Oberstufe in allen Bundesländern nach A13 oder E13 bezahlt. In der Mittelstufe sei das Bild von Land zu Land unterschiedlich, so Tepe, aber auch hier wird überwiegend nach A13 bzw. E13 entlohnt. Für die ungleiche Bezahlung gebe es keine sachlichen Gründe. Schon lange absolvierten alle Lehrkräfte eine gleichwertige und in vielen Bundesländern auch gleichlange wissenschaftliche Ausbildung. Ihre Tätigkeiten seien - bei allen Unterschieden nach dem Alter der Kinder oder den Schulfächern und Schulformen - gleichwertig.

Handlungsbedarf bei der Bezahlung sieht die GEW auch mit Blick auf den steigenden Fachkräftemangel an Grundschulen. Schon heute fehlten vor allem an dieser Schulart qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer. "Der wachsende Anteil von Lehrkräften, der nicht für diese Schulform ausgebildet ist, ist besorgniserregend", sagte Tepe. Die Zahl der Anwärterinnen und Anwärter für das Grundschullehramt gehe seit Jahren deutlich zurück. "Für eine Aufwertung des Berufs durch eine gerechtere und bessere Bezahlung ist es also höchste Zeit", unterstrich die GEW-Vorsitzende.

"In Berlin hat man diese Ungerechtigkeit endlich erkannt und will handeln", sagte Tepe. Im Koalitionsvertrag sei verankert, voll ausgebildete Grundschullehrkräfte in A13 einzuordnen. Dieses Vorhaben werde nun auf den Weg gebracht. Damit übernehme Berlin die Vorreiterrolle. Argumente anderer Landesregierungen, die gleiche Bezahlung aus finanziellen Gründen nicht stemmen zu können, seien damit vom Tisch. "Berlin zeigt: Der Einsatz der GEW-Landesverbände lohnt sich", betonte Tepe. "Wir fordern die Landesregierungen auf, endlich tätig zu werden." Die GEW-Vorsitzende erwartet, dass 2020 alle Lehrkräfte mit universitären Bachelor- und Master-Abschlüssen und Referendariat mindestens nach A13 bzw. E13 bezahlt werden. Darüber hinaus sollten die Landesregierungen Stufenpläne erarbeiten, damit auch Lehrkräfte mit anderen Ausbildungen A13 erreichen.

Info: Der "Equal Pay Day" (EPD) ist der internationale Aktionstag für Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen. Er macht auf die geschlechtsspezifische Entgeltlücke aufmerksam, die in jedem Land unterschiedlich groß ist. Rechnerisch entspricht die Entgeltdifferenz in Deutschland von 21 Prozent einem Zeitraum von 77 Kalendertagen im Jahr. Symbolisch fällt der EPD diesmal auf den 18. März. D.h.: Bis zu diesem Tag arbeiten Frauen bei einem angenommenen gleichen Stundenlohn umsonst, während Männer schon seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden.

 

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